Schweiz


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Haiti – gelobtes Land für Missionare

hugostamm am Dienstag den 9. Februar 2010

Haiti liegt seit dem Erdbeben am Boden. Wieder einmal hat es eine von der Welt vergessene Bevölkerung getroffen, die ohnehin schon seit Jahrzehnten dem Abgrund entlang strauchelt und von allen Göttern verlassen scheint.

Die Katastrophe hat das geschundene Land mit einem Schlag ins grelle Licht der Scheinwerfer gerückt. Die Bilder von den verletzten und verzweifelten Kindern und Frauen gingen ans Herz. Wo starke Emotionen im Spiel sind, werden sie in unserer Zeit von der modernen Kommunikationsgesellschaft sofort bewirtschaftet.

Mission – PR für Gurus und Götter

Dieses Phänomen nutzen Sekten und Freikirchen konsequent für ihre Zwecke. Sie sind in den letzten Jahren PR-Profis geworden. Ihr Kerngeschäft ist die Mission, eine spezielle Form der Werbung. PR für Gurus oder Götter – und für die eigene Glaubensgemeinschaft – sind dort am wirksamsten, wo die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit liegt. Deshalb ist Haiti seit dem Erdbeben für Missionare schon fast ihr gelobtes Land.

Denn: Wo Kirchen wie Kartenhäuser einstürzen, lauern die Chancen für die Heilsbringer aller Couleur. Elend macht hilflos, stürzt die Mensch in Angst und Verzweiflung. In ihrer Not greifen sie nach jeder Hand, die ihnen entgegengestreckt wird. Dabei können sie sich den Luxus nicht leisten zu fragen, ob die Hand zum verlängerten Arm einer Sekte oder Freikirche gehört.

Ereignen sich grosse Katastrophen, stehen die Scientologen sofort auf der Matte. Nach dem Massaker im Zuger Parlament oder dem Absturz der Crossair-Maschine bei Bassersdorf waren sie sofort zur Stelle. Ihr PR-Highlight war – vor dem Erdbeben auf Haiti – 9/11. Die ehrenamtlichen Geistlichen, wie sie sich nennen, sind eingekleidet in gelbe Überzüge mit dem Schriftzug „Scientology“ und arbeiten – Zufall oder nicht – meist da, wo die Kameras postiert sind.

John Travolta im Krisengebiet

Nach dem Erdbeben auf Haiti schickten die Sektenbosse sofort ihren Vorzeigepromi John Travolta auf die Piste. Der Schauspieler holte seine für 150 Passagiere ausgelegte Boeing 707 aus dem Hangar und flog den scientologischen Hilfstrupp persönlich ins Krisengebiet. Fernsehkameras begleiteten die Mission. Mehr PR geht kaum.

Was den Scientologen heilig, ist anderen Sekten und Freikirchen billig. Die Gläubigen schwärmten in grossen Scharen aus, um den Katastrophenopfern Suppe und Gott zu bringen.

Der missionarische Eifer artete bald aus. So entführten christliche Missionare aus den USA in ihrer Verblendung 33 angebliche Waisenkinder. Haiti ist für sie das Reich des Satans, wo schwarze Magie und Voodoo-Zauber grassieren. Die Fundamentalisten glaubten, ein gutes Werk für Gott zu tun, wenn es ihnen gelingen würde, dem dunklen Land Kinder zu entreissen. Der bekannte Fernsehprediger Pat Robertson wagte auszusprechen, was viele Fundamentalisten denken. Der ehemalige Kandidat für die amerikanischen Präsidentschaftswahlen bezeichnete das Erdbeben von Haiti als Strafe Gottes. Die Haitianer hätten einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, sagte er.

Das ist purer Aberglauben. Erdbeben sind Naturkatastrophen, die mit Gott nichts zu tun haben. Mission in Krisengebieten ist moralisch anrüchig. Solche Prediger nutzen die Not der Opfer, um ins Rampenlicht zu geraten und missionarischen Profit zu schlagen. Denn nirgends ist Mission leichter und erfolgreicher als in Katastrophengebieten. Opfer, denen auf der Erde nichts mehr bleibt, akzeptieren auch fremde Götter – wenn sie in deren Namen ein Stück Brot bekommen.
Wer mit dem scientologischen oder christlichen Kreuz in der Hand Reis verteilt, respektiert Würde und Glauben der Erdbebenopfer nicht, sondern nützt ihre Not aus, um nach ihrer Seele zu greifen.

Der Islam braucht Aufklärung

hugostamm am Montag den 1. Februar 2010

Für radikale Christen mit dogmatischer Haltung sind Aufklärung und Humanismus Werkzeuge des Satans. In ihren Augen begann die Krise des Christentums und des Abendlandes mit der geistigen Emanzipation der Massen. Was für fortschrittliche Personen ein grosser Schritt zur Würde der Menschen ist, betrachten Fundamentalisten als Beginn der Dekadenz, begleitet vom Zerfall der Werte und der Moral.

Wie wichtig aber Aufklärung ist, um die Gesellschaft in die geistige Freiheit zu führen, zeigt sich bei den Fundamentalisten in islamischen Ländern. Der amerikanische Autor Theo Padnos hat drei Jahre undercover in jemenitischen Koranschulen verbracht und ein Buch über seine Erfahrungen mit fanatischen Islamisten geschrieben. Es soll in diesem Frühjahr in den USA erscheinen.

