Von Manuel Gnos am Freitag, den 30. Juli 2010, um 07:00 Uhr

Chäs-Bueb, dick eingepackt

Nach dem Auftritt von Kutti ist der nächste erfolgreiche Berner Musikexport zu Gast bei Showtogo.ch, der Schweizer Version der so heiss geliebten Concerts à emporter.

Das Video, das in diesen Tagen aufgeschaltet wurde, ist bereits letzten November entstanden – bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, weshalb der Barde aus dem Oberland auch so dick eingepackt durch die düsteren Gassen rund um den Zytglogge zieht (zum Beispiel am «Chäs-Bueb» vorbei) und tut, was ein Barde eben tut: singen und Gitarre spielen. Aber sehen Sie selbst:

Weitere Videos vom selben Dreh gibt es hier zu sehen.

Von Nicolette Kretz am Donnerstag, den 29. Juli 2010, um 07:00 Uhr

Performatives soziales Netzwerken

Was Myspace für die Musik ist, ist Facebook für die szenischen Künste geworden – wenigstens zu einem gewissen Grad. Kaum ein festes Haus oder eine freie Gruppe, die keine Fanpage betreiben, kaum ein Veranstalter, der kein Profil hat. Die Event-Funktion wird verwendet, um rechtzeitig über Vorstellungen zu informieren, auf der Wall werden Youtube-Videos von aktuellen Projekten verbreitet oder Probefotos werden hochgeladen – und vor allem wird wie wild genetworkt. Es ist viel einfacher geworden, die Übersicht zu behalten, wer wann wo an welchem Festival spielt, wer wann wo Premiere hat, weil man dazu nur noch seinen Facebook News Feed öffnen muss, statt zwischen zig Websites hin und her zu surfen.

Contemporary PerformanceDies hat auch der Blog Contemporary Performance entdeckt. Dieser informiert mit einer erstaunlichen Internationalität über einige Höhepunkte der Performing-Arts-Szene. Festivals werden beschrieben, Gruppen porträtiert und Bücher rezensiert. Erstaunlich ist vor allem die Kombination von amerikanischen und europäischen Themen, welche in andern Fachpublikationen nicht in solchem Masse zu finden ist. So liest man unter den letzten Beiträgen zum Beispiel einen zur kanadischen Gruppe Small Wooden Shoe neben einem zum Internationalen Sommerfestival Hamburg.

Der Blog, den es seit einem Jahr gibt, war schon von Anfang an stark mit Facebook verbunden und vor kurzem hat er nun sein eigenes Social Network gegründet. Der Blogbetreiber Caden Manson, seines Zeichens Gründer und Regisseur der New Yorker Big Art Group, schreibt dazu:

«We’ve been wanting to find a way to connect all of the talented readers and artists that visit the blog and make it simpler for you to share your work. …We hope you will think of this new network as a global festival hub. A place where artists, curators, festivals, and scholars can come together to share there work, make acquaintance, and collaborate. Please join and post your events, images, videos and blogs.»

Ob es neben Facebook ein gesondertes Fach-Netzwerk braucht, wird sich zeigen. Die Seite hat jedenfalls in seinen ersten drei Wochen bereits über 300 Mitglieder akquirieren können und täglich werdens mehr – wie auf Facebook berichtet wird.

Von Manuel Gnos am Mittwoch, den 28. Juli 2010, um 11:57 Uhr

Vorhersehung (2): Dachstock

Die Reitschule ist im Moment in erster Linie in den Medien, weil wir wieder einmal über eine Initiative zu ihrer Zukunft abstimmen werden dürfen. Das ist dann am 26. September 2010 aktuell. Tragen Sie sich das Datum also schon mal dick in die Agenda ein. Davor und danach gibts viel Kultur im Bau neben dem Eisenbahnviadukt. Zum Beispiel im Dachstock, einem meiner liebsten Konzertorte unserer Stadt. Und wie erzählt wird, wurde über die Sommerpause hinweg kräftig aufgerüstet.

Die Berner Reitschule mit dem Dachstock-Balkon. (Der Bund)

Die Berner Reitschule mit dem Dachstock-Balkon. (Der Bund)

Das Programm ist sicherlich noch nicht vollständig. Ein Highlight hab ich aber schon gefunden: La Brass Banda, die bayrische Antwort auf Attwenger. Und Herr Sartorius flüstert mir grad vom Pult gegenüber zu, dass Shellac eine grandiose Live-Band seien. Aber sehen Sie selbst!

