Schweiz


hugostamm am Montag den 24. Oktober 2011

Der Glanz von Messias Blocher verblasst

Durch die Abwahl aus dem Bundesrat wurde er kurzfristig zum Märtyrer, doch verblasste der Glanz bald: Christoph Blocher.

SVP-Alt-Bundesrat Christoph Blocher hat in den letzten zwei Jahrzehnten die Schweizer Politik geprägt wie kein zweiter. Viele konservative und fremdenfeindliche Bürgerinnen und Bürger sahen in ihm einen Heilsbringer. Dies nicht nur, weil er einer strenggläubigen Pfarrersfamilie entstammt, sondern weil er sich wie ein Erlöser gebärdete, der die Schweiz vor fremden und bösen Mächten schützen oder gar retten wollte. Für viele war er der Übervater der Nation, ja fast eine Art Schutzheiliger. Wer ihn charakterisieren wollte, griff gern zu einem Vokabular, das religiöse Attribute enthielt.

Politik hat aber nur selten mit spirituellen Syndromen zu tun. Es ist die unbeherrschbare Kunst des Möglichen – oder oft Unmöglichen. Weil Politik in der Regel mit säkularen Problemen konfrontiert ist, die in den weltlichen Niederungen entstanden sind, tun wir gut daran, diese mit entsprechen Instrumenten zu lösen: Pragmatisch, sachlich, frei von Vorurteilen. Verhängnisvoll wird es, wenn wir mit ideologischen oder religiösen Prämissen ans Werk gehen. Dann überhöhen wir die politischen Interessen und Gegenstände und geben ihnen eine pseudoreligiöse Bedeutung, die (vermeintliche) Heilsbringer erst ermöglichen.

Genau dies hat Blocher getan. Er sah fremde Mächte am Werk, welche die Schweiz zerstören wollten. Die UNO war des Teufels, die EU ohnehin. Er malte aber auch den Feind im Innern an die Wand: Inserate sprachen von Geheimplänen der Classe politique. Überall lauerten angeblich Gefahren, die geradezu nach einem Erlöser schrien. Das ideologische Konzept der SVP war darauf ausgerichtet, den Boden für einen Heilsbringer vorzubereiten. Und der Nährboden war gut: Ein beträchtlicher Teil des Volkes dürstete in den Krisenzeiten nach einer starken Hand.

Das Rezept hat lange Zeit funktioniert. Der Erfolg der auf Blocher fokussierten SVP zeichnete sich in allen Wahlen seit 1991 ab. Die logische Konsequenz war die Wahl Blochers in den Bundesrat.

Dann begann der Abstieg. In der Realpolitik, vor allem in der Exekutive, scheitern eben auch Heilsbringer. Mit ideologischen Beschwörungsformeln lassen sich keine Probleme lösen. Auch Blocher konnte die Schweiz nicht von den Ausländern befreien, wie seine Wähler erwarteten. Er war eingebunden in ein Gremuim und konfrontiert mit komplexen Sachproblemen, die sich nicht mit einem Machtwort des Heilsbringers zum Verschwinden bringen liessen. Vor allem zeigte sich, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Das Volk erlebte die Diskrepanz der simplen Heilsbotschaften und der realpolitischen Umsetzungen.

Blocher wurde als Messias entzaubert. Durch die Abwahl wurde er kurzfristig zum Märtyrer – auch dies eine religiöse Metapher -, doch verblasste der Glanz bald. Und die SVP erhielt am Wochenende die Quittung dafür, dass sie auf einen Heilsbringer gesetzt hat: Die SVP wurde zurückgebunden, Blocher bei den Ständeratswahlen gedemütigt und bei den Nationalratswahlen vom Leichtgewicht Nathalie Rickli, gestartet von Platz 7, vom ersten Platz verdrängt.

Hoffentlich ziehen die SVP und ihre Wähler die richtigen Schlüsse daraus: Heilsbringer sollen auf dem religiösen Parkett bleiben; sie haben in der Politik nichts verloren.

hugostamm am Freitag den 14. Oktober 2011

Verhalten sich Freikirchen sektenhaft?

Auch ihre Geschichte ist eine Frage der Interpretation: Adam und Eva als nicht offizielle Playmobil-Figuren eines deutschen Pfarrers.

Reinhold Bernhardt, evangelischer Theologieprofessor an der Uni Basel, kritisierte in der christlichen Zeitschrift «Idea/Spektrum» die Freikirchen, speziell auch ihr Bibelverständnis. Die Kritik an den Freikirchen veranlasste Armin Mauerhofer, eine scharfe Entgegnung zu formulieren. Mauerhofer lehrt an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule Basel, an der vor allem freikirchlich orientierte Gläubige studieren. Die Standpunkte der beiden Professoren zeigt, wie weit selbst bei Experten die Meinungen und Ansichten zum christlichen Glauben auseinanderdriften. Hier eine Zusammenfassung der Argumente der beiden Theologen.