In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger zeigt Padnos auf, was für ein verschrobenes Weltbild die Islamisten pflegen. Aus ideologischer oder religiöser Verblendung heraus biegen sie die Realität so lang zurecht, bis sie ihren Wünschen und Sehnsüchten entspricht. Oder ihren Ressentiments und Vorurteilen. Fragen oder Gegenargumente werden schon gar nicht zugelassen. Was nach Ignoranz und Dummheit aussieht, entpuppt sich aber als Realitätsverlust und Wahrnehmungsverschiebung. Letztlich ist es die Folge einer Indoktirnation, die Verstand und Vernunft ausschaltet.

Ein paar Beispiele: Padnos erzählt, viele Islamschulen würden die Ummah vermitteln, also die Idee der globalen Familie von Gläubigen: „Die Schüler sollen die islamische Gegenwart erforschen und die Vergangenheit entdecken. Diese islamische Vergangenheit wird als etwas immer Grossartiges vermittelt, während die Gegenwart für den Islam als demütigend empfunden wird. Das wichtigste Ziel ist es, die Schüler dazu zu bringen, sich zu fragen, was sie persönlich tun können, um das Goldene Zeitalter der drei Kalifen im Mittelalter wiederzubringen, als der Islam stark war.“

Laut Padnos hat der Islam radikale Aspekte: Das Frauenbild, die Vorstellung vom Heiligen Krieg, die Einstellung zur Gewalt. „Aber er hat auch eine mystische und fast empfindsame Seite. Ein grosses Problem ist das Weltbild, das in den Schulen vermittelt wird, nämlich dass der Islam vom Westen betrogen werde. Schon nach kurzer Zeit fühlen sich die Schüler persönlich bedroht und angegriffen, und sie wollen zurückschlagen und dabei viele Feinde und am besten Juden töten.“

Padnos erlebte, dass die meisten Schüler in den Koranschulen das Gefühl empfanden, in einer Art Krieg mit dem Westen zu sein, der Gewalt rechtfertigt. „Der Mord an den beiden deutschen Krankenschwestern vor einiger Zeit etwa wurde im Unterricht gutgeheissen“, sagte Padnos. Und die meisten Schüler seien grössenwahnsinnig und glaubten, irgendwann den Islam allein retten zu können.
Es herrsche zwischen dem Lehrer und den Schülern Einigkeit, dass die Krankenschwestern nicht jemenitischen Frauen bei der Geburt zu helfen wollten, sondern das Ziel verfolgten, dass sie in Zukunft keine Kinder mehr bekommen könnten, sagte Padnos weiter. Die Begründung: Der Westen wolle alles kontrollieren und nun dafür sorgen, dass jemenitische Frau nicht mehr so viele Gläubige zur Welt bringen würden. Am Ende sagte der Lehrer: «Die Vereinten Nationen und die Christen wollen nicht, dass ihr Kinder bekommt. Jeder von euch muss rausgehen und zehn Kinder bekommen.» In einem Raum mit sexuell frustrierten Männern – in den Koranschulen sind natürlich keine Frauen erlaubt – kam die Idee sehr gut an, sagte Padnos.

Auf die Frage, warum sich der Islam immer weiter radikalisieren würde, antwortete der Autor: „Viele islamische Länder haben etwas von einer bröckelnden Burg. Und nirgendwo brechen die Steine im Augenblick schneller aus der Mauer als im Jemen. Natürlich würden die Bewohner der Burg gerne sehen, dass Zinnen und Türme stolz in den Himmel ragen, und sie hassen den schleichenden Verfall. Viele Jemeniten haben das Gefühl, dass die Mächtigen in ihrem Land alles verkaufen. Die Felder, das Land, die Bodenschätze. Für viele Muslime ist das Land aber für die Familie der Gläubigen da, nicht für westliche Firmen, Soldaten oder Touristen.“
Padnos schätzt den Jemen als unfähigen Staat ein. Der wachsende Einfluss radikaler islamischer Gruppen werde das Land ins Chaos treiben. Ein Chaos, das es für Al-Qaida-Terroristen interessant mache.

Falsche Vorstellungen vom „Feind“ und religiös-ideologische Fixierungen sind der Nährboden für erfolgreiche Indoktrination. Diese führt zu einem verschrobenen Weltbild und falschen historischen und politischen Bildern. Der aktuell bedrohlichste geopolitische Konflikt beruht also auf religiösem Fanatismus. Das einzige Gegengift wären vernünftige Erziehung, Bildung und Aufklärung. Um das zu erreichen, müssten die Frauen endlich mehr Rechte bekommen. Doch diese haben keinen Zutritt zu den Koranschulen und sind in den Moscheen ohne Einfluss. Die grösste Gefahr für die Menschheit ist eine einseitige Männergesellschaft.

Deshalb in islamischen Ländern: Frauen an die Macht.

Töten im Namen Gottes

hugostamm am Donnerstag den 21. Januar 2010

Die Kreuzzüge sind eines der traurigsten Ereignisse in der wechselvollen Geschichte des Christentums. Mit der Bibel in der Hand massakrierten die christlichen Horden wahllos Zehntausende – unter ihnen viele Moslems.

Eine Geschichte aus den USA erinnert in fataler Weise an die mittelalterlichen Gräueltaten der marodierenden Horden, die das Banner von Jesus hochgehalten hatten. Eine Firma aus Michigan baut nun im Auftrag der Regierung Zielfernrohre, mit denen amerikanische Soldaten auf Iraker und Afghanen – also grossmehrheitlich Moslems – schiessen. Das Sonderbare an den Instrumenten: Sie enthalten eigenartige Gravuren. So steht etwa geschrieben «2Cor4:6» oder «JN8:12». Das sind Hinweise auf Bibelstellen: 2. Brief an die Korinther oder Johannes 8, 2. «Wer mir folgt, wird niemals in der Dunkelheit sein, sondern das Licht des Lebens finden», heisst es etwa in Johannes 8, 12. Übersetzt: Meine Kugel trifft den Gegner, bevor seine Kugel mich in die Dunkelheit befördert.

