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	<title>Hugo Stamm</title>
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		<title>Die frommen Glücksexperten</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 10:45:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hugostamm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dieser Text stammt von meinem Redaktionskollegen und Religionsexperten Michael Meier. «Ich bin ein glücklicher Mensch. Und ich bin ein noch glücklicherer Mönch», bekennt Karl Wallner, Theologe des Stiftes Heiligenkreuz bei Wien. Mit seinem Buch «Wer glaubt wird selig» will er das grosse Glück, das er dort gefunden hat, seiner Lesergemeinde schmackhaft machen. Nein, kein «Reisebüro-Glück» [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Text stammt von meinem Redaktionskollegen und Religionsexperten Michael Meier. </p>
<p>«Ich bin ein glücklicher Mensch. Und ich bin ein noch glücklicherer Mönch», bekennt Karl Wallner, Theologe des Stiftes Heiligenkreuz bei Wien. Mit seinem Buch «Wer glaubt wird selig» will er das grosse Glück, das er dort gefunden hat, seiner Lesergemeinde schmackhaft machen. Nein, kein «Reisebüro-Glück» in Form von Wasser, Sonne, Meer und Palmen &#8211; «das wäre tödlich langweilig» -, sondern ein Glück ganz anderer Art.</p>
<p>Liest man Wallners «Gedanken eines Mönchs über das Glück, sinnvoll zu leben» sowie ein weiteres Dutzend Ratgeber klösterlicher Glücksexperten, gelangt man tatsächlich in eine Art Trancezustand. Und fühlt sich so, als hätte man die ganze Nacht hindurch im Chor der Engel frohlockt. Als sei man ebenso lange am Wurzelchakra massiert worden. Als habe Mike Shiva einen mit dem Pendel ins Reich der Träume entführt. Ist das wahres Glück? Das Paradies?</p>
<p>Für viele offenbar schon. Denn Anleitungen zum Glücklichsein aus der Klosterbibliothek werden millionenfach verkauft. Wallner ist dabei, ein Guru der Szene zu werden, was er auch seiner CD «Chant &#8211; Music for Paradise» verdankt, die zum Welterfolg wurde. Das Rezept des musizierenden und dichtenden Mönchs hat er sich wohl bei Notker Wolf abgeschaut, dem obersten Benediktinermönch weltweit. Der 72-jährige Abt gibt einen spirituellen Ratgeber nach dem anderen heraus und durfte neulich mit seiner Band als Vorgruppe von Deep Purple auftreten. Am erfolgreichsten auf der Glückswelle surft freilich Anselm Grün, ein Benediktiner auch er, der es mittlerweile auf 300 Bücher mit einer Gesamtauflage von 16 Millionen bringt. Gut hundert davon sind beim Herder-Verlag erschienen.</p>
<p>Immer gleiche Wege</p>
<p>In der Schweiz ist Pierre Stutz mit «über einer Million verkaufter Bücher», so seine Website, der Branchenleader. Kein veritabler Mönch zwar, aber Mitbegründer des offenen Klosters Abbaye de Fontaine-André ob Neuenburg, verkündet der Ex-Priester eine Theologie der Zärtlichkeit. Seit Jahrzehnten tastet er sich achtsam, behutsam und empfindsam zum göttlichen Geheimnis vor.</p>
<p>Sein «Kleines Buch vom Kreis des Lebens» ist ein Plädoyer, im Einklang mit den Jahreszeiten zu leben. «Die ersten Frühlingstage laden mich ein, die Kunst des Geniessens zu kultivieren.» Oder: «Knospen konfrontieren mich mit der Frage nach der Hoffnung in meinem Leben.» Überhaupt sind Bäume seine «Gesprächspartner und spirituellen Lehrmeister» geworden. Sie lehren ihn «einen einfachen Lebensstil, in dem Selbstentfaltung und Solidarität keine Gegensätze sind». Ritualbegleiter Stutz ist stets darauf bedacht, seine Spiritualität nicht als blosse Innerlichkeit zu verkaufen, sondern als politischen Akt. Das bewusste morgendliche Aufstehen bedeutet für ihn Aufstehen für die Unterdrückten dieser Welt. «Staunend, stammelnd, jauchzend, lobend, schweigend» wird er eins mit dem Kosmos.</p>
<p>Das Glück der spirituellen Lebenshilfeliteratur macht schnell satt, weil es auf die immer gleichen Wege führt. Wer glücklich sein will, muss «tief ein- und ausatmen», «innehalten in der hektischen Welt», «die Kultur der Langsamkeit lernen», «die Gnade des Augenblicks erkennen» (Carpe diem). Er muss «mit Ritualen den Alltag gestalten», «auf Engel vertrauen», «Konflikte als Chancen sehen», «das innere Kind umarmen», «die Kunst des Abschieds üben», überhaupt loslassen . . . Loslassen ist der Königsweg zum Glück. Eingeübt wird er am besten an Orten der Kraft. Und die Kraftorte mit den besten Frequenzen sind natürlich die Klöster.</p>
<p>Alle propagieren das Kloster als Gegenwelt zum hektischen Alltag. Es ist eine heile Welt, unbefleckt von der Zerrissenheit der Mystiker, auf die sich die Glücksautoren doch ständig berufen. Die mystische Literatur kennt die Gottesferne, das Hadern mit Gott, den Blick in den Abgrund sehr wohl. Die Büchlein der Neomystiker jedoch kommen wie Poesiealben daher, die man früher unter Primarschülern tauschte, geschmückt mit Bildern von Blumen, Knospen, Kleeblättern und Herzen. Als ob es darum ginge, die erste Naivität des Kinderglaubens möglichst rein zu bewahren.</p>
<p>Im Klappentext zum «Kleinen Buch der wahren Freiheit» schreibt Chef-Benediktiner Notker Wolf: «Mit der Freiheit ist es wie mit der Liebe: Wenn man sie aktiviert, wird sie grösser. Und sie bleibt lebendig, wenn sie lebt. Auch Freiheit wächst, wenn man sie lebt. Aber auch nur dann.» Wie wahr! Null-Aussagen finden sich in den Lebenshilfebüchern noch und noch. Inhalt und Titel sind austauschbar. So stösst man in der Klosterbibliothek auch auf «Das kleine Buch vom wahren Glück» oder auf «Das kleine Buch der wahren Liebe». Was bei Stutz «50 Rituale für die Seele» heisst, sind bei Grün «50 Rituale für das Leben». Einst wusste der bärtige Benediktiner durchaus Interessantes über Kontemplation und Versenkung zu sagen. Spätestens seit seinem 200. Buch scheint er jedoch immer trivialer zu werden. «Wenn die Liebe die Sexualität ausklammert, dann ist sie in Gefahr, zu vertrocknen», schreibt Grün etwa. Und man fragt sich bestenfalls, woher der Mönch das weiss. Fast hat man das Gefühl, dass der Verwalter der Abtei Münsterschwarzach schreibt, um die Klosterkasse aufzubessern, die er während der Finanzkrise in den Abwärtsstrudel gerissen hat.</p>
<p>Engel und Esoterik</p>
<p>Auch bei der einzigen Frau, die sich (neuerdings) ein grosses Stück vom spirituellen Lebenshilfekuchen abschneidet, könnte Geld eine Schreibmotivation sein. Margot Kässmann hat seit dem Rücktritt von der Spitze der Evangelischen Kirche Deutschlands vor zwei Jahren schon mehrere Ratgeber mit Riesenauflagen veröffentlicht. Die Bischöfin, die einst als geschiedene Frau in Spitzenpositionen die orthodoxen Kirchen brüskierte, die wegen ihrer Kritik am Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan massiv angegriffen wurde &#8211; diese mutige Frau dümpelt heute in den seichten Gewässern spiritueller Lebenshilfe. In ihrem neuesten Buch «Sehnsucht nach Leben» gibt sie zum Besten, was Hunderte vor ihr gesagt haben: «Wer Stille bewusst sucht, hat ein Bedürfnis, Abstand zu gewinnen. Nachzudenken. Innezuhalten. Vielleicht sich selber wiederzufinden in der Hektik des Alltags.»</p>
<p>Auch sonst stimmt sie in den Chor der schreibenden Mönche ein, wenn sie sich etwa «über die Wiederentdeckung der Engel» freut und moniert: «Wir sollten sie nicht der Esoterik überlassen.» Doch gerade mit ihrem Engelsglauben, ihren Ritualen und anderen Glückstechniken sind die Mönche auf Esoterik-Kurs. Und unterscheiden sich kaum von den Lebensberatern auf Cosma.tv. Zumindest Margot Kässmann, der evangelischen Theologin, sollte Luthers Sola Gratia, die Lehre von der unverdienten Gnade, in den Ohren klingen: Glück ist nicht machbar, Glück kann man sich nur schenken und sich von ihm überraschen lassen.</p>
<p>Gemeinplätze sind Gemeingut</p>
<p>Übrigens kommt die Glücksliteratur ohne Fussnoten aus, da Lebensweisheit keine geistigen Urheberrechte kennt. «Krisen sind auch Chancen», das kann jeder schreiben, als wäre es von ihm. Bei Binsenwahrheiten und Allerweltsthemen darf sich jeder bedienen und plagiieren, was das Zeug hält. Wer wollte schon auf geistiges Eigentum pochen? Gemeinplätze sind Gemeingut.</p>
