Schweiz

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Archiv für September 2010

Kann Gott die Naturgesetze beeinflussen?

hugostamm am Montag den 27. September 2010

Diesen Impulstext hat Ruedi Schmid (Optimus) verfasst. Herzlichen Dank.

Gemäss Bibel soll Gott einmal die Sonne gestoppt haben, damit die Kämpfe gegen die Amoriter in Kanaan bei Tageslicht siegreich beendet werden konnten. Heute wissen wir, dass Gott nicht die Sonne, sondern die Erddrehung hätte stoppen müssen und dass dabei die Menschen wegen der Trägheitskraft tangential weggeflogen wären.

Mit den Naturgesetzen lässt sich alles erklären und wenn wir alle Naturgesetze kennen und verstehen würden, dann wäre Gott nicht erfunden worden. Das ist etwa die Meinung des berühmten Astrophysiker Hawking gemäss seinem kürzlich erschienen Buch „Der grosse Entwurf“. Hawking erläutert aber auch all die Probleme mit den Naturgesetzen, was diese atheistische Meinung relativiert.

So wie man früher irrtümlich glaubte, dass alle Naturgesetze auf der Mathematik basierten, erweist sich nun die Annahme, dass die Naturgesetze absolut und unveränderbar sind, ebenfalls als Irrtum. Denn man hat herausgefunden, dass sich bei der Entstehung von Materie (Urknall) im subatomaren Bereich unterschiedliche Naturgesetze bilden und dass nur bei einer ganz bestimmten Feinabstimmung unser Universum, die Erde und unser Leben entstehen konnten.

Also brauchte es für die Feinabstimmung unserer Naturgesetze doch einen Schöpfer? Hawking hat aber eine andere These: So wie unsere Erde durch Zufall aus fast unendlichen Möglichkeiten entstanden ist, soll auch unser Universum bezüglich den Naturgesetzen durch Zufall aus fast unendlichen Universen entstanden sein. Aber da wir diese Universen vermutlich nie ausmachen können, lässt sich diese These kaum nachweisen. Aber solange es für die Entstehung Gottes nicht den geringsten Ansatz einer These gibt, gewinnt diese Multiuniversums-These an Glaubwürdigkeit.

Auch bei der Suche nach der Einheitstheorie (Theory of everything), erfüllt sich der Wunschtraum der Naturwissenschaftler wohl kaum. Die grosse Hoffnung der Vereinheitlichung aller Theorien mit Hilfe der String-Theorie hat bereits zu fünf String-Theorien plus eine Elfdimensionale Supergravitationstheorie geführt, und man sucht nun krampfhaft nach Singularitäten. Diese Multitheorie nennt man M-Theorie. Hawking sieht darin bereits die Einheitstheorie. Ich hatte sie mir anders vorgestellt.

Bei den Versuchen in Cern zeigte sich auch, dass im subatomaren Bereich immer noch mehr unerklärbare Phänomene auftauchen und dass auch die immer weiter gehenden Beobachtungen des Universums zu mehr Phänomenen als Erklärungen führen und obwohl man krampfhaft nach verständlichen Modellen sucht, läuft die moderne Physik dem menschlichen Verstand davon.

Das Problem liegt aber nicht bei den Naturgesetzen, sondern bei unserem Verstand, der zum Leben konzipiert ist und nicht um die Wahrheit zu verstehen. Unser Verstand bildet sich nämlich nur durch Alltagserfahrung und da wir durch unsere Sinnesorgane nur ein Modell der Aussenwelt wahrnehmen, können wir die Wirklichkeit weder erkennen noch verstehen. Wir sehen z.B. nur ein ganz schmales Spektrum reflektierter elektromagnetischer Schwingungen. Spüren können wir nur die Haltekräfte der Elementarteilchen, weil diese so winzig klein sind, dass die gesamte Erdmaterie in einem 9mm-Kügelchen Platz hätte. Nur schon dass Materie eine spezielle Form von Energie ist und dass aus Nichts Materie und Antimaterie entstehen kann, entzieht sich jeglichem Verstand.

Aber was bringen, abgesehen vom technischen Nutzen, diese Versuchs- und Beobachtungserkenntnisse, wenn sie niemand mehr verstehen kann? Als Beweis, dass es Gott nicht geben soll? Das wäre gemein, denn zu viele Menschen brauchen einen Gottesglauben als Lebenshilfe.

