Schweiz


Archiv für die Kategorie „Scientology“

Wo überall wühlt Scientology?

hugostamm am Samstag den 19. September 2009

In Frankreich ereignen sich in diesen Tagen wunderliche Geschichten. Einerseits engagiert sich unser westlicher Nachbar im Kampf gegen Sekten wie kein anderes Land in Europa, gleichzeitig änderte das Justizministerium ein Gesetz, sodass Scientology vor der Zwangsauflösung geschützt ist.

Seither verstehen die Franzosen die Welt nicht mehr, die Spekulationen schiessen ins Kraut. Hat Scientology etwa Kanäle bis ins Justizministerium? Spielt gar Präsident Nicolas Sarkozy bei den rätselhaften Vorgängen eine Rolle? Sicher ist nur, dass Frankreich den Verschwörungstheoretikern handfeste Argumente liefert.

Angeheizt werden die Spekulationen von einem Video auf Youtube. Es zeigt den französischen Staatspräsidenten bei einem privaten Besuch von Tom Cruise im Jahr 2004.

Der Hollywoodstar ist das Aushängeschild der Sekte, aber auch ein hochrangiger Funktionär von Scientology und deren wertvollster Botschafter. So hat Cruise schon manche Präsidentenhand geschüttelt. Ausserdem nutzt der Schauspieler jede Gelegenheit, für Scientology zu werben. Nun rätselt Frankreich, ob sein Präsident auch in dieser Angelegenheit eine Rolle spielt. Regierungssprecher sagen, das Treffen mit Cruise habe nichts mit Scientology zu tun gehabt.

Bandenmässiger Betrug?
Konkret geht es um einen Prozess gegen sechs Führungskräfte der Sekte in Paris. Ihnen wird vorgeworfen, Anhänger betrogen, übervorteilt und psychisch unter Druck gesetzt zu haben. Als die Staatsanwältin Mitte Juni dieses Jahres den Antrag stellte, Scientology wegen bandenmässig organisierten Betrugs zu verbieten, waren die Angeklagten geschockt. Sie sprachen von einem Ketzerverfahren und befürchteten das Ende ihrer Organisation in Frankreich. Das Urteil wird am 27. Oktober erwartet. Zu einem Verbot der Sekte wird es allerdings nicht kommen. Das Justizministerium ist der Sekte kurz vor Prozessbeginn zu Hilfe geeilt, wie erst in diesen Tagen bekannt wurde.

Seither wird in Frankreich spekuliert, ob es ein absichtlicher oder fahrlässiger Akt der Regierung war. Um Strafverfahren zu vereinfachen, hatte sie ein Gesetz gestrichen, das die Auflösung von Firmen und Vereinigungen forderte, die wegen Betrug verurteilt worden sind.

Erstaunlich ist, dass die Gesetzesänderung Mitte Mai Senat und Nationalversammlung diskussionslos passiert hat. Die Konsequenzen der Revision wurden erst jetzt im Zusammenhang mit dem Scientology -Prozess bewusst.

Lücke schliessen
Heute reiben sich Ministerium und Abgeordnete verwundert die Augen. Es ist nicht einmal klar, wer die Änderung veranlasst hat. Verschiedene Abgeordnete zeigten sich bestürzt. Der Sprecher der kommunistischen Fraktion ist überzeugt, dass Scientology ins Justizministerium infiltrierte, und verlangt eine Untersuchung.

Die neue Justizministerin Michèle Alliot-Marie hat inzwischen versprochen, die Gesetzeslücke rasch zu schliessen. Doch die Sekte wird durch die Maschen schlüpfen, denn das geplante neue Gesetz wird nicht rückwirkend gelten.

Die Vorfälle in Frankreich erinnern in fataler Weise an Vorgänge in den USA. In den 1990-er Jahren legten sich Hubbards Kolonnen mit den Steuerbehörden IRS der USA an, um die Steuerfreiheit zu erzwingen. Dabei wendete die Sekte erstaunliche Methoden an. Der Slogan: „Wir widmen uns dem wahren Krieg.“ Mit in den „Krieg“ einbezogen wurde auch Interpol. Scientology führte jahrelang eine Schmutzkampagne, welche selbst die mächtigen Organisationen in die Knie zwang. „Interpol diente schon im Dritten Reich als gnadenloser Helfershelfer in der Verfolgung von Juden, Zigeunern und Regimegegner“, schrieb Scientology in einer ihrer Zeitschriften.

