Schweiz

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Archiv für Mai 2010

Gott und Wahrheit sind nicht teilbar

hugostamm am Dienstag den 25. Mai 2010

Gläubige sind in der Regel überzeugt, den wahren Glauben gefunden zu haben. Wer glaubt, postuliert für sich den Absolutheitsanspruch. Es gibt keinen Glauben ausser dem wahren. Und diese Wahrheit ist nicht teilbar. Entweder ist Gott, wie er gelehrt wird, oder er ist nicht Gott. Das ist der Vertrag aller Glaubensgemeinschaften. Einen halben Gott gibt es nicht.

Um den Wahrhaftigkeitsgehalt einer Heilslehre zu untermauern, müssen die Glaubensgemeinschaften einen unverdächtigen Zeugen anrufen. Im Christentum spielt der heilige Geist zu einem guten Teil diese Rolle. An Pfingsten hat er den Aposteln den Segen erteilt, eine Art Initiation. Nun wussten sie: Es gibt diesen Gott, und er ist mit ihnen. Er hat den heiligen Geist abkommandiert, um die Menschen in ihrem Glauben zu unterstützen.

In fernöstlichen Heilsvorstellungen, die auch in die Theosophie und in verschiedene Ideen der Esoterik eingeflossen sind, spielen die Avatare diese Rolle. Dies sind aufgestiegene Meister, die es sich zur Aufgabe gestellt haben, die Menschen auf ihrem Weg zum höheren Bewusstsein und zur Erleuchtung zu unterstützen. Gleichzeitig sind sie die Garanten für die Richtigkeit der Lehre: Sie vermitteln angeblich authentische Botschaften aus den kosmischen Sphären.

Ergo glauben die Gläubigen, von einer geistigen Kraft zum richtigen Glauben geführt worden zu sein. Doch dies ist ein kolossaler Irrtum. Wir finden nicht zum Glauben, vielmehr werden wir zum Glauben geführt. Nämlich durch die Gnade der Geburt. Wer in eine christliche Kultur und in eine christliche Familie geboren wird, wird Christ. So einfach ist das. Von Glaubenssuche und freier Wahl kann keine Rede sein. Denn wer christlich oder islamisch erzogen wird, ist überzeugt, in Gott oder Allah den einzig wahren Gott „gefunden“ zu haben.

Es besteht also kein Zweifel: Religiöse Erziehung ist immer auch ein Stück weit Indoktrination.

Natürlich haben wir die Freiheit, als Erwachsene unseren Glauben zu hinterfragen. Gelangen wir zur Überzeugung, dass unser angestammter Glaube vielleicht nicht der wahre ist, können wir uns die für uns stimmige Heilslehre aussuchen. Das nennt man dann konvertieren. Dass ein Glaubenswechsel eine psychologisch trickreiche und problematische Aktion ist, zeigen die Schweizer Frauen, die Gesicht und Körper hinter einem schwarzen Zelt verstecken.

Es gibt eine dritte Variante: Man kann den Glauben ablehnen, der einem anerzogen worden ist. Im Gegensatz zur Konversion wird dieser Schritt immer häufiger vollzogen. Die vielen Kirchenaustritte dokumentieren es. Wäre der christliche Glaube der einzig wahre und würde der heilige Geist tatsächlich seinen Segen über die Gläubigen ergiessen, käme kaum ein Christ auf die Idee, den Glauben abzulegen.

Das Projektil in der Krone der Madonna

hugostamm am Donnerstag den 13. Mai 2010

Der Papst besucht am heutigen Auffahrtstag den portugiesischen Wallfahrtsort Fátima. Was macht die Faszination dieses „Gnadenorts“ aus? Legt man die Glaubensbrille ab und analysiert die Hintergründe von Fátima nüchtern, stellen sich grundsätzliche Fragen zum Glaubensverständnis der katholischen Welt.
Exakt vor 93 Jahren, also am 13. Mai 1917, passierte auf einer Weide bei Fátima Wunderliches. Drei Mädchen, die Schafe hüteten, erzählten zu Hause, sie hätten eine Frau mit einem weissen Rosenkranz gesehen, die hell geleuchtet habe. Zwei Monate später, am 13. Juni, – so ein Zufall: immer am 13. – überbrachte die Frau den Kindern angeblich drei Botschaften. Oder vielleicht besser: Drei Geheimnisse.