Mit den tröstenden Worten Gottes vor Augen lässt sich offenbar besser zielen. Es könnte ja sein, dass die Moslems im Dienst des Antichristen das Abendland ausradieren wollen.

Christliche Geistliche segnen oft Waffen. Deshalb ist es nur konsequent, wenn amerikanische Soldaten mit Bibelsprüchen im Visier zum Töten schreiten.

In der Bibel heisst es aber auch: Liebet eure Feinde. Und: Du sollst nicht töten. Diese Verse sucht man vergeblich auf den Zielfernrohren.

Zweites Beispiel: Der bekannte Fernsehprediger Pat Robertson, ehemaliger Kandidat für die amerikanischen Präsidentschaftswahlen, bezeichnete das Erdbeben von Haiti als eine Strafe Gottes, weil die Haitianer einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hätten. Er bezieht sich dabei auf ein historisches Ereignis aus dem Jahr 1791, bei dem Voodoo-Rituale zelebriert worden sein sollen.

Beide Ereignisse zeigen, dass fundamentalistische Christen in den USA geistig noch im Mittelalter stecken. Dagegen gibt es nur ein Rezept: Radikale Aufklärung und Kampf gegen den Aberglauben. Wie wir wissen, wehren sich auch viele Blogger in diesem Forum gegen die Aufklärung, die sie als Werkzeug des Satans brandmarken. Deshalb tut eine Diskussion darüber Not.

Sind Religionen Verschwörungstheorien?

hugostamm am Mittwoch den 18. November 2009

Eine interessante These bezüglich Verschwörung vertritt der Konfliktforscher und Strategieexperte Kurt Spielmann. In der Sendung „Treffpunkt“ vom 17. November auf DRS 1 erklärte er, dass Religionen eigentlich aus Verschwörungstheorien entstanden seien.

Spillmann sagte zum Grundsatz solcher Theorien, bei mysteriösen Grossereignissen würden immer einzelne Fragen offen bleiben. Beispiel Mondlandung, Ermordung John F. Kennedys, 9/11. Die Weltverschwörer würden die wirklichen Fakten übergehen und die Indizien der ungelösten Fragen zu einer neuen Theorie zusammenkleistern.

Weiter legte Spillmann dar, die Verschwörungstheorien dienten dazu, die vielfältige Wirklichkeit mit einfachen Mustern zu erklären. Oft sei auch die Angst der Motor für solche Theorien. Angst rufe geradezu nach einfachen Erklärungen komplexer Zusammenhänge.
Um die Angst zu bändigen, brauche es leicht verständliche Theorien.

Solche Theorien entwickeln in der Regel Menschen, die überfordert sind und ein Komplott der Mächtigen wittern. Es gibt aber auch Verschwörungstheorien „von oben“. Spillmann nennt den Brand von Rom um das Jahr 60. Nero habe das Ereignis den Christen in die Schuhe geschoben, um sie verfolgen zu können. Ähnlich sei es bei Hitler gewesen, der die Protokolle der Weisen von Zion benutzte, um den Holocaust zu rechtfertigen.

Auch die Kirche hat solche Verschwörungstheorien benutzt, um Gläubige zu disziplinieren. Stichworte sind die Inquisition und die Stigmatisierung von Freimaurern.
Als Verschwörungstheorie von oben bezeichnet Spillmann die Erkenntnis von Galilei. Seine Beweise, dass die Erde rund sei, habe die Kirche als Verschwörungstheorie abgetan. Ebenso die Evolutionstheorie. Sonst wäre die Doktrin ins Wanken geraten, wonach die Menschheit die Krone der Schöpfung sei. Und dass die Erde das Zentrum des Universums darstelle.

Spillmanns Ausführungen gipfeln in der Aussage, Religionen seien letztlich ebenfalls Verschwörungstheorien. Diese Theorien seien Erklärungshypothesen von Dingen, die man nicht verstehe und die Angst auslösten. Weil die Welt keine Hilfsmittel zur Bewältigung der Ängste biete, suchten die Menschen Unterstützung von fernen Instanzen mit besonderen Kräften, also den Göttern. Heilslehren seien kompakte Welterklärungsschemen, weil die Ängste mit dem Verstand nicht gebändigt werden könnten. Damit entmystifiziert Spillmann die Religionen und ihre Ansprüche nach der absoluten Wahrheit.

Die Sendung: http://www.drs1.ch/www/de/drs1/sendungen/treffpunkt/2785.sh10107395.html

Gefährliche Radikalisierung im Glauben

hugostamm am Montag den 9. November 2009

Der Dalai Lama hat beim letzten Besuch in Deutschland erklärt, Gewalt werde „von jeder Religion abgelehnt.“ Gegen diese Aussage ist kaum etwas einzuwenden, auch wenn man in Bibel und Koran Passagen findet, in denen es deftig her und zu geht. Es würde den Würdenträgern grösserer Religionsgemeinschaften schlecht anstehen, wenn sie öffentlich zu Aggression gegen Andersgläubige aufrufen würden.