Scientology hatte den damaligen Interpolchef Raymond Kendall unter Druck gesetzt. Die Sekte veröffentlichte ein Bild, auf dem Kendall dem ehemaligen Panama-Regierungschef Noriega die höchste Interpol-Auszeichnung im Kampf gegen den Drogenhandel überreichte. Peinlich dabei: Noriega wurde später wegen Drogendelikten ins Gefängnis geschickt.

Scientology gewann auch den Krieg gegen IRS. Jahrelang sammelten die Sektenanhänger persönliche Daten und Unterlagen über IRS-Beamte. In grossen Inseraten forderte Scientology die Bürger auf, ihre negative Erfahrungen mit den Behörden zu melden. Anschliessend publizierten die Scientologen die Sünden der Beamten in grossen Zeitungen und nannten sie namentlich. Und siehe da: Scientology erhielt die Steuerfreiheit und spart seither Millionen.

Scientologen am Ball

hugostamm am Dienstag den 24. Juni 2008

Scientology ist Europameister im Trittbrettfahren. Dutzende von Sektenanhängern sind in den Fanmeilen unterwegs, um Broschüren zu verteilen und neue Mitglieder anzuwerben. Es werde die grösste Kampagne, «die wir je in der Schweiz oder sogar in Europa hatten», schreibt Scientology Zürich in einem Brief an ihre Mitglieder. Und erwartet von ihnen, dass sie 250 Franken oder mehr für die Aktion spenden.

Um den Feldzug vorzubereiten, wurden «Euro-Meetings» organisiert. Dabei ging es um «Briefings mit anschliessendem Drilling». Das Motto: «Ein historischer Ort für einen historischen Event. Der endgültige Call-to-Arms an alle Schweizer Scientologen.» Frei übersetzt: An die Waffen! Die Einladungskarte trägt den Titel «Clear Schweiz», also klären wir die Schweiz. Die Scientologen wollen eine Million Broschüren mit dem Titel «Der Weg zum Glücklichsein» verteilen. Dabei handelt es sich um einen «Leitfaden zu besserem Leben» des Scientology -Gründers Ron Hubbard.

In der Broschüre findet sich kein Hinweis auf Scientology , dafür enthält es einen Spielplan. Das Ziel der Missionskampagne ist unmissverständlich: «Es ist d i e Gelegenheit, tausende Bücher zu verkaufen und unsere Orgs ( Scientology -Zentren, die Red.) mit neuen Leuten zu füllen und ein gutes Stück in Richtung ideale Org zu gehen», heisst es im Brief an die Zürcher Scientologen. Doch es ist verboten, auf öffentlichem Grund Bücher zu verkaufen. Sie wenden ein, die Hubbard-Werke den neuen Kunden erst im Zentrum schmackhaft zu machen. Doch auch damit benutzen sie den öffentlichen Grund indirekt als Verkaufsfläche. (Dieser Artikel erschien auch im TA.)

Tom Cruise – Freiheitsheld in Goebbels-Pose

hugostamm am Mittwoch den 13. Februar 2008

Tom Cruise ist ein Paradebeispiel dafür, wie jahrelange Indiktrination Menschen verändert und in eine Gegenwelt entführt. Als Beispiel füge ich den artikel an, den ich heute im Tages-Anzeiger veröffentlicht habe.

Die Gehirnwäscher aus Hollywood», titelte die «Süddeutsche Zeitung» vergangene Woche. Die Überschrift signalisiert, dass die Filmwelt aus den Fugen geraten ist. In Wirklichkeit ist alles viel schlimmer: Der Film «Walküre», in dem der 45-jährige Scientologe Tom Cruise den Hitler-Attentäter Graf von Stauffenberg spielt, spaltet Deutschland. (Der Film läuft im Sommer an.) Nun liegen sich Politiker, Historiker, Künstler und Medienschaffende in den Haaren. Dabei geht es um die einfache Frage: Darf das «gehirngewaschene» Sektenmitglied Cruise den Freiheitskämpfer Stauffenberg geben?

An der Frage beissen sich die Deutschen mit flächendeckender medialer Begleitung die Zähne aus. Der «Stern» hievte Cruise auf den Titel, sogar die vornehme «Zeit» öffnete ihre Spalten.

