Schweiz


hugostamm am Montag den 6. September 2010

Hiob: Wenn Gott mit dem Teufel wettet

Hiob ist eine der bekanntesten Figuren der Bibel. Der gottesfürchtige Mann hat es zu viel Ruhm gebracht und Eingang in unseren Wortschatz gefunden. Er hat – wenn auch ungewollt – uns den Begriff der Hiobsbotschaften beschert. Höchste Zeit, dem tapferen Mann eine Diskussion im Blog zu widmen.

Hiob war ein frommer, reicher Mann. Das wurmte den Teufel. Er sagte Gott, Hiob sei nur deshalb so gottesfürchtig, weil er von Gott privilegiert worden sei. Gott entgegnete, nein, Hiob sei aus Überzeugung ein frommer Mann. So schlossen Gott und der Teufel eine Wette ab. Gott behauptete, Hiob werde auch dann standhaft bleiben, wenn er Schicksalsschläge erleiden werde.

Gott erlaubte Satan, Hiob zu prüfen. Ein Knecht überbrachte ihm die schlechten Botschaften. Zuerst verlor Hiob seine 10’000 Nutztiere. Trotzdem zürnte Hiob nicht und lobte Gott weiterhin. Dann liess der Satan sein Haus einstürzen, alle zehn Kinder kamen um. Später brachte der Knecht eine weitere Hiobsbotschaft: Er werde schwere Krankheiten erleiden. Hiob blieb trotz Geschwüren standhaft und lobte Gott weiterhin.

Das gefiel Gott, zumal er die Wette gewonnen hatte. Als Dank schenkte er Hiob neuen Reichtum und neue Kinder.

Die Geschichte von Hiob wirft Fragen auf:

Was ist das für ein Gott, der mit dem Satan eine Wette eingeht und unschuldige Kinder opfert?

Gelten für Gott die Gebote, die er für die Menschen auferlegt hat, nicht?

Aus psychologischer Sicht würde man heute das grausame Spiel, das Gott mit Hiob und seiner Familie betrieb, als pathologisch bezeichnen.

Was für einen Eindruck von Gott haben die Frau und die Kinder von Hiob erhalten?

405 Kommentare zu „Hiob: Wenn Gott mit dem Teufel wettet“

  1. Erika

    “Siehe die Reliquie von Hiob: Der Misthaufen auf dem er sass.”

    Sehr aufmerksam Rabbi, Danke.
    Ein sehr eindrückliches Bild, nicht wahr ?

  2. Rabbi Jussuf

    Hugo Stamm
    Das Buch Hiob ist ja nicht nur eine Metapher, es ist vielmehr auch eine Art Sage. Wenn da nicht eindrückliche Bilder vorkommen, dann verliert sie erheblich an Eindrücklichkeit.
    Würden Sie auch die diversen Shakespeare Stücke umschreiben wollen, in denen so viele Tote vorkommen?
    Es ist z.B. auch sehr gemein, was in Hamlet mit der Ophelia passiert.

    Nein, nach Ihrem Wunsch hätten wir nur noch zame Geschichtchen, die sich keiner mehr anhören wollte.
    Apropos Rotkäppchen: Man vermutet, dass der Schluss mit dem rettenden Jäger ein christlicher Zusatz ist. Die “Zivilisierung” von archaischen Geschichten ist ein Graus, ähnlich wie wenn man dem David von Michelangelo ein Feigenblatt vor den Pimmel hängen würde. Was ja auch schon versucht wurde.

    Was wäre Hiobs Klage noch wert, wenn ihm nicht alles genommen worden wäre?

  3. Hugo Stamm

    @ Rabbi Jussuf

    danke für die Ergänzung. Ihre Argumentation hat tatsächlich etwas für sich. Da muss ich vermutlich mein Empfinden etwas justieren.

  4. Taiwo

    Rabbi Jussuf: Was wäre Hiobs Klage noch wert, wenn ihm nicht alles genommen worden wäre?

    Von diesem Standpunkt aus gebe ich dir Recht. Schliesslich geht es bei der Geschichte zu einem Teil auch um das Nachdenken über die für Gläubige letztlich unbeantwortbare Frage, wieso guten Menschen Übles passiert und zum anderen Teil, wie der Betroffene bzw. seine Umgebung damit umgehen. Die Vorstellung, dass Gott aus Rechthaberei mit dem Teufel eine “Wette” abschliesst und dabei zulässt, dass unschuldige Dritte (übrigens auch die Dienstboten, nicht nur die Kinder des reichen Mannes) getötet werden, finde ich emotional trotzdem schwer erträglich. Anscheinend schien die Vorstellung, dass Gott so handelt für die Menschen der damaligen Zeit mit ihrem Gottesbild problemlos vereinbar.

  5. Taiwo

    Rabbi Jussuf

    Einmal schriebst du

    Die Hiob-Geschichte ist interessant, weil sie keine eindeutige Botschaft enthält. Wie man sie auch dreht und wendet, immer fällt ein Teil heraus, wenn man daran geht sie interpretieren zu wollen.

    später dann

    Eine mögliche Interpretation von Hiob: Es lohnt sich, fest zu glauben und Gott die Treue zu halten, auch wenn man nicht versteht, was passiert. Am Ende wird man für die Standhaftigkeit doch belohnt. Hiob ist doppelt so reich wie zuvor.
    Etwas banal, aber wohl der Grund, warum die Geschichte überhaupt im Kanon des AT Eingang gefunden hat.

    Wie ist jetzt für dich die Geschichte, interessant oder banal?

  6. Pätschworkchrist

    Der Blogger Hiob (und in dessen Windschatten Johann) beklagen sich, dass Atheisten ihnen eine wörtliche Bibelauslegung aufzwingen wollen. (Wer die Ironie von dieser Behauptung versteht, der wird sich über diese Absurdität köstlich amüsieren: Atheist bekehrt Christ, wie Christ Bibel deuten soll um ihm sie nachher abzugewöhnen…).

    Aber das Problem liegt woanders und ist weniger lustig: Die Bibel ist nicht auslegbar, da sie ein Sammelsurium von gewaltätigen, bösen, perversen, kruden, widersprechenden, gefälschten Aussagen, aber auch von klugen, stimmigen, weisen Ausssagen, etc. etc ist. Wäre sie nur Literatur, wie das der Blogger Hiob gerne behauptet, nun gut, dann wäre es ein Buch mehr auf dieser Welt und mehr wäre da nicht. Wir besprechen dieses Buch in der Lesegruppe von Hinterkappelen Montagabend, heute Nicola Sparks, in einem Monat die Bibel usw. Ich fands nicht so gut, der Hiob fands toll, sol ventus meditierte darüber (aber las es nicht und tat so, als ob er es superdammi gut verstand) und Johann benutzte es ganz praktisch: Er stand drauf, um an die Küchengeräte auf dem hohen Gestell dranzukommen. In der Montagssitzung sagte er dann: ich stehe auf das Buch und als Pätschworkchrist fand, das sein kein gutes Buch, er stehe gar nicht auf solche Bücher, da brüllte Johann wie ein Irrer: Erstens sei er missverstanden worden und zweitens dürfe er schliessich heute Legastheniker sein und morgen nicht. Die Welt transformiere sich ja auch. Die Montagslesegruppe streitet wie jede Lesegruppe wohlweislich intelligent über ein Buch. Die Bibel, eiin Buch wie jedes andere.
    Ende.

