«We are Big Sexy Noise and it sounds like this», ranzt eine kleinere, pummelige Frau zu Beginn ihres Auftritts ins Mikrophon, ehe das Saxophon quietscht, die Gitarre sägt und das Schlagzeug treibt. Am Mikrophon: Lydia Lunch, die das versiffte und verruchte in ihrer Anti-Karriere seit über 30 Jahren zelebriert und auslebt.
Lunch flucht am letzten Abend des Saint-Ghetto-Festivals ins Publikum («Move out your white asses»), fordert die Männer auf, ihre Jacken auszuziehen («Show me what you got, bitch»), stellt klar, dass sie gegen den Krieg in «Pipelanistan» ist und jüngere Starlets wie «Britney ’White Trailer Trash’ Spears» über alles verachtet.
Das Schöne: Das rüpelhafte Verhalten ist bei Frau Lunch in all den Jahren noch nicht zur Selbstparodie verkommen, denn der lächelnde Schalk brach den fordernden Blick und die Pose der Männerverschlingerin auf. Kurz, Frau Lunch ist würdevoll gealtert und war eine wirkungsvolle Abrissbirne für das Getto, das während den drei Tagen von Aussenseitern und hochgradig künstlichen Figuren bevölkert wurde.






wortauf, herr sartorius. beim youtübeln findet man leider hauptsächlich mitschnitte, die wiedergeben, was sie in den ersten beiden abschnitten beschreiben. was nicht der fehler von big mama lunch, sondern von youtube und unseren handys ist. es gibt allerdings auch ausnahmen ausnahmen – und da wird aus den interviewpassagen denn auch deutlich, wie klar frau lunch die dinge sieht. wie überhaupt ein grosser teil des festivals perfekter anschauungsunterricht in haltungsfragen war. rückgrat und so. positionen und dergleichen.
lesehinweis für oben: eine ausnahme reicht.
So, jetzt noch mit einem anständigen Bild. Und bedankt, Herr Palermo, auch für Speis und Trank.
war ein vergnügen, herr sartorius. und anständig in der tat. sieht ja schon fast nach chansonabend aus. wenn da nicht dieser gitarrist im hintergrund wäre.