Die Scientologen freuts ungemein. Dank Cruise hat die Sekte den Aufstieg in die Championsleague geschafft. Ein Traum für die Hubbard-Truppe, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Deutschland für die Scientologen zu erobern. Mit Cruise zieht ein wenig Hollywood-Glamour in die spartanischen Kursräume von Hubbards Arbeitskolonnen ein. Soll da einer noch sagen, Scientology sei eine Sekte.

Tom Cruise ist für Scientology wie ein Sechser im Lotto. Die Psychosekte hat allerdings hart für den Volltreffer gearbeitet und Millionen in ein Promi-Projekt investiert. In Hollywood führen sie ein mondänes Zentrum, um den Stars den Puls fühlen zu können. So gingen Hubbards Missionskolonnen mehrere Kinohelden ins Netz.

Seit der Trennung von Nicole Kidman spielt Cruise mit heiligem Eifer den Scientology-Botschafter und löste John Travolta ab. Cruise lässt keine Gelegenheit aus, sich mit dem ganzen Gewicht seiner Prominenz für die amerikanische Bewegung ins Zeug zu legen. Bei den Dreharbeiten zum Film «Krieg der Welten» sponserte der Schauspieler ein Scientology-Zelt, in dem die gesamte Filmcrew von «ehrenamtlichen Geistlichen» betreut wurde und eine Einführung in die Geheimnisse der Sekte über sich ergehen lassen musste. Die Macht des Scientologen Cruise geht so weit, dass Regisseur Steven Spielberg die PR-Aktion dulden musste. Ausserdem nahmen etwa 20 Manager des Filmverleihs United International Pictures mehr oder weniger freiwillig an einer Führung durch das Scientology-Zentrum in Los Angeles teil. In Hollywood will es niemand mit dem mächtigen Cruise verderben. Alle bangen um Rollen und Jobs.

Zurück nach Deutschland. Cruise spaltete die geistige Elite, als er letzten Herbst für die Dreharbeiten zum Film über den Hitler-Attentäter in Berlin weilte. Boulevardmedien feierten den Star, und Promis standen Schlange, um ihm die Hand zu schütteln. Unter ihnen der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit. Als Cruise dann vom Burda-Verlag den Bambi-Preis für besonderen Mut erhielt, wurde es manchen doch mulmig.

Nicht so Frank Schirrmacher, Herausgeber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Er fühlte sich geehrt, die Laudatio auf Cruise halten zu dürfen. Prompt titelte seine Zeitung: «Deutschlands Hoffnung heisst Tom Cruise ». «Bild» hingegen schlug einen Salto und hielt in grossen Lettern fest: «Tom Cruise jetzt völlig durchgeknallt.» Grund: «seine irre Rede bei der Bambi-Verleihung». Cruise quittierte Schirrmachers Lobrede mit dem Ausruf: «Es lebe das heilige Deutschland.»

Die Schmierenkomödie torkelte von Höhepunkt zu Höhepunkt. Ein klares Zeichen setzten einzig die Innenminister, die in dieser Zeit den Beschluss fassten, ein Verbot von Scientology zu prüfen.

Doch es kam noch dicker. Im Internet tauchte plötzlich ein Video auf, das Cruise an einer Scientology-Veranstaltung in der Pose eines Diktators zeigt. In seiner kruden Rede rief Cruise im besten Scientology-Jargon: «We clean this place up», was nach scientologischer Ideologie und hubbardschem Machtverständnis nur eines bedeuten kann: «Wir wollen die Welt säubern». ZDF-Historiker Guido Knopp kommentierte: «Tom Cruise tritt wie Goebbels auf.»

Und dieser Tom Cruise spielt nun den Hitler-Attentäter Stauffenberg. So real kann nur die Wirklichkeit Satiren schreiben. Das Lachen ist aber den meisten Deutschen vergangen.

Für die deutschen Scientologen ist es ein Triumph sondergleichen, dass ihr Superheld Cruise den Hitler-Attentäter spielt. So ist Cruise nicht nur der Hauptdarsteller, er ist auch Produzent des Films. Nicht zufällig, denn Deutschland ist das einzige Land, das vor der Sekte noch nicht kapituliert hat. Die eigenen geschichtlichen Erfahrungen haben unsern Nachbarn für totalitäre Systeme, wie Scientology eines verkörpert, sensibilisiert.