    Am Ende?:
    Der Blogger Hiob findet anfangs, dass die Bibel Literatur sei, wie die Texte von Feuerbach, Schopenhauer und Seneca es auch seien. Auf den Hinweis, dass sich bei den genannten Autoren oder anderen Autoren nicht um Schriften handelt, die in religiöse Systeme eingebunden sind, schweigt er sich aus. Dieses Schweigen spricht für sich.

    Gleichzeitig geben sich einige sog. gemässigte Christen grosse Mühe zu erkären, warum man die brutale Geschichte von Hiob metaphorisch verstehen müssen. Bei anderen biblischen Geschichten wird wiederum betont, wie wichtig und wörtlich wahr diese seien, täten sie doch unser Leben normieren und zivlisieren. Man denke an das Gebot ” du sollst nicht töten”. Das wird sicherlich nicht metaphorisch verstanden (ausser sol ventus, der versteht alles auf einer höher gelegeten Bewusstseinstufe, grins…) Fakt ist, dass vermieden wird, anzuerkennen, dass bei der Bibel erhebliche Deutungsprobleme auftreten: Ob allegorisch/metaphorisch oder ob wörtlich. Fakt ist, dass die eigene Deutung immer als human gilt, sei es als fundamentalistischer Christ, sei es als gemässigter Christ. Fakt ist, dass die Bibel somit nicht irrt, sondern die Menschen die Bibel falsch auslegen. Und das ist dogmatisch. Auch wenn die sog. “gemässtigen” Christen sich gegen diesen Vorwurf vehemt wehren (auch bei Taiwo nachzulesen). Es ist bis anhin nicht gelungen, diese Kritik zu entkräften. Ausser Johann, der geht davon aus, dass ich ein Aggressionsproblem hätte und damit ist die Sache für ihn gebongt.

  7. Pätschworkchrist

    @Rabbi Jussuf
    Wäre das Buch “Mein Kampf” nur ein Buch, ohne Bezug zu einer ideologie zu schaffen, bzw. die Grundlage diese Ideologie zu sein, dann wäre es eine Geschichte, allenfalls würde wir es sogar als eine dystopische Parabel lesen. Ist es aber nicht. Es ist das Buch zu einer Ideologie. Und unterliegt daher (zum Glück) anderen, strengeren Kriterien.

  8. sol ventus

    Rabbi Jussuf: “Fakt ist, dass die Bibel somit nicht irrt, sondern die Menschen die Bibel falsch auslegen. Und das ist dogmatisch.

    Nein, das ist schlicht logisch. Papier kann nass werden, verbrennen, vermodern, aber irren kann es nicht. Das ist kein Dogma, sondern Physik. Der Irrtum ist nach wie vor den Hirnträgern vorbehalten.

  9. sol ventus

    Sorry, war natürlich nicht der Rabbi, der das erzählte. War unser Pätschworkchrist, heute mal mit nur einem Doppelpunkt.

    Und weil die eh’s ganz un’eh’haft unterwegs sind, und die Pätschwörker auch nur pätschen, als ob die Schelle klingelt, bin ich jetzt definitiv für eine Zeit weg.

  10. Rabbi Jussuf

    Taiwo
    Da sieht man schön, wie schwierig es ist, den Hiob zu interpretieren. Nie bekommt man alles unter einen Hut.

    Die Geschichte ist interessant, als Geschichte, aber die mögliche Interpretation, weswegen sie überhaupt im AT ist, ist banal. Man muss nur fest an Gott glauben und immer das Rechte tun, dann belohnt einem Gott schon noch am Ende und Gottes Wege sind unerforschlich (aus Sicht des Hiob).
    Es ist gewissermassen eine Vorwegnahme des Jenseits als Belohnung für gute Taten, halt eben noch in diesem Leben. Die Juden damals kannten kein Jenseits wie später die Christen.

  11. Rabbi Jussuf

    Pätschwörkchrist
    “ Es ist das Buch (mein Kampf) zu einer Ideologie. Und unterliegt daher (zum Glück) anderen, strengeren Kriterien.“

    so iss es.

    Hiob und ein paar andere bilden eine Ausnahme, auch wenn sie in der „heiligen“ Bibel sind.
    Auch wenn es nicht speziell erwähnt ist, so ist es beim Lesen doch klar, dass das keine Geschichte mit historischem Anspruch ist, ganz im Gegensatz zu den Evangelien.
    Da bin ich auch Stamms Meinung, dass die gefährlich sind, weil sie nicht als Metaphern aufgefasst werden wollen.

  12. benjamin

    @ Pätschworkchrist

    “Der Blogger Hiob (und in dessen Windschatten Johann) beklagen sich, dass Atheisten ihnen eine wörtliche Bibelauslegung aufzwingen wollen. (Wer die Ironie von dieser Behauptung versteht, der wird sich über diese Absurdität köstlich amüsieren: Atheist bekehrt Christ, wie Christ Bibel deuten soll um ihm sie nachher abzugewöhnen…).
    Der Blogger Hiob findet anfangs, dass die Bibel Literatur sei, wie die Texte von Feuerbach, Schopenhauer und Seneca es auch seien. Auf den Hinweis, dass sich bei den genannten Autoren oder anderen Autoren nicht um Schriften handelt, die in religiöse Systeme eingebunden sind, schweigt er sich aus. Dieses Schweigen spricht für sich.“

    Einspruch! Die Hinweise auf Seneca, Schopenhauer und Feuerbach stammen von mir. Der Nick „Hiob“ ist mir in diesem Blog schon begegnet, aber ich wüsste beim besten Willen nicht, was für eine Position er vertritt.

    Ihre Replik auf meinen Beitrag habe ich gelesen, aber ich sah keinen Grund auf diese Replik einzugehen. Ich bin hier nicht der Anwalt der Bibel. Mich nervte nur, dass Stamm – und andere mit ihm – den Gläubigen vorschreiben wollen, wie sie die Bibel zu lesen haben.

    Ich setzte mich dafür ein, dass jeder Mensch das Recht hat, seinem Leben den Sinn zu geben, den er ihm geben möchte. Die eine sieht diesen Sinn in der Kunst, der andere in der Ökonomie, die dritte in der Politik – und da gibt es auch Menschen, die den Sinn ihres Lebens im Glauben sehen. Und diesen Letzteren ist die Bibel oder der Koran ein Leitfaden, der ihnen hilft, diesen Sinn (besser) zu finden. Wo ist da das Problem? Solange die Sinnsucherinnen und Sinnsucher die Mitmenschen mit ihren Botschaften nicht behelligen oder gar drangsalieren, ist dagegen nichts einzuwenden. Und der Bibelgläubige muss selber entscheiden, ob er die Ijobsgeschichte wörtlich oder symbolisch verstehen will. (Wobei: Wenn er sie wörtlich versteht, frage ich mich schon im Geheimen, ob der Betreffende richtig tickt.)

