Schweiz

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hugostamm am Dienstag den 13. April 2010

Dalai Lama: Gottkönig oder tragischer Held?

Mein Kollege Thomas Knellwolf und ich haben unsere persönlichen kontroversen Meinungen zum Besuch des Dalai Lama in Zürich im Tages-Anzeiger veröffentlicht. Da vor allem meine kritische Stellungnahme zu heftigen Reaktionen geführt hat, stelle ich unsere Beiträge auch im Blog zur Diskussion. Zuerst der Beitrag von Thomas Knellwolf.

Muss ich den Dalai Lama sehen gehen, wenn er heute Samstag auf dem Zürcher Münsterhof eine seiner seltenen Reden unter freiem Himmel hält? Niemand muss. Doch es gibt gute Gründe, um 15.40 Uhr vor Ort zu sein, wenn der buddhistische Mönch zu seinem Singsang anhebt. Das Eintauchen in die Masse empfiehlt sich selbst für einen Agnostiker wie mich. Und ebenso für alle anderen, die skeptisch gegenüber Idolen und Rummel sind.

1946 wandte sich Winston Churchill, damals gerade nicht britischer Premierminister, an die Zürcherinnen und Zürcher: «Let there be justice, mercy and freedom!», forderte er in seiner berühmten Zürcher Rede: «Lasst Gerechtigkeit, Gnade und Freiheit walten!» Dem Dalai Lama geht es um dieselben universellen Werte: um Gerechtigkeit, Gnade und Freiheit. Es sind Werte, die der politische und geistige Führer der Tibeter seit Churchills Lebzeiten vertritt. Wer heute Nachmittag auf dem Münsterhof auftaucht, unterstützt letztlich seine friedliche politische Mission. Er oder sie zeigt Solidarität mit dem tibetischen Volk.

Jeder Zuschauer, jede Zuhörerin sendet aber auch ein Zeichen an die Machthaber in Peking und an die Schweizer Regierung. Der Volksrepublik im rasanten Umbruch würde es gut bekommen, friedfertige Minderheiten besser einzubinden statt zu unterdrücken. Theoretisch wäre die Grossmacht dem Dalai Lama zu Dank verpflichtet. Praktisch ist das Gegenteil der Fall: Das kommunistische Regime verunglimpft den Exilpolitiker und Religionsführer, der sich dezidiert und erfolgreich dafür einsetzt, dass selbst seine ungeduldigsten Anhänger nicht zu den Waffen greifen. China scheint sich nicht bewusst zu sein, dass die Alternativen zur tibetischen Friedfertigkeit Kampf, Guerillataktik und Terror sind.

Aus all diesen Gründen sollten westliche Staatoberhäupter den Dalai Lama empfangen. Doch anders als der US-Präsident Barack Obama kuscht die Schweizer Regierung vor der mächtigen chinesischen Wirtschaftsmacht. Keiner der sieben Bundesräte fand vergangenes Jahr Zeit für den Friedensnobelpreisträger. Und keiner war diese Woche zugegen, als sich der «Ozean der Weisheit» bei der Schweiz für die Aufnahme Tausender seiner Landsleute vor 50 Jahren bedanken wollte. Wem die behördlichen Ausreden nicht passen, sollte heute getrost den Rummel um den Dalai Lama mitmachen.

Klingt alles naiv? Mag sein. Aber war Churchill naiv, als er in Zürich sein Plädoyer hielt? Hätte damals jemand erwartet, dass das bis anhin so kriegerische Westeuropa mehr als ein halbes Jahrhundert lang Frieden halten könnte?

Nun mein Artikel:

Die Schweiz empfängt den Dalai Lama wie einen Superstar, selbst Politiker sitzen ihm zu Füssen. Weshalb klettert der Puls von Zürich in die Höhe sobald der «Gottkönig» erscheint?

Eigentlich ist der Mönch ein Anti-star. Eine tragische Figur, die zwischen allen Stühlen sitzt. Sein Leben ist eine einzige Tragödie – persönlich und politisch. Als Kleinkind bekam er von einem Orakel ein erdrückendes Schicksal aufgebürdet und stolpert seither glücklos durch Geschichte und Politik. Seine Mission, Tibet von der Knechtschaft Chinas zu befreien, ist gescheitert.