18.08.2010 – Portugal. The Man (USA)
27.08.2010 – C’est Berne mit Kellerkind, Lukas Kleesattel u.a.
28.08.2010 – Liquid Session: London Elektricity & MC Wrec (UK)
03.09.2010 – Wax Tailor (FRA)
04.09.2010 – Benfay: Plattentaufe
10.09.2010 – Wild Wild East: Shantel DJ-Residency
11.09.2010 – Gamebois: Plattentaufe
17.09.2010 – Bonaparte (D/CH)
18.09.2010 – Abstimmungsfest mit Berne-Allstars
24.09.2010 – Red Shape & Drums
25.09.2010 – Dachstock Darkside: Cause4Concern
01.10.2010 – Dollhouse (SWE)
02.10.2010 – Liquid Session: Lenzman, Eveson, Riya
05.10.2010 – Shellac (USA)
08.10.2010 – Caspa & MC Rod Azlan
09.10.2010 – Patchwork presents: TY (UK) & Band
15.10.2010 – Wild Wild East: DJ Yuriy Gurzhy & Shljiva Orchestra (SER/D)
17.11.2010 – La Brass Banda (GER)

Von Roland Fischer am Mittwoch, den 28. Juli 2010, um 07:08 Uhr

Klasse Terrasse

Wenn die Sonne bereits wieder merklich früher untergeht und der Sommer sich also ein wenig (ein wenig nur, sage ich) neigt, dann verkünden manche schon das Ende der Freiluftsaison. In anderen Sparten dagegen fängt, wenn es wieder früher einnachtet, die Open-Air-Saison erst richtig an. Die Projektoren werden nach draussen verfrachtet und für ein paar Nächte cinematische Paradiese eingerichtet.

Filmpodium Biel Open Air (Alison Pouliot)

Eines der schönsten dieser Freiluft-Paradiese ist die Terrasse des Filmpodiums Biel. Zwischen den Jurahang und das Centre Pasquart gezwängt ist das Plätzchen wie gemacht für Filmvorführungen unter freiem Himmel. Dass der Zug alle halbe Stunde hinten vorbeirauscht trägt noch zur besonderen Atmosphäre bei. Das feine Programm steht dieses Jahr unter dem Motto «Wenn ich mir was wünschen könnte…», als besondere Empfehlungen seien hier «The Band’s Visit», «Easy Rider» und «Le Hérisson» herausgepickt.

Von Roland Fischer am Dienstag, den 27. Juli 2010, um 14:35 Uhr

Bilderrätsel-Lösung Nr. 7: Alpines Museum

Das Bild zeigte einen Ausschnitt aus dem Plakat zur aktuellen Sonderausstellung im Alpinen Museum: «Zimmer frei. Alpenhotels zwischen Abbruch und Aufbruch». Die Schau ist ein grosser Erfolg und hat deshalb eine Verlängerung bis am 22. August erfahren. Ein perfekter Anlass für Wandermuffel, die Alpenwelt ohne besondere Anstrengung und noch dazu mit kulturellem Mehrwert zu erleben.

alpines museum

Sehr zu empfehlen für urbane Alpenreisende ist auch die Filmreihe zur Alpenhotel-Ausstellung im Lichtspiel. Morgen Mittwoch «Grand Hotel» mit Greta Garbo und am nächsten Montag «Asambhav – The Impossible», eine im Tessin gedreht Bollywood-Schmonzette.

Richtig geraten hat Leser Eddie C. Palermo. Herzlichen Glückwunsch!

Von Roland Fischer am Dienstag, den 27. Juli 2010, um 13:30 Uhr

Bilderrätsel Nr. 7

Auf in eine neue Runde des KSB-Sommerrätsels! In der Nähe von welchem Berner Kulturort wurde dieses Detail aufgenommen?

rätsel7

Zu gewinnen gibt es wie immer zwei Freibillette. Gutes Glück!