Ausgelöst hat die Debatte in «Idea/Spektrum» ein Interview, das Bernhardt der «Badischen Zeitung» (Freiburg) gegeben hatte. Darin kritisierte der Basler Professor, Freikirchen verhielten sich teilweise sektenhaft und betrieben einen «Missbrauch der Bibel». Sie würden ausblenden, dass «zwischen der biblischen Überlieferung und heute 2000 Jahre liegen».

Weiter kritisiert Bernhardt, dass Freikirchen hoch selektiv mit der Bibel umgehen würden. Sie würden diejenigen Stellen herausgreifen, die in ihr Glaubensbild passten, «und sie dann nach dieser Formatvorlage auslegen». Dazu zitiert er den jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber: «Wer die Bibel wörtlich nimmt, der nimmt sie nicht ernst.»

Die Botschaften in vielen Freikirchen sind seiner Ansicht nach ziemlich schlicht. Ausserdem werde unterschwellig Angst geschürt, vom rechten Weg abzukommen. Sektenhaft würden Freikirchen, wenn Gemeindeleiter versuchten, die Gläubigen an ihre Gemeinde zu binden, etwa durch repressive Formen der Sozial-, Moral-, Glaubens- und Gesinnungskontrolle. Bernhardt warnt vor der «Verflachung der christlichen Botschaft zu einem religiösen Konsumartikel».

In seiner Entgegnung hält Armin Mauerhofer fest, dass es gar keine andere Möglichkeit gebe, «den tieferen Sinn der Bibel zu erfassen, als sie wörtlich zu verstehen». Wenn man sich davon löse, seien unendlich vielen spekulativen Auffassungen, wie der Text zu verstehen sei, Tür und Tor geöffnet. Durch die historisch-kritische Bibelauslegung würden heute Theologen den Sinn des Textes selber festlegen.

Dies kann laut Mauerhofer zu einer «existenzialen, feministischen, tiefenpsychologischen oder materialistischen» Bibelinterpretation führen. «Die Theologen sagen den Bibellesern, wie sie die Bibel zu verstehen haben», so der Professor, der selbst Pastor einer evangelikalen Freikirche ist. Dies führe letztlich zu einer Bevormundung.

Die schlichten Auslegungen des göttlichen Wortes in den Freikirchen seien ihm lieber als die selbst gebastelten theologischen Auffassungen in vielen Kirchen, mit denen niemand etwas anfangen könne. Gerade deshalb seien heute, so Mauerhofer, viele Kirchen leer.

hugostamm am Donnerstag den 6. Oktober 2011

Ein Staat braucht keinen Gott

Für Völker gibt es Wichtigeres, als sich bei der Frage nach der Existenz Gottes aufzureiben: Ein Atheist demonstriert vor dem Vatikan.

Für das Individuum ist die Frage nach Gott von zentraler Bedeutung. Der Glaube prägt das Bewusstsein und das Weltbild entscheidend. Es macht einen Unterschied, ob ich an einen personalen Gott, an ein polytheistisches Konzept oder an eine gottlose Realität glaube.

Für Völker ist diese Frage untergeordnet. Kollektive Systeme funktionieren besser, wenn sie sich vom Einfluss religiöser Systeme befreien. Völker tun gut daran, sich nach klaren Kriterien zu orientieren. Es wäre nur belastend, sich mit einer Frage zu befassen, die niemand beantworten kann: Gibt es einen Gott? Und wenn ja: Wie sieht das Verhältnis Mensch – Gott aus? Nimmt Gott Einfluss auf den Lauf der Welt?

Für Völker gibt es Wichtigeres, als sich bei der Frage nach der Existenz Gottes aufzureiben. Religiöse Konflikte führen immer wieder zu Spannungen zwischen verschiedenen Glaubensgemeinschaften eines Staates. Für das Zusammenleben braucht es keinen Glauben an einen Gott. Deshalb haben moderne Staaten die Glaubens- und Kultusfreiheit eingeführt. Für die Bildung einer Demokratie ist es meist von Vorteil, wenn religiöse Prämissen die staatlichen Strukturen nicht belasten. Prägt beispielsweise die Scharia das juristische System, sind demokratische Prozesse nur schwer voranzutreiben.

Völker brauchen auch keine moralischen und ethischen Werte von Religionen und Glaubensgemeinschaften. Staaten sollten sich von moralischen Ansprüchen emanzipieren. Verfassungen, Gesetze und Verordnungen sollten das Zusammenleben auf pragmatische Weise regeln. Es droht kein Wertezerfall, wenn wir die religiöse Moral in die Schranken der Kirchen verweisen. Respekt, Rücksicht und Einfühlungsvermögen vermag eine Gesellschaft aus sich heraus zu erzeugen.