Die grösste Tragik liegt wohl darin, dass sein Scheitern Ursache der beispiellosen Popularität ist. Als «Heiliger» und ewiger Märtyrer schlägt ihm das Mitleid der Massen entgegen. Das ist der Stoff, aus dem sich die Verehrung nährt. Sein grosser Trumpf ist seine Prominenz. Dabei sind Personenkult und Mitleid für einen tibetischen Mönch spirituelles Gift.

Eigentlich müsste der Rummel den Dalai Lama, den «Ozean der Weisheit», abstossen, denn die Fans sonnen sich in seinem Schmerz und zelebrieren sich selbst gleich mit. Sie feiern in der Aura des vermeintlich reinen Geistes. Der tragische Held duldet es, dass das Publikum seine spirituellen Sehnsüchte ungefiltert auf ihn projiziert. Ein solches Schicksal wünscht man keinem. Zumal der Dalai Lama eine sympathische Person ist.

Der Mann müsste im Grunde genommen zurückgezogen leben, meditierend die innere Leere suchen und dem Weltlichen entsagen. Doch er jettet mit dem Helikopter von Dharamsala nach Delhi, fliegt in der gehobenen Klasse nach Europa und residiert im Luxushotel. Ein Spagat, der auch einen «Gottkönig» zerreisst.

Die weltweit bekannteste Pop-Ikone ist ein Gejagter und ein Getriebener: gejagt von den Chinesen, getrieben von seinen Fans. Und in jüngster Zeit auch von jungen Tibetern, die gern einen härteren Kurs gegen China einschlagen möchten. Kein Wunder, lächelt seine «Heiligkeit» selbst dann, wenn sie nach dem Schicksal ihres gepeinigten Volkes gefragt wird.

Die Verehrer aus der Wohlstandsgesellschaft vergessen, dass der Dalai Lama noch immer magisches Denken kultiviert. Er befragt regelmässig sein politisches Orakel, einen Mönch mit angeblich besonderen seherischen Fähigkeiten. Verdrängt wird auch, dass die tibetischen Klöster bis in die Neuzeit Feudalsysteme waren und die patriarchale Kultur Frauen unterdrückte. Und alles mit dem Segen des erleuchteten «Gottkönigs».

Die Veranstaltungen in Zürich sind spirituelle Wellness-Happenings. Dem leidenden tibetischen Volk bringen sie wenig. Doch das kümmert die Fans kaum, sie wollen ihren Star feiern.

1.279 Kommentare zu „Dalai Lama: Gottkönig oder tragischer Held?“

  1. heidi reiff sagt:

    Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten,
    sie fliehen vorbei, wie nächtliche Schatten,
    Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschiessen,
    es bleibet dabei, die Gedanken sind FREI

  2. Rabbi Jussuf sagt:

    Steinlaus
    Sinnlos? Manchmal sind Tränen sinnlos.
    Manchmal sind sie heilsam.
    Wer mag darüber urteilen?

    Ich wollte nicht Euer Gespräch torpedieren.
    Ich habe auf Deine Müdigkeit des Menschseins reagiert.

    Und dabei ist mir aufgefallen, wie verschieden auf die bereits angesprochenen sinnlosen Texte reagiert wurde im Gegensatz zu Felix Texten.
    Eigentlich habe ich vor allem darüber sinniert.

    Es gibt viele sinnlose und bedeutungsleere Texte. Sie eignen sich als Projektionsfläche der eigenen unbewussten Gedanken. Dieser Spiegel bringt einem oft die eigenen Gedanken zu Bewusstsein, nur weil man meint, ein Anderer hätte sie ausgesprochen. (Trotzdem bleiben diese Texte sinnloser Mumpitz.)
    Das funktioniert aber bei Texten wie denen von Felix (oder Heidegger) nicht.
    Das kann zornig machen und darum Kritik auslösen.

    Leider konnte ich Eure Diskussion nicht genau verfolgen, weil mir die Zeit und Musse fehlt.
    Das aber ist auch der Grund, warum ich nichts über den Inhalt Eures Gespräches sagen will.

  3. Steinlaus sagt:

    @ Rabbi Jussuf

    Ich danke dir. Nun verstehe ich besser, was du gemeint hast. Gute Nacht!

  4. Felix sagt:

    Steinlaus

    Mach dir um mich keine Sorgen. – Dabei begann dies alles nur, weil ich dich nach dem (Da-)Sein fragte. Aber da haben wir offenbar ein Ungeheuer geweckt. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich mit derartigen Anwürfen herumschlagen muss. Dasein heisst eben auch Sich-aussetzen.