Die islamischen Hassprediger ändern nichts an der Tatsache, dass auch die meisten islamischen Geistlichen für religiösen Frieden plädieren. Es würde den Hütern von Moral und Ethik schlecht anstehen, wenn sie gegen Frieden stiftende Massnahmen wären. So gründeten vor wenigen Wochen Christen, Juden und Muslime in Basel das Projekt „Zelt Abrahams“, das die Gleichberechtigung der Religionen anstrebt.

Ein Blick auf die Karte der regionalen und internationalen Konflikte zeigt aber, dass Anspruch und Wirklichkeit oft weit auseinander klaffen. Es ist leicht für die drei Glaubensgemeinschaften, in der befriedeten und halbwegs kultivierten Schweiz ein Friedensprojekt zu gründen. Sinnvoller wäre es, Abrahams Zelt auf dem Tempelberg aufzustellen. Dort wüten die Religionskonflikte unter den Vertretern der drei Buchreligionen – vor allem zwischen Juden und Moslems – immer heftiger.

Ausgerechnet an einem der heiligsten Orte lässt sich beobachten, dass Religion und Glaube ein ähnliches Aggressionspotential entwickeln können wie politische und ethnische Konflikte. Statt Frieden zu stiften, kann religiöse Verblendung zu Fanatismus und Extremismus führen. Nicht nur bei Sekten. Der Fanatismus ist oft der Bruder der Aggression.

Bei religiösen Auseinandersetzungen sind politische Friedensbemühungen selten wirkungsvoll. Die radikalen Gläubigen fühlen sich in erster Linie Gott und ihren religiösen Führern verpflichtet. Die Religionsgesetze erachten sie als verbindlicher als Verfassungen und Menschenrechte. Im Kampf für ihren Gott lassen sie sich von niemandem beeinflussen und missachten auch die ethischen Appelle ihrer Heilslehre.

Tatsächlich enthält ein radikaler Glaube ein hohes Aggressionspotential. Schliesslich geht es in den Augen dieser Gläubigen um die höchsten Werte und um transzendentale Dimensionen, also um die Zukunftsperspektiven über den Tod hinaus. Dagegen haben menschliche Bedürfnisse wenig Gewicht.

Religionsführer sollten aus der Geschichte lernen und anerkennen, dass Religion und Glaube ein hohes Aggressionspotential bergen. Sie sollten aus Erfahrung wissen, dass extreme Formen der Spiritualität zu heftigen psychischen Reaktionen führen können, die manchmal im Wahn enden. Deshalb müssten sie versuchen, einen sinnvollen Kompromiss zwischen weltlichen und religiösen Anliegen zu finden.

Eine extreme Fokussierung auf das Glaubensleben ist für die Persönlichkeitsentwicklung gefährlich. Deshalb sollten verantwortungsvolle Geistliche aller Glaubensgemeinschaften ihre Gläubigen vor sektenhaften Entwicklungen in ihren eigenen Reihen warnen. Das wäre die beste Prophylaxe, um Auswüchse zu verhindern.

Wie der Mensch Gott gefunden hat

hugostamm am Freitag den 23. Oktober 2009

Es gibt ein paar Konstanten im und Erkenntnisse über das Leben, die für alle Menschen eine zentrale Bedeutung haben: Wir sind auf die Erde geworfen, wir haben das Bewusstsein über unsere Existenz, wir haben die Fähigkeit, die Zeit wahrzunehmen, wir wissen um unseren eigenen Tod. Weiter erkennen wir, dass wir zu den sozialen Wesen gehören, die aufeinander angewiesen sind. Der Einzelne wäre kaum fähig zu überleben. Der Kit von kleinen und grossen Gemeinschaften ist die Liebe.

Diese Parameter gelten vermutlich für alle Gemeinschaften, ethnischen Gruppen und religiösen Bewegungen. Sie ermöglichen erst die kulturelle die Entwicklung in allen Lebensbereichen: Erziehung, Bildung, Wissenschaft, Technik. Alles Dinge, die das Zusammenleben in der Regel fördern und uns das Leben angenehm machen. Ohne Befriedigung dieser Grundbedürfnisse sind psychische Entwicklungen kaum möglich.

Es fällt auf, dass in dieser Aufzählung transzendentale oder religiöse Aspekte fehlen. Sie sind eine Folge der kulturellen Entwicklung. Parallel zu den geistigen Errungenschaften veränderten sich die religiösen Konzepte. Vom einfachen Glauben an die Gestirne entwickelten sich alchimistische und animistische Heilslehren, der Glaube an eine Vielzahl von Göttern und schliesslich die Vorstellung von einem personalen Gott. Es käme heute wohl niemandem mehr in den Sinn, Sonne und Mond als göttliche Wesen anzubeten.

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod ist also eine kulturelle Leistung. Dies ist ein Hinweis darauf, dass der Mensch ein höheres Wesen gesucht und Gott gefunden hat. Und es lässt vermuten, dass Gott sich dem Menschen nicht offenbart hat, wie uns dies verschiedene Heilslehren suggerieren. Hätte Gott dies getan, hätten unsere Urahnen wohl kaum Sonne und Mond angebetet.

Ohne Liebe verkümmert der Mensch. Ohne Gott nicht.

Religion: Suche nach pränataler Geborgenheit

hugostamm am Mittwoch den 14. Oktober 2009

Wir Menschen halten Unsicherheiten schlecht aus. Unser ganzes Streben richtet sich danach, Geborgenheit in allen Lebensbereichen zu finden. Das Bild vom Embryo im Mutterleib symbolisiert die Ursehnsucht nach einem geschützten Dasein. Psychologie und Literatur befassen sich deshalb intensiv mit dem Phänomen.

