
Für Kant zeigte sich Gottgefälligkeit vor allem durch einen guten Lebenswandel und nicht durch «Religionswahn»: Ausschnitt eines Porträts von Immanuel Kant.
Den folgenden Impuls-Text hat Ruedi Schmid (Optimus) verfasst. Herzlichen Dank.
Das Phänomen beschäftigt die Menschen seit je: Wenn Gott sich offenbaren würde, wäre der ewige Streit um den richtigen Glauben ein für alle Mal gelöst. Er müsste nur an einem international übertragenen Anlass seinen Glauben verkünden. Warum uns Gott diesen Glaubensfrieden nicht gönnt, ist unverständlich. Entweder will er nicht, kann er nicht, oder er existiert nicht. Einstein hatte noch eine andere Erklärung dafür: «Gott kann man niemals verstehen, sondern nur sein Werk bewundern.»
Wenn Gott der Schöpfer ist, offenbart er sich durch sein Werk. Dabei funktioniert sein Werk ohne göttlichen Einfluss durch vorgegebene Naturgesetze. Auch Zufälle entstehen durch solche Naturgesetze, die lediglich wegen unpräzisen Faktoren keine Vorhersage ermöglichen. So ist beispielsweise eine gewürfelte Zahl durch die Ausgangslage des Würfels und die Wurfbewegung im Voraus bestimmt. Selbst das Argument von Aristoteles, dass es Gott als erste Ursache geben muss, ist durch die Entdeckung geschlossener Kausalitätsketten hinfällig.
Dazu Stephen Hawking: «Es passt vollkommen zu alldem, was wir wissen, wenn wir sagen, dass es ein Wesen gibt, das für die Gesetze der Physik verantwortlich ist.» Und zur Schöpfung sagte er: «Weil es ein Gesetz wie das der Schwerkraft gibt, kann und wird sich ein Universum selber aus dem Nichts erschaffen. […] Spontane Schöpfung ist der Grund, warum es statt dem Nichts doch etwas gibt, warum das Universum existiert, warum wir existieren.»
Die Wissenschaft ist sich einig, dass man mit der empirischen Methode, welche zu diesen Erkenntnissen führt, der Wirklichkeit am nächsten kommt. Das Problem ist nur, dass man dabei eine Wirklichkeit aufdeckt, die wir weder wahrnehmen noch verstehen können. Bereits die empirisch ermittelten Eigenschaften von Zeit, Raum und Materie sind für unseren Verstand völlig unbegreiflich. Viele Philosophen wie Aurelius und Kant haben das schon früh erkannt. Verhaltens- und Gehirnforschung erklären das folgendermassen: Der Mensch erlebt sich abgegrenzt von der Wirklichkeit in einer durch die Sinneserlebnisse selbst konstruierten Welt, an die er wegen des Selbstbewusstseins gefesselt ist. Wie sehr wir an diese selbstkonstruierte Wirklichkeit gebunden sind, zeigen die hartnäckigen Meinungsverschiedenheiten und Religionskriege.
Die Erkenntnis, dass wir die Wirklichkeit nicht verstehen können, hilft uns nun, andere Meinungen anzuerkennen und macht den Weg für Glaubensideologien frei, die zielbewusst das Leben verbessern. Dabei stellt sich die Frage: Ist ohne Gott überhaupt eine sinnvolle Vorstellung des Seins möglich? Ist ein sinnvoller Gottesglaube nicht besser als die wissenschaftliche Erkenntnis, nur ein unbedeutender, zeitlich begrenzter Teil des Universums zu sein, dazu einer mit mangelndem Verstand? Entsprechend befürwortete Kant den Gottesglauben als Prinzip der Vernunft, Pascal als Gewinn und Einstein folgendermassen: «Meine Religiosität besteht in einer demütigen Bewunderung des unendlich überlegenen Geistes, der sich in dem wenigen offenbart, was wir mit unserer schwachen und hinfälligen Vernunft von der Wirklichkeit zu erkennen vermögen.»
Nach Kant lässt sich die Welt am besten durch göttliche Gebote und Unsterblichkeit verbessern. Der Philosoph sagte aber auch unmissverständlich: «Alles, was ausser dem guten Lebenswandel der Mensch noch zu tun können vermeint, um Gott wohlgefällig zu werden, ist bloßer Religionswahn und Afterdienst Gottes.»
Für Pascal waren Himmel und Hölle entscheidende Gewinn-Kriterien. Einstein hingegen lehnte grundsätzlich Religionen der Moral, der Furcht und der Hoffnung ab: «Mögen schwache Seelen aus Angst oder lächerlichem Egoismus solche Gedanken nähren, der Mensch handelt nach äusserer und innerer gesetzlicher Notwendigkeit. Alles, was von den Menschen getan und erdacht wird, gilt der Befriedigung gefühlter Bedürfnisse sowie der Stillung von Schmerzen. Das ethische Verhalten des Menschen entsteht durch Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung und bedarf keiner religiösen Grundlage. Moral ist eine höchst wichtige Sache, aber für uns, nicht für Gott.» (Einsteins Aussagen zusammengefasst).
Spinoza war der erste Verfechter dieser Ethik, welche von den meisten Philosophen der Neuzeit übernommen wurde und von Verhaltens- und Gehirnforschung bestätigt wird. Er machte auch klar, dass durch rationales Denken dieses Ethikgefühl beeinträchtigt wird, weil sich dadurch die Wertschätzung vom Sozialen aufs Materielle verlagert, was der Zufriedenheit abträglich ist. Das wird besonders deutlich, wenn man sich vorstellt, ganz allein auf einer einsamen Insel zu leben. Da macht selbst der grösste Luxus nicht glücklich, und eine soziale Bindung wird zum höchsten Wunsch. Auch weil Frauen weniger rational denken, sind sie fürsorglicher als Männer. Dass sie dadurch zufriedener sind, zeigt die Suizidstatistik, die bei Frauen früher noch um das Sechsfache geringer war und durch die Emanzipation auf die Hälfte geschrumpft ist.
Kurz: Die Erkenntnis, dass wir die Wirklichkeit nicht verstehen können, beantwortet nicht nur die Ausgangsfrage, warum uns Gott im Ungewissen lässt, sondern fördert Toleranz und macht den Weg für einen Glauben der Vernunft frei. Dabei vermag der Gottesglaube unserem Sein einen schöneren Sinn geben, aber ethisches Verhalten entsteht durch soziale Bindung, welche allerdings durch den technischen Fortschritt an Bedeutung verliert. Dazu Einstein: «Es ist richtig, dass die Ergebnisse der Forschung den Menschen nicht veredeln und bereichern, wohl aber das Streben nach dem Verstehen.»












