Moral braucht es für das Zusammenleben durchaus, wir dürfen sie aber nicht abhängig machen vom Glauben an einen Gott, den niemand beweisen kann. Religionen sind eine unsichere und relative Basis für die Bildung einer stabilen Gesellschaft und eines gesunden Staates. Verschiedene arabische Länder führen uns vor Augen, wie unheilvoll der religiöse Einfluss auf die staatliche Entwicklung sein kann.

hugostamm am Montag den 26. September 2011

Spiritualität gibt es auch ohne Gott

Ein Sonnenaufgang kann auch ohne esoterisches Drumherum ein spirituellen Erlebnis sein: Meditierender.

Spiritualität wird bei uns fast immer mit religiösen Vorstellungen in Verbindung gebracht. Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass Glaubensgemeinschaften die Deutungsmacht über den Begriff für sich beanspruchen. Sie strahlen das Selbstverständnis aus, dass man nur in einem religiösen Kontext wahre spirituelle Gefühle entwickeln und erleben kann.

Das entbehrt nicht einer gewissen Anmassung. Spiritualität kommt von Geist oder Geistigkeit. Geist ist ein wertfreier Begriff. Eine Verbindung zum Transzendentalen oder zur göttlichen Dimensionen haben Geistliche hergestellt. Diese haben so konsequent geistige Lobbyarbeit oder PR betrieben, dass der Durchschnittsbürger heute Spiritualität mit Religiosität gleichsetzt. Ja, die christlichen Kirchen haben die Spiritualität fast okkupiert: Sie definieren Spiritualität weitgehend mit christlicher Geistlichkeit.

In jüngster Zeit bekommen die Kirchen Konkurrenz von den Esoterikern. Diese beanspruchen Spiritualität selbstbewusst für sich. Sie haben den Begriff zum Schlagwort gemacht. Er dient ihnen als schwammiges Schlüsselwort, mit dem alles und jedes bezeichnet wird, das zum höheren Bewusstsein oder zur Erleuchtung führt.

Gemeinsam ist beiden, dass sie Spiritualität in erster Linie als religiöse oder übersinnliche Empfindung verstehen. Spiritualität ist eine emotionale Disziplin und vermittelt starke religiöse oder eben spirituelle Gefühle. Der Geist weht, er atmet, und er widersetzt sich weitgehend der intellektuellen oder rationalen Erfassung.

Deshalb sind ungläubige Menschen für Gläubige geistig amputierte Wesen. Viele «Eingeweihte» glauben, Skeptiker würden die entscheidende Dimension des Menschseins verpassen. Ihre Reaktionen schwanken zwischen Erbarmen und Überheblichkeit.

Doch wer definiert, was spirituelle Empfindungen sind? Offenbar reicht die Fantasie vieler Gläubigen nicht aus, um sich vorzustellen, dass es auch ganz profane spirituelle Empfindungen und Erfahrungen gibt. Ist nicht jede Form von Ergriffenheit ein spirituelles Erlebnis? Ist ein Konzert, das uns in den Bann zieht, nicht wesentlich spiritueller als ein ewig gleicher Gottesdienst? Weckt eine philosophische Erkenntnis nicht ein ähnliches Gefühl wie ein Gebet? Löst ein Sonnenuntergang in einer packenden Bergkulisse nicht stärkere Gefühle aus als eine Meditation?

Wahrscheinlich bewirken säkulare spirituelle Empfindungen stärkere «religiöse» Gefühle als in Routine erstarrte religiöse Rituale.


hugostamm am Donnerstag den 15. September 2011

Das magische Kreuz von Ground Zero

Die Stahlträger in Kreuzform werden am 11. September 2004 am Ground Zero präsentiert.

Zufall oder ein göttliches Zeichen? – Die Stahlträger aus den Trümmern am Ground Zero, September 2004.

Beim Aufräumen der Überreste des World Trade Center in New York entdeckte ein Arbeiter zwei Tage nach dem Terroranschlag ein Kreuz aus Stahlträgern, das aus den Trümmern ragte. Die Skulptur berührte die Arbeiter. Sie interpretierten das christliche Symbol als Zeichen Gottes und als Ausdruck der Hoffnung: Der Herr hat uns nach der unfassbaren Katastrophe nicht verlassen.

Das Kreuz fand auf Ground Zero, dem Gelände des Grauens, einen Ehrenplatz und diente als Mahnmal. Ende Juli 2011 musste es einem neuen Gebäude weichen und wurde im Keller des Neubaus gelagert – als zentrales Exponat des soeben erbauten Gedenkmuseum. Ende dieses Monats wird das Kreuz pünktlich zum Jahrestag dort ausgestellt. Millionen werden es fortan als kleines Wunder und höheres Zeichen bestaunen.

Der Glaube kennt keinen Zufall

Die drei eingestürzten Türme enthielten Tausende Tonnen Stahlträger. Viele dieser Elemente waren im rechten Winkel montiert, bildeten also eine Art Kreuz. Es überrascht deshalb nicht sonderlich, dass die Arbeiter auf ein Trümmerteil stiessen, das sie an das christliche Symbol erinnerte.