    “Aber das Problem liegt woanders und ist weniger lustig: Die Bibel ist nicht auslegbar, da sie ein Sammelsurium von gewaltätigen, bösen, perversen, kruden, widersprechenden, gefälschten Aussagen, aber auch von klugen, stimmigen, weisen Ausssagen, etc. etc ist. Wäre sie nur Literatur, wie das der Blogger Hiob gerne behauptet, nun gut, dann wäre es ein Buch mehr auf dieser Welt und mehr wäre da nicht.“

    Was heisst hier „nur“ Literatur? Ich bin nicht literaturbesessen, aber es käme mir nie in den Sinn, einem Fan von Theodor Fontane zu sagen: Effie Briest „ist nur ein Buch mehr auf der Welt und mehr ist da nicht.“

    “Ausser Johann, der geht davon aus, dass ich ein Aggressionsproblem hätte und damit ist die Sache für ihn gebongt.“

    Ich habe den betreffenden Satz von Johann nicht gelesen, aber ich habe den leisen Verdacht, dass er mit seiner Aussage richtig liegen könnte. Wer sich so abschätzig und emotionsgeladen über ein Buch der Weltliteratur – und das ist die Bibel nun mal – ausspricht wie Sie, der hat vielleicht schon ein Aggressionsproblem.

  13. Pätschworkchrist

    @Sol ventus
    Hier besteht keine Anmelde-und Abmeldezwang. Dass sie der, ach so schnöden Blogwelt den Rücken kehren, merken wir auch ohne ihre Abmeldung. (Ich musste gerade an die Teletubbies denken). Aber wir treffen uns ja nächstens in der Montagslesegruppe von Hinterkappellen wieder und dann können wir über ihre Erkenntnise bei der Bibelmeditation weiter lamentieren.

  14. Rabbi Jussuf

    Benjamin
    “… ein Buch der Weltliteratur – und das ist die Bibel nun mal…“
    Wäre die Bibel „nur“ Literatur, dann gäbe es dieses Buch schon lange nicht mehr, weil sie im Ganzen gesehen einfach zu schlecht ist, um literarischen Kriterien zu genügen, von ein paar Ausnahmen abgesehen und eine davon ist Hiob.

  15. Taiwo

    @Pätschworkchrist: Fakt ist, dass die Bibel somit nicht irrt, sondern die Menschen die Bibel falsch auslegen. Und das ist dogmatisch. Auch wenn die sog. “gemässtigen” Christen sich gegen diesen Vorwurf vehemt wehren

    Können sich Bücher irren, wie denn das? Bitte erklären sie besser, was sie meinen, dann kann ich dazu Stellung nehmen. Ich beanspruche für mich nicht DIE richtige Auslegung, sondern sage, wenn ich die Bibel so interpretiere, ergibt es für mich zusammen mit meiner Lebenserfahrung einen Sinn.

  16. Johann

    Taiwo

    “Schliesslich geht es bei der Geschichte zu einem Teil auch um das Nachdenken über die für Gläubige letztlich unbeantwortbare Frage, wieso guten Menschen Übles passiert ”

    Dies könnte dann zu der Erkenntnis führen, dass es keinen Sinn ergibt das Gute menschen Übles passiert. Dies wiederum führt dann mal schnell zu der Erklärung , dass das Übel eine Strafe für eine Sünde ist.
    Ich denke aber das Hiobs geschichte eben auch sagen möchte dass die Argumentation „Wer leidet, muss eine Schuld auf sich geladen haben“ nicht zulässig ist.

    Persönlich weiss ich nicht ob es viel bringt sich die Frage zu stellen “wieso guten Menschen Übles passiert “. Wil uns Hiobs geschichte dies nicht auch vermitteln?

  17. benjamin

    @ Rabbi Jussuf

    “Wäre die Bibel „nur“ Literatur, dann gäbe es dieses Buch schon lange nicht mehr, weil sie im Ganzen gesehen einfach zu schlecht ist, um literarischen Kriterien zu genügen, von ein paar Ausnahmen abgesehen und eine davon ist Hiob.“

    Vielleicht haben Sie Recht. De gustibus non est disputandum. Aber dass sich ein Buch über Jahrhunderte gehalten hat und heute noch gelesen wird, ist doch auch nicht ohne.

  18. Rabbi Jussuf

    benjamin
    Sicher ist das nicht ohne, aber es sind sicher nicht literarische Gründe, warum sich die Bibel so lange gehalten hat.

  19. benjamin

    @ Rabbi Jussuf

    P.S. Vgl. Apg 5,34-39 ;-)

  20. Pätschwörkchrist

    @benjamin
    Ich habe die Aussage von ihnen mit der vom Blogger Hiob verwechselt. Danke, dass sie das klarstellen.
    Ihr Satz: “Ich setzte mich dafür ein, dass jeder Mensch das Recht hat, seinem Leben den Sinn zu geben, den er ihm geben möchte.” ist nicht nur ein Plattitüde sondern falsch. Dem afghanischeTaliban, der letzte Woche Kindern Säure ins Gesicht schüttete, weil sie eine Schule besuchen, werden sie seinen Lebenssinn (Vernichtung und Zerstörung durch, erreicht durch Indoktrination) nicht eingestehen. Wenn der Staat den Banken mit Milliarden von Steuergelder Sozialhilfe leisten muss, um danach bei der armen Bevölkerung zu sparen), nur weil ein neoliberales Wirtschaftssystem einen Menschschlag züchtet (indoktriniert durch “sakulären Religion”) der andere leiden lässt, dann ist der Sinn “verantwortungslose Anhäufung von Geld” nicht mehr zu legitmieren. Das weist darauf hin, dass sie grössere Zusammehänge vermissen lassen und soziologische Einflüsse negieren (gruppendynamische, gesellschaftliche, kulturelle Prozesse etc.). Ähnliches stelle ich fest, wenn ich Bibel-und religionskritische Argumente vortrage. Ihre Gegenargumente bleiben auf dieser Metaebene aus. Sie transformieren es ins Persönliche, auf das Individuum: Man wird ja noch Freude haben dürfen an der Geschichte von Hiob, an der Bibel etc.. Man wird ja noch finden dürfen, dass die Bibel gute Literatur ist, usw.

  21. Pätschwörkchrist

    Johann und Taiwo diskutieren über die Frage, was es zu bedeuten hat, wenn guten Menschen Übles passiert. Dies scheint eine Kernnaussage/Kernfrage von Hiobs Geschichte zu sein, auf die man immer wieder stösst.