“Warum lässt uns Gott im Ungewissen?”
die plausibelste antwort darauf ist: weil es gott eben nicht gibt. auf jeden fall nicht als “person”, “wesen” oder sowas, auch nicht im weitesten sinn. man kann gott, wenn man den begriff schon unbedingt gebrauchen muss, vielleicht am ehesten so auffassen, wie das prinzip, das macht, dass etwas und nicht nichts ist. das ist dann aber nicht ein bewusster ur-geist oder ähnliches. vielleicht haben die naturwissenschaften irgendwann mal eine antwort darauf, religionen (= kulturell gewachsenes wunsch- und fantasy-denken) liefern da nur noch hilflose versuche, etwas als tatsache hinzustellen (schöpfung, schöpfergott, bewusstes eingreiffen in die welt) was längst wiederlegt worden ist durch die aktuelle forschung.
apropos hawing: der ist doch atheist oder täusche ich mich da
@a-theo
Ob Hawking Atheist ist, darüber habe ich auch schon Gedanken gemacht. Folgend was ich über seinen Gottesglauben gefunden habe:
1981 erhielt Hawking eine Audienz bei Papst Johannes Paul II. Dieser lobte den Forscher und ermunterte ihn, das Universum weiter zu erforschen, mit Einwänden gegen den Urknall. Kurz darauf hielt Hawking in Rom einen Vortrag, wo er sich über seinen Glauben folgendermassen äusserte.
Er sehe sich trotz der religiösen Implikationen seiner Forschung nicht als Provokateur der geistlichen Welt, denn er habe keinen Beweis gegen die Existenz eines Gottes gefunden, wohl aber, dass die Entstehung jeglicher Existenz auf physikalischen Gesetzen beruht, was einen Gott in der Schöpfungsgeschichte überflüssig mache. Für ihn sei Gott eine Verkörperung der physikalischen Gesetze. Gott mit einem menschähnlichen Wesen zu assoziieren, halte er für verwirrend, da die Physik wenig Persönliches habe.
Ein Atheist ist überzeugt dass es keinen Gott gibt, daher würde ich Hawking nicht als Atheist bezeichnen. Auch berufen sich Wissenschaftler nicht auf Wahrheiten wie Gläubige, sondern auf Erkenntnisse und Erkenntnisse unterliegen dem Fortschritt.
Die Frage ist nicht nur berechtigt, sondern eine ganz logische Schlussfolgerung. Man könnte noch ergänzend fragen:
Wenn Gott der Schöpfer ist, warum hat er uns dann so unvollkommen gemacht, mit so vielen Mängeln behaftet, mit den Untugenden der Gier, des Neides und des Hasses? Ist er, sofern er wirklich existieren würde, ebenfalls so unvollkommen?
Wenn man von einem Gott sprechen würde, sollte, möchte.. dann wäre Gott nichts Andres als die Natur. Die Natur ist als einzige mächtiger als wir. Und durch den Umstand dass wir der Natur permanent Schaden zufügen wehrt sie sich. Und wir währen sogar so schlau die Zeichen zu erkennen, sind aber zu egoistisch und warhscheinlich auch zu blöde um das endlich umzusetzen was wir selbst schon lange erkannt haben.
Das Bild Gott gestaltet die Menschen . Man kann es nicht definieren. Ich finde,es ist etwas Persönliches.Ein Art leidenschaft, nicht ein Gestalt, denn wir sehen nur die Menschen, aber die Natur, die ein höher Macht hatt, als wir Menschen selber.
Wenn wir wissen, ist das keine Glaube.
Der Mensch ist vollkommen, aber er hat es nicht erkannt, denn der Mensch strebt immer nach mehr zu sein.
Aber es ist gut so,sonst hätte der Mensch nichts zu tun.
-Ohne Kläger gab es kein Anwalt
-Ohne ein gebrochene Bein, gab es keine Ärze
-U.s.w.
Eben,das Spiel in Gang zu halten.
-Ohne Probleme wäre der Karriere von Gott zu Ende.
Die Frage ist : wie redet Gott, und mit wem?
Der Antwort wäre bestimmt; Ich rede mit jedermann. Immer. Die Frage ist nicht, mit wem ich rede, sondern wer zuhört.
Denn das Gefühl ist die Sprache der Seele.
Der Trick dabei ist, wie man an diese Gefühle herankommt.
Nun, die grösste Ironie dabei ist, dass man alle dem Wort Gottes so viel und der Erfahrung so wenig Bedeutung zugemessen habt.
@Optimus
Das Phänomen beschäftigt die Menschen seit je: Wenn Gott sich offenbaren würde, wäre der ewige Streit um den richtigen Glauben ein für alle Mal gelöst. Er müsste nur an einem international übertragenen Anlass seinen Glauben verkünden.
Dieses Problem beschäftigt allenfalls einen Teil der Menschen, für Atheisten ist sowieso klar, dass etwas, das es nicht gibt, sich auch nicht offenbaren kann. Für Anhänger von Offenbarungsreligionen ist klar, dass sich Gott bereits offenbart hat. Damit der Streit ein für alle Mal gelöst wäre, müsste Gott wohl in regelmässigen Abständen Veranstaltungen durchführen.
Und zur Schöpfung sagte er: “Weil es ein Gesetz wie das der Schwerkraft gibt, kann und wird sich ein Universum selber aus dem Nichts erschaffen.
Dies ist für unseren begrenzten Verstand schwierig nachzuvollziehen. Ich zitiere aus dem Buch “Warum die Kreter lügen, wenn sie die Wahrheit sagen” von Stephen Law:
Ich bin einfach naiv gesagt ein Tröpfchen im Meer, es gibt Milliarden von Sternen, wenn ich der neutralen Natur keinen Schaden zufügen will, da muss ich bei mir beginnen. Alice Miller hat ja in ihren Büchern das Szenario der sog. Garten Eden gut reflektiert, ich heisse nicht Eva und auch nicht Adam, diese Phantasien von dieser Rippe , brrrrrrrrrrrrrrrrrr. Mein Leben ist begrenzt. Ich konnte auch gewisse Aengste abbauen, das Warenhaus Manor ist Videoüberwacht, hoffe schon, dass diese Selbstmordattentäter und Killer sich breit machen in der CH. Diese Selbstmordattentäter sind gefährlich. Einfach Religionsfundis, so aufgeklärt ist Mensch ja im hier und jetzt, manchmal brauch ich einfach so Impulse von aussen, tönt etwas verrückt, ich koch mir jetzt ein 4-Minuten -Ei- Poona, nein Danke . Ich habe einfach ein inneres Urvertrauen, ob das ein Gott ist, weiss ich nicht .
