Nach der phänomenalen Freitagnacht in der Dampfzentrale, an dem alle Programmbrüche so stimmig zu einem Ganzen geführt haben, hatte es der zweite Saint-Ghetto-Festivalabend notgedrungen schwer.
Der 62jährige Ghédalia Tazartès, eine Aussenseiterfigur der ehemaligen Avantgarde, bestritt mit zwei jungen Elektroniker den Anfang des Abends. Seine Stimmenimitationen bastelten Welten, vom Maghreb über die mongolische Steppe bis hin zu den Liedmysterien des späten Scott Walker, die die beiden Computermenschen Jo Tanz und él-g mit zirpenden Klängen untermalten. Und als das behutete und eindrückliche Mandli Tazartès zum Schluss des Auftritts «Amazing Grace» dekonstruierte und mit dem Akkordeon die flanierenden Chansons streifte, dann verschränkte sich der zu introvertierte Klangteppich endlich mit den abstrakten Liedwelten.
Zum langen, zu langen Liedprogramm luden im Anschluss Little Annie und ihr Pianist Paul Wallfisch. Die glubschäugige Little Annie mit den prekären Absatzschuhen tänzelte in den Turbinen-Tanzraum und inszenierte eine Art Geschichte des Entertainertums mit Fokus New York, einer hinreissenden Version des Scott Walker-Klassikers «Such A Small Love» und, zum Schluss, einer walzernden Adaption des privaten Tänzers von Tina Turner. Eine eigenartige, gebrochene Kunstfigur in diesem Festival der gebrochenen Figuren.
Zum Schluss des Abends folgte mit Cobra Killer der Absturz ins inhaltleere Spassquartier. Die Marshall-Verstärker wurden von den beiden Frauen zwar effektvoll und gitarrenlos bedient, der dilettierende Playback-Electro-Clash, der auf den älteren CDs charmant und collagiert daherkommt, verpuffte allerdings wirkungslos im Stroboskop-Raum, während Gina V. D..Orio und Annika Line Trost ihre Männerphantasie-Show ungerührt abwickelten. «Ranziger Hafenkäse», leider.
Das Saint-Ghetto findet heute seinen Abschluss mit den Auftritten von Lydia Lunch und ihrer Band Big Sexy Noise sowie Philippe Petit und James Johnston.







In der Tat, Herr Sartorius, das war ein inhaltsloses Machwerk der beiden Cobras. Schauen wir, ob Lydia Lunch die Sache heute abend wieder in Ordnung bringt.
Abrissbirne Lydia Lunch hat die Sache wieder schwer in Ordnung gebracht, muss man sagen. Bald mehr dazu und messi.
wollte hier mal ganz kleinlaut vermerken,dass cobra killer zu den ganz großen bands unseres jahrzehnts zählen.ich durfte sie in den letzten jahren des öfteren bestaunen und wurde immer überrascht.an diesem 2. abend des festivals musikalisches highlight,dass mir nach dem viel zu langen little annie konzert wieder bewusst machte,weswegen ich eigentlich kam.ich bedanke mich beim saint ghetto festival für einen ( für mich ) sehr gelungenen und keinesfalls inhaltsleeren abend.