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Gesundheit!

Von Manuel Gnos am Montag, den 5. Mai 2008, um 12:08 Uhr

Wir bitten kurz um Ihre Aufmerksamkeit, werte KSB-Leserinnen und –Leser. Denn die SDA hat uns in diesen Augenblicken folgendes mitgeteilt: «Aus dem ehemaligen Stadtberner Progymnasium wird ein Gesundheitszentrum. Neben Praxen für Haus- und Spezialärzte werden auch ein Gastrobetrieb und kulturelle Nutzungen Platz finden. Derzeit wird der Progr als Atelier- und Projektwerkstatt genutzt.»

Ärzte verdrängen die Kultur im Progr. (Bild Manu Friederich)

Im Gebäudeteil zum Waisenhausplatz entsteht das Gesundheitszentrum. Im Nordflügel wird ein Studienzentrum für Pädagoginnen und Pädagogen mit Schwerpunkt Musik, Gestaltung und Bewegung geschaffen. Hof, Turnhalle und Aula beherbergen ein Bistro und werden für diverse kulturelle Projekte zur Verfügung stehen.

Ob die neuen Investoren Interesse an einer Verlängerung der Zwischennutzung haben, bleibt nach Angaben der Stadt noch abzuklären. Die Stadt will jedenfalls am 1. August 2009 das Gebäude an die Investoren übergeben, wie sie in ihrer Mitteilung klarmacht. Sie will die Kulturschaffenden aber bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten unterstützen. Im Februar 2009 kommt die Vorlage noch vors Volk.

Danke für Ihre Geduld. Nun dürfen Sie zurück zu dem, was Sie vorher gemacht haben – oder Sie kommentieren in den Kommentaren.

22 Kommentare zu „Gesundheit!“

  1. Herr Weber sagt:

    Jetzt wird die Kultur gesund! So extrem war das Rauchverbot allerdings nicht gemeint…

  2. Bonfire sagt:

    Ist jetzt so eine Lösung, wo man nicht richtig dagegen sein kann, wie wenn ein Supermarkt gekommen wäre. Aber begeistern tut sie auch nicht. Wenigstens scheint die Turnhalle erhalten zu bleiben. Frage dazu: Wird Bee-Flat weiterhin dort veranstalten dürfen?

  3. bunny sagt:

    Die Frage ist, was für “kulturelle Projekte” in diesem Rahmen noch möglich sind! Tatsache ist, dass dort, wo heute KünstlerInnen arbeiten, demnächst Ischiasnerven gepflegt werden. Da tut mir jetzt schon der Rücken weh! Es lebe der PROGR!

  4. aua sagt:

    Wird Bern von der Kulturstadt jetzt zur Wellnessoase? Eigentlich sollte sich die Stadt mit dem schmücken, was im PROGR aufgebaut wurde. Schade, dass sie die Kulturschaffenden nur als Lückenbüsser missbraucht hat!

  5. passiver attacker sagt:

    das passt doch bestens zur neuen berner kultursekretärin.

  6. bypass sagt:

    So absurd es klingt: Die Situation für KünstlerInnen und Kulturschaffende müsste sich so verschlechtern, dass sie zu den Gruppierungen der Randständigen gehören. Dann würde man sich darum kümmern, dass sie im Stadtzentrum in möglichst komfortabler Lage arbeiten können. Die ordentliche (Zwischen-)Nutzung eines Gebäudes, ein netzwerkorientiertes Konzept und die positive Belebung dieser Berner Ecke scheinen nicht gesellschaftsfähig zu sein.

  7. haua sagt:

    alreal – diese GU mischt unterdessen (und v.a. auch in ZH) überall dort mit, wo es darum geht aus innovativen und experimentellen flächen, gewinnmaximierende projekte hinzustellen. und architekten wie bauart (berner, oft gelobt, aber schon fast idealtypisch für viele berner architektur-büros) sind sich nicht zu blöde, hand zu bieten. waschen tun sie sie dann in unschuld – herzog & demeuron in china lassen grüssen…!

