Manuel Gnos am Dienstag den 9. März 2010 um 14:36 Uhr

Gurten-Bingo, Teil 2

Weil uns die Gurtenfestival-Macher gestern auf dem falschen Fuss erwischt haben, sind wir nun etwas in Verzug mit dem zweiten Teil unseres Festival-Bingos. Inzwischen haben wir Ihre Nennungen aber ausgezählt und sind zur folgenden Bingo-Karte gelangt:

Gurtenfestival-Bingo.

Wie Sie sehen können, hat die KSB-LeserInnenschaft (Felder in pink) gemeinsam mit der Redaktion (Felder in schwarz) bis anhin 8 Treffer gelandet (unterstrichen). Das ist schon mal beachtlich, allerdings noch relativ weit weg von den geforderten 50 Prozent. Noch ist aber nichst verloren, denn glaubt man den gut informierten Quellen, wird der grosse Rest des Programms am 26. März 2010 bekannt gegeben. Und da werden wohl noch ein paar Treffer hinzukommen!

Also Daumen drücken! (Und natürlich lässt sich die Redaktion auch bestechen, um eine aktuelle Nennung durch eine neue zu ersetzen…)

Benedikt Sartorius am Dienstag den 9. März 2010 um 07:00 Uhr

Beschränkter Bewegungsradius

In diesen Tagen der Bise gilt es den Aktionsradius auf das Nötigste zu beschränken: Der Gang zur Bushaltestelle, ins Gefährt einsteigen, wieder aussteigen, ins Büro, das Kino, die Bücherei oder in die Nahrungsmittelstationen huschen, und wieder zurück in die warme Stube.

Überbrückungszeiten sind bei diesem reduzierten Bewegungsradius allerdings nicht zu vermeiden und so kommt der Frierende schon mal ins Grübeln, wenn der Wirtschafts-Herr von der Schweizerhof-Baustellenschmuckwerbung überlebensgross grüsst.

Überlebensgrosse Werbung, aufgenommen in den letzten Tagen

Glücklicherweise fehlt für eine gedankliche Vertiefung dann regelmässig doch die Zeit – dank dem meist treu ankommenden Gefährt und der Musik im dicken Kopfhörer.

Benedikt Sartorius am Montag den 8. März 2010 um 12:30 Uhr

Schall & Ekstase

Dirk von Lowtzow (Quelle: http://festivals.mtv.de/22-06-2008/fotos-tocotronic-live-hurricane-2008/) Als das Matrosenlied ab Band zu Ende war, ein Teil des Publikums den Saal bereits verlassen hatte und der restliche Teil trotz der Abbau-Musik und des Saallichts mit glänzenden Augen immer mehr forderte, da kehrte die Band noch einmal zurück, spielte fiebrig wider die pure Vernunft an, denn wenn die Worte fehlen, darf auch mal gelallt und in den La-la-la-la-Chor eingestimmt werden.

Bis die kollektive Auflösung erreicht war, dauerte es bei Tocotronic gestern Sonntagabend in der Roten Fabrik in Zürich dann aber doch eine Weile. Die Band um Dirk von Lowtzow, die spätestens seit dem neuen Album «Schall & Wahn» einen generationenübergreifenden Konsensstatus geniesst, präsentierte zu Beginn zu viel neues Material aus der hochstaplerisch betitelten «Berliner Trilogie». Die theatralisch-überhöhten «Dankeschöns» wurden wie gewohnt zelebriert und banale Ansagen wie «Das macht Spass euch zuzuschauen» sind beim mittlerweile graumelierten von Lowtzow im 17. Karrierenjahr keine billigen Ranschmeisser, sondern bedeutungsvolle Überleitung zum Spiegelbildliebeslied «Imitationen».

Die Vier streiften dann und wann natürlich auch die vergangene Trainerjackenära der 90er, als ihre Lieder noch sloganhafte Titel wie «Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit» oder «Ich bin viel zu lange mit euch mitgegangen» trugen und die sorgfältig errichteten Feedbacksounds der Gegenwart noch kaum erahnbar waren.

Zum Schluss des regulären Sets bewiesen Tocotronic ihre in all den Jahren erreichte Gitarrenlärmschicht-Meisterschaft im epischen «Gift», denn süsser lassen sich die Ohren zurzeit kaum zerschmettern – dank dem überwältigenden Schall, dem Untertan zu sein ein schönes Privileg ist und Ekstase bewirken kann.