    Die Kategorien Gute/Nichtgute oder Gute/schlechte oder gute/mittelgute/ungute Menschen, egal wie man es dreht und wendet, endet immer am Anfang von Ende: Dem liegt im besten Fall ein simples und einseitiges Menschebild zugrunde, im schlimmsten Fall aber ein menschenverachtendes Menschbild.
    War Hiob nun gut oder nicht?
    Judas?
    Lee Harvey Oswald?
    Gandhi?
    Osho?
    Herr Meier von nebenan, der mit den rauchende Grill?
    Werner Ferrari?
    Bill Götz Gates (mit seiner neuen gigantischen Stiftung)?

    Johann, halten sie sich für einen guten Menschen? Auch dann wenn sie sich mit Harvey aufs Ärgste zoffen?
    Taiwo, falls sie sich für keinen guten Menschen halten, für was dann? Ist diese Haltung gesund, hilft sie ihnen ein konstruktives Leben zu führen, macht sie diese Haltung gegenüber ihren Mitmenschen freundlich,gelassen, liebvoll? Und gegenüber sich selbst. Können sie sich mögen, auch wenn sie sich für keine guten Mensche halten?

  22. Johann

    @ Pätschworkchrist
    08.09.2010 um 15:10

    Ich spüre dass Sie einen ziemlichen Hass auf meinem Nick entwickelt haben. Sie schreiben da Sachen die einer in einer entspannte Atmosphäre wahrscheinlich so niemals schreiben würde.
    In dieser Diskussion geht es nicht um eine Diskussion über Hiob, sondern über meinen Nick. Die Diskussionsfetzen bezüglich Hiob dienen nur um Ihre Absicht nicht all zu offensichtlich darzustellen.
    Ich hoffe ich liege Falsch, wenn nicht, würden Sie dann so freundlich sein Ihren Hass näher zu erläutern. Bin ziemlich neugierig was ich Ihnen für leid angetan habe.

    Sie müssen aber schon zugeben dass es ziemlich komisch ist, dass Atheisten den Gläubigen vorschreiben wie sie gefälligst den Bibel interpretieren sollen. Das jeder Christ für sich privat, wertvolle Erkenntnisse aus der Bibel nimmt und anhand davon sein Leben so friedlich möglich zu gestallten versucht, kommt Ihnen keinen Moment im Sinn.
    Nein Sie sehen irgend welche heuchlerische Christen, nur weil sie Hiob als Metapher betrachten.

    @ Benjamin

    Bezüglich aggression ging es um dies:

    Pätschwörkchrist Scrieb:
    07.09.2010 um 17:23
    @Johann, Blogger Hiob, etc:
    “… da reute es ihn (Gott), dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen …”
    (1. Mose 6,6)
    Ersetzt bitte “die Menschen” mit euren Namen. Dann wird es gleich viel echter und wahrer. Es menschelet dann gleich etwas mehr.

    Johann schrieb:
    Gut dann machen wir das doch mal:
    “… da reute es ihn (Gott), dass er Johann, Blogger Hiob, etc gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen …”

    Aber, aber, Herr Pätschwörkchrist was ist der Grund dieser Aggressivität. Erklären Sie sich doch mal.
    Ist das jetzt Ihre Humanitäre Beitrag, oder ist dies eine höfliche Bitte mit Ihnen in Diskussion zu treten?

  23. Pätschwörkchrist

    ..und dann noch dies: Ist es nicht eine beschönigende Lüge zu behaupten, dass dem Hiob “Übles” passiert sei?! Wie infam ist doch diese Aussasge! Wäre es redlicherweise nicht angebracht zu sagen: “Gut, dass dem Hiob Weib und Kinder gemeuchelt wruden, dass es ihm so richtig beschissen ging, weil er ja am Schluss als srahlender Winnertyp dastand. Supergut, dass dem Hiob ermöglicht wurde, zu zeigen, was für ein standhafter Siebesiech er in Glaubensfragen war?”

    Das Üble ist wohl nur dem Weib und den Goofen entstanden. Aber vergelts Gott. Der wirds schon richten.

  24. benjamin

    @ Pätschwörkchrist

    Sie hätten meinen Beitrag ganz lesen müssen, Ich schrieb nämlich u.a.:

    Solange die Sinnsucherinnen und Sinnsucher die Mitmenschen mit ihren Botschaften nicht behelligen oder gar drangsalieren, ist dagegen nichts einzuwenden.

    In den Beispielen, die Sie vorbringen, werden Mitmenschen drangsaliert.

  25. Johann

    Pätschwörkchrist, halten sie sich für einen guten Menschen? Auch dann wenn sie in diesem Blog nur mit feindseligen Attitüden auftrumpfen?

    Um Ihre Frage zu beantworten: Ich weisse es nicht Ich habe den zoff mit Harvey beigelegt. Und Harvey hat dies akzeptiert. Wieso Sie jetzt wieder hiermit kommen ist mir schleierhaft. Es bestätigt aber dass was ich denke: Sie haben einen ziemlichen Hass auf meinem Nick entwickelt.

  26. Pätschwörkchrist

    @benjamin
    Ich las das und erwartetete diesen Einwand. Wer sagt nun, was behelligen ist und was nicht? Sie? Der Taliban?Denn das ist der Punkt worauf ich hinaus wollte. Für den Taliban diese Morden nicht behelligen. Es ist eine sinnvolle und gute Tat. Auf welches moralische System können SIE sich allgemein berufen, damit ihre Aussage nicht zu einer Plattitüde verkommt? Sind es diese Aussagen aus der sog. guten Literatur, nämlich der Bibel? Könnte ich dann auch sagen: “Einwand! ich berufe mich auf ein anderes gutes Buch: Jerry Cotton, FBI Agent mit Lizenz zum sinnlosen Töten?”

  27. Pätschwörkchrist

    @Johann
    Ihre ad hominen Argumente sind sinnlos für eine Diskussion. Dass sie mit mir darüber diskutieren wollen (in einem Blog!) welche persönliche Probleme ich hätte (Probleme, die sie anhand von meinem Schreibstil scheinbar erkennen können) ist ziemlich penibe. Ersparen sie uns das, wir sind erwachsen und besitzen eine gewisse Reife und Grösse. So hoffe ich doch. Niemand zwingt sie, mich zu lesen oder mir zu antworten. Geht ganz einfach.

  28. hm

    @Erika
    Danke für die Nachfrage, ich finde mich schon selbst, vielleicht aber weniger beim Lesen “heiliger Bücher” oder dem Bloggen darüber.
    Nur noch kurz zum Bibellesen:
    Zur “Schriftmeditation” wird u.A. spontanes Aufschlagen oder Durchblättern der Bibel empfohlen. Wie sich da tiefere Einsichten in das Wesen Gottes oder meiner selbst ergeben sollen, ist mir mehr als schleierhaft, es sei denn willkürliches Auffinden von Konkordanzen oder Entsprechungen zum eigenen Erleben, die dann – ich nenne dies abergläubig – so ausgelegt werden, wie: es kann doch kein Zufall sein, dass ich heute das Buch Hiob aufgeschlagen habe …
    Tatsächlich schlägts vielleicht die Bibel immer an derselben Stelle auf, weil sich der Buchrücken dort immer wieder verkrümmt, je mehr man dies tut.
    Im Ernst. ich selbst schaue hie und da mal ins Stichwortverzeichnis hinein, so, was die Bibel zu Zölibat oder Zinsesnahme meint, mehr nicht. Effektiv ist dieses Buch eine Sammelsurium verschiedenster kompilierter Texte, die sich nicht selten widersprechen. Viel wichtiger als die Lektüre wäre meiner Ansicht nach die Beantwortung der Frage, was es bedeutet, Christ zu sein, oder, ohne metaphysischen Überbau, christlich zu handeln. Christlich ist dann aber bereits durch ‘gut’ oder ‘richtig’ ersetzbar, jedenfalls für mich.
    So, ich wünsche Ihnen (allen) noch viel Spass

  29. hm

    Die historische Wirkung des Buches ist da effektiv eine ganz andere Geschichte.

