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Einbruch der Realität

Von Nicolette Kretz am Dienstag, den 19. Mai 2009, um 14:06 Uhr

Das Berliner Theatertreffen ging nun gestern zu Ende, und es gibt wenig Herausragendes zu berichten. Alles verlief wie immer, inklusive der Juryschlussdiskussion, bei der es jeweils primär darum geht, wieso dieses und das nicht eingeladen sei, wieso die Provinz fehle, wieso die Jungen, und ob es gerechtfertigt sei, dass jemand (Jürgen Gosch) gleich mit zwei Inszenierungen vertreten sei. Dieses Jahr wurde die Jury zusätzlich dafür angegriffen, dass sie eine Produktion eingeladen hatte, die gar nicht nach Berlin transportiert werden konnte, da sie site-specific im Hotel Waldhaus Sils-Maria verankert war.

Joachim Meyerhoff (Bild: Reinhard Werner)Erwähnenswert ist, dass die drei Produktionen die Gemüter erregen, bei denen ein ganz deutlicher «Einbruch der Realität» (wie Hans-Thies Lehmann das nennt) stattfindet, die Produktionen also, bei denen als Hauptreferenzebene nicht (nur) ein Drama dient, sondern die Realität. Das war einerseits Schlingensiefs Verarbeitung seiner Krebserkrankung in «Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir», Joachim Meyerhoffs autobiographischer mehrteiliger Monolog «Alle Toten fliegen hoch I-III» und Volker Löschs «Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?» mit einem 25-köpfigen Chor von Hartz-IV-Empfängern.

Davon hat mir besonders Meyerhoffs Monolog gefallen. Mit ganz wenigen, präzise platzierten Kniffen macht er diesen fünfstündigen Abend von einer Autorenlesung zu einem Theaterabend. Vom wunderbaren Text ganz zu schweigen!

2 Kommentare zu „Einbruch der Realität“

  1. Herr Sartorius

    Hier noch der Rückblick aus dem heutigen «Bund».

  2. Nicolette Kretz

    ah besten Dank für die Verlinkung, Herr Sartorius.
    schön, da sind ja Herr Hunziker und ich nicht ganz gleicher Meinung. ich muss allerdings vielleicht noch dazu sagen, dass ich diese Gosch’sche «Möwe» aus dem 2. Rang gesehen hab. Plätze, die man eigentlich nicht verkaufen dürfte, wenn man die Bühne vor den Guckkasten, in den Zuschauerraum ragend baut! man könnte doch annehmen, dass die sich damals beim Bau des Gebäudes was gedacht haben! jedenfalls kenn ich jetzt die Scheiteln des DT-Ensembles sehr gut. nur lassen sich über Scheiteln nicht so gut Emotionen vermitteln. an um die gings glaub in der Inszenierung.