Schlussgedanken: Einerseits faszinieren mich all diese Erkenntnisse, sie vermitteln mir ein wunderbares Gefühl, der Wahrheit näher zu kommen. Anderseits bin ich aber überzeugt, dass eine direkt glücksgerichtete Ideologie besser wäre, wo aber nur die Wirkung massgebend ist, nicht die Wahrheit.

PS: Wer selbst einen Impulstext verfassen möchte oder Anregungen hat, kann diese an hugo.stamm@tagesanzeiger.ch schicken.

Der Teufel als brüllender Löwe

hugostamm am Montag den 20. September 2010

Die erfolgreiche Trendkirche International Christian Fellowship gibt sich gern offen und tolerant. Neuste Recherchen zeigen aber, dass sich die Freikirche auch an ein biblisches Bild klammert, das zum Beispiel Gott als leiblichen Vater und den Teufel als wütenden Satan darstellt. Ich habe den folgenden Artikel im “Tages-Anzeiger” vom 20. September publiziert:

Die Botschaft ist uralt, die Missionstechnik aber topmodern: Die Freikirche International Christian Fellowship (ICF) verbreitet die Predigten ihres Senior-Pastors Leo Bigger nicht nur über Podcast, Livestream und Handy-Applikationen (Apps), sondern seit neustem jeden Samstagmorgen über die beiden Fernsehsender Star-TV und Das Vierte.

Bigger verkündet das Evangelium am Bildschirm zwischen Softporno-Sendungen («Heisse Girls») und Teleshopping. Seine Predigten wirken etwas hölzern, die Rhetorik scheint nicht göttlich inspiriert, doch sein Enthusiasmus für die Sache Gottes ist nach wie vor ungebrochen. Somit weitet die ICF, die sich im Zürcher Maag-Areal eingemietet hat und am Wochenende bis zu 3000 Gottesdienstbesucher verzeichnet, ihre missionarische Reichweite beträchtlich aus.

Die Spenden sprudeln

Sendeplätze sind begehrt und entsprechend teuer. An Geld mangelt es der ICF aber nicht: Im Mai dieses Jahres hat die Freikirche beispielsweise 290 000 Franken an Einnahmen budgetiert, tatsächlich aber 347 000 Franken eingenommen. Das Geld stammt von den mehrheitlich jungen Gläubigen, die grosszügig spenden. Die ICF-Pastoren üben gelegentlich moralischen Druck aus. In einer Predigt der ICF St. Gallen – die ICF hat inzwischen über 30 Ableger, auch in Deutschland – empfahl der Geistliche den Gläubigen, stets zwei Couverts bereitzuhalten. In das eine müssten sie 10 Prozent des monatlichen Einkommens stecken, also den biblischen Zehnten, ins zweite gehöre «das Opfer». Es gebe Gläubige, so der Pastor, die den Zehnten nur aus Angst ablieferten. Sie würden befürchten, dass Gott sie sonst verfluche. Schliesslich wurden die Gläubigen aufgefordert, ihre Spenden in eine Liste einzutragen, damit die Abmachung mit Jesus verbindlich werde.

In einem Papier wird ausserdem den Anhängern sanft gedroht: «Gott sieht dein Geben.» Deshalb seien Bankauszüge geistliche Dokumente: «Sie zeigen, wen und was du anbetest.» Die Losung: «Verdiene so viel, wie du nur kannst.» Die Idee dahinter: Mit dem Einkommen wachsen automatisch die Spenden.

Ein sensibles Thema bei der ICF ist die Homosexualität. «Du weisst genau», mahnen ICF-Leute, dass laut Bibel «eine ausgelebte Homosexualität nicht Gottes Plan entspricht». Ein Betroffener wird mit folgender Aussage zitiert: «Gott, was habe ich falsch gemacht – womit habe ich das verdient?» Seine Schuldgefühle drückt er so aus: «Bis dahin hatte ich geglaubt, dass ich der allerschlimmste und perverseste Sünder der Welt sei.»

Daraus zieht die ICF den Schluss: «Homosexuelle Gefühle sind nicht ein sexuelles Problem, sondern die Folge von ungelösten Fragen in der persönlichen Identität.» ICF stilisiert die persönliche Neigung zu einem existenziellen Problem hoch. Die Folge sei eine «gekrümmte Identität». «Aus dieser heraus landen wir in Sünde.»