Seither steht die katholische Kirche Kopf. Für die damaligen Würdenträger bestand nicht der leiseste Zweifel: Diese Frau war die heilige Madonna. Die Mutter Gottes. Seither ist das einst verschlafene Dorf der wichtigste Wallfahrtsort der katholischen Welt. Und der aktuelle Papst lässt es sich nicht nehmen, am Tag der angeblichen Offenbarung in Fátima eine Messe zu zelebrieren.

Welche Botschaften vermittelte die angebliche Gottesmutter den Mädchen? Das erste „Geheimnis“: Schreckliche Visionen von der Hölle und bevorstehenden Kriegen. Nur: Was soll daran so geheimnisvoll sein? Die (Kirchen)Geschichte ist voll davon. Und es war so sicher wie das Amen in der Kirche: Solche Ereignisse werden sich in schöner Regelmässigkeit wiederholen.

2. Botschaft: Russland müsse bekehrt werden. Um dies zu erreichen, verlangte die Madonna die Weihe der Welt an ihr unbeflecktes Herz. Aus heutiger Sicht eine eigenartige und wenig bedeutungsvolle Botschaft.

Die 3. Ankündigung wurde jahrzehntelang unter Verschluss gehalten. Offenbar war sie zu brisant, um sie der Menschheit zu offenbaren. Der Vatikan hütete das „Geheimnis“ und öffnete das Tor für Spekulationen. Enthielt die Botschaft etwa konkrete Zeitangaben zur Wiederkunft von Jesus? Also zur Apokalypse, zum Weltuntergang?

Dann passierte Aussergewöhnliches: Ausgerechnet am 13. Mai 1981, dem Tag der Madonna-Erscheinung, wurde Papst Johannes Paul II von Ali Agca angeschossen. Für den Papst war dies kein Zufall: «Es war eine mütterliche Hand, die die Flugbahn der Kugel leitete“, glaubte der Papst. Man stellt sich als ballistischer Laie vor, wie die Hand der Madonna die rasende Kugel am Herz vorbei lenkt. Aber: Warum hat sie die Kugel nicht gleich gestoppt? Schliesslich hat der Papst stark gelitten und ist beinahe gestorben.

Aus Dankbarkeit wallfahrte der Papst am 13. Mai (!!!) 1982 nach Fátima und liess das herausoperierte Geschoss in die Krone der Madonnenstatue von Fátima einarbeiten. Für ihn ein heiliger Akt, ich empfinde das Ritual als makaber.
Doch zurück zum 3. Geheimnis. Am 13. Mai (!!!) 2000 sprach der Papst die zwei bereits verstorbenen Seherkinder selig und lüftete die letzte Botschaft. Sie dreht sich um die Verfolgung der Kirche und um einen weiss gekleideten Bischof, der tödlich getroffen wird. Nun war auch klar, weshalb die Botschaft unter Verschluss gehalten worden war: Die Prophezeiung eines Attentats war eine heikle Angelegenheit.

Für den Papst und den Vatikan gab es keine Zweifel: Das war eine Vorhersehung der Mädchen auf das Attentat auf Johannes Paul II. Also der endgültige Beweis, dass den Kindern die Mutter Gottes tatsächlich erschienen ist.

Doch es stellen sich grundsätzliche Fragen:

Die katholische Kirche stützt sich auf die Aussage von drei Kindern und macht sie zu Kronzeugen in der Frage, ob die „Mutter Gottes“ in die Welt wirkt und Einfluss auf den Lauf der Zeit oder unser Schicksal nimmt. Vielleicht hatten die drei Mädchen lediglich Halluzinationen oder erlagen einer Einbildung. Vielleicht wollten sie den Erwachsenen nur einen Streich spielen, konnten dann aber nicht mehr zurück, als sie erlebten, was sie damit ausgelösten. Wieso erschien Maria nicht unverdächtigen, glaubwürdigen Zeitzeugen? Warum hinterliess sie die Botschaften nicht in einer Form, die beweiskräftig gewesen wäre? Etwa auf Steintafeln? Warum hat sie nicht nützlichere oder sinnvollere Offenbarungen gemacht?