Von Benedikt Sartorius am Dienstag, den 27. Juli 2010, um 08:39 Uhr

Stille im digitalen Rauschen

Vor beinahe einem Monat lancierte das US-Webzine Pitchfork die Seite Altered Zones. Dort entdecken 14 vereinigte Musikblogs täglich neue Musik aus dem Lo-Fi- und Do-It-Yourself-Popgebiet. Kassetten und EPs werden vorgestellt, es rauscht und echot eigentlich allerliebst, doch nur wenig blieb bei mir bisher hängen, obwohl der ehrenwerte Player ziemlich oft durch mein Zimmer geistert.

Altered ZonesDie Einführung von Altered Zones rief natürlich viele Kritiker auf den Plan. Ein Blog-Monopol habe Pitchfork errichtet für Leute, die den nicht eingeladenen Blogs die Kundschaft absaugen, hiess es etwa. Bei mir ist das Gegenteil passiert: Via dem Guardian, der die Diskussion hier zusammengefasst hat, stiess ich auf den Blog Salad Fork. Hier trägt ein junger Veganer aus der amerikanischen Provinz seine Lieblingsentdeckungen zusammen, aus eben diesem Gebiet, das die Altered Zones auch abdecken. Und bereits beim ersten angeklickten Lied war die Freude riesengross bzw. ich verharrte in Stille: Geisterhaft singt eine tröstende, glorios verhallte Stimme, im Hintergrund findet sich wenig Gitarre, Vögel zwitschern und ein Zug fährt vorbei, als handle es sich hier um eine Feld-Aufnahme aus einer vergangenen Zeit.

Der Urheber des fantastischen «Song for Thunderstorms» heisst Green Gerry, und ihm habe ich gestern Abend auf der Plattform Bandcamp sein Album «Odd Thymes» abgekauft. Meine bisherige Entdeckung des Jahres.

Von Grazia Pergoletti am Montag, den 26. Juli 2010, um 12:18 Uhr

Der Bizeps des Künstlers

Ich liebe und bewundere Matthew Barneys Universum zutiefst, auch wenn er von manchen gern ein wenig verhöhnt wird, besonders seit er mit der niedlichen, aber anstrengenden Björk verheiratet ist. Dabei ist der Mann ohnehin nicht ein Freund des Wegs des geringsten Widerstands: Drawing Restraint heisst eine vielteilige Serie, der sich zur Zeit eine Ausstellung im Schaulager in Münchenstein widmet, bei der es um Kunst geht, die bei ihrer Entstehung immer erst einen Widerstand überwinden muss. Eine Verbildlichung dessen, was Kunst ohnehin bedeutet, könnte man auch sagen.

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Der Ex-Sportler Barney überträgt Erfahrungen, die er als solcher gemacht hat, auf den künstlerischen Schaffungsprozess: So wie der Sportler sich durch die Überwindung von Widerständen im Training stärkt, so stärkt sich Barney als Künstler, indem er sich, z. B. beim Zeichnen, Hindernisse stellt. Als ehemalige Trampolinspringerin mag ich die Arbeit, bei der er mit Hilfe eines Trampolins eine Zeichnung auf die Decke eines anständig hohen Raums bringt, ganz besonders.

Das Logo Barneys ist ein Feldzeichen, wie es zum Beispiel in einem Footballstadion aufs Feld gemalt sein könnte: Ein pillenförmiges Oval, das in der Mitte durch einen Querbalken geteilt ist. Das Oval symbolisiert die Harmonie, die durch den Querbalken ein Hindernis erfährt. So in etwa. Es lassen sich zahlreiche Assoziationen finden für dieses Signet, das immer wieder auftaucht. Denn Barneys Kunst ist nur in zweiter Linie sportlich, in erster Linie ist sie zutiefst poetisch und sinnlich.

Im Schaulager werden Barneys Werke mit einigen Jahrhunderte alten Zeichnungen und Bildern kombiniert, was ich zum Teil etwas dick fand, nicht jedoch bei den unheimlichen Federzeichnungen des Reisläufers Urs Graf. Zudem hat Barney extra für diese Ausstellung einen Film gedreht, der auf die Aussenwand des Gebäudes projiziert wird. Zu sehen ist das alles noch bis zum 3. Oktober, ein Besuch sei unbedingt empfohlen.

