Blogs


Die Rave-Kinder sind wohlauf

Von Benedikt Sartorius am Sonntag, den 18. Oktober 2009, um 07:02 Uhr

Die Frequenzen oszillierten im roten Bereich, die verzerrten Sounds waren komprimiert und stammten teilweise aus dem Game-Boy und verwandten Casio- und Midi-Gerätschaften, die die Fuck Buttons am Samstagabend im Bad Bonn zu Düdingen bespielten. Dieses Duo aus Bristol gedachte dem euphorisierenden Rave, allerdings in der Spielart der jüngsten 00er-Jahre. Das erinnerte dann schön an das weit raffiniertere Animal Collective wie vor allem aber an Dan Deacon, der die jugendlichen US-Ohren mit seinen Sounds fröhlich zu lasern vermag.

Die Fuck Buttons im Bad Bonn

Die ambiental-brachiale Tanz-Musik der Fuck Buttons, die zeitweise mit hippiesken Trommelfreakouts angereichert wurde, polarisiert, vor allem dann, wenn die CD zu beurteilen ist. Das lesenswerte, doch gerade was Pop angeht, zu schnöd-elitäre The Wire schrieb in der letzten Ausgabe von einem Album mit einer «completely flat dynamic», das kaum nachhaltig ist. Das mag im Wohnzimmer stimmen.

Im Club ohne Lautstärkebegrenzung, dort, wo diese Musik herkommt und hingehört, passte aber alles aufs Freudigste – mit Ausnahmen der Nebenwirkungen, die mich in den kommenden Tagen, freundlich im Ohr piepsend, begleiten werden.

Und: Die Wanderung zum Bad Bonn über die scheu schneebedeckte Strasse, mitsamt Nebel und dann und wann aufbrechendem Sternenhimmel, nahm die Stimmung des Spuk-Lynch-Rock der Vorband namens HTRK schön vorneweg.

5 Kommentare zu „Die Rave-Kinder sind wohlauf“

  1. Herr Sartorius

    Guten Morgen.

    Apropos Acid und verwandte Stoffe:

    Und aber auch vor allem und immer noch hier: http://3voor12.vpro.nl/speler/luisterpaal/42616064#luisterpaal.42616064

  2. signora pergoletti

    Apropos Acid-Kids denen es wieder gut geht:

    Letzte Woche wars wieder einmal soweit, auf Couleur 3 wird grade ein Song rauf und runter gespielt, bei dem man das Radio einfach aufdrehen MUSS. Für alle Verknallten, heimlichen Hippies und solche, die in den späten 80ern auch mal sowas leicht peinliches wie die Waterboys verehrten:

    http://www.youtube.com/watch?v=rjFaenf1T-Y&hl=de

    Die Liveclips sind auch sehr schön: Freakzentrale rules! Beim Sänger handelt es sich um die eine Hälfte der Elektro-Punker IAM ROBOT, der nach einem Totalabsturz offenbar in sich reingehört und sich einen Bart wachsen lassen hat, und nun in langen Hemden steckend recht Jesusmässig verklärt mit einer Horde Langhaariger auf den Bühnen amerikanischer Folkfestivals herumhüpft, unter dem Namen Edward Sharpe and the Magnetic Zeros. Eventuell etwas peinlich. Aber der Song ist echt sehr schön! Viel Spass.

  3. signora pergoletti

    …und hier noch ein schöner Artikel zu E. Sharpe and the M. Z.

    http://www.laut.de/lautstark/cd-reviews/e/edward_sharpe_the_magnetic_zeros/up_from_below/index.htm

  4. Herr Sartorius

    Danke sehr, werte signora, dann sollte ich wohl wiedermal Radio hören.

  5. eddie c. palermo

    a propos titelzeile: schöne zeiten, in denen sich auch wirtschaftsnobepreisträger darum kümmern, ob die kinder “wohlauf” oder “wohl auf” sind. die kinder? na ja gut, die banken, um genau zu sein. aber referenzbewusstsein doch eindrücklich.