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Das Internet munkelt, dass Tocotronic an einem hier beliebten Festival auftauchen werden. Mehr dazu gibt es am Donnerstag ab zehn Uhr vormittags auf diesem Kanal.

Benedikt Sartorius am Montag den 8. März 2010 um 07:00 Uhr

Kulturbeutel 10/10

Herr Sartorius empfiehlt:
Fingerpoke am Freitag im Café Kairo. Die Vier aus dem Herzen von Zürich Hottingen versammeln auf ihrem neuen Rückkehr-Album «Neptune Street» vierzehn Lieder, die die Americana zelebrieren, souverän zitieren und landstreicherisch umspielen.

Frau Feuz empfiehlt:
Besuchen Sie am Mittwoch das Konzert von Daniel Kahn & The Painted Bird im Rössli der Reitschule. Die wild zusammengewürfelte Truppe veranstaltet Klezmer-Punk-Cabaret oder, wie sie es selber nennen, «Verfremdungsklezmer». Wie auch immer man es nennen will, lüpfig wird es alleweil.

Fischer empfiehlt:

Zweimal Kino: Im Kino Kunstmuseum gibts cinematografische Selbstbespiegelung der besonderen Art. ‎Im Dokfilm «L’enfer d’Henri-Georges Clouzot‎» erzählt der Filmsammler Serge Bromberg, ausgehend von nie fertig gedrehtem Material, die Geschichte des ‎«vielleicht legendärsten Gerüchts des französischen Kinos‎», wie das Kunstmuseum schreibt. Klar ist: So psychedelisch hat man Romy Schneider noch nie gesehen. Und am Samstag startet das kleine wie feine Filmfestival von Fribourg, das sich auf Filme aus Asien, Afrika und Lateinamerika spezialisiert hat. Schon am Dienstag gibt’s dazu in Bern einen Teaser, im Cinémovie ist als Vorpremiere ‎«Homem que Copiava‎» von Jorge Furtado (BR) zu sehen.

Herr Gnos empfiehlt:
Die SlideNite in der Turnhalle. Diesen Dienstag werden dort zwei aktuelle Foto-Arbeiten vom Schweizer Steeve Iuncker und der Französin Elisabeth Cosimi gezeigt. Von Iuncker wird eine Serie über die Prostituierte Betty vorgestellt, Cosimi fotografierte in Neapel während 14 Monaten afrikanische Mädchen und Frauen, die nach Europa verschleppt wurden. Bestimmt keine leichte Kost, aber das ist auch nicht das Ziel dieses gelungenen Formats.

Ron Orp empfiehlt:
Die Kunstausstellung “Schwarzweiss… und doch sehr nuanciert” in der Mobiliar zu besuchen, um sich ein Bild davon zu machen, was hinter den ansonsten geschlossenen Türen gesammelt wird. Zudem: Gerade wenn das Wetter so kalt ist wie im Moment, lohnt es sich im Bowlingcenter Marzili wieder einmal eine alles andere als ruhige Kugel zu schieben.

Christian Pauli am Sonntag den 7. März 2010 um 07:08 Uhr

Musik für alle

Unser Herr Fischer hat das Thema letzte Woche lanciert: Die Demokratisierung der Musik. Nicht nur im Museum für Kommunikation freilich gibt es Musikinstrumente, die von allen, also auch von uns Dilettanten gespielt werden können. Internet und iPhone bringen die demokratischen Musikinstrumente nach Hause – oder wo auch immer Du gerade steckst.

cg01sDer Zürcher Musiker Christoph Gallio zum Beispiel hat die Website soziale Musik entwickelt. Sounds, die von Musikern wie Sven-Ake Johansson und Olaf Rupp stammen, hat Gallio als Grundlage des virtuellen Musikinstrumentes genommen. Das ist witzig, weil nun everybody mit der Musik von bekannten Improvisatoren improvisieren kann – ein ironischer Hinweis auf die Sackgasse, in der diese Nischenmusik oftmals stecken bleibt.

brian-eno.jpegWo es um Computer, Demokratie und Musik geht, ist auch Brian Eno nicht fern. Für Eno ist Musik so demokratisch, dass er sie verschwinden lässt. «Music for Airports» hiess das 1978, und diese Platte ist ein Markstein in der Popularisierung von Ambient-Musik. Nun ist Eno mobil gegangen und hat für das iPhone die schöne App Bloom kreiert. Der Zeigefinger auf dem Touchscreen lässt Sounds und Farben blubbern.

