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Wehmut in der Kilbi-Zeltstadt

Von Christian Zellweger am Samstag, den 25. Mai 2013, um 18:50 Uhr

Auch dieses Jahr hat man sich mit dem Haushalt aus dem Rucksack in die Düdinger Zeltstadt eingefügt – die Tradition will es so. Das grüne Dach über dem Kopf war aber von vornherein lediglich als trockenes Gepäck- und Bierdepot konzipiert gewesen. Die Wetterprognosen liessen keinen falschen Optimismus aufkommen.

Aufgestellt bei Regen bis Hagel, war das Abbauen in den bis dato wärmsten Kilbistunden um vieles angenehmer.

Auch wenn in den letzten zwei Nächten einen die Gedanken an die Freiluftübernachtung gar zu Hause unter der Decke leicht erschauern liessen, kommt beim Anblick des eingepackten Zeltes doch ein bisschen Wehmut auf. Aber der Kilbi-Wettergott wird dafür sorgen, dass nächstes Jahr wieder Campingstimmung herrschen wird.

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Kilbi-Telegramm: Der zweite Tag (Vol. 2)

Von Benedikt Sartorius am Samstag, den 25. Mai 2013, um 10:52 Uhr

Wer: Peter Swanson, Fucked Up, Grizzly Bear

Wo und wann: Freitagnacht

Was geschah: Nachdem musikalisch lange Zeit nicht sehr viel geschah und sich die Wetterlage dann doch noch kurzzeitig verschlechtert hat, war mein eigentlicher Kick-Off in den Abend das Set von Peter Swanson im Haus. Der Amerikaner kabelte mit seinem Modular-Synthie einen Heavy-Techno zusammen, einer, der laut, hart und doch nicht militant ausfiel. Weiter gings, grad im Anschluss, mit Fucked Up, den kanadischen Helden des freundlichen Hardcore. Der dicke Sänger Damian Abraham nahm – wie gewohnt barbauchig – seine Runden im Publikum, genoss den Auftritt im kleinen Zelt sichtlich und pries immerzu das reiche Hardcore-Erbe der Schweiz und die Kilbi, kurz: eine schöne Freude.

Schwieriger dann der Einstieg in das Konzert von Grizzly Bear, war doch der Raum im grossen Zelt zunächst sehr eng. Sorgsam entwickelten Daniel Rossen, Ed Droste, Chris Taylor, Christopher Bear und ein Tourkeyboarder die verwinkelten Folk-Taschensinfonien, die auch auf den grossen Bühnen immer noch eine schöne, schroffe Schlagseite aufweisen. Droste erinnerte sich auch an sein erstes Gastspiel in Düdingen. Vor sieben Jahren war das und die Band stand noch ganz am Anfang ihrer erstaunlichen Karriere, doch die Songs von damals wie das zwielichtig lockende «Knife» gehören immer noch zu ihren grössten Melodien. Natürlich: Grizzly Bear wissen mittlerweile, wie Überwältigung auf grösseren Bühnen funktioniert; so musikalisch und toll gespielt, das schafft allerdings fast niemand.

Höhepunkte: Das stille «Foreground» im Set von Grizzly Bear und als Kontrast, der «Dying-on-the-Inside»-Sing-A-Long in bei Fucked Up.

Tiefpunkt: Das Gedränge gleich zu Beginn des Grizzly-Bear-Auftritts.

Kilbi Telegramm: Der zweite Tag (Vol. 1)

Von Benedikt Sartorius am Freitag, den 24. Mai 2013, um 17:19 Uhr

Wer: Rebuilding the Rights of Statues

Was geschieht: Eintrudeln in den zweiten Kilbi-Tag – mit Post-Punk aus Peking und der Sicht auf die nahen Schneeberge und über das Kilbigelände. Man darf sagen: das Wetter ist okay, die Stimmung schön und die Vorfreude auf Bands wie Grizzly Bear und Fucked Up, sie steigt.

Höhepunkt: die temporär gesichtete Sonne und das Dasein an der Kilbi überhaupt.

Tiefpunkt: Mein immer noch überzähliges Ticket.

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Kilbi-Telegramm: Der erste Tag

Von Benedikt Sartorius am Freitag, den 24. Mai 2013, um 14:34 Uhr

Es wird, lieber Leser, liebe Leserin, leider zur unschönen Tradition, dass der Kilbi-Berichterstattende zwischen all den Konzerten und im allgemeinen Trubel seine heilige Chronistenpflicht arg vernachlässigt. Diesem Versäumnis gilt es Gegensteuer zu geben – mit einem Kurzabriss des weiteren Verlaufs des gestrigen Abends.

Wer: My Bloody Valentine, Thee Oh Sees, Jim Jarmusch, Dan Deacon

Wo und wann: Donnerstagnacht, Kilbigelände

Was geschah: Was kann die Gitarre? Nun, da gab es im Anschluss an Kurt Vile schon aufschlussreiches zu vernehmen in Düdingen – mit dem grossartigen Konzert von Thee Oh Sees, einem höchst indisponierten Jim Jarmusch und dem Soundozean von My Bloody Valentine, der immer noch nachhallt. Als diese Soundfetzen langsam verzogen waren, war die Reihe auf der Hauptbühne an Dan Deacon und seinem Ensemble. Die grellen Raves wurden durch die Doppel-Schlagzeugbesetzung nach vorne getrommelt (auch dank dem Boredoms-erfahrenen Jeremy Hyman), der Tanz wurde erprobt, während der Totenschädel neonfarben leuchtete.