Die ICF thematisiert wie alle Freikirchen immer wieder die Endzeit. Die apokalyptischen Vorzeichen, wie sie in der Bibel prophezeit würden, seien in unserer Zeit offensichtlich. Heute würden Irrlehrer auftreten und ethnische Konflikte, Kriege und Unruhen ausbrechen, heisst es im internen Papier. Ausserdem sinke die Moral. «Wir gehören zum letzten Abschnitt der Menschheit», behauptet die ICF. Und fordert: «Sei bereit!»

Eine zentrale Rolle spielt der Satan. Wir Menschen würden «in einen tobenden Kampf» zwischen Gut und Böse hineingezogen, heisst es in einem Bibelkurs. «Denn der Teufel, euer Todfeind, läuft wie ein brüllender Löwe um euch herum. Er wartet nur auf ein Opfer, das er verschlingen kann.» Die ICF empfiehlt, für Freunde zu beten, die Jesus nicht kennen würden, weil diese dem Kampf schutzlos ausgesetzt seien.

Leidgeprüfte missionieren

Aufschlussreich sind auch die Missionsmethoden. Die Freikirche fordert die Gläubigen auf, Menschen zu kontaktieren, die Schicksalsschläge erlitten haben: Tod eines Ehepartners, Trennung, Scheidung, Gefängnis, schwere Krankheit, Job weg. Die Absicht ist offensichtlich: Verunsicherte oder verletzte Menschen sind besonders offen für Zuwendung und religiöse Hilfsangebote.

Die ICF setzt Gott in Konkurrenz zum Ehepartner: «Nur Gott kann und will deine tiefsten Bedürfnisse stillen», heisst es in Kursunterlagen. Und anders als der leibliche Vater sei Gott ein perfekter Vater. Deshalb sei er im Leben an die erste Stelle zu setzen.

Humanismus – Christentum: Die Absurdität des Leidens

hugostamm am Mittwoch den 15. September 2010

Harvey, unser versierter Kommentator und Blogger, hat folgenden Impulstext verfasst, für den ich mich bestens bedanken möchte:

Dieser Blog wird von seinem Blogmaster auf einer humanistischen Grundlage geführt, und viele der sich aus den Anlassartikeln ergebenden Diskussionen münden deshalb oft in Gefechte zwischen Humanisten und „Gläubigen“, wobei die Kategorie „Gläubige“ schwammig bleibt.

Dabei wird zum Teil um Probleme gerungen, an deren Relevanz wohl ausserhalb des Blogs wohl gewisse Zweifel bestehen würden, würde man sich ausserhalb des Blogs für die Probleme interessieren.

Beide Gruppen sind sich aber näher als sie es wahrhaben wollen. Sowohl der moderne Humanismus wie das Christentum glauben an den Sieg des Guten;

“(IHEU-Minimal Standards) : Humanism is a democratic and ethical life stance, which affirms that human beings have the right and responsibility to give meaning and shape to their own lives” und sind damit von der Sinnhaftigkeit ihres Lebens überzeugt, mögen die Humanisten auch noch so betonen, dass das Sinnproblem für sie obsolet und ihre Ethik rein evolutionär als Art erhaltende Strategie zu erklären sei (siehe dazu die grosse Dokumentation in der „Zeit“ vom 9.9.2010 über Atheisten).

Albert Camus war im Gegensatz dazu der Meinung, dass die menschliche Existenz und das menschliche Leiden, das durch den Tod gekrönt wird, sinnlos sei. Er unterschied drei
mögliche Haltungen desjenigen, der die Sinnlosigkeit erkennt: Selbstmord, weil dadurch der Sinnkonflikt beendet wird, Flucht ins Irrationale (sei es der Glauben an ein besseres Jenseits oder in eine rationalistisches Rettungsangebot) und Revolte, der (aussichtslose Kampf gegen die Sinnlosigkeit, repräsentiert zum Beispiel durch den atheistischen Arzt Dr. Rieux in der Peste, der im Wissen um die Sinnlosigkeit Leben rettet). Für Camus wäre auch ein Leibnitz oder ein Kant, die an präetablierte Ordnungen glaubten, irrational gewesen.