Von Benedikt Sartorius am Montag, den 26. Juli 2010, um 07:00 Uhr

Kulturbeutel 30/10

Herr Sartorius empfiehlt:
Einen Ausflug in Richtung Oberland. In Thun präsentiert das Mokka auf dem Mühleplatz die Konzertreihe «Am Schluss», mit u.a. Kutti MC, My Heart Belongs to Cecilia Winter, Lee Everton oder den isländischen Mammút. Ergänzen können Sie den Ausflug mit einem Besuch im Kunstmuseum, wie auch an der Schiffländte die MS Bern, gestaltet von Herrn Gartentor, zu begehen ist. Falls Sie im Übrigen am Wochenende vor Ort sind, darf auch noch auf den Beatenberg gezottelt werden, wo das Openair Bärgfride mit u.a. Oy über die Alp Chüematt gehen wird.

Signora Pergoletti empfiehlt:
Irgendwann um Mitternacht der Christkatholischen Kirche Sankt Peter und Paul beim Rathaus einen Besuch abzustatten, um die 24-teilige Textinstallation «5 Sinne plus 1» des Berner Künstlers Franticek Klossner zu erleben. Täglich um 0.00 Uhr, noch bis zum 8. August.

Fischer empfiehlt:
Frühlingsgefühle in einem Sommertheater im Rosengarten. Das Tanztheaterstück «Mira Blau» ist inspiriert vom Film «Before Sunrise» und erzählt die Geschichte einer unverhofften Begegnung zwischen einer temperamentvollen Bernerin und einem stillen Spanier. Noch die ganze Woche bis Samstag jeweils um 20.15 Uhr in der Pergola des Rosengartens.

Herr Gnos empfiehlt:
Die eher etwas gemütlichere Variante mit genug Schlaf, möglichst viel Sonnenlicht und vielleicht ab und zu mal einem Gang in die Cinématte. Zum Abschluss der Woche gibt es dann noch den Flohmi bei und in der Reitschule. Wer etwas Action möchte, kann nach Basel fahren. Dort eröffnen morgen Dienstag Firewater das Festival Im Fluss.

Ron Orp empfiehlt:
Heute Montag mit Experten auf den Münsterturm steigen, mehr über Berns Wahrzeichen erfahren und den Abend mit einem Apéro über den Dächern von Bern zu beschliessen. Anmelden können Sie sich hier.

Von Benedikt Sartorius am Sonntag, den 25. Juli 2010, um 00:53 Uhr

Ende der Freiluftsaison

Die persönliche Sommer-Konzertfestivalsaison endete am Freitagabend bis auf Weiteres dort, wo sie begonnen hat, nämlich im Deutschfreiburgischen. So liess ich am Stonehill Festival in Alterswil ein wenig die vergangenen Konzert- und Eventmonate Revue passieren, freute mich nochmals über manche vergossene Glücksträne, ärgerte mich immer noch über schlechte Konzerte und zu mächtige Sponsoren-Partyzelte, schaute vorwärts auf die kommenden Konzertsaalmonate – und genoss den Moment, beispielsweise den orange gefärbten Himmel über den für Berner zwar schlecht erschlossenen, aber keineswegs unerreichbaren Voralpen:

Himmel über Ober Maggenberg

Musikalisch hielt der zweite, wettermässig kaum ideale Festival-Abend in der Provinz viel Elektronisches bereit: Der geschätzte Toro y Moi spielte mit einem gar dominanten Live-Schlagzeuger auf, beim Auftritt des wundersamen Buvette im Zirkuszelt beschlich mich der Gedanke, dieses Blog künftig BuvetteStattBern zu nennen, wenn die Stimme noch ein wenig besser geklungen hätte, während der Engländer Jon Hopkins – mit Harmoniereichtum und fliegenden und knallenden Beats für meinen bisher liebsten Electronica-Auftritt des Jahres sorgte. Eine Fussnote zum klassisch geschulten Hopkins: Einige seiner Soundscapes sind ziemlich familiär und populär, da sie zu Beginn und am Ende des Meistermachwerkes «Viva La Vida (Or Death and All His Friends)» vertreten sind.

Des Guten mehr, besuchte auch der Kompakt-Schwede The Field, dessen Äusseres ein wenig an Christoph Grissemann gemahnt, die Matte am Fusse des wiederum schön beleuchteten Broccoli und sorgte für den Schlusstanz, bevor es dann ins nahe Schlaf-Stroh ging. Geträumt wurde, im Guten wie im Schlechten, von der vergangenen Festivalsaison, ehe diverse Fliegen den süssen Schlaf vertrieben.

Buvette Buvette





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