Die Geburt ist für den Fötus ein Schock, die Konfrontation mit der rauen Aussenwelt kann zum traumatischen Erlebnis werden. Zur Kompensation sind wir mit Neugier ausgestattet: Die „Eroberung“ der Welt und die Triebbefriedigung tröstet Kinder über den Schock hinweg, der mit der Geburt verbunden ist.

Die Erfahrung, dass die Welt ein Hort von Angst und Gefahren ist, setzt der kindlichen Psyche zu, wie die Entwicklungspsychologie weiss. Auch Eltern spüren, dass sich Kinder mit der neuen Erfahrung schwer tun. Schmerzen, Verzicht, Einschränkungen, Ich-Kränkungen und Überforderungen verunsichern sie. Um die Kinder zu trösten, malen viele Mütter und Väter das Bild vom lieben Gott, der allmächtig ist und sie für Tapferkeit, Wohlverhalten und Ausdauer belohnt. Selbst beim Spenden von Trost greifen viele Eltern auf religiöse Metaphern zurück. Zieht sich ein Kind eine Schürfwunde zu, wenden sie den Spruch an: „Heile, heile, Säge …“ (für Segen).

Ersatz für die verlorene Geborgenheit im Uterus sind für viele Religion und Glauben. Wir sehnen uns wieder nach dem Absoluten, weil das Leben geprägt ist vom Relativismus. Es gibt keine unverrückbaren Werte, keine verlässliche Wahrheit. Alles ist in Bewegung, alles verläuft in Prozessen. Was heute für richtig empfunden wird, kann morgen von der Natur- oder Geisteswissenschaft widerlegt werden. Oder von unseren eigenen Erkenntnissen und Erfahrungen.

Die Ursehnsucht nach Geborgenheit drückt sich in den Paradiesvisionen aus, die fast alle Religionen und Glaubensgemeinschaften in mehr oder weniger ausgeprägter Form propagieren. Das Leben ist eine Prüfung, die Belohnung winkt nach dem Tod. Und diese Belohnung soll wieder so absolut sein wie die Existenz als Embryo.

So betrachtet, ist der Glaube in erster Linie ein psychologisches Phänomen. Wir suchen Trost in einer verborgenen Welt. Die Definition: Religion ist die Suche nach der verlorenen Unschuld und der totalen Geborgenheit.

Denkmalschutz für christlichen Gott

hugostamm am Montag den 5. Oktober 2009

Obwohl wir die Glaubens- und Religionsfreiheit in der Verfassung verankert haben, geniessen unsere Landeskirchen viele Privilegien. Der Staat zieht für sie die Steuern ein, finanziert die theologischen Falkultäten an den Unis, die Verfassung beginnt mit der Präambel „Im Namen Gottes…“, Geistliche leisten in Careteams Beistand, bei Katastrophen gibt es Gedenkgottesdienste usw.

Dass die christlichen Kirchen in unserer christlichen Kultur tief in den sozialen und politischen Strukturen verankert sind, ist aus der geschichtlichen Entwicklung heraus verständlich. Deshalb reagieren viele Kirchenvertreter gereizt, wenn ihre Sonderstellung hinterfragt wird. Schliesslich hat die öffentliche Religionskritik keine Tradition. Es ist deshalb nachvollziehbar, dass sich die kirchlichen Institutionen zuerst daran gewöhnen müssen. Oft klammern sie sich aber zu sehr an ihre Privilegien und vergessen die Glaubensfreiheit.

Manche christliche Würdenträger oder Institutionen verstehen sich als eine Art Staat im Staat. Ein Stück weit verständlich, kennen wir doch die Trennung Kirche und Staat nicht. In den 80-er Jahren wurde eine solche mit 79 Prozent Nein-Stimmen wuchtig verworfen. Inzwischen haben sich aber viele Gläubige aus den Kirchen geschlichen, und es könnte sein, dass diese Trennung dereinst angenommen würde. Deshalb wäre es angezeigt, dass die Landeskirchen mehr Toleranz markieren würden. Viele tun dies, manche aber nicht, wie die Vorgänge rund um die Plakataktion der Freidenker zeigt. Ich füge deshalb den Artikel an, den ich im TA publiziert habe:

Dürfen Freidenker behaupten, es gebe wahrscheinlich keinen Gott? In Zug nicht. Das sei ein öffentliches Ärgernis, entschied der Stadtrat. Nun droht ihm eine Klage.