Darf Cruise also den Hitler-Attentäter spielen? Halten wir fest: Cruise ist durch und durch Scientologe. Er benutzt seine Popularität als Hollywoodstar, um für die Sekte zu werben. Er vermischt die Rollen als Scientologe und Schauspieler. Ausserdem tritt er als Botschafter der Sekte auf. Man darf gar die Aussage wagen: Er ist zuerst Scientologe und dann Schauspieler. Als Scientologe glaubt er, ein Genie und ein unsterbliches Wesen zu werden. Als Schauspieler bewegt er sich «lediglich» auf dem vergänglichen weltlichen Parkett.

Trotzdem darf Cruise natürlich jede beliebige Rolle spielen, auch den Stauffenberg. Die Frage lautet vielmehr: Ist das sinnvoll? Ist er als Freiheitskämpfer glaubwürdig?

Nach den Auseinandersetzungen können informierte Kinobesucher nicht mehr unbelastet Cruise in «Walküre» bewundern. Sie werden permanent daran erinnert, dass er ein glühender Missionar einer totalitären Organisation ist. Hinter dem Freiheitskämpfer Stauffenberg wird stets die Sektenfratze hervorgucken, denn Cruise steht das Sektenstigma ins Gesicht geschrieben. Damit hat sich Cruise selbst als Stauffenberg unmöglich gemacht.

Allerdings treffen diese Aussagen nur auf Deutschland und Teile Europas zu, denn in den sektenfreundlichen USA wird Scientology weit gehend als Kirche betrachtet. Das kümmert Cruise wenig. Hauptsache, er kann das verhasste Deutschland in Aufruhr versetzen.

Hubbards Superwelt

hugostamm am Mittwoch den 14. Juni 2006

Ich bin erstaunt über das grosse Interesse an Scientology. Ich dachte, die Diskussion über die Gruppe sei erschöpft. (Ich habe vor 25 Jahren ein Buch über Scientology geschrieben und wohl über 100 Artikel dazu veröffentlicht.) Nun, wenn dem nicht so ist, liefere ich gern einen weiteren Beitrag.

Martin Schmid stellt in seinem intelligenten Beitrag gute Fragen. Nur: Wer die Bücher von Hubbard und viele Kursunterlagen gelesen hat, erkennt rasch, dass da kein philosophisches, anthropologisches oder entwicklungspsychologisches Konzept dahinter steht. Man tut Hubbard und den Scientologen zu viel Ehre an, wenn man nach Tiefgründigem sucht. Vielmehr ist seine Lehre ein Sammelsurium aus Science fiction, trivialen Weltanschauungen, unvergorenen psychologischen, philosophischen und pseudowissenschaftlichen Ansichten. Vieles hat Hubbard abgekupfert.

Und vielleicht das Schlimmste: Viele „Erkenntnisse“ stammen aus den 1950-er und 1960-er Jahren. (Beispielsweise Atomphysik) Diese sind inzwischen längst überholt. Doch weil Hubbard bei den Scientologen als unfehlbar gilt, werden seine „Weisheiten“ nicht korrigiert, sondern wortgetreu übernommen. Das führt zu eigenartigen Weltansichten und Weltanschauungen. Und dokumentiert die Autoritätsgläubigkeit und die blinde Verehrung.

So wird denn in den Scientology-Broschüren heute noch meist in der Gegenwart von Hubbard geschrieben, als weile er immer noch leibhaftig unter uns. Dabei ist er vor 20 Jahren unter mysteriösen Umständen gestorben. Und in allen grösseren Scientology-Zentren der Welt ist ein Büro für Hubbard eingerichtet, als sei sein Geist dort anwesend. Die zweite Idee dahinter: Er kann sofort in seiner gewohnten Umgebung weiterarbeiten, wenn er denn wieder kommt…

Dass man Hubbard als „Denker“ oder Religionsgründer kaum ernst nehmen kann, zeigt seine Vorstellung vom Ursprung des Menschen. Dazu ein Auszug aus einem der vielen Scientology-Werke. (Wenn Hubbard eine Qualität hatte, dann sicher die des Schnelldenker und Schnellschreiber. Es ist wirklich unglaublich, was er alles zu Papier gebracht hat. Doch leider ist vieles wirr und absurd.)