<p>Und doch zitieren Glücksliteraten gerne und ausgiebig. Gewisse Zitate finden sich sogar in jedem spirituellen Lebenshilfebuch, etwa Antoine de Saint-Exupérys Einsicht: «Man sieht nur mit dem Herzen gut.» Mit Vorliebe zitieren Glückspropheten neben Jesus von Nazareth auch Meister Eckhart, Heinrich Seuse, Thomas Merton, Hilde Domin oder Dietrich Bonhoeffer. Diese Dichter und Mystiker, die aus einer ganz eigenen Sprachkraft schöpfen, werten die Büchlein der Lebenshelfer ungemein auf. Unbewusst scheinen diese zu wissen: Das Glück verdient den unverwechselbaren Ausdruck. Warum dann aber nicht das Schreiben den begnadeten Autoren überlassen, die das Glück nicht mit Worthülsen kleinreden?</p>
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		<title>Obskuranten als Quotenrenner</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 13:02:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hugostamm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Spirituelle und übersinnliche Themen stossen bei einer breiten Öffentlichkeit meist auf ein grosses Interesse. Unvergessen sind die Auftritte von Uriella bei Frank Baumann, Viktor Giacobbo und Roger Schawinski. Das «Sprachrohr Gottes» sorgte regelmässig für Spitzenplätze in der Hitliste der Einschaltquoten. Kein Wunder, war sie regelmässig Gast selbst bei renommierten Talk-Mastern. Doch nicht nur die exaltierte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_926" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2012/01/hs21.jpg"><img class="size-medium wp-image-926" title="Hugo Stamm" src="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2012/01/hs21-300x175.jpg" alt="Es wurden bewusst keine Kritiker der Esoterik in die Sendung eingeladen: Standbild aus dem «Club» vom 3. Januar 2012. (Quelle: SF)" width="300" height="175" /></a><p class="wp-caption-text">Es wurden bewusst keine Kritiker der Esoterik in die Sendung eingeladen: Standbild aus dem «Club» vom 3. Januar 2012. (Quelle: SF)</p></div>
<p>Spirituelle und übersinnliche Themen stossen bei einer breiten Öffentlichkeit meist auf ein grosses Interesse. Unvergessen sind die Auftritte von Uriella bei Frank Baumann, Viktor Giacobbo und Roger Schawinski. Das «Sprachrohr Gottes» sorgte regelmässig für Spitzenplätze in der Hitliste der Einschaltquoten. Kein Wunder, war sie regelmässig Gast selbst bei renommierten Talk-Mastern.</p>
<p>Doch nicht nur die exaltierte Uriella erzielt hohe Quoten, fast alle Vertreter übersinnlicher Phänomene locken die Massen an die Bildschirme. Deshalb suchen viele Journalistinnen und Journalisten der elektronischen Medien immer wieder esoterische Themen oder porträtieren Geistheiler, Wahrsager und Hellseher.</p>
<p>Es ist offensichtlich, dass viele Journalistinnen und Journalisten eine geistige Nähe zu übersinnlichen Phänomenen haben. Auch beim als links verschrienen Schweizer Fernsehen. Diese drängen immer wieder mit entsprechenden Beiträgen ins Programm.</p>
<p>Ruedi Matter, Generaldirektor des Schweizer Radio und Fernsehen, rechtfertigte sich in einem Interview so: «Es gibt viele Menschen, die an übersinnliche Phänomene glauben.» Tatsächlich: Der Dokumentationsbeitrag über den Handaufleger Walter Wiedmer war die meistbeachtete DOK-Sendung des Jahres.</p>
<p>Das wissen auch Medienschaffende, die wenig mit Obskurantismus am Hut haben. Denn auch sie sind gezwungen, erfolgreiche Beiträge zu liefern. Deshalb ist die Versuchung auch bei ihnen gross, den Publikumsgeschmack zu bedienen und die Chefs zu befriedigen.</p>
<p>Selbstverständlich dürfen alle Medien übersinnliche Themen transportieren. Journalisten sollen die Welt abbilden, wie sie sie erleben. Allerdings sollten sie gerade bei sensiblen Themen die journalistische Sorgfaltspflicht erfüllen. Das passiert aber immer seltener.</p>
<p>Zwei Beispiele aus jüngster Zeit: Karin Frei, neue Chefin des Clubs, hat am 3. Januar mit Vertretern der esoterischen und übersinnlichen Gilde diskutiert und bewusst keine Kritiker eingeladen. Es wurde ein einziger Werbespot für die Esoterik und Alternativmedizin. Frei verpasste es auch, kritische Fragen zu stellen. Die Selbstdarstellung verkam zur gegenseitigen Beweihräucherung.</p>
<p>Am 15. Januar strahlte das Schweizer Fernsehen eine Reportage («Reporter») über die Geisterschule von André H. Corell aus. Die Schüler lernten, Poltergeister aufzuspüren und aus dem Haus zu vertreiben. Am Schluss bekamen sie ein Diplom. Eine kritische Stimme gabs nicht im langen Beitrag, Reporter Hanspeter Bäni sagte, er habe mit dem ironischen Kommentar Distanz geschaffen.</p>
<p>Es ist halt nicht sexy, das knackige Thema durch Spielverderber entzaubern zu lassen. Wenn über 45 Minuten ein wohliges metaphysisches Gruseln erzeugt wird, tut es den Produzenten weh, wenn ein Kritiker mit guten Argumenten sagt, dass alles fauler Zauber sei. Dann fällt die Sendung unter Umständen am Schluss in sich zusammen. Deshalb ziehen es Journalisten oft vor, keine kritischen Fragen zu stellen und keine Gegenstimmen einzuholen.</p>
<p>Damit verletzen sie die journalistische Sorgfaltspflicht und leisten einen Beitrag zur Volksverdummung. Nur, weil sie ihr Steckenpferd reiten oder Quoten bolzen wollen.</p>
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		<title>Blocher erschlug Hildebrand mit der Moralkeule</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Jan 2012 10:37:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hugostamm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Moralbegriff unterliegt immer wieder Zeittrends. Religiöse Kreise reklamieren für sich gern die Deutungshoheit für Moral und Ethik. Deshalb haftet der Moralvorstellung oft ein schaler Beigeschmack an. Die Hüter der Moral werden häufig als prüde Moralisten gesehen, die mit ihren moralinsauren Ansprüchen eine Doppelmoral kreieren. Intellektuelle Kreise haben im Zug der Aufklärung und Säkularisierung ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_912" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2012/01/blocher.jpg"><img class="size-full wp-image-912" title="Christoph Blocher" src="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2012/01/blocher.jpg" alt="Christoph Blocher" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Dirigiert den Chor der Moralapostel: Christoph Blocher im Januar 2012. (Bild: Keystone)</p></div>
<p>Der Moralbegriff unterliegt immer wieder Zeittrends. Religiöse Kreise reklamieren für sich gern die Deutungshoheit für Moral und Ethik. Deshalb haftet der Moralvorstellung oft ein schaler Beigeschmack an. Die Hüter der Moral werden häufig als prüde Moralisten gesehen, die mit ihren moralinsauren Ansprüchen eine Doppelmoral kreieren.</p>
<p>Intellektuelle Kreise haben im Zug der Aufklärung und Säkularisierung ein Gegengewicht zur Zeigefinger-Fraktion geschaffen. Doch das Pendel schlägt wieder zurück, was unter anderem mit den fundamentalistischen Tendenzen in verschiedenen Lebensbereichen zu tun hat. Dies lässt sich am Beispiel des <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/Schweiz/dossier2.html?dossier_id=1217" target="_blank">Falls Hildebrand</a> exemplarisch aufzeigen. Die verbissen geführte Diskussion, die kampagnenartige Hetzjagd und die einseitige Fokussierung auf moralische Argumente machen deutlich, dass Moral als politisches Kampfmittel eine Renaissance feiert.</p>
<p>Es ist keine Frage, dass Philipp Hildebrand mit den Devisenkäufen – auch wenn sie von seiner Frau getätigt worden sind – unsensibel gehandelt und Fehler begangen hat. Es ist aber weitgehend erstellt, dass er kein Reglement verletzt und kein Gesetz übertreten hat. Die moralische Empörung der SVP darüber hat alle andern Parteien und Politiker derart unter Druck gesetzt, dass sie sich gezwungen sahen, in den Chor der Moralapostel einzustimmen und Hildebrand fallen zu lassen. So hat die Moral jedes politische Kalkül totgeschlagen – zum Schaden der Nationalbank, zum Schaden der Schweiz.</p>
<p>Ich bin kein Finanzexperte, doch selbst die «Feinde» Hildebrands billigen ihm zu, dass er ein hervorragender Nationalbanker war. Er hat bei der Diskussion um die «Too big to fail»-Debatte ein gutes Konzept ausgearbeitet, selbst gegen den Willen der Grossbanken. Ausserdem hat er den Angriff auf den Schweizer Franken erfolgreich abgewehrt. Sein Beziehungsnetz ist ausgezeichnet, Hildebrand war bei seinen Kollegen im Ausland beliebt, sein Einfluss war gross. Er spielte auch eine wichtige Rolle beim Bankenstreit. In moralischer Blindheit hat man den Mann geopfert, der sich in den letzten Jahren grosse Verdienste zum Wohl der Schweiz erworben hat. Das ist selbstzerstörerisch.</p>