Wer hatte bei diesem Ereignis die Hand im Spiel? Der Zufall oder Gott? Im tief religiösen Amerika, wo sich Präsidentschaftskandidaten mit Stolz als christliche Fundamentalisten präsentieren und die Evolutionslehre als «nur eine Theorie» oder gleich als Irrlehre verdammen, sehen viele Amerikaner im Kreuz von Ground Zero ein Zeichen Gottes. Stellen wir also nüchterne Fragen. Was hat das Kreuz mit Gott zu tun? Was will er damit sagen, falls er wirklich dieses Zeichen gesetzt hat? Welchen Zweck verfolgt er damit?

Viele Gläubige weichen solchen Fragen aus. Sie betrachten ein Phänomen und halten die erste Assoziation für plausibel. Glauben heisst denn auch, für wahr halten. Am liebsten glauben sie, was Trost spendet, ihre Sehnsucht nährt und ihre Ängste betäubt. Deshalb sehen sie gern auch in weltlichen Dingen eine höhere oder spirituelle Bedeutung.

Der Glaube bedient die emotionale Seite in uns. Diese lässt sich nicht gern von Verstand und Vernunft bremsen. Deshalb lieben wir in religiösen Belangen Erleuchtungen und vermeiden nach Möglichkeit Fragen. Der Glaube an einen gütigen Gott nährt die Hoffnung, dass es einen versteckten Sinn gibt. Dass sich im Meer der irdischen Ungerechtigkeiten eine Insel der Freundlichkeit und der Güte finden lässt. Schon die Urchristen haben erkannt, dass der Verstand der Feind des Glaubens ist. Mit entwaffnender Offenheit schrieben sie in die Bibel: «Selig sind die Armen im Geiste.»

Terror als Strafe Gottes?

Wären die Arbeiter auf Ground Zero nicht der Gefühlsduselei verfallen, hätten sie Fragen gestellt. Wäre es von Gott nicht ein sinnvoller Akt der Barmherzigkeit gewesen, die 3000 Eingeschlossenen im Word Trade Center zu retten, statt die göttliche Allmacht in ein versengtes Stahlkreuz zu investieren?

Diese Frage berührt das religiöse Grundproblem der Theodizee, der Rechtfertigung Gottes. Konkret: Wie kann der allmächtige Gott, der nach christlicher Lehre in das Leben der Menschen wirkt, das grenzenlose Leid zulassen? Wie hält er es aus, unschuldige Menschen, die er angeblich nach seinem Ebenbild geschaffen hat, in der Flammenhölle der brennenden Türme sterben zu lassen? Wie kann man an einen Gott als gütigen Vater glauben, der das endlose Leiden auf der Erde duldet? Galileo Galilei erkannte das Dilemma schon vor fast 500 Jahren: «Ich fühle mich nicht zu dem Glauben verpflichtet, dass derselbe Gott, der uns mit Sinnen, Vernunft und Verstand ausgestattet hat, von uns verlangt, dieselben nicht zu benutzen.»

Weil sich die Fragen nach der Barmherzigkeit Gottes dem Verstand erziehen, klammern wir uns gern an Zeichen und Wunder. Auch Theologen und gläubige Philosophen stehen machtlos vor dem Dilemma, dass die Lebenserfahrung mit dem Bild kollidiert, das der christliche Glaube und die Bibel zeichnen.

Wer an Zeichen Gottes glaubt, braucht eine selektive Wahrnehmung. Er muss, selbst bei offenkundig Sinnlosem, alles verdrängen, was das Bild von Gott als gütigem und gerechtem Schöpfer trübt. Das Beispiel vom Kreuz auf Ground Zero zeigt: Die Konsequenz des Glaubens ist der Aberglaube.

hugostamm am Donnerstag den 8. September 2011

Erkenntnisse dienen der sinnvollen Lebensgestaltung

Der folgende Impulstext stammt von Ruedi Schmid (Optimus). Vielen Dank.

Thales, Galileo und Einstein.

In welchem Verhältnis stehen Verstand und Wirklichkeit? – Thales, Galileo und Einstein.

Die Unfähigkeit, Naturereignisse zu deuten, führte ursprünglich zur Erfindung der Götter. Inspiriert von seinen Entdeckungen der Geometriegesetze glaubte Thales bereits 600 v.Chr., dass die Wirklichkeit ohne Götter erklärbar ist. Mit seiner Hypothese, dass Wasser der Urstoff allen Seins und Geschehens sei, legte er den Grundstein. 150 Jahre später schrieb der Philosoph Demokrit, dass man durch endlosen Teilungsprozess auf Elementarteilchen stossen müsse und nannte diese Atome. 300 v.Chr. stellte schliesslich der griechische Astronom Aristarchos fest, dass die Erde um die Sonne kreist, die Sterne Sonnen sind und der Mensch nur ein unbedeutender Teil des Universums darstellt.