„Vor 35 Billionen Jahren löste ein böser Fürst namens Xenn das Problem der Überbevölkerung auf einem andern Planeten, in dem er zwei Billionen Thetanen (Anmerkung: scientologischer Begriff für Seele) zur Erde brachte, die zu jener Zeit als Teegeack bekannt waren. Er stopfte sie in Wasserstoffbomben, die er in einem Vulkankrater explodieren liess. Durch die Explosion wurden die Thetanen, an elektrische Kabel angeschlossen, bis hoch in den Himmel geschleudert. Dann wurde ihnen die R6-Bank eingeprägt, sie wurden in ein Flugzeug geladen und wieder auf die Erde geworfen. Schreckliches Unheil ereilte jeden, der diesen Komplott aufzudecken versuchte, bis uns die Aufklärung gelang. Ron (Anmerkung: für Ron Hubbard) wäre fast selbst elend zu Grunde gegangen.; doch irgendwie überlebte er (Anmerkung: vor 35 Billionen Jahren), allerdings völlig zerschlagen. Xenn wurde für sein Verbrechen bestraft, indem er in eine elektrisch geladene Kiste eingesperrt wurde, die in einem Berg im Westen des nordamerikanischen Kontinentes versteckt worden ist. Dort befindet er sich noch heute.“ (seit 35 Billionen Jahren…)

Das Drama der Menschheit führt Hubbard auf jenes ferne Ereignis zurück. Er behauptet, der Thetan habe damals Schaden erlitten. Er könne sich quasi nicht mehr an die früheren Leben erinnern und degeneriere deshalb laufend. Durch die Scientology-Kurse wird Abhilfe versprochen. Die Scientologen wandern auf der Zeitspur zurück in die weite Vergangenheit – von Leben zu Leben. Jahrmillionen. Dabei spüren sie angeblich traumatische Erlebnisse auf, durchleben sie emotional und tilgen diese – Engramme genannten – Dramen aus früheren Leben. (Freud lässt grüssen). Dann kann man quasi Wissen und Erfahrungen aus Hunderten von Leben in die Erinnerung zurückholen, kumulieren und ein Genie werden. Und irgend wann auch unsterblich – und selbst Leben erschaffen.

“Wahrheit” über Scientology

hugostamm am Montag den 12. Juni 2006

Ich wollte eigentlich nicht auf Scientology eingehen. Doch die Beschönigungen und die hartnäckige Diskussion im Blog animieren mich nun doch, ein paar Informationen zu liefern.

Ich halte mich dabei streng an Zitate. Somit wird mir niemand vorwerfen können, falsche Informationen zu verbreiten, wie die Scientologen seit 30 Jahren behaupten. Und wie dies auch hier im Blog wieder kolportiert wird.

Zur Expansion und zum Machtanspruch ein Zitat von Scientology-Gründer Hubbard: „Wenn jetzt jeder Scientologe in jedem Monat eine neue Person hereinbringen und sie auf dem Weg zur Freiheit starten lassen würde, und wenn dann jede neue Person dasselbe macht, würde das in zwölf Monaten auf VIER MILLIARDEN SCIENTOLOGEN kommen.“ (Soll mich niemand für die sprachlichen Fehler behaften.)

Oder: „Die Welt hat optimistisch gesehen noch fünf Jahre übrig, pessimistisch gesehen noch zwei. Danach gibt’s einen Knall oder vielleicht nur noch Gewimsel. Eine Handvoll von uns arbeiten sich halb zu Tode, um es zu schaffen. (Anmerkung: Gemeint ist, die Welt vor dem Untergang zu retten.) … Die einzige winzige Chance, die dieser Planet hat, lastet auf ein paar schmalen Schultern – überarbeitet, unterbezahlt und bekämpft – die Scientologen.“

Ein bis zu den höchsten Stufen ausgebildeter Scientologe glaubt, unsterblich zu werden, also ein „operierender Thetan“: Das ist laut Definition von Hubbard „ein Wesen, das Ursache über Denken, Leben, Materie, Energie, Raum und Zeit ist“. Ein solcher Thetan (scientologische Seele) kann also sogar Leben erschaffen.

Weiter: „Niemand kann zur Hälfte innerhalb und zur Hälfte ausserhalb der Scientology sein.“ Ein Engagement muss also total sein. Im gleichen Text schreibt Hubbard: „Wenn wir fehlschlagen, ist es aus. Es ist nicht nur eine Frage des Getötetwerdens. Es ist eine Frage, ein Leben nach dem andern getötet und getötet und getötet zu werden. … Wir sind die Elite des Planeten Erde.“

Und in einem andern Pamphlet bezeichnet er seine Getreuen als die Elite des obersten Zehntels der Bevölkerung.