@Optimus
Auch weil Frauen weniger rational denken, sind sie fürsorglicher als Männer. Dass sie dadurch zufriedener sind, zeigt die Suizidstatistik, die bei Frauen früher noch um das Sechsfache geringer war und durch die Emanzipation auf die Hälfte geschrumpft ist.
Sie stellen hier einige “komische” Schlussfolgerungen auf, bei denen mir z.T. schon die Prämissen fragwürdig erscheinen.
a Frauen denken weniger rational als Männer.
b Wer weniger rational denkt, ist fürsorglicher.
Schlussfolgerung: Frauen sind fürsorglicher als Männer.
a Wer weniger rational denkt und somit fürsorglicher ist, ist zufriedener.
b Wer zufriedener ist, begeht weniger Suizid.
Schlussfolgerung: Wegen der Emanzipation sind die Frauen nicht mehr so zufrieden, deshalb begehen sie mehr Selbstötungen.
Was macht sie so sicher, dass es die Emanzipation ist, die dazu geführt hat, dass Frauen heute anteilsmässig mehr Suizid begehen als früher?
Die Erkenntnis, dass wir die Wirklichkeit nicht verstehen können, beantwortet nicht nur die Ausgangsfrage, warum uns Gott im Ungewissen lässt, sondern fördert Toleranz und macht den Weg für einen Glauben der Vernunft frei.
Was ist ein Glauben der Vernunft?
Die Frage ist nur:
Wenn zum Beispiel, der Gott sich in einer Veranstaltung offenbaren wurde, als ein Mensch, wäre Optimus, Rabbi und Bamberger nicht die erste, die seinen schwert rausholen wurde und der Gott am Kreuz legen wurde?
@ Optimus
Danke für Ihren Anlasstext.
“Wenn Gott sich offenbaren würde, wäre der ewige Streit um den richtigen Glauben ein für alle Mal gelöst. Er müsste nur an einem international übertragenen Anlass seinen Glauben verkünden. Warum uns Gott diesen Glaubensfrieden nicht gönnt, ist unverständlich.“
Die Gläubigen – sofern sie Christen sind – würden hier sofort entgegnen, dass sich dieser Gott sehr wohl offenbart und zwar durch seine Menschwerdung als Christus, durch seinen Opfertod und insbesondere durch die darauf folgende Auferstehung, als conditio sine qua non ihres christlichen Glaubens. Auch würden sie entgegnen, dass Gott diesen „international übertragenen Anlass“ sehr wohl durch das Evangelium verkündet.
All dies scheint für Gläubige keineswegs unverständlich zu sein.
Wie lautet Ihre Antwort darauf?
„Horatio“
Wenn dieser “Gottes Bild” sich als eine Frau sich offenbart, was wäre denn?
Würde es jemals wieder Krieg geben?Und Hass?
@Michael Bamberger: Die Gläubigen – sofern sie Christen sind – würden hier sofort entgegnen, dass sich dieser Gott sehr wohl offenbart hat
Nicht nur die Christen, sondern alle Anhänger von sogenannten Offenbarungsreligionen.
@Andersen: Wenn zum Beispiel, der Gott sich in einer Veranstaltung offenbaren wurde, als ein Mensch, wäre Optimus, Rabbi und Bamberger nicht die erste, die seinen schwert rausholen wurde und der Gott am Kreuz legen wurde?
Na, na, sie wollen doch nicht im Ernst behaupten, dass Optimus, Rabbi Jussuf und Bamberger gewalttätig sind.
@Swisswulf: Und wir währen sogar so schlau die Zeichen zu erkennen, sind aber zu egoistisch
Ist denn dieser Egoismus nicht auch natürlich?
@Optimus
Vielen Dank für den Text.
Doch stellen sich mir Fragen, wenn ich ihn lese:
“Verhaltens- und Gehirnforschung erklären das folgendermassen: Der Mensch erlebt sich abgegrenzt von der Wirklichkeit in einer durch die Sinneserlebnisse selbst konstruierten Welt, an die er wegen des Selbstbewusstseins gefesselt ist.”
Meiner Ansicht nach erlebt der Mensch dank seiner Sinnesorgane als Teil der Wirklichkeit.
Erst die Wissenschaft eröffnet uns die Vorstellung, dass alles doch ein wenig anders sein könnte.
Kleines Beispiel:
mein Körper ist eine Tatsache für mich. Bei einer bestimmten Erkrankung (Neglect ) kann mir plötzlich eine Hälfte fehlen, sie ist nicht mehr vorhanden.
“Ist ein sinnvoller Gottesglaube nicht besser als die wissenschaftliche Erkenntnis, nur ein unbedeutender, zeitlich begrenzter Teil des Universums zu sein, dazu einer mit mangelndem Verstand?”
Es braucht keine wissenschaftliche Erkenntnis, wer nicht glaubt, sieht sich als zeitlich begrenzten Teil des Universums..
“Auch weil Frauen weniger rational denken, sind sie fürsorglicher als Männer. Dass sie dadurch zufriedener sind, zeigt die Suizidstatistik, die bei Frauen früher noch um das Sechsfache geringer war und durch die Emanzipation auf die Hälfte geschrumpft ist.”
Das ist nun sehr gewagt. Frauen können genau so rational denken wie Männer, Männer genau so fürsorglich sein wie Frauen.
Unterschiedliche Hormonlagen spielen sicher mit, wie die Gewichtung ist. Längst nicht alle Frauen sind fürsorglich.
Was die Zufriedenheit anbelangt:
nur weil Frauen weniger Suizid begehen, heisst das nicht , dass sie zufrieden sind.
aber häufig sprechen sie mehr und vor allem früher über Sorgen und Probleme, bevor es zum schlimmsten kommt.