Höhepunkte: Die lauernden und explosiven Thee Oh Sees auf meiner Lieblingsbühne, der Kantine/B-Stage.

Tiefpunkte: Die Licht-App von Dan Deacon funktionierte bei mir nicht, sowie, weit ärger, das unentschuldbare Verpassen von Tinariwen.

Kilbi-Telegramm: Kurt Vile

Von Benedikt Sartorius am Donnerstag, den 23. Mai 2013, um 20:38 Uhr

Wer: Kurt Vile & The Violators

Wo und wann: Kantine, 19:30

Was geschah: Der gute Herr der perlenden Gitarren mit der immer mal wieder ausbrechenden Murmelstimme spielte sich durch ein Set, das mit den toll fliessenden Songs “Wakin on a pretty Day”und dem grossen, allerdings zu stampfend gespielten “Jesus Fever” anhob. Und wie schon auf Platte war Vile dort am besten, wenn die Töne im Raum herumflimmern und das straighte Rockelement in den Hintergrund gerückt wurden. Und wenn die Abmischung besser gewesen wäre, dann könnte man bereits jetzt einen denkwürdigen War-on-Drugs-Effekt vermelden.

Höhepunkt: Die ersten sehr sehr schönen musikalischen Momente der diesjährigen Kilbi.

Tiefpunkt: Das Knacken in den Lautsprechern und der nicht immer sehr subtile Schlagzeuger.

In einem Tweet: Ridin on the Kilbi-Train.

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Kilbi-Telegramm: Vor Ort

Von Benedikt Sartorius am Donnerstag, den 23. Mai 2013, um 17:21 Uhr

Wer: Die ersten Unentwegten.

Was geschah: Ein kleiner Hagelsturm begrüsste die ersten Campierer und Erkunder des Festivalgeländes. Doch mittlerweile ist fast alles vorbeigezogen, man verkauft letzte Tickets und begibt sich nun an die Bar.

Höhepunkt: Die Pyramide auf dem Gelände. Wie sie leuchtet, das sieht man dann später.

Tiefpunkt: Nun ja, das Wetter.

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Kilbi-Vorbereitungen

Von Benedikt Sartorius am Donnerstag, den 23. Mai 2013, um 09:04 Uhr

Heute, an diesem «pretty day», darf man den «Yeah Yeah Yeah Song» anstimmen. Denn die Bad Bonn Kilbi steht endlich an, und so ist es einmal mehr an der Zeit, im internen Bildarchiv zu kramen, um mit dem Suchwort «Esel» das tolle Wappentier der gastgebenden Gemeinde Düdingen aufzuspüren.

Für die aus etwaigen Gründen Abwesenden wird hier wie in den letzten Jahren ein Telegramm-Dienst eingerichtet, der nicht unbedingt zuverlässig, aber doch aufrichtig das Geschehen im Senslerland in Kurzberichte zu fassen versucht.

Bis dieser Dienst startet, besuchen wir den Untergrund eines Grossverteilers, um diverse Winterartikel zu besorgen und steigen früh, aber nicht zu früh, in die ehrenvolle S1, die uns via Bümpliz Süd, Niederwangen, Thörishaus Dorf, Flamatt, Wünnewil und Schmitten nach Düdingen bringt. Kurz, auf sehr bald.

Sonderling im Kilbi-Land

Von Christian Zellweger am Mittwoch, den 22. Mai 2013, um 05:07 Uhr

Die Gummistiefel sind poliert, die Daunenjacke liegt bereit. Dieses Jahr fällt der traditionelle Sommer-Auftakt an der Bad Bonn Kilbi wohl wirklich ins Wasser. Die Hoffnung, dass sich die Wettermänner und -frauen wie im letzten Jahr in ihren schlechten Prognosen für das Wochenende irren mögen, schwindet von Tag zu Tag. Die Wetteraussichten vermögen die Vorfreude natürlich nur unwesentlich zu schmälern, auch wenn die Erfrischung jeweils am Nachmittag im anscheinend bakterienkontaminierten Schiffenensee genauso zur Kilbi gehört, wie der Konzertreigen am Abend.

Obwohl Radio Fribourg in seiner Berichterstattung durchaus Platz findet für das wunderliche Zusammentreffen von Stadtkindern in engen Hosen und «unabsichtlich schlecht angezogenen Menschen» (O-Ton Kilbi-Macher Duex Fontana) vom Land, hält sich die ätherwellentauglichkeit des Gebotenen jeweils in mehr oder weniger engen Grenzen. Und doch gibt es unter allen Auftritten jeweils jene, die einen gemeinen Radiohörer am Zmorgen-Tisch mehr erstaunen würden als andere. Gerne erinnert man sich daran zurück, wie Sunn O))) das Kilbi-Gelände in den Grund eines Klangmeeres verwandelten oder wie einst Lee Ranaldo inbrünstig auf seine von der Decke hängende Gitarre einschlug.

