Benedikt Sartorius am Donnerstag den 11. März 2010 um 09:39 Uhr

Destination Bad Bonn Kilbi

Nächster Halt: Düdingen

In diesen Minuten ist die S1 an der Zieldestination im Senslerland angekommen, und also dort, wo der Esel und die Katze hausen und wo vom 27. bis am 29. Mai das wertvollste unter den hiesigen Festivals Geburtstag feiern wird.

Schlicht ausgedrückt: Die offizielle Programmbekanntgabe der 20. Bad Bonn Kilbi steht an – und der Sonderkorrespondent nimmt den Weg hin zum Konzerthaus beim Bonn-See unter die Füsse.

Benedikt Sartorius am Donnerstag den 11. März 2010 um 05:44 Uhr

Reservieren im «Zimmer 202»

Kurz vor seinem 75. Geburtstag zieht Peter Bichsel nach Paris – zumindest im Kino. Der Film «Zimmer 202» begleitet den Mann mit dem «nasal-melodiösen Sprechgesang» in die Stadt, die der Schriftsteller noch nie zuvor besucht hat. Weit kommt Bichsel auf seiner Reise mit dem Regisseur Eric Bergkraut allerdings nicht. Denn die Endstation ist ein Zimmer im Bahnhof-Hotel «Gare de l’ Est».

Peter Bichsel in Paris (zvg)

«Zimmer 202» zeichnet diese Reise nach und bringt Archivbilder, einen Soundtrack von Sophie Hunger – und natürlich Bichsels nasal-melodiösen Sprechgesang, «der immer wieder dankbar von Satirikern parodiert» worden ist.

Für die Vorpremiere des Films
verlosen wir 10×2 Tickets. Die Vorführung findet am Mittwoch, 17. März im Kino Movie statt – in Anwesenheit von Peter Bichsel und des Regisseurs. Moderiert wird der Abend von «Bund»-Redaktor Alexander Sury. Beginn ist 19.00 Uhr.

Tragen Sie sich in diesem Formular ein, Teilnahmeschluss ist am Montag um zwölf Uhr Mittags. Viel Erfolg.

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«Zimmer 202» ist ab dem 25. März regulär im Kino zu sehen – und also einen Tag nach seinem 75. Geburtstag. Zum DRS2-«Hörpunkt» geht es hier lang.

Christian Pauli am Mittwoch den 10. März 2010 um 14:25 Uhr

Alte Wagen: Wohnen on the floor

Im Nordquartier werden nicht nur teure und schöne Wohnungen mit super Aussicht gebaut, sondern weiter unten, keine 400 Meter davon entfernt, ist vor ein paar Tagen günstiger Wohnraum entstanden.

DSCN3751

Das Projekt der Stadttauben ist möglicherweise nicht unumstritten. Wie auch immer: Die Lorraine lebt!

Roland Fischer am Mittwoch den 10. März 2010 um 07:00 Uhr

Neue Häuser: Wohnen on top

Das Gebäude liegt gleich an der Bahnlinie Richtung Wankdorf, doch von dieser Seite bleibt es hinter dem Bahndamm verborgen. Vom Nordring her gesehen ragt mitunter ein Teil des langen Riegels ins Blickfeld, doch insgesamt hält sich das mächtige Volumen erstaunlich diskret im Hintergrund.

wylerpark

Seit 2008 steht der Wylerpark
links oben eingangs des Wyler-Quartiers, gleich beim Polygon-Brückchen; früher flankierte hier ein nichtssagendes Industriegebäude die Gleise. Dessen Abbruch schuf viel Platz, den neu, so die Ausschreibung des Wettbewerbs, ein Büro- sowie ein Wohngebäude einnehmen sollten. Es ist ein einziger Baukörper geworden, dem man die beiden Nutzungen aber schon von aussen ansieht.

Die unteren zwei Etagen nutzt die SBB,
sie bilden einen nüchternen modernen Bürobau mit hübschen Lichthöfen; soweit ist, abgesehen von der prägnanten Gliederung der vorderen Fassade mit Betonträgern, durchaus nichts Besonderes am Gebäude. Diese Träger dienen allerdings nicht nur der Zier, gegen oben hin kragen sie nach vorne aus und stützen so den zweiten Teil des Gebäudes, die Wohneinheit. Diese liegt als langer, dreigeschossiger Riegel quer über die gesamte Büroeinheit.

detail holzVor allem diese Wohneinheit ist ein architektonischer Wurf. Die Wohnungen sind nebeneinander in Schläuchen angeordnet, sie bieten wunderbare Ausblicke über die Dächer der Nachbarschaft hinweg sowohl nach Südosten wie nach Nordwesten. Erschlossen sind sie über ein Laubenganggerüst, das gleichzeitig als offener Wohnraum für alle dient. Auch die Konstruktion des Wohngebäudes ist einigermassen ungewöhnlich. Es vereint wenig Beton (für Lift- und Treppenhaus) mit viel Holz (was man ihm erst von Nahem ansieht) und wurde in nur sechs Wochen hochgezogen.