  30. Taiwo

    @Pätschwörkchrist: Das Üble ist wohl nur dem Weib und den Goofen entstanden. Aber vergelts Gott. Der wirds schon richten.

    Wirklich? Angenommen ihre Kinder würden ermordet, würden sie das nicht als unverdientes Übel betrachten? Oder würden sie sich tatsächlich als Winnertyp betrachten, wenn sie bald darauf eine neue Familie gründen könnten?

    Sehr berechtigt finde ich aber ihren Einwand, betreffend meiner Aussage “guten Menschen denen Übles” passiert, dies ist eine Empfindung, die ich oft habe, wenn Menschen in meinem Bekanntenkreis Schlimmes passiert. Habe ich dieses Gefühl, weil diese Menschen wirklich gut sind, oder finde ich sie gut, weil ich sie kenne, würde ich bei allen Menschen, die ich kenne nicht eher darauf tendieren, dass es ungerecht ist, dass ihnen ein solches Unglück getroffen hat. Ich werde versuchen ihre Frage dazu später zu beantworten, im Moment muss ich leider noch etwas arbeiten.

  31. Pätschwörkchrist

    @Johann
    Wie können sie es wagen über andere Menschen zu urteilen, wenn sie es nicht einmal über sich selbst können? Sie wagen es zu behaupten,dass Hiob ein guter Mensch war, wissen aber nicht, ob sie selber auch einer sind. Das hiesse,dass die Kriterien über gut/schlecht derart diffus sind, dass sie sich bei sich selbst unsicher sind. Dies wiederum hiesse, dass sie Hiob oder Jersus für gute Menschen halten, weil ihnen das jemand so gesagt hat, aber die Kriterien eigentlich gar nicht wissen. Zu ihrer Frage: Ich halte mich weder für einen guten noch schlechten Menschen. Damit weiss ich nichts anzufangen.

  32. erna

    Hat irgend ein blogger jemals alles was sein Leben überhaupt ausgemacht hat verloren und anschliessend ganz unten sich selber wieder aufbauen und von vorne anfangen müssen? Das ist doch eigentlich der Inhalt der Hiobsgeschichte. Zudem erkennt er, dass er so manches falsch eingeschätzt hat als er mit dem Schicksal haderte. Man könnte sagen genz gewöhnlich passiert tausenden Menschen. Ja, aber ist das hier schon einmal jemandem passiert? Ich halt die Geschichte als sinnbildlich, sowas passierte und passiert tatsächlich im Leben, was sollte falsch daran sein darüber nachzudenken. Dass es eine Geschichte der Bibel ist ändert nicht an der Tatsache, dass da etwas aus dem richtigen Leben geschildert ist, das sich zu jederzeit an jedermann wiederholen kann. Man sollte einfach Gott und den Teufel als Personen aus dem Spiel lassen. Wir sind bei Katastrophen ausgeliefert und wie wir wiederholt mitbekommen haben ist das mit der Hilfe dann so eine Sache. Materiell helfen funktioniert einigermassen. Wie aber kommen die Betroffenen z.B. über den Schock hinweg ganz plötzlich Angehörige verloren zu haben? Zusehen müssen wie so etwas einfach passiert und dabei von Glück reden müssen wenn man mit dem baren Leben davonkommt?

    Für mich ist die Hiobsgeschichte eine Geschichte, die auch auf jeden einzelnen von uns passen könnte, auch wenn wir die Ursache anders benennen.

  33. Olive

    @ Erika:
    08.09.2010 um 14:23

    “Wo habe ich von Gott als “er ” geschrieben.
    Ich gebe mir nämlich grosse Mühe, gerade das zu vermeiden.”

    Okay, dann könnte Gott , herbeieilend oder auch nicht
    auch ein ES sein..

    Der Bibelgott verhält sich jedenfalls typisch männlich.

  34. benjamin

    @ Pätschwörkchrist

    Ich berufe mich bei meinen ethischen Überlegungen nicht auf ein Buch, sondern auf den gesunden Menschenverstand. Eine Gesellschaft kann nur funktionieren, wenn sie sich an das Prinzip hält: „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg auch keinem andern zu.“ Der afghanische Taliban ist in seinem Tun nicht konsequent. Er kann nicht wollen, dass man ihm auch Säure ins Gesicht schüttet.

    Ich gönne jedem seine Bibel oder seinen Koran oder seinen Jerry Cotton. Aber ich würde mich wehren, wenn eine Gesellschaft die Bibel, den Koran oder den Jerry Cotton zum verbindlichen Massstab des ethischen Handelns deklarierte.

  35. Olive

    @Johann:
    08.09.2010 um 13:10

    “Die gläubiger in einem Korsett zu zwingen wie sie das AT und NT lesen sollten ist aus Münde einen Atheisten schon ein bisschen komisch, oder?”

    Neineinein Johann, eben nicht, das entscheiden die Gläubigen schon ganz von selber, wei sie es interpretiert haben wollen.
    Einmal so und einmal so, nach Bedarf.

  36. neverendingstory

    Abgesang

    Harvey war ein lustiger Mann
    Der Texte mit Schmackes verfassen kann
    Man spürt sein Fehlen im Bloge des Hugo Stamm
    Eintönigkeit macht sich breit, es ist wie ein Damm
    der gebrochen ist:
    Das meiste hier ist nur noch Mist.

  37. Johann

    Olive.

    Und das Problem ist?
    Wie gesagt, die meisten Christen leben ihr Glauben im Privaten, ohne jegliche Ansprüche an den andern zu stellen. Dementsprechend wird bei einer Anzahl von 2 mrd Christen es mehrere Private Interpretationen der Bibel geben. Siehe auch dieser Diskussion bezüglich Hiob.
    Was für einen Problem haben Sie damit?

  38. Harvey

    @ neverendingstory

    Ist ja rührend, wie Sie mich herbeiprovozieren wollen und ist auch rührend, wie extrem aggressiv Erika (die man wahrscheinlich wirklich als den Satan dieses Blogs ansehen könnte, nicht umsonst hat sie sich schon Tubel genannt) ist.