fm3Für mich ein besonders gelungenes Stück: Die Buddha Machine von Christiaan Virant and Zhang Jian. Zehn chinesische Sounds sind auf diesem 20 Euro teuren Instrument verfügbar. Die Samples können lediglich eines nach dem anderen abgespielt werden und das Einzige, was man modulieren kann, ist die Tonhöhe. Und trotzdem verursacht dieses Gadget eine grosse Sogwirkung. Das chinesisch-amerikanische Produkt ist weltweit ein grosser Erfolg. Mittlerweile gibt es sogar Konzerte von Buddha-Machine-Orchestern. Womit wir bei einer anderen – alten – Forderung wären: Die Demokratisierung des Orchesters.

Die Demokratisierung der Musik übrigens wurde einst von den Punks auf die Fahnen geschrieben und wird nun auch vom Berner Gemeinderat begrüsst. In seiner Antwort auf die Interpellation «Musikunterricht für alle» von PdA-Stadtrat und Ex-Gewerbeschullehrer Rolf Zbinden antwortete die Berner Stadtregierung: «Musik hat – wie kaum ein anderes Schulfach – (…) eine sehr hohe Wirkung auf die Persönlichkeitsentwicklung.» Ob uns hier das Internet wirklich weiter hilft, ist wiederum eine andere Frage.

Roland Fischer am Samstag den 6. März 2010 um 11:47 Uhr

Globalisierung, grafisch

Die Ausstellung ist zwar schon seit anfangs Jahr offen, so richtig Furore hat sie allerdings noch nicht gemacht – was ein wenig schade ist, wie wir finden. Es mag wohl am seltsamen Ausstellungsort (und den entsprechend besonderen Öffnungszeiten) liegen, dass sich jeweils nur ein paar wenige Besucher in die Räumlichkeiten des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV) im Kirchenfeld verirren. Was es da an den Wänden von Büros, Korridoren und Sitzungszimmern (keine falsche Scheu, einfach überall reintrampen) zu sehen gibt, ist aber ebenso schön wie anregend: Kunst im öffentlichen Raum, buchstäblich.

Barcelona

«Liniennetzpläne» heisst die Ausstellung, und sie versammelt grafische Meisterstücke aus der ganzen Welt: von Barcelona über Krakau nach Hong Kong und Montreal. Eine solche Übersicht macht sofort klar, dass sich längst eine globale Übereinkunft ergeben hat, wie ein Liniennetzplan auszusehen hat: es gilt, wie im interessanten Infoblatt zur Ausstellung nachzulesen ist, das ‎«45°-Prinzip». Der Plan abstrahiert so die Geographie der Stadt auf das Wesentliche: Anzahl Haltestellen, wichtige Verkehrsknoten, grobe Richtungen. Exakte Distanzen interessieren dabei ebenso wenig wie topographische Finessen.

New York 1964

Dieses Prinzip geht auf die ‎«Mutter aller Liniennetzpläne» zurück, die London Underground Map von Harry Beck aus dem Jahr 1933. Diese ist in der Ausstellung leider nicht vertreten, dafür ein sehr schönes altes Exemplar aus New York (1964). Spannend auch die liniennetzplanerische Zeitreise aus Berlin (1985), die die Zerrissenheit der Stadt auf sehr simple Weise anschaulich macht. Pläne neueren Datums wiederum zeigen, wie Grafikbüros (versuchshalber) mit dem ‎«45°-Dogma» zu brechen beginnen, mit durchaus überzeugendem Resultat, wie die Beispiele des koreanischen Büros Zero per Zero zeigen.

Osaka off

Dabei stellt sich indessen die Frage, ob hier die globale Gleichschaltung nicht für einmal zu begrüssen ist, schliesslich findet sich, wer in Bern den öffentlichen Verkehr zu lesen gelernt hat, auch in Tokyo oder Moskau relativ rasch zurecht.

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Die Ausstellung im Gebäude des VöV am Dählhölzliweg 12 ist von Montag bis Freitag während der Büroöffnungszeiten offen.