Verheiratete Frauen sollen übrigens anfälliger für Depressionen sein, für Männer bietet die Ehe eher einen Schutz davor.
siehe z.B. hier
http://www.ursula-nuber.de/i/ursula_nuber_leseprobe_depression.html
Gut Text, Optimus, ich finde es immer gut, wenn Texte zum Denken anregen, bei mir beschränkt sich diese Anregung momentan auf ein Chrüsimüsi, so sehe ich die Emergenztheorie am Werk, gar mit dem Primat des Geistes, jedenfalls je nach Gusto, dann gibts auch den Laplaceschen Dämon wiederzuentdecken, obwohl den alle Welt schon für vergessen hielt, jedenfalls, wenn man sich an die Kopenhagener Deutung erinnert (Ich jedenfalls mag nie wieder als Idiot dastehen, wenn ich behaupte, es gäbe Zufall)
.
Zu folgendem finde ich auch noch ein paar andere Worte:
„Verhaltens- und Gehirnforschung erklären das folgendermassen: Der Mensch erlebt sich abgegrenzt von der Wirklichkeit in einer durch die Sinneserlebnisse selbst kon-struierten Welt, an die er wegen des Selbstbewusstseins gefesselt ist. Wie sehr wir an diese selbstkonstruierte Wirklichkeit gebunden sind, zeigen die hartnäckigen Mei-nungsverschiedenheiten und Religionskriege.“
Ich weiss, nebst Verhaltens- und Gehirnforschung gabs auch mal so ein Früchtchen, das sprach in diesem Zusammenhang von „Entfremdung“ (galt weder als genial noch als belictet, fand ja nur ein Wort).
Nein, Allegra
Aber wenn der “Gott” eine Frau wäre,wäre die Leidenschaft und der Sehnsucht bei die 3 Männer ein grosse Rolle spielen.
@ Allegra
Zur Frage nach der letzten Ursache stehen ehrlich betrachtet sowohl der Gläubige wie der Skeptiker vor einem Enigma. Ob wir je mehr darüber wissen werden?
Eine kleine Geschichte zum Thema der letzten Ursache:
• Starker Wind treibt das Schiff auf die Klippen zu.
• Der Admiral zum Kapitän: „Was machst du nun?“
• Der Kapitän: „Ich setze mehr Segel und halte härter gegen Steuerbord.“
• Der Admiral: „Der Wind wird noch stärker, was machst Du nun?“
• Der Kapitän: „Ich setze noch mehr Segel und halte noch härter gegen Steuerbord.“
• Schliesslich fragt der Admiral: „Sag mal, wo nimmst du die ganzen Segel her?“
• Darauf der Kapitän: „Vom selben Ort, wo du den ganzen Wind herholst.“
„Horatio“
@Optimus
Die Titelfrage ist wahrscheinlich eine der am Häufigsten gestellte,von zweifelnden Gläubigen, selbst für Agnostiker, wohl auch für Atheisten.
Aber wie könnte er dies tun, so es ihn denn gäbe? In der heutigen Zeit?
“Wenn Gott sich offenbaren würde, wäre der ewige Streit um den richtigen Glauben ein für alle Mal gelöst. Er müsste nur an einem international übertragenen Anlass seinen Glauben verkünden. ”
In welcher Form müsste er es tun, damit wir es akzeptieren würden/könnten?
Für die meisten Gläubigen hat er es doch schon getan, die Religionen mit ihren Spezialitäten sind menschengemacht.
Wenn es einen Gott gibt, ist er für alle gleich und alle sind gleich, denke ich.
@Optimus, Olive
Bei den Suiziden müsste man zudem noch genauer hinschauen, in welchem Lebensabschnitt diese ausgeführt werden. Haben die Frauen bei der Statistik “aufgeholt”, weil sie sich hauptsächlich im letzten Lebensabschnitt selbst töten? Eine solche Zunahme könnte man mit dem medizinischen Fortschritt (der uns eben nicht nur Annehmlichkeiten, sondern auch für viele ein jahreslanges Leiden in immer stärker fortschreitender Gebrechlichkeit, beschert hat) und der Abnahme von religiösen Tabus erklären.
@ Olive
“…die Religionen mit ihren Spezialitäten sind menschengemacht.“
Das ist in der Tat so.
Nehmen wir dazu doch mal die zentrale Aussage des Christentums, nämlich die Auferstehung, als „einzigartige“ Offenbarung und als Beleg der sog. „göttliche Wahrheit“.
Einerseits ist diese Auferstehung keineswegs „einzigartig“, da sie vorbiblisch quer durch die Geschichte von etlichen mythischen Figuren praktiziert wurde, so u.a. von Osiris, Dionysos, Mithras und vielen anderen.
Auch wird oft vergessen, dass im NT die Auferstehung Christi keineswegs „einzigartig“ war, denn zum einen gelang Lazarus dieses Kunststück mindestens vier Tage nach seinem Tod. Zum anderen wimmelten die Strassen Jerusalems zurzeit Jesu von allen möglichen auferstandenen und herumwandelnden Toten:
„Und die Erde erbebte und die Felsen zerrissen, und die Gräber taten sich auf und viele Leiber der entschlafenen Heiligen standen auf und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.“ (Matthäus 27, 52-53)
Man sieht also, dass Auferstehungen zu jener Zeit einem Modetrend entsprachen und dass die verschiedensten Menschen in diesen alltäglichen Auferstehungen durchaus sportlich zu brillieren wussten.
„Horatio“
nur kurz zwischendurch:
Wenn wir in zeitlichen Dimensionen denken (was wir unbestreitbar tun), so kann man die Frage nach einem anfänglichen, absoluten Beginn des nicht-Nichts nicht als Frage nach der “letzten Ursache” dieses Seins bezeichnen.
Ich weiss nicht, was Sie da für ein Buch gelesen haben, Allegra
@hm: Ich weiss nicht, was Sie da für ein Buch gelesen haben, Allegra
Ich habe doch Titel und Autor klar genannt.
@hm
Allein aufgrund unser unterschiedlichen Sprache ist offensichtlich, dass ihr Bildungsniveau viel höher ist als meines, somit dürften sie nicht erwarten, dass ich Bücher lese, die ihren Ansprüchen genügen. Trotzdem vielen Dank für ihren Einwand.
@Michael Bamberger: Man sieht also, dass Auferstehungen zu jener Zeit einem Modetrend entsprachen und dass die verschiedensten Menschen in diesen alltäglichen Auferstehungen durchaus sportlich zu brillieren wussten.
Eben. Deshalb sagte ich ja, dass die von Optimus gewünschte Veranstaltung regelmässig durchgeführt werden müsste. Welche Wunder jeweils durchgeführt werden müssten, um Skeptiker zu überzeugen, dürfte zudem sehr vom technologischen Entwicklungsstand der Menschen abhängen.