    Ich habe nie gesagt, dass ich diesen Blog für immer verlassen werde, ich hatte und habe nur einfach die Befürchtung, das Ganze könnte sich zu einer antisemitischen und überaggressiven Veranstaltung entwickeln (es gibt einen Beitrag von Erika, den aber Hugo Stamm promptestens gelöscht hat, der alle Grenzen nach unten überschritt).

    Zu Hiob habe ich in etwa die gleiche Meinung wie Rabbi. Ich nehme es Hugo Stamm und Zoe durchaus ab, dass sie von dieser Brutalität schockiert sind. Aber: Geschichten werden immer aus einer Perspektive geschrieben, hier eben aus der Perspektive des Patriarchen Hiob. Und da ist das Leid seiner Frau und seiner Kinder nur ein Prüfstein für ihn. Natürlich könnte man ein Buch über Frau Hiob und deren Kinder schreiben, dieser Text handelt aber nun einmal nicht von ihrem Leiden. Aber mich berührt es doch, dass Hugo Stamm und Zoe sich so stark mit den Kindern identifizieren, weil ich selber dies bei der Lektüre des Textes nie empfunden habe.Vielleicht bin ich ein zu wneig empathischer Leser.

    Ich will mich aber nicht drücken, die Rahmengeschichte, wo Gott Hiob dem Satan überlässt, um diesem zu beweisen, dass Gottesfurcht jede Versuchung überwindet, gefällt mir auch nicht. Nur kann ich daraus kein Argument gegen den Gottesglauben und keines gegen die Bibel ableiten, weil ich nie der Meinung war, die Bibel sei von Gott geschrieben worden. Die Art, wie der oder die Verfasser der Rahmengeschichte Gott darstellen, als Kämpfer gegen den Satan, passt mir nicht, weil ich dies für ein Relikt aus vormonotheistischen Zeiten halte, mit dem ich heute nichts mehr anfangen kann.

    Aber meine Meinung war es schon immer, dass die Bibel (unter anderem, sie ist ja daneben auch ein Gründungsmythos Israels) eine Sammlung von Zeugnissen der Gotteserfahrung ist. Wenn der Verfasser der Rahmengeschichte Gott so erlebt, dann hat er ihn so erlebt, das heisst nicht, dass wir die gleichen Gottesbilder in uns tragen müssen, heisst aber auch nicht, dass wir Gott oder die Bibelautoren des 4. Jht. b.c. als Wahnsinnige, als Sadomasochisten etc. anschauen müssen, wie dies hier getan wird. Vor allem finde ich es fast ein wenig rührend, wenn Stamm das Gottesbild des Hiob-Rahmenautors vorstellt und dann sagt, was Gott für ein Bösewicht ist. Was kann denn Gott für seine Biographen?

    Meine These ist – und hier schliesse ich mich dem Blogger Hiob an – dass wir namentlich aus der gut geschriebenen gerahmten Geschichte viel lernen können, weil Hiob und seine Freunde Sachen sagen, die auch wir und Freunde von uns sagen könnten. Wir können das Gelernte zur Reflexion über Gott verwenden oder – wenn man Atheist ist – zur Reflexion über unser Geworfensein in einer sinnlosen Welt.

    In etwa nehme ich also eine Position zwischen Erna – Hiob- Johann – Rabbi und der Kaiserin von Hawaii (salve imperatrix) ein.

  39. Harvey

    Nur noch eine klitzekleine Bemerkung zum Thema Mythen, Märchen.

    Wir wollen hier nicht zu viel auf Jung machen (wer meine politische Einstellung kennt, kann sich denken, dass er nicht mein Liebling ist), aber in Märchen und Mythen können tiefe archetypische Wahrheiten stecken. Die verachtungsvolle Art, wie die Bibel als “Märchen” abgetan wird, impliziert, dass nur harte reale Fakten (Hiob sprach von der Lektüre des Twixtel) es verdienen, zur Kenntnis genommen zu werden. Liegt vielleicht auch daran, dass Märchen in Disneyscherform oder gar als Kinder-Bilderbücher aufbereitet tatsächlich etwas an Tiefe verlieren und nicht alle gesammelten Märchen und Sagen besonders interessant sind. Aber die Reden des Hiob gehen psychologisch weit über das hinaus, was wir in einem für die heutigen Kinder aufbereiteten Schneewittchentext (oder auch in den Grimmschen Texten) finden.

  40. Johann

    Pätschwörkchrist:
    08.09.2010 um 17:29
    @Johann
    Wie können sie es wagen über andere Menschen zu urteilen, wenn sie es nicht einmal über sich selbst können?

    “Johann, halten sie sich für einen guten Menschen? Auch dann wenn sie sich mit Harvey aufs Ärgste zoffen?”

    1) Dies war keine Frage. Sie implizieren selber schon eine Antwort. “Auch dann wenn sie sich mit Harvey aufs Ärgste zoffen?”
    2) Von sich selber behaupten man ist ein guter Mensch zeugt von hochmut. Ich bin nicht in der Lage dies zu beurteilen. Diese Beurteilung lass ich andern

    “Sie wagen es zu behaupten,dass Hiob ein guter Mensch war,”
    —> Nicht ich Behauptze das, sondern die Geschichte Hiob behauptet das. Wenn dies nicht so wäre, wäre die ganze Hiob Geschichte Sinnlos.

    “Zu ihrer Frage: Ich halte mich weder für einen guten noch schlechten Menschen.”
    —> Und Sie werfen mir vor dass ich es nicht weiss.

    Der Letzten Beitrag von ihnen scheint mir recht konfus.

    Zum Thema ad hominem:
    Da ich mir nicht ganz sicher bin ob Sie die Bedeutung auch tatsächlich verstanden haben:
    Das Argumentum ad hominem wird allgemein als Argument definiert, das die Persönlichkeit oder Umstände einer Person angreift statt deren dargebrachtes Argument. Dies geschieht meistens in der Absicht, das Ansehen oder die Position der betroffenen Person zu mindern oder zu relativieren.

    „Eine Frage an sie: Sind sie der Blogger Johann, der hier seit einigen Monaten bloggt, der sich letzthin mit Harvey ein wenig gezankt hat? Falls ja: Um Himmels Willen, wo sind ihre Schreibfehler?“

    „da brüllte Johann wie ein Irrer: Erstens sei er missverstanden worden und zweitens dürfe er schliessich heute Legastheniker sein und morgen nicht.“

    „Johann, halten sie sich für einen guten Menschen? Auch dann wenn sie sich mit Harvey aufs Ärgste zoffen?“

    Also, ich denke wir belassen es dabei. Sie möchten mir anscheinend nicht erläutern was ich Ihnen zu leid getan habe, und entnehmen mir so eine Chance da Stellung zu zu nehmen.
    Wie dann auch. Dass Sie einen Hass auf meinem Nicht entwickelt haben ist offensichtlich. Dass Sie recht Aggressiv an die Sache ran gehen auch.
    Das ist Ihre Sache. Das Sie mir aber die Frage Stelle ob ich eine guter Mensch bin, ist wohl ziemlich Abenteuerlich

    Ich werde den Verdacht nicht los, dass Sie normaler weise unter einem anderen Nich schreiben, und Pätschwörkchrist als Polter Nick verwenden. Ist Ihr gutes recht, sagt aber dann auch so einiges aus.