Entworfen hat den Wylerpark der Berner Architekt Rolf Mühlethaler, einer der umtriebigsten neuen Berner Stadtbauer. Auf sein Konto gehen u.a. auch die Eidg. Alkoholverwaltung an der Länggasse (1993-94), der Sitz des Intersport-Konzerns in der Waldau (2007) – davon wird hier auch noch die Rede sein – und der Bahnhof Wankdorf (2004).

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In der Reihe ‎«Neue Häuser» stellen wir zeitgenössische Architektur in Bern jenseits von Piano und Libeskind vor.

Manuel Gnos am Dienstag den 9. März 2010 um 14:36 Uhr

Gurten-Bingo, Teil 2

Weil uns die Gurtenfestival-Macher gestern auf dem falschen Fuss erwischt haben, sind wir nun etwas in Verzug mit dem zweiten Teil unseres Festival-Bingos. Inzwischen haben wir Ihre Nennungen aber ausgezählt und sind zur folgenden Bingo-Karte gelangt:

Gurtenfestival-Bingo.

Wie Sie sehen können, hat die KSB-LeserInnenschaft (Felder in pink) gemeinsam mit der Redaktion (Felder in schwarz) bis anhin 8 Treffer gelandet (unterstrichen). Das ist schon mal beachtlich, allerdings noch relativ weit weg von den geforderten 50 Prozent. Noch ist aber nichst verloren, denn glaubt man den gut informierten Quellen, wird der grosse Rest des Programms am 26. März 2010 bekannt gegeben. Und da werden wohl noch ein paar Treffer hinzukommen!

Also Daumen drücken! (Und natürlich lässt sich die Redaktion auch bestechen, um eine aktuelle Nennung durch eine neue zu ersetzen…)

Benedikt Sartorius am Dienstag den 9. März 2010 um 07:00 Uhr

Beschränkter Bewegungsradius

In diesen Tagen der Bise gilt es den Aktionsradius auf das Nötigste zu beschränken: Der Gang zur Bushaltestelle, ins Gefährt einsteigen, wieder aussteigen, ins Büro, das Kino, die Bücherei oder in die Nahrungsmittelstationen huschen, und wieder zurück in die warme Stube.

Überbrückungszeiten sind bei diesem reduzierten Bewegungsradius allerdings nicht zu vermeiden und so kommt der Frierende schon mal ins Grübeln, wenn der Wirtschafts-Herr von der Schweizerhof-Baustellenschmuckwerbung überlebensgross grüsst.

Überlebensgrosse Werbung, aufgenommen in den letzten Tagen

Glücklicherweise fehlt für eine gedankliche Vertiefung dann regelmässig doch die Zeit – dank dem meist treu ankommenden Gefährt und der Musik im dicken Kopfhörer.

Benedikt Sartorius am Montag den 8. März 2010 um 12:30 Uhr

Schall & Ekstase

Dirk von Lowtzow (Quelle: http://festivals.mtv.de/22-06-2008/fotos-tocotronic-live-hurricane-2008/) Als das Matrosenlied ab Band zu Ende war, ein Teil des Publikums den Saal bereits verlassen hatte und der restliche Teil trotz der Abbau-Musik und des Saallichts mit glänzenden Augen immer mehr forderte, da kehrte die Band noch einmal zurück, spielte fiebrig wider die pure Vernunft an, denn wenn die Worte fehlen, darf auch mal gelallt und in den La-la-la-la-Chor eingestimmt werden.

Bis die kollektive Auflösung erreicht war, dauerte es bei Tocotronic gestern Sonntagabend in der Roten Fabrik in Zürich dann aber doch eine Weile. Die Band um Dirk von Lowtzow, die spätestens seit dem neuen Album «Schall & Wahn» einen generationenübergreifenden Konsensstatus geniesst, präsentierte zu Beginn zu viel neues Material aus der hochstaplerisch betitelten «Berliner Trilogie». Die theatralisch-überhöhten «Dankeschöns» wurden wie gewohnt zelebriert und banale Ansagen wie «Das macht Spass euch zuzuschauen» sind beim mittlerweile graumelierten von Lowtzow im 17. Karrierenjahr keine billigen Ranschmeisser, sondern bedeutungsvolle Überleitung zum Spiegelbildliebeslied «Imitationen».