Danach wurde die Wunderkraft Gottes als Wirklichkeit verkündet. Aber unter dem Argument «Wunder» ist jede noch so utopische Wirklichkeitsfantasie möglich, was zwangsläufig zu Uneinigkeit, abwegigen Sekten, Missbrauch, Ausnützung, Zwang und Denkverbot führen musste. Um der Folterstrafe zu entgehen, liess z.B. Kopernikus seine Nachweise des heliozentrischen Weltbildes erst an seinem Todestag veröffentlichen.
Daraufhin versuchte Galileo im 16. Jahrhundert vergeblich, Rom vom heliozentrischen Weltbild zu überzeugen. Kontaktfreund Kepler war dank grösserer Toleranz im Norden erfolgreicher, musste dann aber vor den Katholiken flüchten und starb dadurch frühzeitig. Durch seine Planetenbahnberechnungen kam er ausserdem zum wegweisenden Schluss, dass im ganzen Universum Gesetze auf der Basis der Mathematik gelten müssen. Danach folgerte Descartes:

«Die Wirklichkeit ist verständlich, weil sie von den Naturgesetzen regiert wird. Welt und Universum funktionieren ohne Gotteshilfe durch die Naturgesetze und Gott hatte keine Wahl, die Naturgesetze anders zu gestalten.»

Das war ein bedeutungsvoller Schritt, aber erst die Gravitation- und Bewegungsgesetze von Newton machten deutlich, dass die Wirklichkeit bei den Naturgesetzen zu finden ist.
Die Naturgesetze machten Vorausberechnungen möglich, ob eine Brücke hält oder ein Flugzeug fliegt. Nur dank dieser Wirklichkeitserkenntnis erlangten wir Menschen die Fähigkeit, all unsere heutigen Errungenschaften, vom Handy bis zum Weltraumflug, zu entwickeln. Das führte zum Realismus und immer mehr Menschen konnten sich die Wirklichkeit ohne Wunder Gottes vorstellen.

Einsteins Relativitätstheorie zeigte dann aber klar, dass wir die Wirklichkeit nicht verstehen können. Dass z. B. Materie nur eine Form von Energie ist und Zeit sich relativ verhält, kann der menschliche Verstand nicht als Wirklichkeit erfassen. Dabei stellte sich heraus, dass unser Verstand auf die Alltagserfahrung beschränkt ist und wir nur einen Hauch der Wirklichkeit wahrnehmen können. Aber dank der Vorstellungskraft fühlen wir uns in einer wirklichen Welt.

Während man Einsteins Relativitätstheorie noch mathematisch erfassen konnte, zeigten sich im subatomaren Bereich (Basis von allem, was existiert) Phänomene, die unserem Wirklichkeitsbegriff völlig widersprechen, deren Experimente aber durch die Wiederholbarkeit nicht einem Wunder Gottes oder dem Zufall zugeordnet werden konnten. Mit der Quantenphysik, die mittlerweile zum Hauptgebiet der Naturforschung geworden ist, gelang es, jenseits von menschlicher Wirklichkeitsvorstellung Gesetzmässigkeiten zu finden. Dabei kommt man zwar der Wirklichkeit immer näher, aber sie entzieht sich immer mehr dem menschlichen Verstand und zwar so weit, dass selbst namhafte Physiker zweifeln, ob es überhaupt eine reale Aussenwelt gibt.

Damit hat uns die Physik die klare Lektion erteilt, dass unser Verstand zum Leben konzipiert ist und nicht dazu, die Wirklichkeit zu verstehen. Und dass die Werte des Lebens nicht bei der Wirklichkeit zu finden sind, sondern bei den Gedanken, die zur Lebensfreude führen. Und dass wir unsere Wirklichkeitsvorstellung nutzen können, um ein wertvolles Leben zu gestalten. Die Philosophie der Ethik (richtiges handeln zum Wohle aller Menschen) wird dadurch zur sinnvollsten Wissenschaft.

hugostamm am Montag den 29. August 2011

Vertreiben die Philosophen Gott?

Das Denken soll durch nichts eingeschränkt werden: Diogenes bittet Alexander, aus der Sonne zu treten.

Das Denken soll durch nichts eingeschränkt werden: Diogenes bittet Alexander, aus der Sonne zu treten. (Gemälde: Nicolas Andre Monsiau, 1818).

Die Philosophie ist die Königin der Geisteswissenschaften. Sie versucht, das Leben, die Zeit, die Metaphysik, die menschliche Existenz und viele essentielle Fragen rund um Sinn, Moral und Ethik zu ergründen. Philosophie erfordert ein hohes Mass an Logik und abstraktem Denken, aber auch an emotionaler Kompetenz und Einfühlungsvermögen. Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie sind wichtige Pfeiler der Philosophie.

Philosophen haben das Bewusstsein der Menschheit geprägt wie kaum andere Wissenschaft. Griechische Denker hinterliessen uns ein geistiges Erbe, das unser Denken bis in die heutige Zeit prägt. Es waren die weisen Philosophen, die uns die Welt erschlossen und uns aus der geistigen Dunkelheit geführt haben. Philosophie heisst denn auch Liebe zur Weisheit.