    Wollen wir es so machen. Ich beschäftige mich nicht mehr mit Ihren Beiträgen, und Sie beschäftigen sich nicht mehr mit meinen Beiträgen. Das ist doch ein guter Deal?

  41. Pätschworkchrist

    @benjamin
    Ihre Aussage:”Ich gönne jedem seine Bibel oder seinen Koran oder seinen Jerry Cotton. Aber ich würde mich wehren, wenn eine Gesellschaft die Bibel, den Koran oder den Jerry Cotton zum verbindlichen Massstab des ethischen Handelns deklarierte.” halte ich für klug und nachvollziehbar. Jetzt stellt sich für mich noch Frage, wer noch so denkt? Insbesondere von der Fraktion “Christ”, den “Muslim” und natürlich auch von den Anhänger der Jerry Cotton Kirchel.
    Und auch die Frage ob sie sich noch als Christ bezeichnen können, wenn die Bibel für sie keine normative und moralische Setzung hat (im gesamtgesellschaftlichen Sinne), aber das ist vielleicht zu persönlich und gehört nicht hierher. Dies würde demnach bedeuten, dass Kirche und Staat getrennt würden, die Präambel im Gesetz (Bezug zu Gott) nicht stattfindet, keine Religonsunterricht unter der Schirmherrschaft von (staatlichen) Schulen stattfindet und die Bibel in Zukunft in dem Regal der Bibliothek unter Weltliteratur (Autor unbekann)t allenfalls unter dem Buchstaben B abgelegt würde? Das in der Literatur die Plagiatsvorwürfe erntsgenommen wird (die Bibel dementsprechend kürzen muss, weil sie diverse Plagiate drin hat) und man sich Gedanken machen muss, ab welchem Alter eine Bibel denn gelesen werden darf/soll?

    @Harvey:
    Ich halte den Vergleich zwischen der Bibel und den Märchen auch für pejorativ. Aber umgekehrt. Die Bibel mit Märchen zu vergleichen ist eine Abwertung der Märchen. Die Bibel als Gesamtwerk entfacht niemals die psychische Wirkung eines Märchens. Dazu ist sie viel zu krude, widersprüchlich, zu lange, zu aggressiv und zu moralisch. Sie ist auch zu lange und zu uneinheitlich. Ob Witz oder Märchen, die Psyche verlangt, dass eine Geschichte die aufgebaut wird, die Spannung abbaut und in der Auflösung sowohl emotinal ansprechend wirkt, wie auch in den Bilder ihre Kraft entfacht. Wenn jemand bei einem Hiob das auch erlebt, nun gut.

  42. Harvey

    @ Patchworkchrist

    Ach ja, so kann man halt ungestört vor sich hinbrabbeln. Wer sagt denn, dass die Bibel keine normativen Setzungen enthält, das einzige Argument bei dieser Diskussion war, dass nicht jeder Buchstabe heilig ist.

    “Das in der Literatur die Plagiatsvorwürfe erntsgenommen wird (die Bibel dementsprechend kürzen muss, weil sie diverse Plagiate drin hat) und man sich Gedanken machen muss, ab welchem Alter eine Bibel denn gelesen werden darf/soll?”

    Wieso kommen solche Quatschargumente immer? Sind wir hier in einem Flintstone-Film, wo Anachronismen bewusst zur Belustigung eingesetzt werden? Zu Ihrer Beruhigung 400 b.c. gab es noch kein Urheberrecht und wenn es eines gegeben hätte, dann wären die 70 Jahre seit dem Tode des Autors mittlerweise abgelaufen. Ihre Argumente sind etwa so stark wie das ständig gehörte Argument, die Bibel fördere die Frauenemanzipation nicht. Es tut mir leid, das ist nun eben Quatsch (zu Ihren Gunsten nehme ich an bewusster Quatsch) aber solche Mickey-Mouse Argumente können Sie auch nur bringen, weil dieser Blog bis zu einem gewissen Punkt eine geschützte Werkstatt ist.

    Mit der Trennung von Kirche und Staat bin ich im Übrigen voll einverstanden, das ist aber horribile dictu (auch) ein freikirchliches Postulat.

    So und jetzt genügt es wieder.

  43. neverendingstory

    @Harvey: “Was kann denn Gott für seine Biographen?”

    Eine wundervolle Frage, die wie der Abgang ist, bei dem reinen Wein den Sie uns einschenken. Wissen Sie Harvey, Sie haben Ihren Beruf definitiv nicht verfehlt. Sie sind ein Anwalt des Geistes. Des göttlichen Geistes. Rebbe – da Sie ihn erwähnen – hat mich auch sehr verblüfft. Er ist um einiges cleverer als ich bislang angenommen habe.

    Wir Leute von heute müssen eben wieder lernen Essenzen zu entdecken. Die Essenzen liegen da direkt vor unserer blöden Schnauze und es gilt wirklich sie neu zu erfahren und zu werten. Darum auch ein ernstgemeinter Dank an Herrn Stamm. Dieses Blogthema ist wichtig. Und auch wenn Herrn Stamms Herangehensweise an das Thema jene eines prämaturitären eitlen Gecks ist, so ist sie doch liebenswürdig. Und es ist schön zu sehen, dass Rebbes “sanfte” Maulschelle den Blogverwalter zum Nachdenken gebracht hat.

    Harvey. Hiob lebt in allen Menschenkindern. Und sei es “nur” als Potential. Hiob ist in meinen Augen ein moderner Buddha. Er lässt kein Leid aus und integriert dieses voll in die Weltlichkeit. Lebe für das was Du tun kannst in Deinem Dasein. Bessere Dich in dem was Du tun kannst in Deinem Dasein. Und nimm währenddessen immer Anteil am Dasein Deiner Mitmenschen. Ganz roh lese ich das aus Hiob. Er ist mein Freund, weil ich ihn verstehen kann. Sie sind mein Freund weil Sie sich verständlich geben. Vielleicht lassen Sie in Zukunft einfach das Säuerliche weg. Sie haben das einfach nicht nötig.

    Es ist gut und wohltuend, dass Sie hier weiterschreiben. Vielleicht werden Sie noch Diplomat. Ich traue Ihnen das ohne weiteres zu.

  44. solochrist

    @ zoe:
    08.09.2010 um 09:44

    deine gedanken gäben einige wertvolle inputs zur aktuellen auflage einer erweiterten bibel…

    dä solochrischt
    wo öppä as nickändi negerli uf äm sunntigschuälkässäli dänkt

  45. Taiwo

    @Pätschworkchrist:

    Taiwo, falls sie sich für keinen guten Menschen halten, für was dann?