Ende Oktober wird die Vereinigung der Freidenker in der Deutschschweiz rund 250 Plakate im Weltformat auf öffentlichem Grund aufkleben lassen. Die Botschaft der Skeptiker: «Da ist wahrscheinlich kein Gott. Also sorg dich nicht – geniess das Leben.»
Der Spruch sorgt für heftige Diskussionen, bevor ihn die Passanten zu Gesicht bekommen. 10 dieser Plakate werden nämlich keinen Standplatz finden. Der Stadtrat von Zug hat diese Woche beschlossen, die Botschaft der Freidenker zu verbieten. Sie ist seiner Meinung nach der Bevölkerung nicht zuzumuten. «Im katholischen Zug mit den vielen Kirchen und Klöstern können solche Plakate ein öffentliches Ärgernis erregen», sagt Stadtschreiber Arthur Cantieni zum Entscheid der Zuger Stadträte.
Minarett-Plakat genehmigt
An der gleichen Sitzung hat dieselbe Exekutive entschieden, das Plakat zur Minarett-Initiative auf öffentlichem Grund zuzulassen. Dieses Plakat sei wohl verletzend, womöglich rassistisch, räumt der Stadtschreiber ein. Der Stadtrat habe aber das Initiativrecht nicht tangieren wollen. Cantieni ist sich aber bewusst, dass die beiden Entscheide nicht konsequent und für viele nur schwer nachvollziehbar sind. Dennoch hat die Stadtregierung das Plakat der Freidenker ohne eingehende Diskussion verboten.
Die Zuger Baudirektorin Andrea Sidler (CVP) verteidigt den Entscheid. Der Aushang sei zu provokativ und ein Affront für die Gläubigen. Dabei konzentriert sie sich nicht auf die Aussage, es gebe keinen Gott. Sie stört sich vor allem daran, dass das Plakat die Aussage enthält, Gläubige würden das Leben nicht geniessen. Unterstützung erhält die Stadträtin von der katholischen Kirche Zug.
Eine besondere Note bekommt der Zuger Entscheid, weil Luzern wenige Tage zuvor in der gleichen Sache anders entschieden hatte. Zwar hatten die Behörden die Plakate ursprünglich ebenfalls verboten. Doch nach dem Protest der Freidenker holte die Luzerner Stadtregierung den Rat der Landeskirchen ein. Als sich diese gelassen gaben und im Plakat keinen Angriff auf ihren Glauben erkannten, machten die Luzerner Behörden einen Rückzieher; jetzt lassen sie die Plakate in ihrer Stadt doch zu. Somit stehen die Zuger mit ihrem negativen Entscheid schweizweit isoliert da.
«Glauben nicht nehmen»
Die Freidenker erklären, der Zuger Stadtrat verletze mit seinem Verbot die verfassungsmässig garantierte Glaubens- und Meinungsfreiheit. Eine Allianz der Religiösen wolle jede Kritik an den Religionen und dem christlichen Glauben unterdrücken und die Freidenker diskreditieren. «Wir wollen niemandem den religiösen Glauben wegnehmen», wehrt sich Reta Caspar, Leiterin der Freidenker -Geschäftsstelle. Sie erwartet aber auch, dass ihre aufklärerische Haltung respektiert werde.
Brisant bei der Luzerner Kehrtwende ist, dass die Freidenker ausgerechnet von den Landeskirchen Unterstützung erhalten haben. Eine unheilige Allianz oder ein Akt kirchlicher Toleranz? Reta Caspar winkt ab: «Das hat nichts mit Nächstenliebe zu tun, sondern mit Eigennutz.» Hätten sich die Kirchen gegen ihre Plakate ausgesprochen, wäre der Entscheid laut Caspar allenfalls auf sie zurückgefallen. Dann hätten sie damit rechnen müssen, dass auch ihre Werbung auf öffentlichem Grund angegriffen worden wäre, ist sie überzeugt.
Die Auseinandersetzung um die Plakate der Freidenker hat Gläubige animiert, die mediale Aufmerksamkeit auch für ihre Zwecke zu nutzen. Die evangelische Markuskirche in der Stadt Luzern erklärt wie die Landeskirchen, sie akzeptiere die Kampagne der Freidenker als freie Meinungsäusserung, und lanciert flugs eine eigene Aktion. Die evangelische Freikirche hat ein grosses Plakat geschaffen, das sie morgen Sonntag an den Kirchenturm hängen will. In Abwandlung des Spruchs der Freidenker steht darauf: «Da ist bestimmt ein Gott – also sorg dich nicht, er sorgt für dich.»
Wie kommt es, dass Städte wie Luzern und Zug Plakatwerbung verbieten können? Diese haben wie auch andere Kommunen eine Vereinbarung mit der Plakatgesellschaft APG. Danach muss die Firma heikle Aushänge den Behörden zur Genehmigung vorlegen. Befürchten diese, ein Plakat könnte ein öffentliches Ärgernis erregen, dürfen sie es verbieten. Die Verantwortung tragen dann die Behörden.
Die Freidenker wollen den Entscheid der Zuger Stadtregierung nicht hinnehmen. «Mit dem Verbot unserer Plakate verletzt der Stadtrat öffentliches Grundrecht», ist die ausgebildete Juristin und Freidenkerin Reta Caspar überzeugt. Deshalb will ihre Vereinigung rechtlich gegen das Verbot vorgehen.
Ihre Erfolgschancen stehen nicht schlecht, wie Staatsrechtsprofessor Thomas Gächter von der Universität Zürich bestätigt. Das Plakat enthalte eine Äusserung mit transzendentalem Inhalt. Nach Ansicht des Experten fällt dieser in den Schutzbereich der Religionsfreiheit.
Scheinheilige Zuger?
Für die Freidenker ist die Haltung der Zuger Stadtregierung scheinheilig oder bigott. So habe der Stadtrat nie geprüft, ob die Plakate mit den grossen blauen Bibelsprüchen der Agentur C die religiösen Gefühle religionskritischer Personen verletzen würden. Tatsächlich bringen freikirchliche Kreise dieser Agentur regelmässig unzählige übergrosse Poster an und geben Millionen für Bibelpropaganda aus. Ein Beispiel: «Jesus Christus spricht: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben.» Gegründet hatte die Agentur der ehemalige Inhaber der Firma Sipuro, Heinrich Rohrer.
«Wir hoffen, dass die frommen Kreise unsere Plakate nicht verschandeln», sagt Reta Caspar. «Genau so, wie wir die Bibelzitate respektiert haben.» Ihre Befürchtungen scheinen begründet zu sein, wird sie doch heute schon in anonymen Mails beschimpft und verhöhnt. Teilweise enthalten sie Drohungen.
Der Name der Freidenker -Vereinigung (FVS) ist Programm. Sie will das «freie und kritische Denken aufgrund einer humanistischen und wissenschaftsorientierten Weltanschauung und Ethik fördern». Die Freidenker sind überzeugt, dass ein dogmatischer Glaube das freie Denken und das Bewusstsein einschränkt. Ihr Kernthema ist die Trennung von Kirche und Staat. Die Freidenker würden gern eine entsprechende Initiative ergreifen, doch sie vermuten, dass ihr Anliegen momentan kaum eine Chance hätte. Deshalb versuchen sie, das Terrain mit Aufklärungskampagnen zu ebnen.
Die kritische Geisteshaltung gegenüber etablierten Kirchen trägt den Freidenkern immer wieder Ungemach ein. Sie werden gern als verbissene Atheisten dargestellt. «Wir vertreten ein humanistisches Weltbild, propagieren aber keinen Atheismus», sagt Grazia Annen, Präsidentin der Sektion Zentralschweiz. «Nur gut die Hälfte unserer Mitglieder bezeichnet sich als Atheisten. Viele sind Agnostiker oder Pantheisten. Wir missionieren auch nicht, unser Anliegen ist die Aufklärung.»
Der erste Freidenker -Klub wurde 1870 in Zürich gegründet. Bekanntestes Mitglied war der Psychiater Auguste Forel (1848-1931), der der Psychiatrischen Klinik Burghölzli zu einem grossen Renommee verholfen hat.
Die Schweizer Vereinigung wurde 1908 gegründet. Als August Richter im gleichen Jahr in Luzern eine Sektion gründen wollte, wurde er verhaftet und wegen Gotteslästerung zu zwei Monaten Haft verurteilt. Das Bundesgericht hob das Urteil wieder auf.
Heute umfasst die Freidenker -Vereinigung 13 Sektionen mit rund 1500 Mitgliedern. Sie organisieren Referate mit bekannten kritischen Denkern und widmen sich der Aufklärung. Weiter bieten die Freidenker weltliche Rituale wie Geburten, Heiraten und Begräbnisse an. Dabei ist ihnen der Sinn für spirituelle Anliegen nicht fremd.