Moderne Theologen interpretieren die Bibel als Buch, das die christliche Glaubenswelt und ihre Entstehung darstellt. Die unbefleckte Empfängnis, die Wiederauferstehung oder die heute zelebrierte Auffahrt sind für sie Metaphern und keine historischen Ereignisse. Wenn aber der Papst heute noch glaubt, Maria sei den Kindern tatsächlich erschienen und habe die Kugel mit der eigenen Hand umgelenkt, erliegt er magischem Denken. Dann hängt er wohl einem Aberglaube an.

Die Hölle, ein Guru zu sein

hugostamm am Sonntag den 2. Mai 2010

In diesen Tagen sind zwei Filme in den Schweizer Kinos angelaufen, die exemplarisch und eindrücklich die Tragik grosser Guru-Gemeinschaften dokumentieren. Filmteams haben sich auf die Spuren der Transzendentalen Meditation und der Bhagwan-Bewegung gemacht, die in den 1970er-Jahren gross geworden sind und immer noch beachtliche Anhängerzahlen aufweisen.

Die Filme zeigen, dass die Mitglieder auf Gedeih und Verderben den Launen und persönlichen Entwicklungen der Gurus ausgesetzt sind. Und: Das Leben als Guru ist die Hölle. Anfänglich schweben die spirituellen Führer zusammen mit ihren Devotees auf einer gigantischen übersinnlichen Welle. Für den Guru sind Verehrung und Hingabe seiner Anhänger ein endloser Kick, er schwimmt in einem Meer von Adrenalinen. Und die Schüler heben ab im Glauben, ihren Meister gefunden zu haben, der sie im Schnellzug zur Erleuchtung führt.

Dabei bewegen sich alle Akteure in Scheinwelten. Im Lauf der Jahre und Jahrzehnte realisieren die Gurus, dass Verehrung eine Folter ist. Sie taugt weder als Stimulanz noch als Lebensinhalt. Mit der Zeit hassen Gurus die permanente Unterwerfung. Sie sind im goldenen Käfig gefangen. Vermutlich beginnen sie auch, ihre Anhänger dafür zu verachten. So mutieren sie mit der Zeit zu unausstehlichen Despoten. (Bhagwan flüchtete in die Drogen.) Und die Anhänger zu abhängigen Marionetten.

Diese Sektensyndrome machen die beiden Filme auf eindrückliche Weise transparent. Ich habe im „Tages-Anzeiger“ folgende Filmkritiken zu den Werken geschrieben:

Mag sein, dass es Zufall ist, wenn jetzt gleich zwei Filme über Guru-Bewegungen in die Kinos kommen, die zur Hippiezeit viele junge Menschen aus dem Westen elektrisierten. «David Wants to Fly» und «Guru» zeigen jedoch beide, dass sich die Filmsprache in diesem Fall besser eignet als das geschriebene Wort, um das Sektenphänomen sinnlich erfahrbar zu machen. So stürzen die beiden Gurus Maharishi Mahesh Yogi und Bhagwan auf der Leinwand synchron vom spirituellen Thron.

In ihrer Eindringlichkeit und Unmittelbarkeit entlarven die Dokumentarfilme die beiden verstorbenen indischen Gurus als machthungrig unddespotisch. In «David Wants to Fly» wird zugleich auch der Starregisseur und Maharishi-Anhänger David Lynch («Lost Highway») entzaubert. Der deutsche Jungfilmer David Sieveking nimmt hier sein Publikum mit auf die Reise zu David Lynch. Er heftet sich dem Meister an die Fersen und will erfahren, wie man die menschlichen Abgründe findet und ein erfolgreicher Regisseur wird. Der Regisseur schwärmt seinem jungen Kollegen vor, er verdanke sein kreatives Potenzial und höheres Bewusstsein seinem Guru Maharishi Mahesh Yogi.

Der Filmstudent kratzt das letzte Geld zusammen, um den rund 4000 Franken teuren Kurs in Transzendentaler Meditation (TM) zu absolvieren. Er staunt über das Yogische Fliegen, ein kurioses Hüpfen im Lotussitz, bei dem die TM-Anhänger glauben, mit übersinnlichen Kräften die Gravitation zu überwinden. Als Sieveking auch bei der Meditation kein Erweckungserlebnis erfährt und die autoritären Strukturen erlebt, will er noch einmal mit Lynch sprechen.