<p>Hildebrand hat mit dem Dollarkauf 75&#8217;000 Franken Gewinn gemacht. Für einen mehrfachen Millionär ist das vergleichsweise wenig Geld. Von gewinnsüchtiger Spekulation zu sprechen, ist vermessen. Hildebrand hat den Fehler auch erkannt und den Gewinn gespendet. Deshalb wiegt sein moralisches Verschulden nicht allzu schwer.</p>
<p>Besonders störend am Fall ist, dass vor allem jene Politiker und Medien die Moralkeule schwingen, denen selbst der Ruch der Doppelmoral anhaftet. Christoph Blocher wollte die Nationalbank seit seiner Abwahl als Bundesrat – teilweise auch schon früher – an die Kandare nehmen, er attackierte Hildebrand auf hanebüchene Weise. Da seine Taktik durchschaut wurde, machte er sich lächerlich. Deshalb schlugen er und die SVP umso heftiger mit der Moralkeule zurück, als ihnen die Kontoauszüge Hildebrands zugespielt wurden.</p>
<p>Doch wie agieren die Moralapostel ihrerseits in ihrer politischen Arbeit? Wie halten sie es mit dem moralischen Anspruch, den sie Hildebrand angelegt haben?</p>
<p>Christoph Blocher ist nach wie vor der starke Mann in der SVP. Er gibt in jeder Beziehung den Ton an und verlangt von seinen Parteifunktionären und Politikern eine klare Unterordnung unter seine Doktrin und einen grossen Einsatz für die Partei. Wer Kritik wagt oder die Parteivorgaben nicht erfüllt, wird gemassregelt oder zurückgestuft. Alle internen Versuche – zum Beispiel der starken Berner Kantonalpartei -, die fast diktatorische Zürcher Parteitaktik aufzuweichen, wurden abgewürgt. Diese Politik ist hinlänglich bekannt.</p>
<p>Diese Parteiraison ist moralisch bedenklich. Viele SVP-Politiker sind gezwungen, an Parteitagen oder bei Abstimmungen in den Parlamenten nach der Doktrin von Blocher zu stimmen – teilweise gegen ihre Überzeugung. Wagen sie es trotzdem, gefährden sie ihre politische Karriere. Dagegen ist der Fehltritt von Hildebrand aus moralischer Sicht harmlos.</p>
<p>Wie es Blocher selbst mit der Moral hält, hat sich beim Deal mit der «Basler Zeitung» gezeigt. Er war der Strippenzieher im Hintergrund und der Geldgeber, was er lange abstritt. Es spricht vieles dafür, dass er die Öffentlichkeit angelogen hat. Dass er nun seine Tochter vorschiebt, um sich reinzuwaschen, zeigt nur wieder seine Doppelmoral. Seine Absicht ist klar: Er will die Meinung der Öffentlichkeit direkt über angeblich unabhängige Medien beeinflussen. Ein Vorgang, der an diktatorische Regimes – oder an Berlusconi &#8211; erinnert. Dass sich ausgerechnet Blocher als Moralhüter aufspielt, ist geradezu verwegen.</p>
<p>Helfershelfer von Blocher und der SVP ist «Weltwoche», die im Fall Hildebrand den moralischen Zweihänder ausgepackt hat. Doch wie hält es das Wochenblatt selbst mit der Moral? In einer pluralistischen Demokratie kann man davon ausgehen, dass die Besitzverhältnisse von Medien, die die öffentliche Meinung prägen, offengelegt werden. Roger Köppel, Besitzer, Verleger und Chefredaktor, weigert sich aber. Was hat er zu verbergen?</p>
<p>Sicher ist, dass Köppel selber nicht genug Geld hatte, um die «Weltwoche» zu kaufen. Irgendjemand hat sie ihm weitgehend geschenkt. Das kann nur eine Person sein, die eine Absicht verfolgt. Wenn man sieht, dass die «Weltwoche» oft wie ein Sprachrohr der SVP funktioniert, und wenn man sieht, wie Blocher die «Basler Zeitung» gekauft hat, bestehen kaum mehr Zweifel, wer zu den Geldgebern gehört.</p>
<p>Apropos Moral: Die SVP hat jahrelang das unmoralische Bankgeheimnis bei Steuerhinterziehung verteidigt, als hienge die Existenz der Schweiz davon ab. (Heute schweigt sie vornehm dazu.) Blocher und die SVP haben vehement die Überbringer der Bankdaten an die deutschen Steuerfahnder verurteilt – und nun selbst mit gestohlenen Bankdaten operiert. Und SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger hat ein Strafverfahren am Hals, weil er angeblich 250&#8217;000 Franken veruntreut hat. Eine Verfehlung, die weit schwerer wiegt als das Devisengeschäft der Hildebrands. Doch Zuppiger ist immer noch im Amt. Das nur zur Frage der Doppelmoral der SVP. Bedenklich ist dabei, dass alle Parteien und die meisten Politiker unter dem Trommelfeuer von Blocher eingeknickt sind.</p>
<p>Kurz: Die Mächtigen bestimmen den Moralkodex und nutzen ihn, um fragwürdige Ziele zu erreichen. Waren dies früher in erster Linie die Kirchen, verwenden heute zunehmend Politiker dieses Instrument, um ihre Machtansprüche durchzusetzen.</p>
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		<title>Surfen mit dem heiligen Geist</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Jan 2012 10:16:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hugostamm</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dieser Bericht über Freikirchen in Brasilien stammt von Sandro Benini,  Südamerika-Korrespondent des «Tages-Anzeigers». Bevor das Spektakel zu Ehren des Herrn beginnt, müssen sich all jene von ihren Sitzen erheben, die zum ersten Mal dabei sind. 50 Personen in einem zum Gebetstempel umfunktionierten Kinosaal im Mittelstandsquartier Perdizes in São Paulo stehen auf. Die anderen Gläubigen umarmen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Bericht über Freikirchen in Brasilien stammt von Sandro Benini,  Südamerika-Korrespondent des «Tages-Anzeigers».</p>
<div id="attachment_894" class="wp-caption aligncenter" style="width: 650px"><a href="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2012/01/hugostamm.jpg"><img class="size-full wp-image-894" title="Hugo Stamm" src="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2012/01/hugostamm.jpg" alt="Auf dem Surfbrett zu Jesus: Messe der evangelikalen Kirche Bola de Neve" width="640" height="398" /></a><p class="wp-caption-text">Eine Sekte für die Generation Facebook: Messe der evangelikalen Kirche Bola de Neve in Brasilien. (Bild: Reuters)</p></div>
<p>Bevor das Spektakel zu Ehren des Herrn beginnt, müssen sich all jene von ihren Sitzen erheben, die zum ersten Mal dabei sind. 50 Personen in einem zum Gebetstempel umfunktionierten Kinosaal im Mittelstandsquartier Perdizes in São Paulo stehen auf. Die anderen Gläubigen umarmen sie. «Sei willkommen, der Herr hat dich hergeführt. Lass es dir gut gehen bei uns.» Bei uns – damit meinen sie die evangelikale Freikirche Bola de Neve (Schneeball), gegründet vor zehn Jahren, angeführt vom einstigen Marketing-Spezialisten und Hobbysurfer Rinaldo de Seixas Pereira. Im sich unentwegt ausdehnenden Universum des brasilianischen Evangelikalismus ist Bola de Neve ein religiöser Fixstern für Junge, Sportliche, Modebewusste – eine Sekte für die Generation Facebook. Deshalb steht auf der Bühne nicht ein Altar oder ein Kreuz, sondern ein umgedrehtes Surfbrett.</p>
<p><strong>Katholische Kirche unter Druck</strong></p>
<p>Die Messe startet mit dem Konzert einer Band, die kitschig-melodiöse Popmusik spielt und dazu religiöse Texte singt: «Auch wenn mich die grossen Wellen verschlingen wollen, auch wenn die Winde blasen und mich das Gewitter erreicht, ich werde keine Angst haben. Mein Leben sei dir geweiht, mein Herr und Retter.» Auf einen grossen Bildschirm werden Videoclips projiziert: Jemand steht auf einer Klippe und breitet die Arme aus, unter ihm das tosende Meer, über ihm sich jagende Wolken. Im Publikum lassen viele mit geschlossenen Augen die Arme kreisen, ihr Gesicht ein Spiegel der Glückseligkeit. Die Tanzenden und Singenden sind fast alle zwischen 20 und 30, ein Mann trägt Igelfrisur und ledernes Pulsband, eine junge Frau Strümpfe, Flamenco-Pumps und einen halblangen Jeansrock. Die beiden rhythmisch klatschenden Pastoren auf der Bühne tragen weisse Turnschuhe. Man wähnte sich in einer Disco, würde nicht nach jedem Stück jemand aus voller Kehle «Halleluja!» schreien.</p>