Der sonderlichste unter den diesjährigen Sonderlingen ist wohl Jandek. Allzuviel weiss man nicht über den Mann. Genaugenommen nicht mal, ob Jandek nun den Musiker bezeichnet, oder ein musikalisches Projekt. Der Amerikaner, er soll in seinen 60ern sein, hat seit 1978 mehr als 60 Aufnahmen veröffentlicht. Interviews gibt es dennoch weniger als eine Handvoll, live spielt Jandek erst seit 2004. Das klingt dann so:

Angesichts der Geheimniskrämerei und der Seltenheit der Auftritte ist der Kilbi-Sonderling wohl auch der heimliche Kilbi-Star. Das bedeutet nicht automatisch, dass man auch ein ganzes Jandek-Konzert erträgt, man darf aber jedenfalls gespannt sein.

(Zumindest existiert ein Dokumentarfilm, der das Mysterium zu ergründen versucht. Selbstverständlich ohne Auftritt des eigentlichen Protagonisten.)

Neue Häuser: Energiezentrale Forsthaus

Von Roland Fischer am Dienstag, den 21. Mai 2013, um 07:42 Uhr

Man kann sich da so seine Gedanken machen: Unsere Zeit ist eine, die den Wald, die denkbar ungestaltetste Landschaftsform, zum unberührbaren Heiligtum erklärt. Ihn für Bauprojekte zu roden ist so gut wie unmöglich. Manchmal gibt es Ausnahmen, und die verlangen dann ironischerweise nach Gestaltung, wo man eigentlich Designlosigkeit erwarten würde: «Für ihre Zustimmung zum Bauen im Wald stellten die Behörden der Stadt Bern aber eine Bedingung: Für die Anlage musste ein Architekturwettbewerb durchgeführt werden. Damit wurde signalisiert, dass die gestalterische Qualität der Anlage ein öffentliches Anliegen ist.»

Worum es geht? Um ein Gebäude, das noch vor 20 Jahren zur allseitigen Zufriedenheit im architektonischen Niemandsland angesiedelt worden wäre, in anspruchslosen Zweckbauten irgendwo im Industriegebiet. Aber unsere Zeit ist auch eine, die ein neurotisches Verhältnis zum Müll pflegt, und deshalb ist es wohl folgerichtig, dass die neue Energiezentrale Forsthaus (also eigentlich die Kehrichtverbrennungsanlage) nun plötzlich nicht mehr städteplanerisch unter den Teppich gekehrt, sondern ein architektonischer Leuchtturm sein soll.

Wobei Leuchtturm eine ganz passende Assoziation ist - der Bau erinnert in Form und Dimensionenen nämlich an einen Ozeanriesen. Länge: 308 Meter, Höhe Kamin: 70 Meter; verbaut wurden 47’000 Kubikmeter Beton und 8000 Tonnen Armierungseisen. Die Zahlen entnimmt man wie obiges Zitat von Werner Huber (Hochparterre) einer schön gemachten und instruktiven Monographie, die sich der Energiezentrale widmet. Der Band ist eine spannende Lektüre, weil er sich nicht nur dem von Graber Pulver Architekten konzipierten Baukörper widmet, sondern das Gebäude selbst gewissermassen als Pilz versteht, zu dem noch ein ganzes unsichtbares Geflecht gehört. Dass die Energiezentrale im Wald steht hat nämlich mit komplexen städtebaulichen Fragen zur Anschliessbarkeit zu tun, und da geht es nicht allein um das Verkehrs- sondern beispielsweise auch ums Fernwärmenetz. Häuser wären demzufolge nicht einfach manifeste Blöcke im Stadtraum, sondern Segmente von weitverzweigten Strukturen, die es ebenfalls (oder vor allem?) zu pflegen – und zu gestalten gilt. Stadt als Kulisse? Das war einmal, in Zeiten knapper Ressourcen geht es um die Stadt als System.

Kulturbeutel 21/13

Von Miko Hucko am Montag, den 20. Mai 2013, um 05:30 Uhr

Miko Hucko empfiehlt:
Pfingsten geniessen und schonmal heute gleich was Besonderes aus der Woche machen: Boule spielen! Zum Beispiel am Habercup.

Frau Feuz empfiehlt:
Falls Sie nicht an der Chilbi sein sollten, gehen Sie doch am Donnerstag ins Rössli. Dort spielen Guz’ Aeronauten (Fai Baba und Evelinn Trouble. werden dies erst nächste Woche tun). Oder aber Sie gehen ins ISC zum lüpfigen Balkanbrass von Traktorkestar einen Slivovitz trinken.

Frau Kretz empfiehlt:
Ab Freitag läuft im Schlachthaus die spannend klingende polnisch-schweizerische Koproduktion «Against». Die frisch zusammengewürfelte Gruppe aus Bern und Bydgoszcz befasst sich mit Überwachnungssystemen.