Ein gütiger Gott lässt seinen Sohn nicht ans Kreuz schlagen so sind die Aussagen vieler Philosophen. Mein Gott ist der Computer, Technik wurde Schritt für Schritt von Menschen entwickelt, ich lebe im Hier und Jetzt, ich warte nicht auf Godot, ist das erlaubt ? Oder landen wir Frauen auf dem Scheiterhaufen als letzte Anna Göldin um dann endlich im Guinessbuch verewigt zu werden, wenn ich tot bin, nützt mir das Guinessbuch nichtsmehr.
@Allegra
Versteh’ schon: Auf die Frage, nach der “letzten Ursache” muss man zuerst wissen, dass die beiden Worte einen eigenen Begriff darstellen, “letzte” ist also nicht temporal zu verstehen. Die Frage nach der “letzten Ursache” umschreibt vielmehr die Frage nach dem Motiv, Movens, Momentum, oder eben die Frage nach dem Ding, das die Welt im innersten zusammenhält etc.
Fragen wir also nicht danach, keine Antwort wäre befriedigend (gemäss Stephan Law).
@ Allegra
“Welche Wunder jeweils durchgeführt werden müssten, um Skeptiker zu überzeugen, dürfte zudem sehr vom technologischen Entwicklungsstand der Menschen abhängen.”
Dem ist so.
Mir braucht i.Ü. niemand oder nichts zu “genügen”.
@hm
Sorry, da habe ich von mir auf andere geschlossen. Bei mir müssen die Bücher, die ich lese, einigen Ansprüchen genügen.
@ Allegra
Bei mir nicht, ich lese so allerhand …
Und lege es weg, wenn es meinen Ansprüchen nicht genügt, bzw. wenn es mich zu langweilen beginnt (ist mir kürzlich mit Sloterdijks ‘Kritik der zynischen Vernunft’ passiert, welch’ eine Schande).
Die Bezeichnung Gott ist vielleicht die am wenigsten bestimmte oder diejenige mit der grössten Ambivalenz in unserer Sprache. Wer es nicht glaubt, werfe mal ein Blick in Wikipedia.
In Diskussionen, wenn es Zeit und Umstände erlauben, kommt bei mir schon fast standardmässig die Rückfrage: „Was verstehst du darunter, was meinst du, wenn du Gott sagst“.
Nach Frederic Vester werden Engramme aus der Kindheit nicht ausgelöscht, sondern nur ergänzt, durch Parallelen erweitert und oder für das Bewusstsein verdrängt. Sie bleiben aber immer latent noch abrufbar. Irgendwo im Hinterkopf haben wir noch immer den alten Mann mit Bart aus unserer Kindheit versteckt.
Rein sprachlich ist die Personifizierung durch DER Gott ein Unding. Schon eine Umstellung auf DAS Gott ermöglichte bereits eine kleine Korrektur unserer Vorstellung.
In unserem christlich geprägten Umfeld müsste eigentlich der/das in der Bibel beschriebene Gott der Massstab sein. Aber kaum jemand der nicht vollständig gehirgewaschen ist, glaubt noch wörtlich an den Schöpfer von Adam und Eva, der mit seinen Worten das Universum aus dem Nichts erschaffen haben soll, der Sodom und Gomorrha zerstört haben soll, der aus einem brennenden Dornbusch seine Gesetze diktiert hat. Die Vorstellung eines auf nicht sexuellem Weg gezeugten Menschen, als Sohn dieses Gottes, kann jedem der auch nur über minimale Kenntnisse der Biologie verfügt, nur ein müdes Lächeln entlocken.
Wenn wir fragen, ob Einstein, Hawking, Binggeli (Prof., Verfasser von „Primum Mobile“), Wittgenstein oder sonstwer Atheist oder gläubig war, können wir nur entscheiden, wenn wir einigermassen wissen, was der Betreffende damit gemeint hat. Ich behaupte, dass weder Einstein noch Hawking irgendeinen Verstoss ihrer Gottesvorstellung gegen die Naturgesetze postulieren könnten.
Was ist denn schlimm daran, wenn ich mich als Atheist bezeichne, der nicht an die Existenz dieser in der Bibel beschriebenen Figur glaubt, wenn ich die Existenz eines historisch nicht nachweisbaren „Gottessohns“ mit äusserst fragwürdigen bis unmöglichen Unterstellungen bezweifle? Wenn die biblisch geprägte Vorstellung nicht mehr zeitgemäss ist, warum tun sich dann die Religionen so schwer damit, uns eine modernere Definition zu präsentieren?
Ich sehe zwei Möglichkeiten:
Die Repräsentanten benützen die Ambivalenz als Taktik, zur Erhaltung ihrer geistigen Einflusssphäre (Macht), oder
sie sehen gar keine Möglichkeit für einen Konsens. Die persönlichen Vorstellungen auch der Repräsentanten sind zu unterschiedlich, was darauf hindeutet, dass das, was sie damit ausdrücken wollen, durch unseren Geist nicht erfassbar ist und höchstwahrscheinlich nur in unserer Fantasie als Wunschgebilde existiert.
Wissenschaftlich wäre es einfach, das Gott als die Summe all dessen, was wir derzeit nicht nach wissenschaftlich logischen Prinzipien erklären können, zu bezeichnen. Nach dieser Definition wäre auch ich kein Atheist. (Womit ich schon wieder das Gegacker höre: „ Ich habs ja gesagt, auch Atheisten haben einen Glauben“.)
>Schlussfolgerungen (zum vorangegangen Kapitel)
Auf die Frage nach der letzten Ursache für die Existenz des Universums gibt es vier mögliche Antworten
a) Wir beantworten die Frage, indem wir eine Ursache angeben.
b) Wir behaupten, dass das Universum zwar eine Ursache hat, wir aber nicht (oder zumindest noch nicht) wissen, welche.
c) Wir behaupten, dass möglicherweise das Universum keine Ursache hat und seine Existenz eine nackte Tatsache ist.
d) Wir bestreiten, dass die Frage Sinn macht.
Der Haken ist, dass bei näherer Betrachtung keine dieser vier Möglichkeiten befriedigend ist.
