
Wäre er nicht einer von fünf Tätern, könnte man seine Verhalten als Tat eines Psychopathen erklären: Jeremy Morlock mit seinem Opfer. (Bild: «Spiegel»)
Der 22-jährige Jeremy Morlock ist von einem Militärgericht in Washington zu 24 Jahren Haft verurteilt worden. Der junge Soldat hat gestanden, aus purer Mordlust zusammen mit vier weiteren US-Soldaten drei unschuldige Afghanen getötet und verstümmelt haben. «Der Plan war, Leute zu töten», bestätigte Jeremy Morlock den gezielten Mord. Die fünf sollen aus purer Mordlust mit Gewehren und Granaten die Zivilisten getötet haben. Zuerst behaupteten sie, von den Afghanen angegriffen worden zu sein und in Notwehr gehandelt zu haben. (Die andern vier Soldaten warten noch auf ihren Prozess.)
Fotos entlarvten aber die Mörder. Sie hatten grinsend den Kopf eines getöteten jungen Bauernsohn am Schopf gepackt und sich gegenseitig abgelichtet. Danach schnitten die Soldaten ihrem Opfer einen Finger als Trophäe ab.
Man kann davon ausgehen, dass mindestens ein Teil der fünf Soldaten eine christliche Erziehung genossen haben und die zehn Gebote kennen. Man kann auch annehmen, dass sie auch schon etwas von sozialer Verantwortung gehört haben. Als Soldaten müssten sie auch über den militärischen Kodex aufgeklärt worden sein, dass Zivilisten geschützt werden müssen. Sie hatten sicher auch die Skandale von Abu Ghraib verfolgt und gewusst, dass ihre Tat der US-Armee massiv schaden und die afghanische Bevölkerung gegen die Soldaten aufbringen könnte.
Was treibt junge Menschen zu solchen Taten? Es ist wohl in erster Linie der Trieb, bei allen Tätigkeiten den Spass zu suchen und den Held zu spielen. Als Soldat im Krieg sind die Möglichkeiten begrenzt. Unterhaltung für adrenalingetriebene junge Männer gibt es in Afghanistan kaum. Sexuelle Eskapaden, bei denen man sich bestätigen kann, fehlt in einem muslimischen Land ohnehin. Der Krieg bestimmt den Alltag, Ablenkung finden die Soldaten fast nur in diesem ungesunden Biotop Armee.
Wäre Jeremy Morlock ein Einzeltäter, könnte man seine Mordlust als die Tat eines Psychopathen erklären. Bei fünf Komplizen sticht das Argument nicht.
Es scheint, dass hauptsächlich Lebensumstände Bewusstsein und Verhalten bestimmen. Ethische, moralische oder religiöse Werte sind Schönwetter-Instrumente. In besonderen Situationen bestimmen offensichtlich Triebe und Lustprinzip menschliches Verhalten. Die Natur ist stärker als die Kultur. Vielleicht schafft die Evolution in 500 Jahren eine Korrektur. Glaubensgemeinschaften hatten 1500 und mehr Jahre Zeit, Menschen zu zivilisieren. Sie haben es – wie die Zivilgesellschaften – nicht geschafft, weshalb wir auf die Evolution hoffen müssen.














