Gisela Feuz am Freitag den 5. März 2010 um 13:15 Uhr

Triggerfinger

Geständnis Nummer Eins: Ich konnte mich gestern Abend beim Auftritt von Joules im ISC gar nicht so richtig auf deren Musik konzentrieren, weil mich die ganze Zeit die Fragen quälten, wie denn der Gitarrist in diese unglaublich engen Röhrlijeans reingekommen ist (Vaseline?), wie er da wieder rauskommen wird (Gartenschere?) und wie ums Himmelswillen er in dieser Hose überhaupt die Beine biegen kann. Musikalisch ist von der jungen Band aus Zug nur eine schöne, nach Interpol klingende Stimme bis in mein staunendes Hirn vorgedrungen (An die Stilpolizei: Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass Hirne nicht staunen können. Mir wurscht.), ansonsten ist von der Musik der jungen Herren nicht viel hängen geblieben.

Geständnis Nummer Zwei: Ich kannte die nachfolgende Band namens Triggerfinger nicht und erwartete nach einem kurzen Reinhören in deren Musik auf Myspace nichts Grandioses, halt eher so langweiligen Blues-Hardrock. Weit gefehlt! Das Trio aus Antwerpen hat mich und offenbar auch den Rest des zahlreich aufmarschierten Publikums regelrecht weggeblasen. Gitarre und Schlagzeug bretterten einmal in wildem, bombastischen Galopp, worauf wiederum leise, melancholische, verspielte Passagen folgten. Stilmässig will sich Triggerfinger nicht so richtig einordnen lassen, was auch gut ist so. Klassische Hardrock-Riffs und abstruse Noise-Wände gehören ebenso ins Repertoire der drei belgischen Mannen, wie schwere, schleppende Stonerrock-Akkorde mit vielen Breaks und Tempi-Wechseln.

triggerfinger

Nebst der Tatsache, dass Triggerfinger musikalisch absolut überzeugten, demonstrierten sie gestern Abend zudem, dass man auch im Rock’n'Roll-Business würdevoll altern kann. Äusserst adrett gekleidet waren Sie, die Herren, und die grauen Haare und den Schnauzbart fand man bzw. frau dann doch auch ganz ordentlich sexy.

Nicolette Kretz am Freitag den 5. März 2010 um 07:00 Uhr

Zurück zum Buch

Der Verlag der gesunde Menschenversand, der sich seit seiner Gründung vor über zehn Jahren dem Spoken-Word verschrieben hat, hat eine neue Bücher-Edition lanciert. Das an sich ist noch nicht sonderlich bemerkenswert, gab der Verlag neben vielen CDs schon ein paar Bücher raus. Dass diese Edition aber «spoken script» heisst, macht schon etwas hellhörig. Ist das eines dieser beliebten Paradoxa, die Max Goldt «das Lieblingsinstrument eilfertiger rhetorischer Verblüffer» nennt? Oder steckt da mehr dahinter?

spoken scriptRelativ misstrauisch ging ich also gestern ins Kairo an die Lesung von Guy Krneta und Jens Nielsen, die die ersten zwei Bände dieser Reihe «Mittelland» und «Alles wird wie niemand will» präsentierten. «Die Taschenbuchreihe ist Texten gewidmet, die zunächst fürs Vortragen (Bühne, Radio, Spoken Word) geschrieben wurden oder sich am mündlichen Erzählen orientieren», schreibt der Verlag, und so versammelt der erste Band DRS1-Morgengeschichten vom Krneta, der zweite Geschichten aus Nielsens Solo-Programm. Zwei schöne, grafisch ganz einfache Büchlein sind da entstanden. Bei Krneta, der ja ausschliesslich auf Berndeutsch schreibt, ist zu jedem Text eine deutsche Übersetzung angefügt. Bei Nielsen markieren Zeilenumbrüche den Textrhythmus. Alles ganz ohne jeglichen Firlefanz.

Die «spoken script»-Lesung grenzt begrifflich ja dann schon schwer an Absurdität. Aber was dabei rauskommt, wenn Texte, die zunächst fürs Vortragen geschrieben wurden, niedergeschrieben werden und dann vorgelesen werden, hat mir dann gestern Abend sehr gut gefallen. Da war nämlich nichts zu sehen von der Schenkelklopf-Pointen-Hascherei und Stand-up-Comedy, welche landauf, landab im Spoken-Word grassieren. Viel mehr werden da ganz einfach Texte, die sich zum Vorlesen eignen, vorgelesen, von Leuten, die gut vorlesen können. Zurück zum Wasserglas, zurück zum Tiefsinn.