Wie finden wir Trost in Gott?

hugostamm am Samstag den 26. September 2009

Eine Frau verliert ihren Ehemann. Er stirbt an Asbestose. Sein Verhängnis: Er arbeitete früher in einer Fabrik, die aus Eternit Isoliermaterial hergestellt hat. Obwohl das Krebsrisiko damals schon bekannt war, wurden die Arbeiter lange Zeit nicht gewarnt. Schutzmassnahmen wurden wie vielerorts zu spät ergriffen.
„Ohne meinen Glauben an Gott würde ich den Schicksalsschlag nicht überstehen“, sagt seine Frau. „Ich finde Trost in meinem Glauben.“

Jede Form von Trost ist in solchen Situationen willkommen. Es ist verständlich, dass Trauernde Wege suchen, den seelischen Schmerz zu lindern.
Trotzdem werfen solche Aussagen Fragen auf. Kann Gott wirklich Trost spenden? Wie funktioniert der Prozess, wie wirkt sich der Trost aus? Wie ist denn dieser Trost beschaffen? Ist es eine Kraft, die von Gott ausgeht oder ist der Trost lediglich eine menschliche Projektion? Fühlen sich die Trauernden in Gott aufgehoben? Wäre es nicht sinnvoller, Gott würde früher handeln und uns solche Trauer ersparen? Wenn er schon eingreift, warum bekämpft er nicht die Ursachen, sondern erst die Symptome?

Aus dem Glaubensverständnis der trauernden Frau heraus, wonach Gott alle Geschicke auf der Erde lenkt, hat Gott ihr etwas genommen, bevor er ihr Trost spendete, nämlich ihren Ehemann. Müsste sie ihm deshalb nicht zürnen, statt auf seinen Trost zu bauen?

Trost kommt vom Wortstamm treu. War Gott beim beschriebenen Fall treu? Treu gegenüber dem an Krebs erkrankten Mann? Gegenüber der trauernden Frau?
Was konkret spendet Trost? Allein die Vorstellung, dass Gott existiert? Oder spendet die Hoffnung der Gläubigen Trost, den verlorenen Ehemann im Jenseits wieder zu treffen? Doch was ist, wenn sich die Frau in ein paar Jahren noch einmal heiratet? Welchen Mann will sie nach dem Ableben wieder treffen?

Oder spendet der Glaube grundsätzlich Trost? Tröstet er, weil er einen höheren Sinn vermittelt? Wenn ja: Wo liegt der höhere Sinn? Ist das Leben für Menschen sinnlos, die nicht an eine höhere Bestimmung oder an ein göttliches Wesen glauben?

Trost soll den Schmerz lindern helfen. Zuwendung, Anteilnahme und ein befreiendes Gespräch geben den Trauernden Kraft. Sie sollen die Nähe spüren und realisieren, dass sie nicht allein sind. Trost spenden in erster Linie Familienangehörige, Freunde, Bekannte. Spenden Gott und der Glaube eine andere Form von Trost?

Die dämonische Frau in der Bibel

hugostamm am Samstag den 5. September 2009

Meine Vorbehalte und teilweise emotionale Skepsis gegenüber den Buchreligion rührt vom Frauenbild, das diese Glaubensgemeinschaften zeichnen. Im ursprünglichen Christentum, Islam und Judentum sind die Frauen Menschen zweiter Klasse. Zwar bemühen sich die progressiven Christen, das Bild von der untertanen Frau zu korrigieren, doch die frauenfeindlichen Passagen in der Bibel bleiben bestehen und werden nicht korrigiert.