Humanisten und Gläubige auf diesem Blog scheinen mir beide diesen Sprung ins Irrationale zu machen, die Humanisten, indem sie das Sinnproblem als inexistent erklären und doch im Grunde nichts anderes tun, als Sinnfragen nachzuhängen, die Gläubigen, wenn sie sich auf die Wahrheit ihres Glaubens berufen. Die Frage der Sinnlosigkeit kann nicht dadurch gelöst werden, dass man sie für inexistent erklärt; bräuchte es dafür einen Beweis, so würde er in diesem Blog geliefert. Und alle die Philosophen des 20. Jahrhunderts, die uns geraten haben, nur noch über echte (sprich empirisch feststellbare) Wahrnehmungen zu reden und über den Rest zu schweigen, haben sich selber nie an ihre Ratschläge gehalten. Vielleicht ist ja die Sinnfrage in uns genetisch implementiert und wir könne sie deshalb nicht so einfach abschütteln(?)

Nur, ob die höhnische Sisyphussche Revolte gegen die Sinnlosigkeit von Leiden und Tod letzten Endes wirklich etwas anderes ist als die Lösungsansätze der Humanisten und der Gläubigen, ist fraglich. Worin unterscheidet sich denn Dr. Rieux‘ Kampf von Albert Schweizers Ehrfurcht vor dem Leben, die, wie wir wissen, rein religiös motiviert war? Der Glaube an ethische Werte bei Humanisten und Christen, der Kampf gegen die Sinnlosigkeit bei Camus haben alle eine metaphysische Komponente, oder polemisch gesagt, sind alle Gottesdienst. Und ob man jetzt an den Tod Absaloms, der sich mit seinen Haaren im Baum verfängt, und an das Weinwunder von Kanaan glaubt oder die Geschichten für archaische und brutale ein Märchen hält, ist letztendlich nicht besonders wichtig. Nicht einmal der Glauben an den Erlöser, der für Christen zentral ist, muss sie von den Humanisten trennen. Denn was suchen Humanisten, suchen Camusisten und selbst die plattesten Materialisten denn in ihrem Leben anderes als Erlösung von der Sinnlosigkeit des Leidens?

Pastor zündelt mit dem Koran

hugostamm am Freitag den 10. September 2010

Morgen jährt sich 9/11. Ein willkommener Anlass für schräge Zeitgenossen, sich ins Szene zu setzen und krude Botschaften um die Welt zu schicken. Der Streit um die Moschee auf Ground zero ruft Maulhelden hervor, Weltverschwörer wiederholen ihre abstrusen Ideen und schieben die Tat teilweise den Juden in die Schuhe, doch den stärksten PR-Effekt generiert zweifellos Terry Jones. Der freikirchliche Pastor, der einst in Köln wirkte, hat angekündigt, den Koran öffentlich zu verbrennen.

Das heilige Buch der Moslem sei teuflisch, posaunt er hinaus. Die frevlerische Tat wird von der Weltöffentlichkeit verfolgt. Hillary Clinton und Barack Obama warnten davor. Die Verbrennung des Korans würden die amerikanischen Soldaten in Übersee gefährden. Viele fragen sich: Stürzen nun die nächsten Flugzeuge ins Weisse Haus?

Die Welt spinnt – hüben wie drüben. Da kommt ein erfolgloser amerikanischer Pastor, ein Fanatiker und Extremist, und sieht im Islam den Satan am Werk. Deshalb will er ein Signal setzen. Die kindische Aktion könnte zum Fanal werden. Auf jeden Fall ist sie Ausdruck einer religiösen Verblendung. Ein falscher Glaube wird als Waffe benutzt und kann Unheil stiften. Zwar hat Jones in den letzten Stunden angedeutet, dass er allenfalls auf die Verbrennung verzichtet, der Schaden ist zum Teil aber schon angerichtet.

Auf der andern Seite lauern die Islamisten und sinnen nach Vergeltung. Sie fühlen sich aufgerufen, Allah und seinen Propheten Mohammed zu verteidigen. Dabei fragen sie nicht nach den Umständen: Gotteslästerung ist Gotteslästerung, auch wenn sie von einem unzurechnungsfähigen Pastor begangen wird. So wird eine Marginalie zum weltweiten Politikum. Der Einfluss der Extremisten nimmt erschreckend zu. Hüben wie drüben.