Benedikt Sartorius am Donnerstag den 4. März 2010 um 05:58 Uhr

Peripheres Freispiel

Die altkluge Kennermiene blieb gestern Abend zu Hause, galt es doch, ein popfernes Konzert zu besuchen – trotz den zwei vertretenen Mitgliedern von The Bad Plus, einer Band, die die Form des Klaviertrios mit Coverversionen wie dem Aphex-Twin-Zauberstück «Flim» popularisierten. Kurz, Buffalo Collision gastierten in der Bee-Flat-Turnhalle und also ein Quartett, bei dessen Beschreibung selbst die einschlägige Kritikerzunft zumindest in die Bezeichnungsschleuder gerät.

Buffalo Collision (v.l.: Ethan Iverson, Hank Roberts, Dave King, Tim Berne)

David King und Schattenmann Tim BerneHank Roberts & David King Ein Zentrum gab es keines bei dieser prominent besetzten Band aus New York und den angrenzenden Provinzen: Die Vier – Tim Berne am Saxofon, Ethan Iverson am Klavier, der grandiose Cellist Hank Roberts und der mir zu Beginn zu hektische Schlagzeuger David King – teilten sich zeitweise auf in bewegliche Duos und umgarnten sich kaum, sondern spielten scheinbar in die freie Leere hinaus, ohne festes Thema, ohne feste Form und mit vielen Pausen von Berne und Iverson.

Die scheinbaren Einzelteile dieses musikalischen Uneasy-Listening-Eigenbrötlertums verbanden sich im Laufe des achtzigminütigen Sets allmählich durch eine geheim erscheinende Formel. Und so gab es grosse Passagen zu entdecken – etwa im ersten Monsterstück, als Iverson über das unheimlich wummernde Cello-Trommelgeflecht einzelne beruhigende Akkorde streute – und ganz zum Schluss, die Zugabe, die beinahe als ein geschlossenes Lied erschien.

Allein, benenn- und erklärbar war auch dieses letzte seltsam ungreifbare Buffalo-Collision-Orakel kaum.

Roland Fischer am Mittwoch den 3. März 2010 um 15:21 Uhr

Letzte Chance: Selfmade-Elektro im MFK

Noch bis am 21. März gibt es im Museum für Kommunikation ein besonderes Spielzeug zu sehen – und vor allem auch auszuprobieren. Der Reactable ist ein ebenso komplexes wie kinderleicht zu spielendes elektronisches Musikinstrument, das grossen Spass macht. Und zwar auch musikalisch Minderbemittelten.

reactable


Der gewitzte Tisch
ist kein blosses Ausstellungsstück, das die Möglichkeiten neuer Multimedien aufzeigt. Der Reactable ist ein echtes Instrument, das auch schon diverse grosse Bühnenauftritte hatte. Er hat nicht viel gemein mit klassischen Instrumenten wie Gitarre oder Synthesizer – er ist ein Spielplatz, kein Sound-Körper. Auf der Tischfläche pulsiert geduldig ein grosser Bildschirm. Bestückt man ihn mit verschiedenen Bauklötzen, geht die Musik los – gleichzeitig zeigt der Bildschirm an, wie die Sound-Elemente miteinander interagieren. Grundelemente wie Melodie und Rhythmus lassen sich mit Verzerrern, Modulatoren und anderem Zeugs koppeln, indem man diese in die Nähe schiebt, und produzieren so immer vertracktere Sounds. Einen fiesen Störklotz gibt’s auch, einen Aussenseiter, der Misstöne zwischen das schöne Blubbern und Zirpen drückt und mit keinem anderen Element was zu tun haben will. Zusätzlich lassen sich die einzelnen Klötze wie Regler drehen, lauter/leiser, schneller/langsamer, höher/tiefer.

So hat man hat die Sounds buchstäblich in der Hand. Ein grosser Spass, wie gesagt, zum Ausprobieren. Und ebenso zum Zuschauen. Denn anders als bei der üblichen Elektronik-Blackbox Laptop sieht man beim Reactable, wie er zum Tönen gebracht wird. Die grosse Tischplatte illustriert die Klänge auf ebenso schöne wie faszinierende Weise. Schade, dass der Elektro-Tisch nicht öfter bei der Sorte Konzerte zum Einsatz kommt, bei denen man sich fragt, was die Musiker hinter dem Laptop-Bildschirm so treiben. Einfach ab und zu eine Taste drücken? Das könnten die Maschinen ja auch selber.

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Unter dem Titel ‎«Letzte Chance» werden wir in loser Folge Last-Minute-Empfehlungen bringen – Ausstellungen, die bald zu Ende gehen, Theaterstücke, die demnächst aus dem Spielplan gekippt werden, Filme, die bereits ihre letzten Tage haben.



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