Ausserdem verfechten immer noch weite Teile der Christenheit das Bild von der dienenden Frau, die dem Mann zu ergeben sein hat. Der katholische Klerus, katholische Traditionalisten, christliche Gemeinden in der 3. Welt und Freikirchen halten an den haltlosen und menschenverachtenden Aussagen der Bibel fest. In der katholischen Kirche dürfen Frauen die Priesterweihe nicht empfangen – vielleicht ein Glück für sie -, in den Freikirchen gibt es auch heute noch kaum weibliche Pastoren oder Gemeindeleiterinnen.

Einer der zentralen Grundsätze der Bibel lautet: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Diese Nächstenliebe wird von den Christen gern als revolutionären Akt der neuen Menschlichkeit gepriesen. Nur: Die Aussage gilt lediglich in der männlichen Form. „Liebe deine NÄCHSTE wie dich selbst“ ist ein Widerspruch zum Frauenbild in der Bibel.

Im orthodoxen Judentum und im strengen Islam werden die Frauen auch im gesellschaftlichen Rahmen und in der Öffentlichkeit minderwertig behandelt. Die Beispiele sind bekannt, wir haben hier auch schon oft darüber diskutiert.
Beim Frauenbild der Buchreligionen stellt sich eine naive Frage: Hat denn der allmächtige Gott vor 3000 Jahren nicht erkannt, dass das Frauenbild der Bibel dereinst antiquiert sein und eine grosse Hypothek für die Buchreligionen sein wird? Oder entspricht dieses Bild etwa der Vorstellung von Gott? Wenn dem so sein sollte, dann kann er nicht der Gott der Frauen sein. Dann muss sich dieser Gott als Unmensch bezeichnen lassen.

Da wir in einer christlichen Umgebung leben, möchte ich mich auf das Bild der Frau in der Bibel konzentrieren. Dabei greife verschiedene Bibelzitate heraus:
“Aber, wie nun die Gemeinde ist Christo untertan, also auch die Weiber ihren Männern in allen Dingen.” (Paulusbrief an die Epheser)
[3:21.9] Wenn eines Priesters Tochter sich durch Hurerei entheiligt, so soll man sie mit Feuer verbrennen; denn sie hat ihren Vater entheiligt.

[5:22.21] … so soll man sie heraus vor die Tür des Hauses ihres Vaters führen, und die Leute der Stadt sollen sie zu Tode steinigen, weil sie eine Schandtat in Israel begangen und in ihres Vaters Hause Hurerei getrieben hat.

„Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen. Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten.” (1. Timotheus 2,11)

“Wenn eine Frau kein Kopftuch trägt, soll sie sich doch gleich die Haare abschneiden lassen.” (1. Korinther 11,6)

“Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt.” (Kolosser 3,18)

Eph. 5:22 So wie ihr Frauen Christus gehorcht, sollt ihr euch euern Männern unterordnen.

5:24 Und wie sich die Gemeinde Christus unterordnet, weil sie ihn liebt,
so sollen sich auch die Frauen in allem ihren Männern unterordnen.

Die biblische Schöpfungsgeschichte beschreibt die Erschaffung der Frau als letzten Schöpfungsakt nach dem Mann und den Pflanzen und Tieren, als Produkt des Mannes bzw. aus dem Mann heraus, als Hilfe für den Mann und setzt die Frau damit auf die unterste Stufe der Schöpfung! (Gen.2,4-25)

Das Alte Testament wirft der Frau die Verführung zur Erbsünde“ vor. Zur Strafe beauftragt Gott dem Mann, über die Frau zu Herrschen. (Gen.3,1-24)
Das Alte Testament bezeichnet die Frau als „Besitz des Mannes!“ (Jes.Sir.25,1-26,27)

Das Neue Testament bezeichnet den Mann als „Haupt der Frau“ als „Abglanz des Mannes“ als „für den Mann erschaffen“. (Korinth.11,2-16)
Das Neue Testament verlangt von den Frauen sich den Männern unterzuordnen. (Petr.3,1-7)

(3,16) Gott sprach zur Frauer:
Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst/Unter Schmerzen gebärst du Kinder/Du hast Verlangen nach deinem Mann; er aber wird über dich Herrschen.

(21,9) Wenn sich die Tochter eines Priesters als Dirne entweiht, so entweiht sie ihren Vater; sie soll im Feuer verbrannt werden.
(12,4) Eine tüchtige Frau ist die Krone ihres Mannes, eine schändliche ist wie die Fäulnis in seinen Knochen.

(9,8) (…) Wegen einer Frau kamen schon viele ins Verderben, sie versengt ihre Liebhaber wie Feuer.

(25,16) Lieber mit einem Löwen oder Drachen zusammenhausen, als bei einer bösen Frau wohnen.

(25,17) Die Schlechtigkeit einer Frau macht ihr Aussehen düster und verfinstert ihr Gesicht wie das einer Bärin.
(25,22) Denn harte Knechtschaft und Schande ist es, wenn eine Frau ihren Mann ernährt.

(25,24) Von einer Frau nahm die Sünde ihren Anfang, ihretwegen müssen wir alle sterben.

(26,3) Eine gute Frau ist ein guter Besitz; er wird dem zuteil, der Gott fürchtet.

(26,9) Die lüsterne Frau verrät sich durch ihren Augenaufschlag, an ihren Wimpern wird sie erkannt.

(26,22) Eine käufliche Frau ist dem Auswurf gleichzuachten, eine Verheiratete ist für ihren Liebhaber der Turm des Todes.

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