<p>Im grössten katholischen Land der Erde erlebt die katholische Kirche einen Aderlass an Gläubigen. Einer Studie des privaten Zentrums für religiöse Statistik und soziale Forschung zufolge haben sich während der letzten 10 Jahre mehr als 15 Millionen Menschen vom Katholizismus abgewandt. Davon sind 70 Prozent einer evangelikalen Freikirche beigetreten. Gehörten im Jahre 1999 knapp 10 Prozent der brasilianischen Gesamtbevölkerung dieser Glaubensrichtung an, sind es heute rund 25 Prozent. Unter den 15- bis 29-Jährigen bekundet jeder Fünfte Sympathien für evangelikale Dogmen, in deren Zentrum der segensreiche, rettende Einfluss des Heiligen Geistes steht. Die ritualisierte, oft etwas müde wirkende Feierlichkeit der katholischen Liturgie mit ihrer altertümelnden Sprache haben die Evangelikalen durch jugendliche Spontaneität ersetzt, durch Popmusik, gemeinsames Singen und Tanzen, durch Slang-Ausdrücke. Der international bekannteste Katholik Brasiliens, der Befreiungstheologe Leonardo Boff, sagte kürzlich gegenüber einer Zeitung, die katholische Kirche sei selber schuld an ihrem Niedergang. «Immer mehr Leute suchen einen einfachen, unmittelbaren, emotionalen Zugang zu Gott, und den finden sie bei den Evangelikalen.»</p>
<p>Die ersten evangelikalen Gruppierungen entstanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss von Predigern aus den USA, die jüngeren Freikirchen haben Brasilianer gegründet, nachdem sie ihr Talent zum religiösen Anführer entdeckt hatten – und die Leichtigkeit, mit der sich damit Unsummen verdienen lassen. Die 23-jährige Daniela Araújo beteuert, sie habe sich bei Bola de Neve schon am ersten Tag wohlgefühlt wie in einer Familie, trotz ihres unehelich geborenen Kindes. «Niemand hat mir Vorwürfe gemacht, weil ich Sex hatte, ohne verheiratet zu sein. Heute habe ich meinen Fehler eingesehen. Jesus hat mir verziehen.» Auch dies ist bezeichnend für viele evangelikale Sekten: Sie unterwerfen ihre Mitglieder nicht starren Regeln, sondern bringen sie dazu, sich selber den Gepflogenheiten der Gruppe anzupassen und deren Verbote – allen voran ausserehelicher Sex und Drogenkonsum – zu verinnerlichen.</p>
<p>Für den französischen Lateinamerika-Spezialisten Jean-Pierre Bastian ist die Evangelikalisierung Brasiliens und anderer lateinamerikanischer Länder der wichtigste religiöse Vorgang seit der Missionierung der Eingeborenen durch die europäischen Eroberer im 16. Jahrhundert. Welche politische Macht die Evangelikalen mittlerweile ausüben, zeigte sich bei den letzten Wahlen im Oktober 2010. Dass die heutige Staatschefin Dilma Rousseff in einen Stichentscheid musste, lag vor allem an einer Kampagne der Evangelikalen: Sie behaupteten, Rousseff wolle die Abtreibung legalisieren, und empfahlen dem Stimmvolk die grüne Kandidatin Marina Silva, die als Mitglied der Gruppierung Assembléia de Deus (Versammlung Gottes) eine radikale Gegnerin des Schwangerschaftsabbruchs ist.</p>
<p>Im Parlament haben sich 63 evangelikale Abgeordnete und drei Senatoren zu einer überparteilichen Fraktion zusammengeschlossen. Der vor kurzem verstorbene Ex-Vizepräsident José Alencar gehörte zur Igreja Universal do Reino de Deus (Universalkirche des Reichs Gottes), mit 5,2 Millionen Anhängern die zweitgrösste evangelikale Freikirche des Landes.</p>
<p>Evangelikale Parlamentarier kämpfen für traditionelle Familienwerte, gegen Abtreibung und Homosexuellenehen. Vor allem aber drängen sie in die Kommissionen, die Frequenzen für Radio- und Fernsehkanäle vergeben. Die Universalkirche etwa besitzt ein ganzes Medienimperium, mit dem landesweit zweitgrössten Fernsehnetzwerk Record als Prunkstück. Ihr Begründer, der zum Multimillionär und Grossunternehmer aufgestiegene Edir Macedo, verlangt von seinen Gläubigen den zehnten Teil ihres Einkommens als Spende. Schon mehrmals ermittelte der Staatsanwalt gegen den Sektengründer, weil er Geld gewaschen und mit der organisierten Kriminalität paktiert haben soll. Doch der Bischof Macedo genannte Prediger hat mächtige Freunde: Zur Einweihungsfeier eines seiner Fernsehkanäle erschienen vor 4 Jahren der damalige Präsident Lula sowie der Gouverneur von São Paulo und spätere Präsidentschaftskandidat José Serra. Gegenwärtig lässt Macedo in São Paulo den Tempel Salomons bauen – ein Gotteshaus so hoch wie ein Wolkenkratzer und so geräumig wie ein Flugzeughangar, mit Platz für 10&#8217;000 Gläubige. In den 640 Säulen sollen die Namen all jener eingraviert werden, die das 200-Millionen-Projekt durch eine Spende unterstützt haben.</p>
<p>Die Stärke der evangelikalen Sekten beruht nicht zuletzt darauf, dass sie für viele Bevölkerungsschichten attraktiv sind: für die Armen, weil sie in der trostlosen, von kriminellen Banden heimgesuchten Peripherie der Grossstädte als Hort solidarischer Rechtschaffenheit erscheinen. Bei der aufstrebenden Mittelklasse, weil sie deren Angehörigen im Rahmen einer eigens entwickelten Theologie der Prosperität versprechen, durch Gottes Hilfe sehr reich zu werden. Und für Jugendliche, weil sie die Anhimmelung des Heiligen Geistes mit der Verehrung eines Surfbretts kombinieren.</p>
<p><strong>Schnell, laut und öffentlich</strong></p>
<div id="attachment_903" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2012/01/hsSmall.jpg"><img class="size-medium wp-image-903" title="Hugo Stamm" src="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2012/01/hsSmall-300x193.jpg" alt="Betende Kirchgängerin in einer Bola-de-Neve-Kirche." width="300" height="193" /></a><p class="wp-caption-text">Betende Kirchgängerin in einer Bola-de-Neve-Kirche.</p></div>
<p>Im zum Tempel umgebauten Kinosaal in São Paulo heiraten heute mehrere Pärchen, die schon seit Jahren zu Bola de Neve gehören. Vor der Trauung halten die Verliebten Lobesreden aufeinander, zu süsslichen Synthesizer-Klängen und leisem Getingel gegen ein Schlagzeugbecken. Dann erteilen ihnen die Pastoren den ehelichen Segen, die Zeremonie dauert pro Paar nicht mehr als 10 Minuten. Später werden einer angeblich Besessenen die bösen Geister ausgetrieben. Die junge Frau betritt die Bühne und beginnt zu schreien, ein Prediger brüllt, der Teufel solle ihren Körper verlassen, während er in zunehmender Hektik Kreuze in die Luft malt. Die Verbindung von Hightech-Religiosität und archaischen Ritualen ist ein weiterer Grund für die Anziehungskraft evangelikaler Sekten.</p>
<p>Das Kokettieren mit dem Bösen, das einzig der Heilige Geist überwinden könne, hat einen eigenen Typus des evangelikalen Pastors hervorgebracht: der zum Guten konvertierte ehemalige Verbrecher. Schätzungen zufolge gibt es davon allein in São Paulo mehrere Tausend, einer von ihnen nennt sich Pastor Bang Bang. Erschreckend ist die kriminelle Karriere von Aldidudima Salles: 26 Morde und 15 Banküberfälle hat er begangen, doch man entliess ihn nach 10 Jahren Gefängnis wegen guter Führung. Heute nennt er sich Pastor Salles. Er verdient viel Geld, indem er CDs und DVDs vertreibt, auf denen er schildert, wie böse er früher war und wie gut er heute ist.</p>
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		<title>Angst treibt die Leute in den Fundamentalismus</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 09:01:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hugostamm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Default]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Jahr 2011 wird als mittelprächtiger Jahrgang in die Geschichte eingehen. Es hat uns gezeigt, wie fragil unser politisches und vor allem auch unser wirtschaftliches System sind. Der arabische Frühling hat zwar Hoffnung auf mehr Demokratie in arabischen Ländern gebracht, die weltpolitische Lage ist insgesamt aber nicht stabiler geworden. An der wirtschaftlichen Front ist gar [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_882" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2011/12/91234255.jpg"><img class="size-medium wp-image-882" title="Hugo Stamm" src="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2011/12/91234255-300x200.jpg" alt="Christustag." width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Krisen gehen nicht spurlos an den Menschen vorbei: Besucher des Christustags in Bern, 13. Juni 2010.</p></div>
<p>Das Jahr 2011 wird als mittelprächtiger Jahrgang in die Geschichte eingehen. Es hat uns gezeigt, wie fragil unser politisches und vor allem auch unser wirtschaftliches System sind. Der arabische Frühling hat zwar Hoffnung auf mehr Demokratie in arabischen Ländern gebracht, die weltpolitische Lage ist insgesamt aber nicht stabiler geworden.</p>