In der Philosophie gibt es keine geistigen Grenzen. Alles, was gedacht werden kann, soll gedacht werden. Das Denken soll durch nichts eingeschränkt werden, Tabus darf es nicht geben. Deshalb ist es entscheidend, dass Philosophen geistig unabhängig sind und nicht im Dienst eines Systems, Interessenvertreters oder gar einer Ideologie stehen. Geistige Offenheit und Unabhängigkeit sind das wichtigste Gut der Philosophie.

Die Philosophie teilt sich verschiedene Themenbereiche mit der Theologie. Beide Disziplinen befassen sich mit der Sinnfrage, der Ethik, der Moral und der Metaphysik. Doch was Weisheit und Wissenschaftlichkeit betrifft, ist die Theologie arg im Hintertreffen.

Nehmen wir ein Beispiel: Sowohl die Theologie als auch die Philosophie befassen sich mit der Frage des Seins. Die Theologen stecken aber in einem geistigen Korsett. Ihr Weltbild und ihr Denken ist begrenzt durch eine religiöse Ideologie. Wo ein Gott im Spiel ist, legt sich das Denken Fesseln an. Wenn eine Form von Glauben das Bewusstsein prägt, wird die Logik oder die Wissenschaftstheorie eingeschränkt. Ich kann nicht glauben und gleichzeitig frei denken, weil der Glaube die Gedanken mehr oder weniger bewusst lenkt.

Ein Philosoph muss sich die Welt auch ohne Gott vorstellen können – und zwar bis zur letzten Konsequenz. Wer eine Welt ohne Glauben und Gott nur als Gedankenspiel oder Hypothese postuliert, kommt der Wahrheit nicht näher. Deshalb findet man unter den Philosophen mehr Weise und grosse Denker als unter den Theologen.

Warum haben denn Theologen – zu denen meist auch Geistliche zählen – mehr Einfluss als Philosophen? Die meisten Menschen wollen klare und einfache Antworten, um sich orientieren zu können. Philosophen stellen aber vor allem Fragen. Und wenn sie eine Antwort geben, ist sie meist so komplex oder kompliziert, dass man sich anstrengen muss, um den Sinn zu erkennen. Geistige Anstrengung ist leider kein Volkssport.

Die Mehrheit hält sich lieber an die Antworten der Theologen. Die sind einfach: Gott hat die Welt erschaffen und den Menschen auf die Erde gestellt, auf dass er ein gutes Leben führe und nach dem Tod in den Himmel komme. Somit sind die Fragen nach dem Woher, dem Wohin und dem Sinn endgültig beantwortet. Wozu braucht es da noch Philosophen, die unbequeme Fragen stellen oder sagen, Gott ist tot.

hugostamm am Sonntag den 21. August 2011

Maya: Kein Weltuntergang in Sicht

Der Weltuntergang ist abgeblasen: Illustration der Kollision von Mond und Erde.

Der Weltuntergang ist abgeblasen: Illustration einer möglichen Kollision von Mond und Erde.

Obwohl der Maya-Kalender ausläuft, besteht kein Grund zur Panik, sagten vier Nachfahren der Maya gestern im Zürcher Kongresshaus. Dann beteten sie zusammen, damit die Welt schneller heil wird.

Das Zürcher Kongresshaus war am Donnerstagabend fest in der Hand von Esoterikanhängern. Die spirituellen Sucher füllten den grossen Saal und harrten vier Stunden aus, um von Maya-Ältesten zu erfahren, was es mit dem ominösen Datum vom 21. Dezember 2012 wirklich auf sich hat. An diesem Tag läuft einer der Maya-Kalender aus, verbunden mit apokalyptischen Katastrophen. So verkünden es zumindest viele Endzeitpropheten und Esoteriker. So suggeriert es auch der Untergangsthriller «2012» von Starregisseur Roland Emmerich.

In einem Punkt waren sich die vier Maya-Ältesten Juan Camaja, Cutzal Mijango, Elizabeth Araujo und Vilma Cristina aus Guatemala und El Salvador einig: Die Welt wird Ende nächsten Jahres nicht untergehen, wenn die 5200-jährige Epoche endet. Die Zeitrechnung beginne einfach wieder von vorn. Einig waren sich die Nachfahren der Maya auch, dass grosse Veränderungen anstehen. Die Menschheit werde sich auf neue spirituelle Werte besinnen und einen Weg in die Harmonie finden.

Um die Entwicklung zu beschleunigen, beteten die Kongressbesucher gemeinsam zum Schöpfer des Universums; auf Geheiss von Elizabeth Araujo gaben sie sich alle die Hände.