  8. quartierdiva sagt:

    uiuiui, das wird eine gspürige geschichte im progr. sie haben recht bonfire, da kann man ja nicht dagegen sein – ist sicherlich schlecht für’s karma. lassen wir aber das karma beiseite, ist es schon eine sehr, sehr laue lösung. also, ich bin total karmaschädigend überhaupt nicht zufrieden!!

    so, jetzt gehe ich in die stadt und helfe einem alten herrn über die strasse und eine gestresste managerin lasse ich mit einem lächeln vordrängen an der kasse – das sollte mir die verlorenen karma-punkte hoffentlich wieder zurückgeben …

  9. Besserwisser sagt:

    Immerhin ein Entscheid. Immerhin ein Kompromiss. Immerhin noch Kultur. Immerhin.

  10. mimi sagt:

    dieser entscheid macht mich fast ein bisschen sauer! was soll das eigentlich? jaja, wenn sich im progr ärzte und dergleichen einmieten kommt viel geld rein… und die trunhalle wird dann anscheinend von der brauerei felsenau ag geführt.. tolle sache momol… und wo bitte finden sich so viele neue ateliers für die kunstschaffenden? hallo? ahhh: die müssen dann die teuren artzpraxen mieten, die dann frei werden…eigentlich macht mich dieser entscheid nicht nur ein bisschen sondern sogar wirklich sauer. aber wenn ich mich genug aufrege dann werde ich vielleicht krank und dann hätte ich ja einien grund wieder in den progr zu gehen..
    pfui!

  11. Herr Gnos sagt:

    das passt doch bestens zur neuen berner kultursekretärin.

    grosses querverbindungs-tennis, werter herr passiver attacker! wie wärs dann mit dr. house als leiter der kulturagenda? und dr. doug ross übernimmt die leitung des kunstmuseums.

  12. passiver attacker sagt:

    genau herr gnos!
    und ihn als neuen stapi:

  13. Herr Gnos sagt:

    lebt der noch?

    aber zurück zum ernsten teil: die stadt ist dabei, einen geeigneten ersatz für den progr zu finden. der wiederum war von beginn weg als übergangslösung deklariert. das jetzt zu beanstanden, ist mir ein bisschen zu einfach.

  14. quartierdiva sagt:

    ja, stimmt schon herr gnos. aber kein grund sich nicht trotzdem ein wenig vor den scharen von hömeopathen, bewegungstherapeuten und pädagogen zu fürchten, die sich die turnhalle unter den nagel reissen werden…

  15. Lars L sagt:

    Wie ich höre, interessieren sich bee-flat und Turnhalle für weitere Nutzung – fragt sich wohl nur, zu welchen Bedingungen.

    Und wie ich weiter höre, könnte es durchaus sein, dass die Investoren die Kultürler noch bis Sommer 2010 drin lassen – weil besser billig gefüllt als leer und doch besetzt…

  16. zuffi sagt:

    Ich kann mich Herrn Gnos’ Meinung anschliessen. Das Ganze war ja von vornherein keine endgültige Lösung.
    Es wurde wohl das Maximum herausgeholt: das Projekt hat so gut funktioniert, dass sich die Stadt nun nach Ersatz umschaut.

  17. Natischer sagt:

    Also wenn ich mich recht erinnere, waren die hömeopathen, bewegungstherapeuten und pädagogen bei meinem letzten Besuch im Progr auch schon da.

  18. dr. nat. oec. sagt:

    Offenbar gibt’s in den Städten immer noch zu wenig Arztpraxen. Das wird wohl noch die letzten Landärzte in die Stadt locken. Bald wird auch noch der Ärztestopp aufgehoben und ich freu mich schon jetzt auf den Zulauf von geldgierigen, gewinnoptimierten Weisskitteln aus der EU. Ob die dann für die Quersubventionierung der Kultur bereit sind, Miete zu zahlen, scheint mir höchst fragwürdig. Insbesondere wenn die Allreal mitzockt. Das rechnet sich dann auch für’s Steuerkässeli der Stadt. Ob dies zur Attraktivität der Stadt beiträgt und Gäste anlockt?

  19. solyte sagt:

    Naja, vor “Zulauf von geldgierigen, gewinnoptimierten Weisskitteln aus der EU” muss man sich jetzt doch weniger fürchten. Eigentlich ist die Lösung doch die beste Methode überhaupt, damit die Berner und sich bleiben können.
    Ich finde die Lösung sehr erstaunlich und und auch bedauerlich. Die Stadt findet zu ihrem olivgrünen Taint zurück. Ich hoffe, dieser Rückschlag entmutigt nicht all jene, denen das Bestehen des Progr in seiner (noch) jetzigen Form zu verdanken ist, so dass aus der Alternativlösung in irgendwelchen Alternativräumen wieder etwas Luft zum Atmen in diese Stadt weht.