<p>An der wirtschaftlichen Front ist gar ein Paradigmawechsel zu beobachten: Die Banken, einst als unerschütterliche Pfeiler betrachtet, sind zur zentralen Gefahrenzone geworden, die ganze Wirtschaften in den Abgrund stürzen können. Und die Eurokrise zeigt uns, dass wirtschaftliche Sachzwänge die Politik beherrschen. Die Zeit der grossen Entwürfe und Visionen scheint vorbei zu sein: Die Politiker rennen von einem Brandherd zum andern und können nur versuchen, den Schaden zu mindern. Dass europäische Länder innerhalb kurzer Zeit verarmen können – trotz des Zusammenschlusses in der EU -, wäre vor kurzem nicht für möglich gehalten worden.</p>
<p>Diese Krisen gehen nicht spurlos an den Menschen vorbei. Die Vorstellung, dass der Wohlstand einbricht und die Altersvorsorge nicht gesichert ist, nistet sich in den Köpfen ein. Ein neues, bedrohliches Weltbild macht sich breit und prägt das Bewusstsein.</p>
<p>Diese Verunsicherungen bewirken bei vielen psychische Reaktionen. Angst mischt sich ins Lebensgefühl. Und Skepsis gegenüber modernen Entwicklungen in allen Lebensbereichen. Gleichzeitig wächst bei verunsicherten Menschen die Sehnsucht nach den – vermeintlich – goldenen früheren Zeiten. Diese Sehnsucht ist der wichtigste Motor für fundamentalistische Tendenzen. Am besten sind diese in religiösen Milieus zu beobachten.</p>
<p>Junge Menschen laufen in Scharen zur charismatischen Freikirche International Christian Fellowship (ICF). Bis zu 3000 Gläubige pilgern Wochen für Woche zu den Gottesdiensten ins Maag-Areal von Zürich. Innert weniger Jahre expandierte die Freikirche ins Ausland und betreibt heute rund 40 Ableger.</p>
<p>Unerwartete fundamentalistische Entwicklungen zeigen sich in arabischen Ländern. Todesmutig kämpften Tunesier, Ägypter, Libyer, Jemeniten und nun auch die Syrer gegen die Diktatoren und vertrieben sie. Doch was machen sie bei den ersten freien Wahlen nach der Revolution: In Tunesien und Ägypten wählten rund je 40 Prozent Islamisten, die klare Wahlsieger wurden. In Ägypten könnte schon bald die Scharia eine zentrale Rolle im Rechtssystem spielen. So haben es sich die Kämpfer für die Freiheit nicht vorgestellt.</p>
<p>Auch ultrareligiöse Juden wagen sich in Israel immer weiter vor. Neuerdings fordern sie die Trennung von Frauen und Männern im öffentlichen Raum.</p>
<p>Auch bei uns wittern die Fundamentalisten Morgenluft. Zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember wagte der Churer Bischof Vitus Huonder einen Angriff auf die säkularen Errungenschaften. In einem Hirtenbrief schrieb er, die Kirche messe die Aussagen und Forderungen der Menschenrechte an der Wahrheit der göttlichen Offenbarung. Den Menschenrechten gehe immer das göttliche Recht voraus, sie stünden und fielen mit dem Respekt vor dem Gottesrecht.</p>
<p>Damit will Huonder das Rad der Zeit zurückdrehen. Er ebnet den Boden für die fundamentalistischen Tendenzen in der katholischen Kirche, die nach der Öffnung durch das 2. Vatikanische Konzil in den 1960er-Jahren einen Rückfall erleidet. Wojtyla und Ratzinger spielten und spielen die Katalysatoren.</p>
<p>Ausserdem: Was, Herr Huonder, ist göttliches Recht? Leiten sie dieses von der Bibel ab? Mit Verlaub: Diese „Gesetze“ haben Menschen geschrieben. Und dass Gott sie autorisiert hat, ist doch stark zu bezweifeln.</p>
<p>Ich wünsche allen Bloggerinnen und Bloggern einen guten Rutsch und ein erspriessliches 2012, verbunden mit dem Dank für das tolle Engagement im Blog. Hugo Stamm</p>
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		<title>Religiöse Menschen sind anfälliger für Vorurteile</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Dec 2011 10:40:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hugostamm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Gläubige Menschen sind gegenüber Mitmenschen offen, tolerant und mitfühlend. Das ist die vorherrschende Meinung. «Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst» ist ein Leitspruch der christlichen Glaubensgemeinschaften, der tief verankert ist im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Der gütige Vater und der barmherzige Jesus sind gängige Stereotypen. Die biblische Aufforderung, die Feinde zu lieben und die andere Wange [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_873" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2011/12/hs1.jpg"><img class="size-medium wp-image-873" title="Hugo Stamm" src="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2011/12/hs1-300x225.jpg" alt="Teilnehmer der Europride 2009 in Zürich, Juni 2009." width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Religiöse Menschen sind homophober als nicht-religiöse: Teilnehmer der Europride in Zürich, Juni 2009. (Bild: Keystone)</p></div>
<p>Gläubige Menschen sind gegenüber Mitmenschen offen, tolerant und mitfühlend. Das ist die vorherrschende Meinung. «Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst» ist ein Leitspruch der christlichen Glaubensgemeinschaften, der tief verankert ist im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Der gütige Vater und der barmherzige Jesus sind gängige Stereotypen. Die biblische Aufforderung, die Feinde zu lieben und die andere Wange hinzuhalten, runden das Bild von der friedlichen Heilslehre ab, die abfärbt auf die Mentalität der Gläubigen. Doch stimmen diese Vorstellungen mit der Realität überein?</p>
<p>Eine Untersuchung der Bielefelder Psychologie-Professorin Beate Küpper zeichnet ein weniger schmeichelhaftes Bild von Gläubigen. Wenn es um Rassismus, Sexismus und Homophobie geht, schneiden religiöse Menschen schlecht ab. Die Studie, die sich auf Deutschland bezieht, stellt vor allem den Protestanten in den östlichen Bundesländern schlechte Noten aus. Diese neigten besonders rasch zu rassistischen Äusserungen, fand Beate Küpper heraus.</p>
<p>Die Psychologie-Professorin forscht seit Jahren auf dem Gebiet der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Sie hat allgemein festgestellt, dass Protestanten und Katholiken schneller zu Vorurteilen greifen als glaubensferne Menschen. Die Ursache sieht sie im traditionellen Absolutheitsanspruch des Christentums. «Dass meine Religion anderen Religionen überlegen ist, zeigt eine Einteilung in besser und schlechter», erklärt Beate Küpper diese Denkweise. Ausserdem hätten laut ihrer Studie viele eine äusserst positive Meinung von sich selbst. Sie fühlten sich in ihren Bewertungen sehr sicher.</p>
<p>Konkret: Über ein Fünftel der deutschen Protestanten stimmten der Aussage zu, Weisse seien zu recht führend in der Welt, bei den Glaubensfernen waren es nur 12 Prozent. Gar über 60 Prozent der Gläubigen stimmten der These zu, in Deutschland lebten zu viele Ausländer. Und fast die Hälfte der befragten Protestanten und Katholiken gab an, Ausländer sollten nach Hause geschickt werden, wenn die Arbeitsplätze knapp werden.</p>
<p>Diese Tendenz war auch in der Schweiz bei der Minarett-Initiative spürbar: Die Stimmung bei Freikirchen-Gläubigen für das Anliegen war offensichtlich.</p>
<p>«Die Kirche muss sich endlich fragen, was da schief läuft», resümiert die Psychologie-Professorin.</p>
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		<item>
		<title>Die Seele neu entdeckt</title>
		<link>http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/blog/2011/12/12/die-seele-neu-entdeckt-3/</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 10:38:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hugostamm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Default]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Impulstext wurde von Ruedi Schmid (Optimus) verfasst. Vielen Dank. Der Entdeckungsurtrieb hat uns Menschen im Laufe der Evolution vom Tier abgehoben, dabei wurde das Bedürfnis, die Seele zu entdecken von den Religionen gestillt, indem sie den Glauben verbreiteten, die Seele sei immateriell, unsterblich, vom Körper getrennt und stehe in Verbindung mit einer höheren Macht. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Dieser Impulstext wurde von Ruedi Schmid (Optimus) verfasst. Vielen Dank.</em></p>
<div id="attachment_862" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2011/12/Einstein-774685.jpg"><img class="size-medium wp-image-862" title="Einstein" src="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2011/12/Einstein-774685-300x218.jpg" alt="Seine Behauptungen, dass eine bewegte Uhr langsamer läuft und Materie nur Energie ist, galten auch jahrelang als kindische Fantasien, bis uns die Nachweise lehrten, dass die Wirklichkeit nicht so ist, wie wir sie wahrnehmen und unser Verstand eine Illusion ist. " width="300" height="218" /></a><p class="wp-caption-text">Einstein zeigte, dass die Wirklichkeit nicht so ist, wie wir sie wahrnehmen: Albert Einstein in den 40er-Jahren.</p></div>