Liebe, Harmonie, Kosmos

Der Informationsgehalt der Reden der vier Maya, die von Esoterikveranstaltung zu Esoterikveranstaltung gereicht werden, hielt sich in Grenzen. Auch ihre spirituellen Botschaften blieben auf einer bescheidenen Ebene stecken: In jedem zweiten Satz war unspezifisch von Liebe, Harmonie, spiritueller Energie und Kosmos die Rede. Die Hunderten von Zuhörern warteten vergeblich auf die versprochenen neuen Fakten über den Zeitbegriff der Maya, ihre 20 Kalender, ihre Tradition und Kulturen. Das lag wohl daran, dass die ursprünglichen Maya vor 1000 Jahren ausgestorben sind und nur wenige Zeugnisse hinterlassen haben. Ausserdem wurden ihre Hieroglyphen erst um 1980 von westlichen Forschern entziffert.

Das hielt Grandmother Elizabeth Araujo nicht davon ab, die Gelehrten zu kritisieren und ihre Vorfahren zu verklären. Es stimme nicht, dass ihre Ahnen Menschenopfer dargebracht hätten. Diese seien sanfte, spirituell hoch entwickelte Wesen gewesen. Ihre Weisheit kehre in unseren Tagen zurück, ihre Prophezeiungen von einer harmonischen Welt würden sich nun erfüllen. Als Quelle ihrer Erkenntnisse gab sie mündliche Überlieferungen an. Nur: Die Nachfahren der Maya interessierten sich über Jahrhunderte nicht um die Traditionen ihrer Ahnen. Wohltuend aus dem Rahmen fiel Cutzal Mijango. Er prangerte die Unterdrückung der Maya-Nachfahren in Guatemala an. «Wir sind bei uns zu Hause nichts wert», sagte er, «in den Schulbüchern wird behautet, die Maya existierten überhaupt nicht.»

Vilma Cristina erklärte, ihr gesticktes Kopftuch stelle eine Schlange mit Flügeln dar und schaffe eine Verbindung von den Haaren zum Kosmos. Dies gebe einer Frau Kraft. Würde sie die Haare schneiden, gehe die kosmische Energie verloren. Für ihre Spiritualität sei es wichtig, dass sie den Kalender ihrer Vorfahrern benutzen könnten. Schade nur, dass die unterprivilegierten Maya, von ihren Landsleuten abschätzig Indios genannt, den Kalender kaum kennen.

hugostamm am Freitag den 12. August 2011

Bischof Haas erregt wieder die Gemüter

Der Glaube mancher Geistlicher treibt gelegentlich seltsame Blüten und wirft kein besonders günstiges Licht auf die Vertreter Gottes. Hauptdarsteller dieser Geschichte ist Erzbischof Wolfgang Haas. Die Gläubigen der Diözese Chur haben ihn in den 1990er Jahren vergrault. Die Liechtensteiner, offenbar noch konservativer als wir Schweizer, gaben ihm 1997 Asyl. Seine guten Beziehungen zum Fürstenhaus dienten als Schmiermittel.

Das ging lang recht gut. Doch nun bringt Haas auch die liechtensteinische Seele zum Kochen. Pièce de restistance ist die Burg Gutenberg, die über einem Felsen von Balzers thront und zu den Wahrzeichen von Liechtentein gehört. Diese Burg beherbergt eine Kapelle. Ein idealer Ort zum Heiraten. In den letzten fünf Jahren wurde die Burg renoviert. Nun sollen Hochzeiten helfen, die teure Rennovation zu finanzieren. Doch jetzt stellt sich Haas quer. Er weigert sich nämlich, die Kapelle zu segnen und ihr das Gütesiegel der katholischen Kirche aufzudrücken.

Die Begründung lässt viele Liechtensteiner den Kopf schütteln. Unter ihnen sind auch viele, die bisher treu hinter ihrem erzkonservativen Hirten gestanden haben. Haas befürchtet, dass die grandiose Aussicht die Hochzeitsgäste vom eigentlichen Akt, der kirchlichen Trauung, ablenken könnte. Schliesslich gehe es nicht um ein Happening, sondern um eine Glaubenszeremonie, liess Haas verlauten.

Ähnlich argumentierte Haas, als er sich weigerte, am 15. August eine Feldmesse abzuhalten. Dann feiert Liechtenstein seinen Staatstag. Der Erzbischof meinte, die Vermengung eines gesellschaftlichen oder politischen Ereignisses mit einem Gottesdienst sei nicht statthaft.

Wahrscheinlich steckt ein anderer Grund hinter Haas’ Weigerung. Der Erzbischof schmollt ganz einfach. Er ist frustriert, weil Regierung und Fürstenhaus hinter dem Partnerschaftsgesetz gestanden haben und nun gar die Trennung von Kirche und Staat anstreben. Haas fürchtet um seinen Einfluss und seine Machtposition.

Apropos Segnung der Kapelle: Bisher haben sich katholische Geistliche selten geweigert, wenn es darum ging, alle möglichen Gebäude oder Gegenstände zu segnen. Unter ihnen finden sich Schützenhäuschen und Panzer. Was ums Himmels Willen soll denn gesegnet werden wenn nicht ein Kapelle?

hugostamm am Donnerstag den 4. August 2011

Aliens im Anflug auf die Erde

Die Sehnsucht nach Aliens ähnelt der Sehnsucht nach Gott: Imaginierte Ufo-Landung.