Weiter: „Die gesamte qualvolle Zukunft dieses Planeten für die nächsten endlosen Billionen Jahre hängt davon ab, was Sie hier und jetzt mit und in der Scientology tun.“

Viele Scientologen lassen sich als Auditoren – eine Art Therapeut – ausbilden. Hubbard zur Ausbildung: „Die richtige Ausbildungseinstellung ist: Du bist hier, also bist Du ein Scientologe. Jetzt werden wir Dich zu einem fachmännischen Auditor machen, was auch immer geschieht. Wir haben Dich lieber tot als unfähig.“

Und: „Die Scientology ist heute die wichtigste Bewegung auf der Erde. … In der Scientology geht die Sonne niemals unter.“

Im Ehrenkodex der Scientologen heisst es unter Punkt 12: „Fürchte nie, einen anderen zu verletzen in einer Sache, die gerecht ist.“

Kurse auf den OT-Stufen kosten bis zu 1000 Franken pro Stunde.

Es gibt Spendenkategorien, die bis hinauf zu einer Million Dollar gehen. Bereits haben mehrere Schweizer diese Maximalspende geleistet.

Mitarbeiter der Scientology-Eliteeinheit Sea-Org. unterschreiben einen Mitarbeiter-Vertrag über eine Milliarde Jahre.

Kinder in Sekten

hugostamm am Mittwoch den 19. April 2006

Freudiges Ereignis bei der Familie Cruise: Toms junge Frau Katie Holmes hat ein Mädchen zur Welt gebracht. Damit haben „TomKat“ ihr Liebesglück mit der Geburt von Suri – so soll das Mädchen heissen – besiegelt.
Wie gross das Glück für das Kind sein wird, wird die Zukunft zeigen. Im Moment darf es sich wohl einfach glücklich schätzen, dass es noch ganz im Hier und Jetzt lebt. Und dass es nichts über den religiösen Hintergrund seiner Eltern weiss. Sonst würde es sich vielleicht hintersinnen.
Tom Cruise ist eine glühender und bekennender Scientologe. Und seine Frau wurde es auch, nachdem sie sich in den Schauspieler verliebt hatte. Liebe soll blind machen, sagt der Volksmund. (Manchmal hat er sogar recht.)
Somit ist das Schicksal von klein Suri (Prinzessin) besiegelt. Mindestens vorläufig. Das Mädchen wird scientologisch erzogen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Es hat keine Wahl. Dass ihm die Eltern damit wohl einen Bärendienst erweisen werden, weiss es (noch) nicht.
Was bedeutet eine scientologische Erziehung? Das Kind bekommt wohl eine Scientologin als Nanny. Dann wird es schon bald in den „Genuss“ von Kinder-Dianetik kommen, eine Art scientologischer Therapie. Es wird auf der Zeitspurt zurückwandern durch frühere Leben, 100’000 Jahre, vielleicht 1 Million Jahre. Dabei wird es nach so genannten Engrammen suchen, traumatischen Erlebnisse aus früheren Leben. Man wird ihm weis machen, dass ein böser Fürst Xenu uns vor etwa 75 Millionen Jahren geistig verkrüppelt hat. Es wird glauben, dass unsere Thetane (Seelen) von einem fernen Planeten eingewandert sind. Und man wird ihm eintrichtern, dass Errettung und Erlösung nur denjenigen zukommen werden, die (teure) Kurse bei Scientology belegen. Ja, wird man ihm sagen, wenn du schön brav die Schriften von Ron Hubbard studierst und Kurse absolvierst, dann wirst du ein Genie, dann winkt dir die Unsterblichkeit.
Und es wird natürlich eine Scientology-Schule besuchen oder von Scientology-Lehrern Privatunterricht erhalten. Somit schliesst sich der ideologische Kreis: Das Mädchen wird die Welt ausschliesslich durch die scientologische Brille erfahren. Und diese Brille ist mit Gläsern bestückt, welche die Welt total verzerren.
Und was passiert, wenn es diese Brille eines Tages ablegen will, um die Welt einmal mit blossen Augen zu betrachten?
Ein Lied davon könnte ein 15-jähriges Mädchen singen, das zusammen mit den Eltern in einer fernöstlichen Gurugemeinschaft aufgewachsen ist. Es hat jahrelang meditiert und für die Gruppe gearbeitet. Die Schule besuchte es nie. Dann gingen dem Vater die Augen auf, er verliess die Gruppe. Er wollte unbedingt, dass seine Tochter wenigstens einen Teil des Schulwissens nachholen konnte. Doch die Richter gaben das Sorgerecht der Mutter. Als das Mädchen zwölf war, begann es zu rebellieren. Es wollte die Gruppe verlassen. Doch es musste realisieren, dass es ohne Schulabschluss in der Gesellschaft verloren war. So liess es sich von seiner Mutter weich klopfen und kehrte bald wieder in den Schoss der Gruppe zurück. Durch die Indoktrination und Entfremdung von der Umwelt hatten ihm die Eltern die Zukunft verbaut.
Die Chancen für das kleine Mädchen von Tom Cruise und Katie Holmes dürften besser sein. Es wird berühmt werden und muss sich keine Existenzsorgen machen. Doch die Eltern rauben ihm die geistige Freiheit, bevor es richtig denken kann. Leider gibt es kein Gesetz, das Kindern erlaubt, die Eltern wegen geistiger oder religiöser Manipulation einzuklagen.