<p>Der Entdeckungsurtrieb hat uns Menschen im Laufe der Evolution vom Tier abgehoben, dabei wurde das Bedürfnis, die Seele zu entdecken von den Religionen gestillt, indem sie den Glauben verbreiteten, die Seele sei immateriell, unsterblich, vom Körper getrennt und stehe in Verbindung mit einer höheren Macht. Wenn man durch Introspektion versucht, die eigene Seele zu erkennen, glaubt man, sie auf diese immaterielle Art zu spüren, aber das ist nur eine Illusion, weil sich die Gedanken im Paradoxon eines selbstbezüglichen Systems verstricken. Die Seele als Organ des Erkennens kann sich hingegen nicht selbst erkennen.</p>
<p>Heute findet man für jede seelische Wirkung im Gehirn eine materielle Ursache elektrischer oder chemischer Art. Auch verbraucht jede seelische Regung Energie, messbar durch den Sauerstoffverbrauch. Ohne dauernde Energiezufuhr stirbt die Seele. Wenn die Seele immateriell wäre, würde sie nicht auf mechanische Verletzungen, Kälte, Drogen und Krankheitserreger reagieren. Auch wird der Tod nach den materiellen Kriterien des Gehirns ermittelt, weil das die einzige Möglichkeit ist, die Seele zu beurteilen. Das sind eindeutige Nachweise, dass unsere Seele materiell funktioniert. An der Seele selbst ändert sich aber dadurch nichts, ausser man regt sich seelisch darüber auf.</p>
<p>So wie sich das heliozentrische Weltbild Galileos trotz religiösem Widerstand durchgesetzt hat, wird sich wahrscheinlich auch das materielle Seelenbild durchsetzen. Da die materielle Seele nicht mit dem ewigen Leben vereinbar ist, würde das für viele Religionen das Ende bedeuten. Auch der Einfluss Gottes auf eine materielle Seele wäre in Frage gestellt, so dass Gott praktisch nur noch als Schöpfer, wie beim Pantheismus und Deismus, Chancen hätte. Die Kirchenaustritte der jungen Generation sind die ersten Anzeichen dieses Wandels, der aber erst mit der Aufklärung durch Eltern und Schulen den Durchbruch schaffen wird, weil es bequemer ist, den Autoritäten zu glauben als selber zu denken.</p>
<p>Gläubige befürchten, dass dadurch menschliche Werte verloren gehen und dass Leben und Sterben erschwert werden. Vergleiche zwischen Gläubigen und Ungläubigen vermögen das jedoch nicht bestätigen. Aber für Menschen, die an ihrem Glauben hängen, kann eine materielle Seele zum Alptraum werden, und es wäre rücksichtslos, nicht abzuwarten, bis sich diese Glaubenskultur verflüchtigt hat.</p>
<p>Die Philosophie versuchte, die Seele durch menschliche Logik zu entdecken, was aber wie bei den Religionen zu unterschiedlichen Resultaten führte. Mit der empirischen Methode der Psychologie gelang es bereits, den Menschen wirkungsvoll seelisch zu helfen. Aber erst durch die Sichtbarmachung der Gehirnfunktionen kommt man der Wirkungsweise der Seele auf die Spur.</p>
<p>Kern der Seele ist das SEIN, das gewisse Etwas, das man als ICH empfindet. Das Besondere daran ist, dass das ICH nur im Zusammenhang mit Wahrnehmungen spürbar wird: Im Tiefschlaf, in Vollnarkose und in speziellen geistigen Zuständen verschwindet das ICH spurlos. Zum Verständnis des ICHs ist wichtig zu wissen, dass Wahrnehmungen nur als Vorstellung im Gehirn existieren, optische Täuschungen oder der Schmerz eines amputierten Gliedes macht das deutlich. Mit folgendem Experiment gelang es, das Geheimnis des ICHs zu knacken:</p>
<p>Mit virtuellen Bildern gelingt es, das Gefühl zu erzeugen, sich ausserhalb des Körpers zu befinden. Das ICH-Empfinden lässt sich also optisch täuschen, was nur möglich ist, wenn es nicht real, sondern nur als Vorstellung durch die Wahrnehmung existiert. Damit sind auch die Nah-Tod-Visionen geklärt. Erstaunlich ist, dass Einstein lange vor dieser Erkenntnis das ICH als eine Art optische Täuschung der Gedanken und Gefühle bezeichnete.</p>
<p>Aufschlussreich ist der Entstehungsprozess der Seele. Gehirnmessungen zeigen, dass etwa drei Monate vor der Geburt die ersten Wahrnehmungen einsetzen. So kann sich für die Geburt die erforderliche Atemnot bilden und auch der Durst. Nach der Geburt erscheint im Wahrnehmungszentrum ein zusammenhangsloses Wirrwarr von Sinneswahrnehmungen, und aus der Neugier, «wo bin ICH», wird aus der Übereinstimmung, wie z. B. Tasten und Sehen eine real erscheinende Welt im Wahrnehmungszentrum gebildet.</p>
<p>Danach entsteht das Bedürfnis, alles Wahrgenommene zu verstehen. Um z. B. die Schwerkraft zu verstehen, werden Spielsachen herum geschmissen, aber das Verstehen kann nicht kommen, weil sich aus der Beobachtung keine Ursache der Schwerkraft ableiten lässt. Deshalb bildet man sich mit der Zeit ein, zum Verstehen genüge die Gewöhnung. Als Einstein gefragt wurde, ob er eine Erklärung für seine Intelligenz habe, antwortete er: «Das einzig besondere an mir ist, dass ich noch nicht aus der Kindheit herausgewachsen bin.» Seine Behauptungen, dass eine bewegte Uhr langsamer läuft und Materie nur Energie ist, galten auch jahrelang als kindische Fantasien, bis uns die Nachweise lehrten, dass die Wirklichkeit nicht so ist, wie wir sie wahrnehmen und unser Verstand eine Illusion ist. Heute geht aus der Physik klar hervor, dass nicht einmal die Grundelemente der Wirklichkeit wie Zeit, Raum, Materie, Energie und Kräfte dem menschlichen Verstand zugänglich sind. Unser Verstand ist nicht für die Wirklichkeit ausgelegt, sondern um Leben zu ermöglichen.</p>
<p>Unser ICH braucht aber das Gefühl einer Wirklichkeit und so konstruiert jeder aus seinen Wahrnehmungen seine eigene Wirklichkeit. Das macht uns zu Individuen mit unterschiedlichen Ansichten, Denkweisen und Gemütszuständen. Das muss so sein, denn mit der Erkenntnis der wahren Wirklichkeit wäre alles geklärt, wir wären alle gleichgesinnt, dem Leben würde Antrieb und Sinn fehlen.</p>
<p>Wie Hirnmessungen bestätigen, ist unser Leben das Produkt unserer Gedanken. Das behaupteten schon Aurelius, Aristoteles und viele Philosophen danach. Einstein meinte sogar, die Unvollkommenheit des Lebens liegt einzig am falschen Denken. Unsere Gedanken sind aber so sehr an unsere selbstkonstruierte Wirklichkeit gebunden, dass wir uns nur mit Meditation oder Drogen davon lösen können. Mit dem Glauben ist auch eine beschränkte Loslösung möglich, aber unser religiöser Glaube hat sich nicht bewährt, weil er nur eine Flucht in ein anderes Abhängigkeitssystem ist und die Gedanken nicht befreit, um direkt die Gefühlswelt, in der das Leben stattfindet zu beeinflussen, wie das zum Teil bei östlichen Religionen der Fall ist. Aber grundsätzlich kann unser Leben nur über die Gedanken einer Wirklichkeit funktionieren, denn sonst würden wir in den Glücksgedanken verharren und unser Leben nicht mehr mit der Jagd nach dem scheinbaren Glück unserer Wirklichkeitsvorstellung antreiben.</p>
<p>Die Entdeckung der Seele hat Vorstellung und Bedeutung des Lebens verändert. Wir wissen nun, dass Leben nur unter sehr begrenzten Bedingungen möglich ist. Es zeigt sich vor allem, dass vieles, was am menschlichen Verhalten unvollkommen erscheint, einen wichtigen Zweck erfüllt. Dies erweckt den Eindruck, dass die Evolution keinen Spielraum hatte, die Seele und das Leben anders zu gestalten. Für Menschen, die sich mit der Vorstellung nicht abfinden können, dass die Wirklichkeit eine lebensnotwendige Illusion ist, wird es schwierig werden. Grundsätzlich müsste aber die Erkenntnis, in einer optimierten Welt zu leben, wo man mit den Gedanken sein Leben selbst bestimmen kann, positive Auswirkungen haben.</p>
<p>Zu verstehen wie die die Seele funktioniert, macht aus dem Leben ein Aha-Erlebnis ohne Aufregung.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Hat Gott bei den Wahlen die Hand im Spiel?</title>
