Den folgenden Impulstext hat der Blogger Michael Bamberger verfasst:
Klerikale Furcht betreffend Infragestellung von kirchlichen Glaubenswahrheiten ist nicht neu. Schon vor, aber vermehrt seit Beginn des offiziellen Christentums, das anlässlich der konstantinschen Wende per Dekret zur Staatsreligion erklärt wurde, lässt sich die kontinuierliche Festmeisselung kirchlich dogmatischer Glaubenswahrheiten beobachten, bei gleichzeitiger Verfolgung und Ausschaltung von allem und jedem, was und wer diesen Glaubenswahrheiten entgegenstand oder nicht entsprach.
Mittelalterliche Kreuzzüge und sonstige Missionierungsaktionen mit dem Schwert, die Verfolgung von Ketzern und Andersgläubigen, die Hexenjagd und die lodernden Scheiterhaufen der heiligen Inquisition, die unzähligen Judenpogrome, sowie die kirchliche Legitimierung und Einverleibung der Sklaverei, die Zwangschristianisierung und Zwangstaufen, die unheilvollen und unzähligen Religionskriege, die Unterstützung von grausamen Herrschern, die Kolonialisierung, das Paktieren mit etlichen faschistischen Diktaturen, etc., illustrieren die kirchlichen Ängste vor Machtverlust und die direkt daraus entstandenen Grausamkeiten quer durch die Geschichte.
Immer noch, im heutigen 21. Jahrhundert, perpetuieren sich, vornehmlich in der katholischen Kirche, zynische Edikte und inhumanes Vorgehen, wie das Kondomverbot im Zeitalter von Aids und – je nach Erdteil – Probleme der Überbevölkerung, die Vertuschung von Verbrechen pädophiler Kleriker, die Doppelmoral des Zölibats, die abwertende Behandlung der Frauen, sowie Ausgrenzung von homosexuellen und von geschiedenen Menschen, um nur wenige Beispiele zu nennen, ausformuliert durch die vatikanische Glaubenskongregation (einem Euphemismus für die frühere Bezeichnung „Heilige Inquisition“), der, vom Jahr 1981 bis 2005 Kardinal Josef Ratzinger (ab 2005 Papst Benedikt XVI.), vorstand.
Die katholische Kirche verschanzt sich weiterhin, wie sie es immer tat, in dogmatischer Manier via die Glaubenkongregation, hinter dem alleinigen Wahrheitsanspruch und ihrer „einzigartigen“ Auserwähltheit. So ist z.B. dem katholischen Katechismus, Absatz 107 zu entnehmen: „…ist von den Büchern der Schrift zu bekennen, dass sie sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte.“ Und im Absatz 119 steht: „…alles das nämlich, was die Art der Schrifterklärung betrifft,…[…]. ..letztlich dem Urteil der Kirche, die den göttlichen Auftrag und Dienst verrichtet, das Wort Gottes zu bewahren und auszulegen.“
Wenn in unseren westlichen Breitengraden, wo zum Glück säkulare Demokratie im Vordergrund der Politik steht, ein Staatsoberhaupt es nur ansatzweise wagen würde anzudeuten, er plane seine Gesetze auf Prinzipien analog zu solchen Ideologien aus dem katholischen Katechismus zu definieren, der nächste Sturm auf die Bastille wäre vorprogrammiert.
PS: Wer selbst einen Impulstext verfassen möchte, kann mir den Beitrag mailen: hugo.stamm@tagesanzeiger.ch











