Hiob: Wenn Gott mit dem Teufel wettet

hugostamm am Montag den 6. September 2010

Hiob ist eine der bekanntesten Figuren der Bibel. Der gottesfürchtige Mann hat es zu viel Ruhm gebracht und Eingang in unseren Wortschatz gefunden. Er hat – wenn auch ungewollt – uns den Begriff der Hiobsbotschaften beschert. Höchste Zeit, dem tapferen Mann eine Diskussion im Blog zu widmen.

Hiob war ein frommer, reicher Mann. Das wurmte den Teufel. Er sagte Gott, Hiob sei nur deshalb so gottesfürchtig, weil er von Gott privilegiert worden sei. Gott entgegnete, nein, Hiob sei aus Überzeugung ein frommer Mann. So schlossen Gott und der Teufel eine Wette ab. Gott behauptete, Hiob werde auch dann standhaft bleiben, wenn er Schicksalsschläge erleiden werde.

Gott erlaubte Satan, Hiob zu prüfen. Ein Knecht überbrachte ihm die schlechten Botschaften. Zuerst verlor Hiob seine 10’000 Nutztiere. Trotzdem zürnte Hiob nicht und lobte Gott weiterhin. Dann liess der Satan sein Haus einstürzen, alle zehn Kinder kamen um. Später brachte der Knecht eine weitere Hiobsbotschaft: Er werde schwere Krankheiten erleiden. Hiob blieb trotz Geschwüren standhaft und lobte Gott weiterhin.

Das gefiel Gott, zumal er die Wette gewonnen hatte. Als Dank schenkte er Hiob neuen Reichtum und neue Kinder.

Die Geschichte von Hiob wirft Fragen auf:

Was ist das für ein Gott, der mit dem Satan eine Wette eingeht und unschuldige Kinder opfert?

Gelten für Gott die Gebote, die er für die Menschen auferlegt hat, nicht?

Aus psychologischer Sicht würde man heute das grausame Spiel, das Gott mit Hiob und seiner Familie betrieb, als pathologisch bezeichnen.

Was für einen Eindruck von Gott haben die Frau und die Kinder von Hiob erhalten?

Alles Gen oder was?

hugostamm am Freitag den 3. September 2010

Bevor ich ein neues Thema vorgebe, möchte ich eine Konzeptänderung vorstellen. Ich habe während viereinhalb Jahren längere, in sich geschlossene Texte zu verschiedenen Themen aus den Bereichen Glauben, Aberglauben und Sekten verfasst und zur Diskussion gestellt. Ich möchte nun den Versuch wagen, den Blog aktueller zu gestalten und die Bloggerinnen und Blogger in die Gestaltung der Impulsbeiträge miteinzubeziehen.

Konkret: Ich werde häufiger als bisher neue Beiträge aufschalten und versuchen, aktuelle Ereignisse zu berücksichtigen. Das müssen nicht immer ausgefeilte Texte sein, sondern können auch Gedankenanstösse oder Hinweise auf aktuelle Gesprächsthemen, Artikel, Stellungnahmen oder Meinungen von Fachleuten betreffen. Gleichzeitig möchte ich Euch alle an der Gestaltung der Impulsbeiträge beteiligen. Wer einen Text hat oder eine Anregung, soll mir diese in einem Mail schicken: hugo.stamm@tagesanzeiger.ch. Bitte meldet mir, unter welchem Namen (Nickname oder richtiger Name) Ihr Euern Text veröffentlichen möcht.

In diesem Sinn ein erster Versuch: Thilo Sarrazin, Vorstandsmitglied der deutschen Bundesbank, vertritt in seinem Buch «Deutschland schafft sich selber ab», die These, Juden hätten ein gemeinsames Gen. Diese Behauptung löste eine heftige Kontroverse aus. Seine biologistische Argumentation insinuiert, Intelligenz, soziales Verhalten, Mentalität, Weltbild und vieles mehr seien stark abhängig von den Erbanlagen. Meine Gegenthese: Charakter und Persönlichkeit werden nicht in erster Linie von Genen bestimmt, sondern von Erziehung, Bildung, Lebenserfahrung, Umfeld usw. Ich erachte die Milieutheorie als wesentlich evidenter.