Das Problem bei der ersten Variante haben Albert und Gottfried ausführlich diskutiert: Sobald jemand „Gott“ (oder etwas anderes) als Ursache oder Erklärung des Universums ins Gespräch bringt, interessieren wir uns brennend für dieses „Etwas“: Wir wollen wissen, was seine Ursache ist. Die erste Möglichkeit, das Rätsel zu lösen, führt also nur dazu, dass das Problem unter den Teppich gekehrt wird.
Auch mit der zweiten Variante gibt es ein Problem: Wenn wir behaupten, das Universum habe eine (bislang) unbekannte Ursache, bleibt trotzdem die Frage, was die Ursache dieser (noch) unbekannten Ursache ist. Wieder verstricken wir uns in einer unendlichen Kette von Ursachen und Wirkungen.
Die Annahme, das Universum habe keine Ursache, ist ebenso unbefriedigend, weil es in der Tat nicht sehr einleuchtend erscheint, dass es „einfach so“ und ohne Grund aufgetaucht ist.
Die vierte und letzte Variante macht uns gleichfalls nicht glücklich. Es ist bis jetzt noch niemandem gelungen, einen schlüssigen Beweis vorzulegen, warum die Frage nach der Ursache des Universums keinen Sinn macht.
Es sieht also leider so aus, dass keine der Antworten akzeptabel ist, man aber auch die Frage nach der letzten Ursache des Universums nicht einfach als unzulässig beiseite schieben kann. Daher bleibt gerade dieses philosophische Geheimnis so beunruhigend. Es scheint, als könne man es weder erklären noch wegerklären.>
@ Allegra
Auf alle Fragen habe ich nur die eine plausible Erklärung, nämlich die folgende :
Es ist nicht möglich aus einem Nichts etwas so unvorstellbares wie das Universum zu schaffen.
Auch wenn sich die heutige Wissenschaft mehrheitlich einig ist, dass unser jetziges Universum aus dem Urknall entstanden ist, so muss die Materie schon vorher irgendwo vorhanden gewesen sein. Vermutlich ist die Materie in einem sogenannten “schwarzen Loch” vorübergehend verschwunden und beim Urknall neu herausgeschleudert worden. So muss es seit Ewigkeit mit allen Materien ergangen sein.
Wir können die Endlichkeit erklären, aber niemals die Unendlichkeit oder die Ewigkeit. Und dafür brauchen die meisten Menschen einen personalen Gott, der die Ewigkeit und den Anfang des Universums für sie erklärbar macht.
So wie ich informiert bin geht es beim Fussball auch nur um Geld, Geld regiert die Welt eine uralte Binsenwahrheit. Da gibts ja eine Frau, die bescheiden in einer Waldhütte lebt, finde das etwas extrem. Die eigene Mitte finden hat S.E. Siegrist am IAC ZH immer gesagt. Ich schätze einfach mein persönliches Youtube inkl. Google, bin hundertpro sicher dass Frauen auch technisch hochbegabt sind, bin ein Schweizerin und schätze einfach mein Land. Begleiten und Missionieren sind 2 Paar Schuhe. Traurig ist nach wie vor, dass Menschen sich die nötigsten Dinge in gewissen Ländern auf einem Misthaufen ergattern müssen während Onkel Dagobert im Geld schwimmt (Sex and the City nein danke), die Hollywoodfilme von früher hab ich längst verdaut, ich war als junge Frau total Beatles Fan, haben die nicht immer gesungen -Jesus christ super star- Im Hier und Jetzt muss sich ja kein Mensch mehr ans Kreuz schlagen lassen. Die Entwicklung ist seit eh und je eigene Wege gegangen, die Jehovaszeugen sangen immer oder singen immernoch Gott ist die Liebe, ich weiss es einfach nicht, bin einfach nicht Besitze der ganzen Wahrheit.
«Warum lässt uns Gott im Ungewissen?»
Weder der Gläubige noch der Ungläubige werden Gott finden, weil die Wirklichkeit das Unbekannte ist.
Gott ist nicht das Wort, und das Wort ist nicht das, was es beschreibt.
Der Wunsch zu glauben sollte verstanden und dann beiseite gelegt werden.
Der Glaube steht der Wirklichkeit im Weg.
@ Edi Brugger
“Wissenschaftlich wäre es einfach, dass Gott als die Summe all dessen, was wir derzeit nicht nach wissenschaftlich logischen Prinzipien erklären können, zu bezeichnen.“
Als die Menschen sich noch nicht erklären konnten, wie Blitze oder Erdbeben entstehen, wurde Gott (oder die Götter) als Erklärung hergeholt. Wenn auf dem Meer Sturm herrschte, musste Neptun herhalten. Wenn Krankheiten die Menschen befielen, waren’s die bösen Dämonen aus, u.s.w.
Damals stand Gott (oder die Götter und die Dämonen) noch aufrecht, denn er brauchte sich noch nicht zu bücken um sich in die Lücken zu verkriechen, die übrig blieben von jenen, welche die Wissenschaft sukzessive geschlossen hat und schliesst.
„Die Summe all dessen, was wir derzeit nicht nach wissenschaftlich logischen Prinzipien erklären können“, stellt also diesen gebückten Lückengott dar, dessen Angst eigentlich nur die eine ist: die menschliche Erkenntnis in Form von Wissenschaft, denn die Lücken werden jeden Tag kleiner.
So gesehen ist es keineswegs zufällig, dass der Ausdruck göttlicher Angst vor der menschlichen, wissenschaftlichen Erkenntnis schon ganz am Anfang der Bibelgeschichte zu finden ist, nämlich im göttlichen Verbot des Essens der Früchte vom Baum eben dieser der Erkenntnis.
„Horatio“
Wir können ja versuchen, Gott als Phänomen zu verstehen, als „wunderwirksam“ im Sinne eines Phänomens, dessen Ursachen bisher nicht vollständig erkannt wurden. „Gott“ als Unerklärliches, Magisches, Wundersames etc. als das Rätsel, das auf seine Erklärung wartet. Die Etymologie ist doch voller Beispiele dazu, wie Begriffe wie „Sphäre“, „Quintessenz“ oder „Äther“ zu Bedeutungen gelangt sind, welche nichts mehr mit dem ursprünglichen Übernatürlichen gemeinsam haben. Ich denke dies geht dann mit Phänomenen wie die der Spontanheilung oder dem Placeboeffekt weiter. Auch das Zungenreden wird eine wissenschaftliche Erklärung haben, auch das Verhalten von (angeblich) Besessenen (die Epilepsie hält ja seit Jahrhunderten nicht mehr dafür her).