Der grosse David schrumpft

Im zweiten Interview schwurbelt dererfolgreiche Regisseur nicht mehr abgehoben von Erleuchtung und höherem Bewusstsein, sondern reagiert ungehalten auf die kritischen Fragen. Der kleine David wächst über sich hinaus, der grosse David schrumpft immer mehr. Der Jungfilmer will die Welt ergründen, in der sich sein Idol bewegt, seit sich Lynch nach dem Tod seines Gurus 2008 zum Botschafter der weltweiten TM-Bewegung entwickelte.

Der Jungfilmer mutiert vom stillen Beobachter zum hartnäckigen Rechercheur. Die TM-Fürsten, Rajas genannt, glauben immer noch, Sieveking realisiere einen PR-Film über TM mit Lynch als Star. So kann er interne Sitzungen filmen und die Rajas interviewen. Hinter dem stereotypen Lächeln der erleuchteten Sektenfürsten entdeckt Sieveking eine bigotte Welt, in der Geld und Macht die dominierenden Themen sind. So gesteht der Schweizer Raja Felix Kägi, er habe eine Million Franken bezahlt, um TM-Fürst zu werden. Der Jungfilmer dokumentiert, dass der Guru mit solchen Schachermethoden ein Milliarden-Imperium und eine totalitäre Bewegung aufgebaut hat.

Im letzten Interview reisst der kleine David dem grossen die Maske vom Gesicht. Zuerst verweigert Lynch das Gespräch, dann will er den Film verbieten lassen. Das Strahlen des Meisters weicht Zornesfurchen, Lynch verbittet sich kritische Fragen. Vor der Premiere des Films in Berlin drohte Lynch gar mit rechtlichen Schritten. Sieveking liess sich nicht einschüchtern. Man dankt es ihm. Einziger Stilbruch in seinem Film: Sieveking flicht die wechselvolle Geschichte mit seiner Freundin mit ein. Sie hat weder mit Lynch, TM noch mit dem Film etwas zu tun.

Während Sieveking in seinem filmischen Erfahrungsbericht die eigeneSuche (und Enttäuschung) zum Thema macht, verzichten Sabine Gisiger («Do It») und Beat Häner in ihrem Film «Guru» auf jeden Kommentar und lassen allein Bilder und Zeugen sprechen. Die Zürcherin und der Basler ergründen den Sex-Guru Bhagwan, indem sie sich auf Interviews mit zwei Zeitzeugen konzentrieren, die Bhagwan eng begleiteten. Der Engländer Hugh Milne war der Bodyguard des Gurus, die Inderin Sheela Birnstiel, die heute im Kanton Baselland zwei Heime für alte und behinderte Menschen führt, seine persönliche Sekretärin.

Mit unbewegter Kamera halten die beiden Filmer auf die Gesichter ihrer Zeugen und lassen sie die Geschichte von Bhagwan und der riesigen Bewegung erzählen. Die Schilderungen der beiden Augenzeugen untermauern sie mit reichhaltigem Archivmaterial. Der Befund fällt ähnlich aus wie bei Sieveking: Die Bhagwan-Bewegung wird als Sekte demontiert, Bhagwan selbst als herrschsüchtiger Guru, der die Anhängerschar als Kulisse für seine Selbstinszenierung brauchte. In den letzten Jahren degradierte er seine Schüler zu Arbeitstieren, die gleichzeitig Millionen spendeten: Bhagwan wollte als jener Mensch im «Guinnessbuch der Rekorde» verewigt werden, der die meisten Rolls-Royce besitzt.

Wenn Sheela Birnstiel erzählt, dass sie als junge Anhängerin für einen Blick von Bhagwan gestorben wäre, glänzen ihre Augen wie vor 40 Jahren. Und das Entsetzen steht ihr ins Gesicht geschrieben, als sie die totalitäre Phase derBewegung in Oregon beschreibt: wie die eigenen Sicherheitskräfte mitMaschinenpistolen das Sektengelände bewachten und die Telefone derAnhänger abhörten.

