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Eine Familienangelegenheit

Von Nicolette Kretz am Samstag, den 30. Mai 2009, um 14:30 Uhr

Es gibt Aufführungen, über die es schwierig ist zu schrieben, weils ausser «na ja» nicht viel zu sagen gibt. Und bei anderen weiss man gar nicht erst, wo anfangen, weil es so vieles gibt. «Pate I-III» von Far A Day Cage, das derzeit in der Gessneralle in Zürich läuft ist von letzterer Sorte.

Man kann sich fragen, wieso man eine Filmtrilogie auf die Bühne bringen soll, und erst noch eine, die so stark von filmischen Mitteln lebt. Doch natürlich machen der Regisseur Tomas Schweigen und sein Team viel mehr als, die Filme nachzuspielen. Sie switchen immer wieder von ihren zahlreichen Paten-Rollen in die Rolle der Theatermacher, der Filmfreaks, der Gastgeber. Mal erklären sie was in der aktuellen Szene gerade vor sich geht, mal kochen sie für die Gäste (also uns) Pasta. Wie sie dabei von der einen Ebene in die andere gleiten, ist geradezu meisterhaft.

In der Mitte mit Schnauz: der Schauspierl Jesse Inman. Die ganze Filmebene wird mit dem englischen Originaltext gespielt. Neben den Schauspielern übernehmen auch der Bühnenbildern, der Lichtdesigner, sowie die Regieassistentin einzelne Rollen und Schweigen tritt als sich selbst und quasi als Familienoberhaupt der Inszenierung auf. Unsere blogeigene Signora Pergoletti übernimmt dabei übrigens (fast) sämtliche weiblichen Rollen. Alle spielen sie zum Niederknien gut, zeihen sämtliche Register der aktuellen Schauspielkunst, und man wünscht sich, es würde nie enden.

Enden tuts dann aber doch und zwar an einem riesigen Tisch, wie es sich gehört für grosse Familienangelegenheiten. Alle sind satt, leicht angetrunken und wollen nicht so recht nach Hause. Also spielt die Band noch ein Letztes.

3 Kommentare zu „Eine Familienangelegenheit“

  1. pauli

    Werte Frau Kretz. Ich als Theatermuffel wollte schon wieder umkehren, als ich hörte, dass das Stück 3,5 Stunden dauert. Aber weit gefehlt. Tolle Inszenierung, Gut gespielt. Beste Unterhaltung. Viele Überraschungen.

    Was ich mich aber noch gefragt habe: Um was geht das Ganze? Was hat das mit mir zu tun?

    Zugegeben, bei Musik fragt man sich das auch nicht.

    Wie sehen Sie das?

  2. Nicolette Kretz

    Zugegeben, das hab ich mich auch gefragt, Herr Pauli. Hat das eine Relevanz? Oder ist es bloss Rumgeblödel auf sehr hohem Niveau?

    Nun, einerseits gehts natürlich um Klügel-Strukturen in unserer Gesellschaft. Für diesen Punkt könnte man ja auch einfach die Filme schauen, aber Far A Day Cage erzeugt eine Steigerung, in dem sie dieses Thema auf von der Corleone- auf die Coppola auf
    die FADC-Familie transponieren.

    Die Diemension, die mich allerdings viel mehr interessiert hat, ist die Absurdität von Kult(filmen), die einem hier vor Augen geführt wird. Mir wurde so richtig schön unverständlich, wieso diese Filme erfolgreich werden konnten.

  3. signora pergoletti

    Das ist interessant! Mir wurde so richtig schön verständlich, warum die Filme so erfolgreich sind. Ganz im Ernst.

    Es geht um Familie, um Macht, um die Frage, was unsere Gesellschaft zusammenhält. Und natürlich ist es ein Riesenspass. Den allerdings zum Beispiel die Regisseurin Meret Matter als griechische Tragödie bezeichnete, bei der man sich keinen Augenblick fragt, warum man das macht. So verschieden sind die Leut.

    Jedenfalls danke für die Blumen!!