Die Sehnsucht nach Aliens ähnelt der Sehnsucht nach Gott: Imaginierte Ufo-Landung.

Erich von Däniken ist einer der erfolgreichsten Schweizer Autoren – zumindest wenn man den Erfolg an den Auflagen misst. Er beweist, dass die Frage nach ausserirdischem Leben viele Menschen fasziniert. Der Gründer des Mysteryparks in Interlaken – für einmal keine Erfolgsstory – sucht in alten Kulturen Dokumente, Monumente und Spuren, die seine These stützen, dass früher Aliens oder ETs unseren Planten besucht haben. Das sind zwar reine Spekulationen, doch von Däniken liefert zumindest interessante archäologische Hinweise. Die grosse Gemeinde der Ufo-Fans klammert sich dagegen nur an unscharfe Fotos von vermeintlichen fliegenden Untertassen und an «Erfahrungsberichte» von Menschen, denen Aliens im Schlaf begegnet sind.

Sind die Spekulationen über ausserirdisches Leben reine Phantasmen? Kaum. Allein die Wahrscheinlichkeitsfrage zeigt, dass Leben auf andern Gestirnen möglich ist. In unserem Sonnensystem existieren mehrere hundert Milliarden Sterne. Und es gibt Milliarden von Galaxien. Es ist fast nicht denkbar, dass da draussen im All nicht irgendwo Leben entstanden ist, denn es gibt mit Sicherheit viele Gestirne, die ähnliche Lebensbedingungen aufweisen wie die Erde.

Die Frage ist nur: Was für ein Leben? Ufo-Fans und von Däniken gehen von menschenähnlichen Aliens aus. Als Menschen können sie nicht anders, als sich die Ausserirdischen nach ihrem Ebenbild zu schaffen. Es ist das gleiche Phänomen wie bei den monotheistischen Religionen: Die Menschen haben Gott auch nach ihrem Ebenbild geschaffen.

Ausserirdisches Leben kann sich aber auch nach ganz anderen Kriterien entwickeln. Vielleicht ist es ein Leben, das auf andern chemischen Bausteinen beruht, das nicht auf Kohlenstoff basiert und nicht auf Zellen aufbaut. Vielleicht funktioniert die Energieversorgung nicht über eine Lichtquelle oder einen Stoffwechsel. Vielleicht sind es Wesen ohne Bewusstsein, die nur «niedrige» Lebensformen entwickeln. Vielleicht haben die Aliens zehn Köpfe oder bestehen nur aus einem Hirn.

Früher suchten die Ufo-Gläubigen ihre Artgenossen auf dem Mond oder einem unserer Planeten. Astronomie und Weltraumforschung haben ihre Illusionen zerstört: Hochentwickeltes Leben ist da nicht zu finden, weil es kein Wasser gibt oder weil es zu heiss oder zu kalt ist. Als die Wissenschafter immer weiter ins All vordrangen und keine Anzeichen von Leben fanden, mussten die «Ufo-Forscher» ihre stümperhafte Suche ausweiten.

Dabei verstrickten sie sich in einen unlösbaren Widerspruch: Wie kann ein Alien nachts eine Frau in ihrem Bett vergewaltigen – das ist ein reales Beispiel, das Ufo-Gläubige immer wieder kolportieren -, das eigentlich Hunderte von Lichtjahren entfernt wohnt? (Es wäre zumindest ein aufwändiges Sexabenteuer.) Wie sollen Ausserirdische uns Menschen entführen? Das alles ist Stoff für die Verschwörungstheoretiker, die behaupten, Regierungen würden Fakten unterdrücken, die den Besuch von Ausserirdischen beweisen würden.

Ufo-Fans bleiben bei allen wissenschaftlichen Erklärungen bei ihren Spekulationen und greifen zu kuriosen Ausflüchten: Ausserirdische werden sehr alt; Fremde Intelligenzen haben technische Möglichkeiten entwickelt, um mit Lichtgeschwindigkeit zu uns reisen; sie überwinden endlose Distanzen durch Bilokation oder Entmaterialisation.

Das alles ist Humbug. Auch von Däniken hat keine plausible Erklärung, wie die Aliens früher zu uns gekommen sein sollen. Er glaubt, dass unsere Vorfahren aus der Steinzeit in den Aliens Götter gesehen haben. Und Götter haben bekanntlich eine unerschöpfliche Trickkiste.

Fazit: Viele Menschen lassen sich nicht von Vernunft und Verstand leiten, wenn es um religiöse, pseudoreligiöse, spirituelle Fragen oder Science-Fiction-Ideen geht. Dann bestimmen Sehnsüchte, Ängste, Hoffnungen und Erwartungen das «Denken». Viele Menschen werden Spielball unbewusster Kräfte und erleiden Wahrnehmungsverschiebungen und Realitätsverluste. Wer sich in Scheinwelten flüchtet, ist manipulierbar und droht, die geistige Autonomie zu verlieren.