    Schlaf gut, ich hoffe, deine Tochter ist inzwischen heimgekehrt.

    Heidi Reiff

    Das werde ich. Und ich schicke deinem Bruder liebe Grüsse. Mein Vater wollte aus mir einen Dachdecker machen….

  5. Steinlaus sagt:

    @ Felix

    Ich danke dir. Für alles. Nun werde ich schlafen können und ich hoffe, du kannst es auch.

    Ja, meine Tochter ist inzwischen da. In der Schule fand ein (obligatorisches!) Frühlingsfest statt. Bis 24.00 Uhr. Danach aufräumen bis 1.30 Uhr. Gerade ist sie heimgekehrt mit ihren Kolleginnen, die bei uns übernachten, weil sie in den umliegenden Weilern wohnen und ihr Heimweg zu lang wäre.

  6. Balduin sagt:

    @Steinlaus

    Rat-Schläge? Na ja. Ich hab wohl Scheiss verzapft bezüglich islamischer Zentralrat in Deinen Augen und jetzt schlägst Du mir das um die Birne. Bisch hässig, hmm? Hoffe Deine Tochter ist zurück und nicht mit irgendeinem Hallbaffen unterwegs.

    @Rabbi

    Hintergrundflimmern? Meinetwegen. Damit kann ich leben. Leben auch Sie und nach Möglichkeit ohne Herzflimmern.

    Ciao, Du kaputter Blog.

  7. Steinlaus sagt:

    @ Balduin

    Keine Sorge, Balduin. Mit Rat-Schlag meinte ich einzig deine Antwort, schlafen zu gehen auf meine Äusserung, dass das Mensch-Sein mich manchmal müde macht. In den neuen Blog konnte ich mich noch nicht vertiefen, war anderweitig gefordert. Gäbe es von meine Seite diesbezüglich Kritik zu äussern, würde ich das direkt und konkret tun. Und nein, ich war nicht hässig, nur traurig und überfordert und verletzt und in Sorge um Felix.

  8. Felix sagt:

    Anna

    aus Sein und Zeit; Einleitung; Die Exposition der Frage nach dem Sinn von Sein; Erstes Kapitel, Notwendigkeit, Struktur und Vorrang der Seinsfrage, § 4. Der ontische Vorrang der Seinsfrage:

    “Die Frage der Existenz ist immer nur durch das Existieren selbst in Reine zu bringen. Das hierbei führende Verständnis seiner selbst nennen wir das existentielle. Die Frage der Existenz ist eine ‘ontische’ Angelegenheit des Daseins. Es bedarf hierzu nicht der theoretischen Durchsichtigkeit der ontologischen Struktur der Existenz. Die Frage nach dieser zielt auf die Auseinanderlegung dessen, was Existenz konstituiert. Den Zusammenhang dieser Strukturen nennen wir die Existenzialität.
    ….
    Nur wenn das philosophisch-forschende Fragen selbst als Seinsmöglichkeit des je existierenden Daseins existenziell ergriffen ist, besteht die Möglichkeit einer Erschliessung der Existenzialität der Existenz und damit die Möglichkeit der Inangriffnahme einer zureichend fundierten ontologischen Problematik überhaupt.”

    …um es nocheinmal und ein letztes Mal in aller Deutlichkeit zu sagen.

  9. Anna sagt:

    @ Felix

    “…um es nocheinmal und ein letztes Mal in aller Deutlichkeit zu sagen.”

    Soll das ein Scherz sein? Vielleicht bin ich einfach nicht bäuerlich-urchig für Heidegger :-)

    Bitte Felix versöhnen Sie sich mit meiner Zwillingsseele, ich mag Sie beide und will nicht, dass Sie sich streiten.