Der Guru wird zum Junkie

Packend ist dabei auch der Hochseilakt von Sheela. Sie ist nicht nur Sektenopfer, sondern auch Täterin, zog sie doch im Machtzentrum die Fäden. Obwohl sie die Fehlentwicklungen und ihre eigene Rolle beschönigt, enthalten ihre Aussagen genug Fakten, die den Horror dokumentieren. Die interne Paranoia sei von aussen aufgezwungen worden, das diktatorische Regime eine Folge davon gewesen, behauptet sie. Nun versteinert sich ihr Gesichtsausdruck.

Hugh Milne, der Bhagwan auch mit der Kamera beobachtete, schildert, wie der Guru vom geistig lebendigen Provokateur zum lethargischen Junkie verkümmert, der sich mit Drogen vollpumpt und mehrere Jahre schweigend vor sich hin vegetiert. Seine Anhänger werden sich nicht beirren lassen undihren Guru weiterhin als Messias verklären. Der Film ist aber ein Zeitdokument, das die Diskussion um Bhagwan auf eine neue Ebene hebt.

Maharishis Transzendentale Meditation

Maharishi hatte 1958 die Transzendentale Meditation (TM) gegründet und inspirierte mit seinen spirituellen Theorien die Hippie-Bewegung der 60er-Jahre. Seine Bekanntheit verdankte er Künstlern wie den Beatles, den Beach Boys, Clint Eastwood und Deepak Chopra, die zu Füssen des Gurus meditierten. Heute zählen Filmregisseur David Lynch und der Sänger Donovan zu seinen Jüngern. TM hat sich über die ganze westliche Welt ausgebreitet, zeitweise soll die Bewegung bis zu fünf Millionen Anhänger gezählt haben. In den 70er- und 80er-Jahren residierte Maharishi in Seelisberg UR.

Der Guru versuchte, die Wirkung spiritueller Energie auf das Bewusstsein wissenschaftlich zu beweisen. Maharishi behauptete, seine Jünger könnten durch kollektive Meditation ein energetisches Kraftfeld erzeugen, das den Weltfrieden sichere. Dazu bildete er sogenannte Yogische Flieger aus, die mithilfe der Meditation die Schwerkraft überwinden lernen sollten. Ausserdem hat Maharishi die alte indische Heilkunst Ayurveda nach Europa gebracht und damit ein Vermögen gemacht.

Der Filmemacher David Lynch behauptet, ihm stünden sieben Milliarden Dollar zur Verfügung, um den Planeten mithilfe der Meditation zu retten. TM will in der Schweiz die grossen Städte komplett niederreissen und nach vedischen Prinzipien neu aufbauen. Damit sollen in Zukunft Not und Unglück verhindert werden.

Der Guru lockte seine Jünger mit Sex

Bhagwan Rajneesh («der Göttliche», zuletzt bekannt als Osho) zog in den 70er-Jahren mit einer Synthese von fernöstlicher Spiritualität und freiem Sex Anhänger aus ganz Europa an. Sein Ashram im indischen Poona wurde zu einem riesigen Treffpunkt für Althippies und Aussteiger. Später bauten sie in Europa Zentren auf und gründeten Discos, Restaurants und andere Kleinbetriebe. Hunderttausende kleideten sich in rote Gewänder und trugen Halsketten mit dem Bild ihres Meisters, die Malas.

Nach Konflikten mit den Behörden floh Bhagwan in die Wüste von Oregon (USA), wo seine Anhänger eine Stadt für 10 000 Personen aus dem Boden stampften. In dieser Zeit mutierte die spirituelle Grossgemeinschaft zur totalitären Sekte. Bhagwan schwieg jahrelang, das Zepter schwang die Inderin Ma Anand Sheela, die militant wurde, Anschläge plante und 1986 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Später heiratete sie einen Schweizer Bhagwan-Anhänger. Seither besitzt sie den Schweizer Pass und heisst Sheela Birnstiel.

Nach Problemen mit den Einwanderungsbehörden wollte Bhagwan aus den USA fliehen, wurde aber 1985 verhaftet. Nach seinem Tod 1990 zerfiel das Zentrum in Oregon, seine Anhänger reaktivierten den Ashram in Poona, den sie in eine spirituelle Wellness-Oase verwandelten. Weltweit bekennen sich heute noch Zehntausende zur Anhängerschaft Bhagwans. Auch in der Schweiz gibt es noch kleinere Kommunen.