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Popmusikgeschichtslektion

Von Benedikt Sartorius am Freitag, den 19. September 2008, um 11:24 Uhr

Mit Freunden Platten zu hören, zu diskutieren und kommentieren, dazu zwei Flaschen Wein: Was schöneres gibt es kaum, auch wenn die eine oder andere Peinlichkeit dabei entdeckt wird.

Schriftsteller, Radio-DJ und F.S.K-Mitglied Thomas Meinecke traf den Soziologen und zumindest im Popkulturmagazin Spex als Filmkritiker tätige Klaus Theweleit. Was sie im Schlachthaus im Rahmen der Biennale taten? Genau, Platten hören, kommentieren, trinken.

Meinecke und Theweleit im Banne von Sun Ra

Der Schwerpunkt am gestrigen Abend lag nicht unerwartet auf den Black Eccentrics, den Aliens der schwarzen Popkultur. Theweleit widmete sich ganz und gar dem grossen Ausserirdischen Sun Ra, kommentierte mit heiserer Stimme weitläufig die verschiedenen Facetten des Sonnen-Sonnengottes vom Saturn, während Meinecke die eine oder andere Techno-Platte dazwischen schob und launig und prägnant das Wesen des Afro-Futurismus formulierte: Diese Musiker, die sind überhaupt nicht und nirgends zu Hause.

So zottelte das bis zu dreissig Musiker zählende, kommunenartige Sun Ra Arkestra in Karnevalskostümen von Festival zu Festival, «queer codiert», wie Meinecke sagte, um gleich nach dieser Mutmassung die Hymne der Regenbogengeneration, «Somewhere Over The Rainbow», als Motiv beim 1993 verstorbenen Pianisten vorzuspielen.

Ob die angesagte Disco dann doch noch in Gang kam, wage ich im Anschluss an diese wertvolle Vorlesung, die die Nachbarschaft von Freejazz und Techno nachzeichnete, allerdings doch zu bezweifeln.

Einschlägige Literatur zum Thema Afro-Futurismus:
Kodwo Eshun: Heller als die Sonne, 1999.
Diedrich Diederichsen (Hg.): Loving The Alien, 1998.

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