Die Entstehung des heiligen Gettos, unten an der Aare: Für diese sorgten am Auftaktabend des Musikfestivals Saint Ghetto in der Dampfzentrale ein lustiger Franzose, eine Transsexuelle, sechs heilige Narren und eine Feuerstelle, die die Raucher bis tief in die Nacht erwärmte.
Ein reiches Eigenbrötlertum war da zu bewundern, angefangen bei einem Herrn namens André Duracell, der seinem Nachnamen die Ehre erwies. Sein Schlagzeug wurde via Tonabnehmern mit dem Laptop gleichgeschaltet, so dass er mittels den Schlägen die Dynamik seiner Commodore 64-Sounds steuerte und übersteuerte. Eine lustige Kreuzung zwischen den krachenden Lightning Bolt und dem elektronisch-flirrenden Dan Deacon.
In der Mitte des Abends wurde es still, als im Sitztribünen-Turbinensaal die transsexuelle Sängerin Baby Dee ihren Platz am Flügel einnahm. Moritate spielte sie, «sad songs» und «love songs», gesungen in einer windschiefen Stimme, die wenig vom engelhaften Ausdruck des einstigen Weggefährten Antony hat wie auch die Lieder noch zu ausfransend und kaum dringlich sind. Zwischen den Liedern lachte die hart-trinkende Baby Dee maliziös und theatralisch auf und entwickelte ein lohnenswertes Spiel mit dem Dilettantischen, dem Könnertum, dem Übersteigerten und dem Berührenden.
Die Könige des Gettos, das waren an diesem Abend allerdings Die Goldenen Zitronen, die ihr Konzert mit dem dunklen Schamanen-Instrumental «Die Entstehung der Nacht» vor einer Blair-Witch-Project-Videomontage eröffneten. In seidenbemalten Narrenkostümen, die aus dem Kostümfundus des Sun Ra Arkestra stammen könnten, spielte das Kollektiv um Ted Gaier und Schorsch Kamerun fortan ihre wuchernde Referenz-Musik. Eine wütende und lustige Referenz-Musik, die durch die reflektierte Antihaltung der Zitronen gebündelt wird und zu so grossartig vorgetragenen Liedern wie «Wenn ich ein Turnschuh wär» und dem blockflötelnden «Wir verlassen die Erde» führte. Kurz, «es ist alles gut.»





ich werde es auch heute leider ziemlich sicher nicht in dieses ghetto an der aare schaffen. dafür hab ich hier etwas für sie alle:
wunderbar, herr gnos, wunderbar. und der erste ghetto-abend: heilig in der tat. gefühlte grossstadt, dieses bern, haha.
off topic: die neue daniel johnston ist auch ein vergnügen.
Ich war im Wasserwerk, bei The Bianca Story. Allerdings nur für ca. 4 Songs, war zu müde (Konzert hat erst um 0.20 begonnen. Eine unnötige Sache, wie mir scheint. Aber vielleicht werde ich auch einfach langsam zu alt.)