    Interessant, dass sie bei mir im Gegensatz zu Johann eher vermuten, dass ich mich für keinen guten Menschen halte. Für mich ist diese Fragestellung nicht so wichtig, da es sich bei mir nicht um eine unveränderliche Persönlichkeit handelt. Ich frage mich aber immer mal wieder, ob ich richtig handle. Aus einem ihrer späteren Beiträge schliesse ich, dass diese Frage nicht ernst gemeint war, es ging ihnen nur drum zu beweisen, dass Johann und ich unqualifiziert sind zu beurteilen, ob Hiob gut war. Wie Johann bereits festgestellt hat, geht die Geschichte davon aus, dass er dies war. Andernfalls wäre auch meiner Meinung nach die ganze Geschichte sinnlos. Man kann Hiob natürlich auch anders lesen, z.B. wie sie:

    Wäre es redlicherweise nicht angebracht zu sagen: “Gut, dass dem Hiob Weib und Kinder gemeuchelt wruden, dass es ihm so richtig beschissen ging, weil er ja am Schluss als srahlender Winnertyp dastand. Supergut, dass dem Hiob ermöglicht wurde, zu zeigen, was für ein standhafter Siebesiech er in Glaubensfragen war?”

    Das ist eine mögliche Deutung. Ich sehe das anders, aber ich werte im Gegensatz zu ihnen (Stichwort: redlicherweise) nicht, welche Deutung die Richtige ist. Komisch wirkt dabei aber ihre Behauptung:

    Die Bibel ist nicht auslegbar, da sie ein Sammelsurium von gewaltätigen, bösen, perversen, kruden, widersprechenden, gefälschten Aussagen, aber auch von klugen, stimmigen, weisen Ausssagen, etc. etc ist.

    Nicht auslegbar? Sie haben ja eben die Geschichte von Hiob auf originelle Weise interpretiert.

    Und auch die Frage ob sie sich noch als Christ bezeichnen können, wenn die Bibel für sie keine normative und moralische Setzung hat (im gesamtgesellschaftlichen Sinne)

    Für mich ist die Bibel keine “normative und moralische Setzung im gesamtgesellschaftlichen Sinn”, wieso sollte man Anders- und Nichtgläubigen dieses Buch als Gesetz aufzwingen? Ob man sich an die in der Bibel formulierten Gebote halten will, muss ein freiwilliger Entscheid sein, ansonsten ist er von meinem Standpunkt aus völlig wertlos. Auch jeder, der sich als Christ sieht, muss doch selbst mit seinem Gewissen vereinbaren, welche Gebote er einhalten will.

    Dies würde demnach bedeuten, dass Kirche und Staat getrennt würden, die Präambel im Gesetz (Bezug zu Gott) nicht stattfindet

    Ich habe kein Problem mit der Trennung von Kirche und Staat.

    keine Religonsunterricht unter der Schirmherrschaft von (staatlichen) Schulen stattfindet

    Für mich ist staatlicher Religionsunterricht nicht wichtig. Bei fundamentalistischen Christen rennen sie mit dieser Forderung sogar offene Türen ein, die wollen nämlich nicht, dass ihre Kinder erfahren, dass man die Bibel auch anders lesen kann.

    und die Bibel in Zukunft in dem Regal der Bibliothek unter Weltliteratur (Autor unbekann)t allenfalls unter dem Buchstaben B abgelegt würde?

    Ich habe bereits eine Bibel zu Hause, wo die Bibel in der Bibliothek abgelegt wird, ist mir deshalb egal. Dass sie sie unter der Rubrik “Weltliteratur” und nicht unter “Horrorgeschichten” einordnen wollen, erstaunt mich aber etwas. Da aus ihrem Wunsch nach Kürzung wegen Plagiaten nichts wird, könnten sie vielleicht ein Bibliotheksreglement erarbeiten, ab welchem Alter und unter welchen Bedingungen man dieses Buch überhaupt ausleihen darf.

    und man sich Gedanken machen muss, ab welchem Alter eine Bibel denn gelesen werden darf/soll?

    Würden sie das bitte ein bisschen näher ausführen?

  46. Liliuokalani

    @ Pätschworkchrist und Taiwo

    “Gut, dass dem Hiob Weib und Kinder gemeuchelt wurden”

    Achtung, Hiobs Frau wurde nicht gemeuchelt. Die Beziehung zwischen Hiob und seiner Frau ging trotz aller Krisen und Prüfungen nicht in Brüche (das lässt sich daraus schliessen, dass am Schluss der Geschichte aufgezählt wird, wie viele neue Kamele, Ziegen und Kinder Hiob erhält; von einer neuen Frau ist nicht die Rede).

    @ Hiob und Harvey

    Leider bin ich keine Kaiserin, sondern nur eine einfache Königin, die neben ihren vielfältigen Fürsorge- und Repräsentationspflichten ihren Untertanen und den Herren anderer Inseln gegenüber fast keine Zeit für den Blog hat. Seufz!

  47. Taiwo

    @Liliuokalani: Achtung, Hiobs Frau wurde nicht gemeuchelt.

    Ich weiss, aber ich wollte nicht mit Pätschworkchrist über solche Details streiten. Verletzt hat mich jedoch, dass niemand die Meuchelung der Diener beklagte. In diesen neoliberalen Zeiten hat halt fast niemand mehr Mitleid mit der Arbeiterklasse. Es gibt aber löbliche Ausnahmen, so schrieb Pätschworkchrist:

    nur weil ein neoliberales Wirtschaftssystem einen Menschschlag züchtet (indoktriniert durch “sakulären Religion”) der andere leiden lässt

    Es ist schön, dass Atheisten so etwas schreiben dürfen, ohne kritisiert zu werden. Äussere ich nur leise Kritik am Neoliberalismus werde ich hier schon verdächtigt, die Marktwirtschaft abschaffen zu wollen.

  48. @

    Moria hatte einen (unbeachteten) Uni-Kassel-Artikel von Anfang 2000 in den Blog gestellt. Und was ist seit her an “Widerstand” passiert? Gibt es irgendeinen, der widersteht? Mit wieviel Kernkraft/Atomstrom agiert die Schweiz? Könnte sie sich den wegdenken und auf erneuerbare Energien umsteigen?

    Die verläßlichen Dinge verschwinden. “Das Wetter”..Die Jahreszeiten? Pflanzen im Streß….Warum blüht jetzt eine Magnolie? Das Persönlichkeitsrecht. (Man muß versorglich immer mehr Einsprüche einlegen gegen…irgendeine verzapfte Scheiße, die sich irgendwelche Lobbyisten rausnehmen…z.B. Organentnahme. DIe Kirchen feiern Organspende als Nächstenliebe!)

    Ich bin ein archaischer Mensch. Bin nicht geschaffen für eine digitalisierte Welt. Und mit Christen, die es erst wenige tausend Jahre gibt, komm ich im großen und ganzen überhaupt nicht klar :)

    Heidis Buchtipp Evas Erwachen: sehr schön!

  49. zoe

    erika

    gestern hatte ich das aha erlebniss in sachen bibellesen. auslöser dafür waren hugo stamm und rabbi. danke.
    und hm. auch danke

    ja solo das käme wirklich gut raus. euch christen täte ich eine bibel hinklöpfen, die strotzte nur so von umarmungen…:)

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