Man kann ihn also definieren als Summe aller Unbekannten. Ich würde den Naturwissenschafter dann aber fragen, wieso er bei seiner Definition nicht bei seiner Summe aller Unbekannten als Summe aller Unbekannten bleibt?
Doch nehmen wir diesen Gedanken auf und begreifen wir ihn z.B. als grosses Geheimnis der Liebe, d.h. einigen wir uns auf die Definition, Gott sei Liebe (die, oder der oder das, ist doch Wurscht). Was wäre an einer solchen Definition mehr als die Aussage, Liebe wäre einfach Liebe?
Mich stört der Begriff eigentlich beim klaren, schlussfolgenden Denken. Gut, es lässt sich sagen, Jesus Christus wäre ein Vorbild gewesen, lassen wir aber dann den metaphysischen Quatsch weg (ich bin das A und O etc.). Dann ist es aber auch nicht relevant, ob Jesus Christus wirklich je existiert hat, Mutter Theresa tats – und Räuber Hotzenplotz wahrscheinlich weniger.
@ Edi Brugger
Nachtrag:
Nietzsche schreibt dazu – sich auf Genesis 3 beziehend – „von der Höllenangst Gottes vor der Wissenschaft“ wie folgt:
“Erst durch das Weib lernte der Mensch vom Baume der Erkenntnis kosten. – Was war geschehen? Den alten Gott ergriff eine Höllenangst. Der Mensch selbst war sein größter Fehlgriff geworden, er hatte sich einen Rivalen geschaffen, die Wissenschaft macht gottgleich, – es ist mit Priestern und Göttern zu Ende, wenn der Mensch wissenschaftlich wird! – Moral: die Wissenschaft ist das Verbotene an sich – sie allein ist verboten. Die Wissenschaft ist die erste Sünde, der Keim aller Sünde, die Erbsünde. Dies allein ist Moral. – „Du sollst nicht erkennen“ – der Rest folgt daraus. – Die Höllenangst Gottes verhinderte ihn nicht, klug zu sein. Wie wehrt man sich gegen die Wissenschaft? das wurde für lange sein Hauptproblem. Antwort: fort mit dem Menschen aus dem Paradies! Das Glück, der Müßiggang bringt auf Gedanken – alle Gedanken sind schlechte Gedanken… Der Mensch soll nicht denken. – Und der „Priester an sich“ erfindet die Not, den Tod, die Lebensgefahr der Schwangerschaft, jede Art von Elend, Alter, Mühsal, die Krankheit vor allem – lauter Mittel im Kampfe mit der Wissenschaft! Die Not erlaubt dem Menschen nicht, zu denken… Und trotzdem! entsetzlich! Das Werk der Erkenntnis türmt sich auf, himmelstürmend, götter-andämmernd [der Turmbau zu Babel (Gen 11)] – was tun! – Der alte Gott erfindet den Krieg, er trennt die Völker, er macht, daß die Menschen sich gegenseitig vernichten (– Priester haben immer den Krieg nötig gehabt…). Der Krieg – unter anderem ein großer Störenfried der Wissenschaft! – Unglaublich! Die Erkenntnis, die Emanzipation vom Priester, nimmt selbst trotz Kriegen zu. – Und ein letzter Entschluß kommt dem alten Gotte: „der Mensch ward wissenschaftlich – es hilft nichts, man muß ihn ersäufen!“… [die Sintflut (Gen 6f)].” (Antichrist 48)
“Man errät bereits, was, dieser Logik gemäß, damit erst in die Welt gekommen ist – die „Sünde“… Der Schuld- und Strafbegriff, die ganze „sittliche Weltordnung“ ist erfunden gegen die Wissenschaft – gegen die Ablösung des Menschen vom Priester… Der Mensch soll nicht hinaus-, er soll in sich hineinsehen; er soll nicht klug und vorsichtig, als Lernender, in die Dinge sehn, er soll überhaupt gar nicht sehn: er soll leiden… Und er soll so leiden, daß er jederzeit den Priester nötig hat. – Weg mit den Ärzten! Man hat einen Heiland nötig. – Der Schuld- und Straf-Begriff, eingerechnet die Lehre von der „Gnade“, von der „Erlösung“, von der „Vergebung“ – Lügen durch und durch und ohne jede psychologische Realität – sind erfunden, um den Ursachen-Sinn des Menschen zu zerstören: sie sind das Attentat gegen den Begriff Ursache und Wirkung! – Und nicht ein Attentat mit der Faust, mit dem Messer, mit der Ehrlichkeit in Haß und Liebe! Sondern aus den feigsten, listigsten, niedrigsten Instinkten heraus! Ein Priester-Attentat! Ein Parasiten-Attentat! Ein Vampyrismus bleicher unterirdischer Blutsauger!… Wenn die natürlichen Folgen einer Tat nicht mehr „natürlich“ sind, sondern durch Begriffs-Gespenster des Aberglaubens, durch „Gott“, durch „Geister“, durch „Seelen“ bewirkt gedacht werden, als bloß „moralische“ Konsequenzen, als Lohn, Strafe, Wink, Erziehungsmittel, so ist die Voraussetzung zur Erkenntnis zerstört – so hat man das größte Verbrechen an der Menschheit begangen. – Die Sünde, nochmals gesagt, diese Selbstschändungs-Form des Menschen par excellence, ist erfunden, um Wissenschaft, um Kultur, um jede Erhöhung und Vornehmheit des Menschen unmöglich zu machen; der Priester herrscht durch die Erfindung der Sünde. –“ (Antichrist 49)
@Horatio
Ob die Lücken tatsächlich kleiner werden, wäre noch zu hinterfragen. Wenn wir nur dasjenige als nicht erklärt deklarieren, das uns bewusst nicht als erklärt erscheint, besteht die Möglichkeit dass wir trotz oder gerade wegen des zunehmenden Wissens immer mehr als nicht erklärbar erkennen. Das heisst, die Summe des nicht erklärten oder des nicht erklärbaren ist grösser, als wir bisher erkennen können, wird uns aber zunehmend bewusst als Folge neuer Erkenntnisse. Somit kann per definitionem das nicht erklärbare, in diesem Fall das Gott, sogar zunehmen, oder wie es Gläubige lieber hätten, grösser werden. Mich stört das nicht. Für mich sind die Grenzen menschlicher Erkenntnis so oder so limitiert.