Die Vier streiften dann und wann natürlich auch die vergangene Trainerjackenära der 90er, als ihre Lieder noch sloganhafte Titel wie «Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit» oder «Ich bin viel zu lange mit euch mitgegangen» trugen und die sorgfältig errichteten Feedbacksounds der Gegenwart noch kaum erahnbar waren.

Zum Schluss des regulären Sets bewiesen Tocotronic ihre in all den Jahren erreichte Gitarrenlärmschicht-Meisterschaft im epischen «Gift», denn süsser lassen sich die Ohren zurzeit kaum zerschmettern – dank dem überwältigenden Schall, dem Untertan zu sein ein schönes Privileg ist und Ekstase bewirken kann.

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Das Internet munkelt, dass Tocotronic an einem hier beliebten Festival auftauchen werden. Mehr dazu gibt es am Donnerstag ab zehn Uhr vormittags auf diesem Kanal.

Benedikt Sartorius am Montag den 8. März 2010 um 07:00 Uhr

Kulturbeutel 10/10

Herr Sartorius empfiehlt:
Fingerpoke am Freitag im Café Kairo. Die Vier aus dem Herzen von Zürich Hottingen versammeln auf ihrem neuen Rückkehr-Album «Neptune Street» vierzehn Lieder, die die Americana zelebrieren, souverän zitieren und landstreicherisch umspielen.

Frau Feuz empfiehlt:
Besuchen Sie am Mittwoch das Konzert von Daniel Kahn & The Painted Bird im Rössli der Reitschule. Die wild zusammengewürfelte Truppe veranstaltet Klezmer-Punk-Cabaret oder, wie sie es selber nennen, «Verfremdungsklezmer». Wie auch immer man es nennen will, lüpfig wird es alleweil.

Fischer empfiehlt:

Zweimal Kino: Im Kino Kunstmuseum gibts cinematografische Selbstbespiegelung der besonderen Art. ‎Im Dokfilm «L’enfer d’Henri-Georges Clouzot‎» erzählt der Filmsammler Serge Bromberg, ausgehend von nie fertig gedrehtem Material, die Geschichte des ‎«vielleicht legendärsten Gerüchts des französischen Kinos‎», wie das Kunstmuseum schreibt. Klar ist: So psychedelisch hat man Romy Schneider noch nie gesehen. Und am Samstag startet das kleine wie feine Filmfestival von Fribourg, das sich auf Filme aus Asien, Afrika und Lateinamerika spezialisiert hat. Schon am Dienstag gibt’s dazu in Bern einen Teaser, im Cinémovie ist als Vorpremiere ‎«Homem que Copiava‎» von Jorge Furtado (BR) zu sehen.

Herr Gnos empfiehlt:
Die SlideNite in der Turnhalle. Diesen Dienstag werden dort zwei aktuelle Foto-Arbeiten vom Schweizer Steeve Iuncker und der Französin Elisabeth Cosimi gezeigt. Von Iuncker wird eine Serie über die Prostituierte Betty vorgestellt, Cosimi fotografierte in Neapel während 14 Monaten afrikanische Mädchen und Frauen, die nach Europa verschleppt wurden. Bestimmt keine leichte Kost, aber das ist auch nicht das Ziel dieses gelungenen Formats.

Ron Orp empfiehlt:
Die Kunstausstellung “Schwarzweiss… und doch sehr nuanciert” in der Mobiliar zu besuchen, um sich ein Bild davon zu machen, was hinter den ansonsten geschlossenen Türen gesammelt wird. Zudem: Gerade wenn das Wetter so kalt ist wie im Moment, lohnt es sich im Bowlingcenter Marzili wieder einmal eine alles andere als ruhige Kugel zu schieben.

Christian Pauli am Sonntag den 7. März 2010 um 07:08 Uhr

Musik für alle

Unser Herr Fischer hat das Thema letzte Woche lanciert: Die Demokratisierung der Musik. Nicht nur im Museum für Kommunikation freilich gibt es Musikinstrumente, die von allen, also auch von uns Dilettanten gespielt werden können. Internet und iPhone bringen die demokratischen Musikinstrumente nach Hause – oder wo auch immer Du gerade steckst.

cg01sDer Zürcher Musiker Christoph Gallio zum Beispiel hat die Website soziale Musik entwickelt. Sounds, die von Musikern wie Sven-Ake Johansson und Olaf Rupp stammen, hat Gallio als Grundlage des virtuellen Musikinstrumentes genommen. Das ist witzig, weil nun everybody mit der Musik von bekannten Improvisatoren improvisieren kann – ein ironischer Hinweis auf die Sackgasse, in der diese Nischenmusik oftmals stecken bleibt.