Scientologen missionieren auf öffentlichem Grund

hugostamm am Donnerstag den 9. Februar 2006

Um Scientology ist es in den letzten Jahren ruhig geworden. Die vielen negativen Medienberichte in den 90-er Jahren haben der amerikanischen Sekte geschadet. Seither bemüht sie sich, den Flurschaden zu begrenzen und das Image aufzubessern. Einerseits werden die Mitarbeiter und Mitglieder etwas pfleglicher behandelt (weniger Druck, Geld zu „spenden“), andererseits treten die Scientologen weniger aggressiv in der Öffentlichkeit auf.

Trotzdem hat sich eine TA-Leserin am Mittwoch wieder einmal über die missionierenden Scientologen geärgert. „Ist es legal, dass Scientologen die Passanten auf öffentlichem Grund belästigen dürfen?“ Sie entdeckte die Anhänger der Organisation am Mittwoch (8.2.06) beim Albisriederplatz in Zürich, wo sie auf öffentlichem Grund einen überdachten Stand aufbaut hatten. Den Passanten erklärten sie, sie würden eine Umfrage zum Thema “Lesen Sie gern?” durchführen. Gleichzeitig hätten sie einschlägige Pamphlete verteilt, erklärt die Leserin. Sie kann nicht verstehen, dass eine Sekte von den Behörden eine Bewilligung erhält, einen Stand an bester Passantenlage aufzubauen.

Wie ist das möglich?

Scientology bezeichnet sich bekanntlich als Kirche. Kenner der Szene sind aber überzeugt, dass dies ein Etikettenschwindel ist. Die Organisation hat zwar Geistliche und führt Gottesdienste durch, sie schreibt aber auch klar, dass sie sich nicht mit Gott beschäftigt. Als Kirche geniesst man halt Vorteile, die sich Scientology nicht entgehen lassen will. (In den USA zahlt sie keine Steuern.) So bekommt eben nur eine Glaubensgemeinschaft die Bewilligung, einen Stand auf öffentlichem Grund aufzubauen und Passanten anzusprechen. Dabei erhalten die Scientologen die Auflage, keine Bücher oder Kurse zu verkaufen.

Es ist kein Geheimnis, dass sich bei Scientology fast alles ums Geld dreht. Und dass die Gruppe kaum etwas unternimmt, ohne an den Profit zu denken. Und man liegt wohl kaum falsch, dass die Scientologen überzeugt sind, dass sich ihr Aufwand früher oder später auszahlt. Dann zum Beispiel, wenn die Passanten durch die Umfrage oder die Flugblätter neugierig werden. Und im Gespräch lassen sich die Passanten natürlich leicht ins nahe Sektenzentrum einladen. Wo dann das Geschäft ganz legal abgewickelt werden kann.

Viele Zürcher ärgern sich, dass die Behörden den Scientologen nicht die Stirn bieten und ihnen die Bewilligung nicht verweigern. Ursprünglich taten sie das. Doch die Scientologen fochten den Entscheid durch alle Instanzen an. Bis vor Bundesgericht. Und der Gesetzesbuchstabe entschied zu Gunsten der umstrittenen Organisation. Denn das Gesetz weiss halt nicht, dass Scientology in erster Linie eine kommerzorientierte Organisation ist. Oder liegt es daran, dass es die Bundesrichter gar nicht so genau wissen wollen?