@ Edi Brugger
Natürlich nimmt, als logische Konsequenz, mit fortschreitender Erkenntnis auch die Summe des (noch) Unerklärten zu. Bloss bedarf es dazu, im Gegensatz zu früher, keine Postulierung von Göttern, oder wie Napoleon einmal Laplace fragte: „Warum haben Sie dieses Buch über das Weltall geschrieben, aber nicht einmal seinen Schöpfer erwähnt?“ Worauf Laplace antworte: „Diese Hypothese habe ich nicht benötigt.“
„Horatio“
@Horatio
Ganz amüsant, was Nietzsche in seinem heiligen Zorn sich von der Leber schreibt. Ich würde mich nicht nur auf den Klerus beziehen. Verantwortung für diese Missstände sind alle die gedankenlos den Mist aufs Feld verzetteln, besonders jene die sich zur geistigen Elite zählen. Beispiele dafür finden wir auch noch aktuell in diesem Blog.
@Michael Bamberger: die Wissenschaft macht gottgleich
Inwiefern?
Edi Brugger 23.02.2012 um 13:53 @Horatio
“… die Summe des nicht erklärten oder des nicht erklärbaren ist grösser, als wir bisher erkennen können,…”
Das nicht Erklärte und das nicht Erklärbare sind voneinander zu unterscheiden. Zunächst unterscheide ich das Erklärbare vom Unerklärbaren. Die Wissenschaften haben ausschliesslich zugang zum Erklärbaren. Im Erklärbaren wiederum gilt es zwischen dem Erklärten und dem Unerklärten zu unterscheiden, sodass also beide das ausmachen, was das Erklärbare ist, das eine ist das Erklärbare, das erklärt ist, das andere das Erklärbare, das nicht oder noch nicht erklärt ist.
So gesehen muss, wenn das Erklärte mehr und mehr wird, das Unerklärte immer weniger werden, sodass wir vielleicht eines Tages sagen können, alles, was erklärbar ist, ist auch erklärt, und es gibt nichts Unerklärtes mehr, alles ist erklärt. Aber dabei bleibt das Unerklärbare unangetastet, weil das Unerklärbare nicht erklärt werden kann, denn was erklärt werden kann, ist ja das Erklärbare.
Wenn Gott das Unerklärbare sei, so kann es weder kleiner noch grösser werden, auch wenn das Erklärte immer mehr zunimmt und das Unerklärte immer mehr abnimmt. Das Unerklärbare bleibt dabei immer gleich “gross”. Gott würde also überhaupt nicht berührt werden können, wie sehr sich die Wissenschaften mit ihren Erklärungen auch abmühten.
Du schreibst aber: “Somit kann per definitionem das nicht erklärbare, in diesem Fall das Gott, sogar zunehmen, oder wie es Gläubige lieber hätten, grösser werden.”
Wie soll ich das nun verstehen? -
@Edi Brugger: Wissenschaftlich wäre es einfach, das Gott als die Summe all dessen, was wir derzeit nicht nach wissenschaftlich logischen Prinzipien erklären können, zu bezeichnen.
Nur besteht doch für jemanden, der wissenschaftlich denkt, überhaupt keine Veranlassung die Summe des Unerklärbaren mit Gott zu bezeichnen. Für mich als Gläubige ist Gott etwas, dass ich “spüre” (wobei mir durchaus klar ist, dass es sich bei diesem “Spüren” um eine Illusion handeln könnte). Würde ich nichts “spüren”, hätte ich wohl keinen Grund hinter dem Unerklärbaren einen Gott zu vermuten.
Sollte die Naturwissenschaft mehr Rätsel aufdecken, als sie uns beantwortet? Das wäre m.E. wohl bisher einmalig. Ich schätze vielleicht hie und da in der Grundlagenforschung. In dem Bereich, der sich angewandte Forschung nennt, kaum. Ich habe da keine Angst. M.E. kann es nicht sein, dass zunehmendes Wissen dazu führt, dass das, was uns bisher nicht als erklärbar erschien, nicht weiterhin als nicht erklärbar erscheint.
@Hypatia: So gesehen muss, wenn das Erklärte mehr und mehr wird, das Unerklärte immer weniger werden, sodass wir vielleicht eines Tages sagen können, alles, was erklärbar ist, ist auch erklärt, und es gibt nichts Unerklärtes mehr, alles ist erklärt.
Wie verhält es sich denn, wenn jede Erklärung wieder X neue Fragestellungen aufwirft. Nimmt dann das Unerklärte wirklich ab?
Michael Bamberger 23.02.2012 um 14:17 @ Edi Brugger
“Natürlich nimmt, als logische Konsequenz, mit fortschreitender Erkenntnis auch die Summe des (noch) Unerklärten zu.”
Wenn aus einer Menge, die die Totalität alles Erklärbaren enthält, ein Teil davon zugleich zu einer stetig anwachsenden Menge gehört, deren Elemente sich dadurch auszeichnen, dass sie Erklärbares erklären, muss dann nicht notwendigerweise diejenige Restmenge, deren Elemente sich dadurch auszeichnen, dass sie Erklärbares (noch) nicht erklären, nicht stetig kleiner werden?
Offensichtlich muss diese Restmenge doch immer kleiner werden, wenn die andere stetig zunimmt. Aber warum meinst du nun, es sei logisch konsequent, dass die Restmenge bei “fortschreitender Erkenntnis” ebenfalls zunimmt?
@ Allegra
“Die Wissenschaft macht gottgleich. Inwiefern?
Wenn ein Gott u.a. als allwissend definiert wird, dann stellt die Zuname menschlicher Erkenntnis durch die Wissenschaft ein angleichen an jene Gottheit dar
.
Oder wie es Schopenhauer formulierte: „Glauben und Wissen verhalten sich wie zwei Schalen einer Waage: in dem Masse, als die eine steigt, sinkt die andere.“
„Horatio“
@Hypatia: Offensichtlich muss diese Restmenge doch immer kleiner werden, wenn die andere stetig zunimmt.
Wenn die Menge des Erklärbaren definiert ist, ja. Aber sind wir davon nicht noch weit entfernt? Denken sie nicht, dass es Fragen gibt, die wir uns bei unserem heutigen Wissenstand noch gar nicht stellen (können)?
@hm
Sollte die Naturwissenschaft mehr Rätsel aufdecken, als sie uns beantwortet?
nanotechnologie, möglicherweise?
M.E. kann es nicht sein, dass zunehmendes Wissen dazu führt, dass das, was uns bisher nicht als erklärbar erschien, nicht weiterhin als nicht erklärbar erscheint.
cern, higgs-teilchen, wenn eben nicht gefunden ?