		<link>http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/blog/2011/11/30/hat-gott-bei-den-wahlen-die-hand-im-spiel/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 10:34:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hugostamm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Default]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Schlüsselfragen für Christen lauten: Wie hält es Gott mit der Welt? Sind wir Menschen tatsächlich die Krone der Schöpfung? Hat uns Gott aus Tausenden von Galaxien und Milliarden von Sternen auf unserem Miniplaneten ausgewählt, seiner gigantischen Schöpfung die Krone aufzusetzen? Stehen wir schwachen, anfälligen Menschen im Zentrum seiner Aufmerksamkeit? Für Gläubige, die sich an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_856" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2011/11/hs1.jpg"><img class="size-full wp-image-856" title="Philipp Hadorn" src="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2011/11/hs1.jpg" alt="Nationalrat Philipp Hadorn (SP, SO)." width="300" height="230" /></a><p class="wp-caption-text">Sieht hinter seiner Wahl «klar Gottes Führung»: Nationalrat Philipp Hadorn (SP, SO).</p></div>
<p>Die Schlüsselfragen für Christen lauten: Wie hält es Gott mit der Welt? Sind wir Menschen tatsächlich die Krone der Schöpfung? Hat uns Gott aus Tausenden von Galaxien und Milliarden von Sternen auf unserem Miniplaneten ausgewählt, seiner gigantischen Schöpfung die Krone aufzusetzen? Stehen wir schwachen, anfälligen Menschen im Zentrum seiner Aufmerksamkeit?</p>
<p>Für Gläubige, die sich an der Bibel orientieren, besteht kein Zweifel: Unser Planet ist der Nabel des Universums, Gott hat uns auserwählt. Er hat uns nicht nur erschaffen, er behütet uns, wirkt in die Welt, sorgt sich um uns. Und ganz speziell um die Rechtgläubigen.</p>
<p>Doch wer sind die Rechtgläubigen? Aus unserer christlichen Kulturperspektive können es die Muslime nicht sein. Sie gehen zwar wie alle Buchreligionen auf Abraham zurück, doch Mohamed war in den Augen vieler Gläubigen nicht von Gott inspiriert, als er den Koran verfasste. Auch die Hindus sind fern des Schöpfergottes mit ihren Tausenden Göttern, die oft mehr Dämon denn Heilsbringer sind. Und der Buddhismus ist für Christen keine wahre Religion, weil er keinen Gott kennt.</p>
<p>Tolerante und weltoffene Christen beschleicht bei solchen Überlegungen ein Unbehagen. Vor Gott sind alle gleich, argumentieren sie. Hauptsache, der Mensch bemüht sich, ein Leben nach den Geboten Gottes zu leben, die letztlich universal sind. Damit sind strenggläubige Christen nicht einverstanden. Und sie haben recht: So steht es in der Bibel nicht. Deshalb trug Jesus seinen Jüngern auf, das Evangelium zu verbreiten. Dies ist übrigens eine Bedingung zur Erfüllung des christlichen Heils am jüngsten Tag.</p>
<p>Strenggläubige Christen sind überzeugt, privilegiert und in der besonderen Gnade Gottes zu stehen. Und in seinem Namen zu wirken. Noch mehr: Sie glauben, mit Gott kommunizieren zu können und klare Signale von ihm zu bekommen. Dies gibt ihnen zweifellos ein Gefühl der Überlegenheit.</p>
<p>Ein Beispiel liefert der frisch gewählte Nationalrat Philipp Hadorn. Der Parlamentarier ist 44 Jahre alt, kommt aus Gerlafingen SO und arbeitet als Gewerkschaftssekretär. Hadorn ist seit 13 Jahren Vorsitzender der Gemeindeleitung der Freikirche Evangelische Methodistische Kirche.</p>
<p>Hadorn ist kein ungewöhnlicher Freikirchler. Als linker Gewerkschafter passt er nicht ins Bild der mehrheitlich konservativen Freikirchen-Gläubigen. Immerhin war er so konsequent, nicht der EVP oder der EDU beizutreten, die die Sammelbecken für Freikirchler sind, sondern der SP. Das hindert ihn aber nicht daran, an die Privilegien der wahren Christen zu glauben. In einem Interview steht er offen dazu.</p>
<p>Hadorn gewann die Wahl sehr knapp und lag mit nur 22 respektive 28 Stimmen vor seinen härtesten Konkurrenten. «Hatte da Gott die Hand im Spiel?», fragte der Interviewer. «Für mich ist das ganz klar», antwortete der Neo-Nationalrat. «Ich wusste eine ganze Schar von Betern hinter mir. Von daher sehe ich hinter meiner Wahl klar Gottes Führung – wie schon bei meinem ganzen politischen Weg.»</p>
<p>Die Bibel sei seine Richtschnur, erklärt Hadorn weiter. Er wolle aber nicht behaupten, immer richtig zu entscheiden. «Aber mit dem Wirken des Heiligen Geistes rechne ich konkret.» Gottes Segen bedeute ihm sehr viel. Er bringe zum Ausdruck, dass «Gott immer zu mir steht, was auch passiert».</p>
<p>Die Logik von Hadorn muss ein Desaster für Andreas Brönnimann sein. Der Berner EDU-Politiker wurde bei den Wahlen zum Teufel gejagt. Damit verlor seine stramme Christenpartei ihren einzigen Sitz im Nationalrat. Nach der Leseart von Hadorn bedeutet dies: Gott muss auch bei seinem Mitchristen Brönnimann die Hand im Spiel gehabt haben – wie bei allen Rechtgläubigen. Doch diese Hand liess den Berner fallen. Das ist für den Betroffenen nicht nur eine politische Abfuhr, sondern ein religiöses Desaster, das vermutlich viel schwerer wiegt.</p>
<p>Nur: Wenn man in einer Demokratie genau hinschaut, wählt nicht die Hand Gottes die Parlamentarier, es sind die Stimmbürger, die mit ihrem Wahlzettel die Entscheide fällen.</p>
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		<title>Sterbehilfe ist nicht des Teufels</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Nov 2011 09:22:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hugostamm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Für strenggläubige Christen aller Couleur ist die Sterbehilfe eine Sünde, für manche eine Todsünde. So will es die Bibel. Gott hat uns, wie sie glauben, das Leben geschenkt, der Mensch darf nur beschränkt über dieses Verfügen. Die katholische Kirche ging früher so weit, Selbstmörder – ein schreckliches Wort – von den Friedhöfen zu verbannen. Bevor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_831" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2011/11/dignitas.jpg"><img class="size-medium wp-image-831" title="Klingelschild von Dignitas" src="http://newsnetz-blog.ch/hugostamm/files/2011/11/dignitas-300x210.jpg" alt="" width="300" height="210" /></a><p class="wp-caption-text">Mit Würde gehen: Die Sterbebegleitung kann viel Leiden ersparen.</p></div>
<p>Für strenggläubige Christen aller Couleur ist die Sterbehilfe eine Sünde, für manche eine Todsünde. So will es die Bibel. Gott hat uns, wie sie glauben, das Leben geschenkt, der Mensch darf nur beschränkt über dieses Verfügen. Die katholische Kirche ging früher so weit, Selbstmörder – ein schreckliches Wort – von den Friedhöfen zu verbannen. Bevor es die Sterbehilfe gab, waren Suizidwillige gezwungen, sich umzubringen, teilweise auf schreckliche Art. Verheerend sind oft auch heute noch die Folgen von missglückten Suiziden: Verzweifelte Menschen, die sich in den Kopf schiessen, erleiden dabei keine tödlichen Verletzungen. Dafür bleiben sie für den Rest des Lebens entstellt, verkrüppelt und hirngeschädigt.</p>
<p>Für wortgläubige Christen ist jeder Eingriff in die Grundlagen des Lebens unstatthaft. So auch die Abtreibung. Deshalb greifen Fundis in den USA schon mal Gynäkologen an, wenn sie Abtreibungen durchführen. Die frommen Christen sind zwar gegen Suizid und Sterbehilfe, sie fühlen sich aber legitimiert, im Namen Gottes zu morden.<br />
In der modernen Zivilisation sind diese simplen Weltbilder in Schwarz und Weiss nicht mehr tauglich, oft gar bigott. Die Realität ist viel zu komplex, um ihr mit einfachen Dogmen gerecht zu werden. Die Medizin greift so fundamental in die Grundlagen des Lebens ein – vor allem bei der Gentechnologie -, dass man mit religiösen Dogmen in Teufels Küche kommt. Doch dies realisieren die Fundis nicht, weil sie in ihrer religiösen Verblendung die komplexe Realität auf einfache Glaubenssätze reduzieren.</p>
<p>Ein konkretes Beispiel: Ein naher Bekannter starb diese Woche mit 50 Jahren an Krebs. Sein Leidensweg in den letzten Monaten war schrecklich, der Schmerz unerträglich. Die Gegner der Sterbehilfe, die behaupten, heute könne man diese mit palliativen Methoden lindern, hätten meinen Bekannten im Spital besuchen müssen. Trotz sehr hohen Dosen von Morphinpräparaten litt er Qualen. Oder er fiel in eine Art Wachkoma und war nicht mehr ansprechbar. Wie sehr er selbst in diesem Zustand litt, zeigten sein Reaktionen: Er schlug mit dem Kopf wild um sich, als wollte er ihn gegen die Wand schlagen.</p>
<p>Schliesslich haben ihn die palliativen „Therapien“ umgebracht – oder eben erlöst. Die Ärzte im Spital stoppten auch die künstliche Ernährung, um das Leiden zu verkürzen – oder den Tod zu beschleunigen. Ich hätte dem Bekannten gewünscht, ihm wäre das Leiden der letzten Wochen erspart geblieben. Dazu hätte es nur eine Methode gegeben: Sterbebegleitung durch Dignitas oder Exit. Was hat Gott davon, wenn er seine Geschöpfe, denen er angeblich das Leben geschenkt hat, derart erbärmlich sterben sieht? Wenn er barmherzig wäre, müsste er für die Sterbehilfe sein.</p>