  20. Esel sagt:

    Die Umnutzung des Progrs war abzusehen. Ob Gesundheitspraxis oder Schuhe spielen da keine Rolle. Auch wenn sich der Progr eine ausgeprägte plurale Identität angeeignet hat, werden wohl selbst die Nichtraucher und Mineralwassertrinker, die ab und zu etwas ganz Tolles erleben wollen, in einem Gesundheitszentren die Atmosphäre für Jazz/ oder ähnlichem nicht mehr wiederfinden. Die Qualität der geistigen Tätigkeit ist vielleicht etwas höher, ob sich dann sinnlich noch etwas bewegt ist fraglich. Tragisch ist nur, das die Stadt sich in letzter Zeit nicht unbedingt mit tatkräftigen Entscheiden zurückgehalten hat. Das Stadtbild ändert sich in vielfältiger Weise. Für eine ernsthafte Absichtserklärung für die Kunstschaffenden im Progr hat es dann aber doch nicht gereicht. Gemessen an Trams, Theater, Hochhäuser und Shoppingzentren, sind die Kulturschaffenden dann doch nur (lammfrohe) Aussenseiter.

  21. Paragraphenreiter! sagt:

    Ja, immerhin, ist man versucht zu sagen, immerhin bleibt die Turnhalle und beeflat (laut Bund).

    Irgendwie hab ich doch das Gefühl, dass das mehr ein cleverer Schachzug ist um diejenigen Gemüter zu beruhigen, die sich zu schade sind länger als ein paar Sekunden mit dem Thema zu befassen – was wohl für die meisten Progr- und Turnhallebesucher gelten wird, ganz bestimmt jedoch für die Mehrheit des Stimmvolkes.

    Die Turnhalle bleibt nicht dasselbe, wenn sie nicht Hauslokal einer ganzen Horde von Kreativen ist, umgeben von Ideen und Witz und kultureller Aktivität. Wir Besucher aus der Aussenwelt profitieren vom Resultat dieser Atmosphäre, was es nach meiner Einschätzung erst möglich gemacht hat, dass der Progr zum Treffpunkt einer ganzen Bevölkerungsschicht werden konnte.

    Klar gilt das Argument, dass die Nutzung von vornherein ein Provisorium war. Dieses Provisorium hat jedoch zu einer solchen Fülle und lustvollen Explosion kultureller Aktivität und Kreativität geführt, dass zum Beispiel in meinem persönlichen Fall (und ich bin da keine Ausnahme) die Anzahl besuchter Veranstaltungen in Bern allgemein exponentiell gestiegen ist. Die Begeisterung und der Erfolg der gelieferten Resultate sollten es eigentlich möglich machen, dass sich die Berner dafür einsetzten, ein so richtungsweisendes und international wirkendes Kulturzentrum beizubehalten. Da die Erwartungen übertroffen wurden und die Produktivität und die Qualität der Resultate so aussergewöhnlich hoch sind, sollte Flexibilität gezeigt werden und das Vorgehen den Tatsachen angepasst werden.

    So, das ist jetzt ein langer Beitrag, aber Bern braucht den Progr, und bei den steigenden Gesundheitskosten bestimmt nicht noch mehr Angebot in dem Bereich.

  22. wassolldenndass? sagt:

    Der eingeschlagene Mittelweg trennt nicht nur die erfolgreichen BetreiberInnen sondern vernichtet ganz nebenbei die grosse Vitalität. Der grosse rote Teppich wird ausgerollt, jedenfalls wird der Vorplatz rot bepinselt. Brauchen wir das? Gesundes Müsli statt Kreativität, perfektioneller Bau mit kulinarischen Hochgenüssen statt einfache gute menschliche Atmosphäre. Die Übernahme der Felsenau gleicht dem Aktienschlamassel der Finanzmärkte – Marktteile erobern um jeden Preis. Progr macht genug gesund, sollen die Gesundheitszentren sich zum Stadtrand bewegen. Die Kehrichtverbrennung lässt grüssen. Progr eine Macherkultur wird in eine publikumsorientierte Passivkultur verwandelt. Nein – kein Mittelweg, ein schlecher Weg…..jetzt brauch ich bald mal einen Arzt….this is ALLREAL