brian-eno.jpegWo es um Computer, Demokratie und Musik geht, ist auch Brian Eno nicht fern. Für Eno ist Musik so demokratisch, dass er sie verschwinden lässt. «Music for Airports» hiess das 1978, und diese Platte ist ein Markstein in der Popularisierung von Ambient-Musik. Nun ist Eno mobil gegangen und hat für das iPhone die schöne App Bloom kreiert. Der Zeigefinger auf dem Touchscreen lässt Sounds und Farben blubbern.

fm3Für mich ein besonders gelungenes Stück: Die Buddha Machine von Christiaan Virant and Zhang Jian. Zehn chinesische Sounds sind auf diesem 20 Euro teuren Instrument verfügbar. Die Samples können lediglich eines nach dem anderen abgespielt werden und das Einzige, was man modulieren kann, ist die Tonhöhe. Und trotzdem verursacht dieses Gadget eine grosse Sogwirkung. Das chinesisch-amerikanische Produkt ist weltweit ein grosser Erfolg. Mittlerweile gibt es sogar Konzerte von Buddha-Machine-Orchestern. Womit wir bei einer anderen – alten – Forderung wären: Die Demokratisierung des Orchesters.

Die Demokratisierung der Musik übrigens wurde einst von den Punks auf die Fahnen geschrieben und wird nun auch vom Berner Gemeinderat begrüsst. In seiner Antwort auf die Interpellation «Musikunterricht für alle» von PdA-Stadtrat und Ex-Gewerbeschullehrer Rolf Zbinden antwortete die Berner Stadtregierung: «Musik hat – wie kaum ein anderes Schulfach – (…) eine sehr hohe Wirkung auf die Persönlichkeitsentwicklung.» Ob uns hier das Internet wirklich weiter hilft, ist wiederum eine andere Frage.

Roland Fischer am Samstag den 6. März 2010 um 11:47 Uhr

Globalisierung, grafisch

Die Ausstellung ist zwar schon seit anfangs Jahr offen, so richtig Furore hat sie allerdings noch nicht gemacht – was ein wenig schade ist, wie wir finden. Es mag wohl am seltsamen Ausstellungsort (und den entsprechend besonderen Öffnungszeiten) liegen, dass sich jeweils nur ein paar wenige Besucher in die Räumlichkeiten des Verbands öffentlicher Verkehr (VöV) im Kirchenfeld verirren. Was es da an den Wänden von Büros, Korridoren und Sitzungszimmern (keine falsche Scheu, einfach überall reintrampen) zu sehen gibt, ist aber ebenso schön wie anregend: Kunst im öffentlichen Raum, buchstäblich.

Barcelona

«Liniennetzpläne» heisst die Ausstellung, und sie versammelt grafische Meisterstücke aus der ganzen Welt: von Barcelona über Krakau nach Hong Kong und Montreal. Eine solche Übersicht macht sofort klar, dass sich längst eine globale Übereinkunft ergeben hat, wie ein Liniennetzplan auszusehen hat: es gilt, wie im interessanten Infoblatt zur Ausstellung nachzulesen ist, das ‎«45°-Prinzip». Der Plan abstrahiert so die Geographie der Stadt auf das Wesentliche: Anzahl Haltestellen, wichtige Verkehrsknoten, grobe Richtungen. Exakte Distanzen interessieren dabei ebenso wenig wie topographische Finessen.

New York 1964

Dieses Prinzip geht auf die ‎«Mutter aller Liniennetzpläne» zurück, die London Underground Map von Harry Beck aus dem Jahr 1933. Diese ist in der Ausstellung leider nicht vertreten, dafür ein sehr schönes altes Exemplar aus New York (1964). Spannend auch die liniennetzplanerische Zeitreise aus Berlin (1985), die die Zerrissenheit der Stadt auf sehr simple Weise anschaulich macht. Pläne neueren Datums wiederum zeigen, wie Grafikbüros (versuchshalber) mit dem ‎«45°-Dogma» zu brechen beginnen, mit durchaus überzeugendem Resultat, wie die Beispiele des koreanischen Büros Zero per Zero zeigen.

Osaka off

Dabei stellt sich indessen die Frage, ob hier die globale Gleichschaltung nicht für einmal zu begrüssen ist, schliesslich findet sich, wer in Bern den öffentlichen Verkehr zu lesen gelernt hat, auch in Tokyo oder Moskau relativ rasch zurecht.

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Die Ausstellung im Gebäude des VöV am Dählhölzliweg 12 ist von Montag bis Freitag während der Büroöffnungszeiten offen.



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