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		<title>Mädchen im Bann einer Esoterikerin</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Nov 2011 17:36:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hugostamm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Dies ist die Geschichte der 14-jährigen Christa (Name geändert). Fragwürdige Fürsorgemassnahmen haben sie und ihre Familie in eine schwere seelische Krise gestürzt. Im Fokus steht eine esoterisch angehauchte Sozialpädagogin, die ihre Kompetenzen überschritt.* Es begann Mitte 2010. Christa litt unter mangelndem Selbstwertgefühl und war in der Klasse isoliert. In wöchentlichen Sitzungen sollte die Sozialpädagogin der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies ist die Geschichte der 14-jährigen Christa (Name geändert). Fragwürdige Fürsorgemassnahmen haben sie und ihre Familie in eine schwere seelische Krise gestürzt. Im Fokus steht eine esoterisch angehauchte Sozialpädagogin, die ihre Kompetenzen überschritt.*</p>
<p>Es begann Mitte 2010. Christa litt unter mangelndem Selbstwertgefühl und war in der Klasse isoliert. In wöchentlichen Sitzungen sollte die Sozialpädagogin der Schule Christa unterstützen. Bald verhielt sich die Schülerin merkwürdig, wurde rebellisch und entfremdete sich von ihrer Familie. Eltern und Bekannten erzählte sie, die Sozialarbeiterin sei eine Lichtarbeiterin und Hellseherin. Die Sozialarbeiterin stritt die Schilderungen Christas ab und wälzte alles auf die blühende Fantasie der Tochter. Als die Eltern sie zur Rede stellten, reagierte Christa heftig. Der Disput zeigte ihr, dass nur die Sozialarbeiterin sie verstehe.Nach rund neun Monaten eskalierte die Situation. Als Christa eines Mittags nicht nach Hause kam, suchte sie die Mutter mit dem Auto. Erfolglos. Ein Anruf der Lehrerin traf sie wie ein Schlag: Die Sozialpädagogin habe Christa am Morgen ins Mädchenhaus gebracht. </p>
<p>Heimliche Besuche </p>
<p>Für die Eltern war das ein behördlicher Willkürakt, er wirkte auf sie wie die Entführung der eigenen Tochter. Sie begannen zu recherchieren. Die Puzzleteile ergaben ein bedrohliches Bild. Die Eltern fanden heraus, dass die Sozialpädagogin die Schweizer Vertreterin einer international tätigen sektenhaften Gruppe war und spirituelle Seminare geleitet hatte. Sie hatte eine enge persönliche Beziehung zu Christa aufgebaut und diese in den Bann ihrer esoterischen Gegenwelt gezogen, die sie verwirrte. «Sie sagte mir, sie könne mit Geistern kommunizieren und müsse Gottes Licht in die Welt bringen», erzählt Christa im Rückblick. «Sie erklärte mir auch, ich hätte besondere spirituelle Begabungen.» Bekannten sagte Christa, sie liebe die Sozialpädagogin wie eine Mutter. Deshalb treffe sie ihre Betreuerin heimlich. Wenn sie achtzehn sei, werde sie zu ihr ziehen. </p>
<p>Die Sozialpädagogin treibt einen Keil zwischen Christa und uns, waren die Eltern überzeugt. Christa dazu: «Sie sagte mir, meine Mutter habe eine Psychose, sie sehe den Geist über ihrem Kopf. Sie sah auch in einer Vision, dass Mami nicht meine leibliche Mutter sei.» Als die Schülerin ein Ekzem an einem Finger hatte, brachte die Sozialarbeiterin sie zu einer Hautärztin, ohne die Eltern zu informieren. «Sie zwängte sich in die Rolle der Ersatzmutter», sagt die Mutter. </p>
<p>Rätselhaft Hämatome </p>
<p>Auch Mails von Christa bestätigten ihre Recherchen: «Mama, ich finde es nicht schön, dass du Frau S. (Sozialpädagogin) gesagt hast, dass du mich nicht lieb hast. Ich habe genug und will nichts mehr von euch wissen!» Die Mutter beteuert, nie eine solche Aussage gemacht zu haben. In einer weiteren Nachricht schrieb Christa: «Ich liebe Frau S. aus ganzem Herzen, ich werde nie mehr zurückkommen.» Später schienen dem Mädchen die Augen aufzugehen: «Liebe Mama, holt mich raus, ich halte es nicht mehr aus. Frau S. zwingt mich, hier zu sein, ich habe gelogen wegen Frau S.» </p>
<p>Die Eltern kannten den Grund der einschneidenden Massnahme immer noch nicht. Später erfuhren sie, dass Schulbehörden und Mädchenhaus Gefährdungsmeldungen an die Vormundschaftsbehörden geschickt hatten. Und dass Christa behauptete, ihre Eltern würden sie schlagen, wie Hämatome an den Oberschenkeln bewiesen. Christa sagt heute auch, dass sie sich die Hämatome an Turngeräten zugezogen habe. Die Eltern hätten sie nie geschlagen. Sie habe dies behauptet, weil sie sauer auf sie gewesen sei.Christa war zwölf Tage im Mädchenhaus. Die Eltern durften keinen Kontakt zu ihr aufnehmen, die Sozialpädagogin besuchte das Mädchen aber mehrmals. Christa: «Ich wollte nicht ins Mädchenhaus, Frau S. hat mich gezwungen.» Die Eltern fühlten sich auch von den Schulbehörden im Stich gelassen. Christa musste in eine Privatschule wechseln, die Sozialarbeiterin durfte weiterhin im Schulhaus arbeiten. Schulpräsidentin Anita Bruggmann behauptete, die Sozialpädagogin sei nie Mitglied dieser esoterischen Gruppe gewesen. Dokumente widerlegen dies jedoch. Im Religionsführer Zürich taucht die Pädagogin als Vertreterin einer sektenhaften Gruppe in der Schweiz auf. </p>
<p>Flucht ins Mädchenhaus </p>
<p>Nach den Sommerferien stellten die Eltern erneut ein sonderbares Verhalten ihrer Tochter fest. Als sie an einem Elterngespräch in der Schule erfuhr, dass die Probezeit wegen ungenügender Leistungen verlängert werde, brach in ihr eine Welt zusammen, und sie flüchtete Hals über Kopf ins Mädchenhaus. Die Eltern fanden heraus, dass Christa wieder Kontakt zur Sozialpädagogin hatte, zumindest telefonischen. </p>
<p>Und wieder behauptete Christa, von den Eltern geschlagen zu werden. Deshalb erwogen die Behörden einen Obhutsentzug. Diese einschneidende Massnahme entnahmen die Eltern beiläufig einem Schreiben der Fürsorgebehörde Wallisellen. Darin hiess es, das Jugendsekretariat Bülach habe beantragt, Christa drei Monate im Mädchenhaus unterzubringen und einen superprovisorischen Obhutsentzug zu erlassen. Die Kosten für den geplanten Aufenthalt betrügen 32 000 Franken. </p>
<p>Die Eltern waren konsterniert, zumal ihnen auch noch Kosten in fünfstelliger Höhe drohten. Sie hatten bereits 4300 Franken für den ersten Aufenthalt von Christa im Mädchenhaus bezahlt, für eine Massnahme, die gegen ihren Willen durchgesetzt worden war. In ihrer Verzweiflung wendeten sie sich an den «Tages-Anzeiger». Der Ton der Behörden änderte sich, als der TA nachzufragen begann. Eigentlich hätte Christa aus der Familie entfernt werden sollen, doch es passierte nichts. Eine heikle Situation drohte vor den Herbstferien. Die Eltern hatten schon lang beschlossen, nach Italien zu fahren, doch ihre Anwältin warnte sie vor allfälligen polizeilichen Massnahmen, wenn sie Christa ins Ausland mitnehmen würden. Doch plötzlich erlaubte die Behörde die Ferienreise nach Italien. Für die Eltern war das ein Beweis, dass nie eine Gefährdung des Kindswohls bestanden hatte. </p>
<p>Pädagogin weiterhin im Amt </p>
<p>Die endgültige Wende kam, als dieser Artikel bereits geschrieben war: Die Vormundschaftsbehörde hob den Obhutsentzug überraschend auf. Für die Eltern eine Erlösung. Die Einweisung von Christa in ein Heim mache zurzeit keinen Sinn, weil sie wieder nach Hause flüchten würde, argumentiert die Vormundschaftsbehörde. Eine geschlossene Abteilung komme nicht in Betracht, weil dies eine unverhältnismässige Massnahme sei und das Mädchen dort mit gewalttätigen Kindern in Kontakt käme, «was für sie nicht förderlich wäre». </p>
<p>Nicht verstehen können die Eltern, dass sie auch eine Rechnung für den zweiten Aufenthalt von Christa im Mädchenhaus über 3850 Franken bekamen und dass die Sozialarbeiterin weiterhin an der Schule arbeitet. Schulpräsidentin Anita Bruggmann will zuerst weitere Informationen einholen und sich mit den Vormundschaftsbehörden absprechen, bevor sie mit der Schulpädagogin über den Fall reden und allfällige Sanktionen ergreifen will. Die Sozialpädagogin selber wollte keine Stellung zum Fall nehmen. Sie wurde beurlaubt, als der Artikel im TA erschienen ist.</p>
<p>*Es handelt sich bei diesem Text um einen Artikel von Hugo Stamm, der am 8. Nov. im TA erschienen ist.</p>
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