  10. Es gäbe viel über das Wort »Liebeserklärung« zu sagen. Die Männer und Frauen haben die Angewohnheit, einander ihre Liebe zu erklären, ohne zu wissen, dass sich in diese Handlungsweise ein egoistisches, selbstsüchtiges Element einschleicht. Sie wollen die Person, an die sie sich wenden, anziehen, gewinnen, einfangen. Sie schreiben oder sprechen so poetisch wie möglich, wählen dabei die passenden Gesten, Worte und Stimmlagen, in der Hoffnung, dass sie berührt, geschmeichelt, entzückt werde und sich schließlich überzeugen lasse. Die Liebe, die man ausdrückt, hat zu oft das Ziel, das geliebte Wesen für sich zu gewinnen und zu behalten; ab diesem Moment hat niemand anderer mehr das Recht, ihr nahe zu kommen. Die Menschen lassen sich also sehr wohl vom Egoismus und von einem mangelnden Vertrauen in die Macht der Liebe führen. Da sie die wahre Liebe, die Wunder vollbringt, nicht besitzen, beeilen sie sich, sie durch konkrete Mittel, durch Worte, Briefe und Gesten zu offenbaren, um das geliebte Wesen einzusperren. Und wenn sie vorgeben, von der Kraft ihrer Gefühle dazu getrieben zu werden, dann gestehen sie damit ihre eigene Schwäche ein. Wer von der wahren Liebe bewohnt wird, der drückt sie nicht aus, das ist nicht nötig, denn diese Liebe kann man fühlen, sie strahlt.

  11. heidi reiff sagt:

    @ Felix

    Danke für Deine Mitteilung. Mein Bruder ist vor 3 Jahren an Krebs gestorben, ich trag ihn in meinem Herzen.

    Ich wünsche Dir ein erholsames Wochenende

  12. erna sagt:

    @ Blog-Administrator

    Kann ev. morgensterns ellenlanger Input gelöscht werden?

  13. T-U-B-E-L sagt:

    @ Solve et coagula

    Genial Dein Kommentar !
    Voll meine Wellenlänge, ein echter Aufsteller.
    Vielen lieben Dank dafür.

  14. T-U-B-E-L sagt:

    @ Blog-Administrator

    Als Verwalter von über 80 Nicks vermag ich erna leicht zu überstimmen
    80:1 für Morgensterns Input !

  15. Basta sagt:

    @solochrist: Der Blick in den Himmel hat die Wahrheit an den Tag gebracht: Es gab keine Aschewolke. Gratuliere zum Mut, zur eigenen Beobachtung zu stehen. Wo der Kaiser keine Kleider an hat, da ist er ganz einfach nackt. So wie der aschelose Himmel.
    Link: http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Das-Flugverbot-war-wohl-ueberfluessig/story/17217799

  16. Moria sagt:

    Steinlaus
    Felix
    Ist es nicht so, dass ueblicherweise die Stimmen immer lauter werden, wo das Verstehen > verstanden werden > verstehen wollen abnimmt…..?
    Nehmt es locker!

    Vietcong
    Ich unterstelle Dir doch nichts, habe Dir nur mein Befremden mitgeteilt.
    Damit hast Du allerdings recht, und ich stehe gerne dazu, dass wenn ich das Wort Hitler hoere, ich wirklich reflexartig reagiere – und bin froh darueber, nicht auch dazu abgeloescht zu sein.

    Betty Bossi kann ich nur zustimmen, die von ihm benannten Despoten loesen genauso ein totales Unbehagen > eine ganz negativer Effekt (Reflex) aus……
    BB nennt es einfach Widerspruch, recht hat er!

    D-U-B-E-L
    Schade hast Du nun noch ganz Deinen schon laedierten Stil verloren……
    Deine Einstellung zur Abtreibung toetet sogar doppelt: den gesunden und den menschenwuerdigen Verstand…..
    Komisch (gemaess Deinem Beispiel), dass in Deinem Bekanntenkreis – die im Sinne Gottes lebenden (!) junge Frauen in Ausbildung unverheiratet Kinder bekommen – die sollten doch bis zur Heirat keusch bleiben – wenn schon, denn schon…..im Sinne Gottes und der Kirche!

    Zwillingsseelen
    Es ist ja sonst schon oftmals hier nicht einfach, ES auszuhalten, aber das mit der Zwillingsseele ermuedet nicht nur, sondern laesst sogar unsere (weiteren) Psychofaelle …….. im Blog noch harmlos aussehen!
    Da frage ich mich schon, hat jeder von Euch beiden nur eine halbe Seele, oder springt Eure sog. Seele hin und her……? Hoffentlich eignet sie sich wenigstens NICHT zum grillen………

    ORION
    ah auch Du > deeps……in neuem Gewand…..
    Hast Du Dich unterdessen schon etwas eingelebt? Die Amis sind ja (oberflaechlich) sehr freundlich und hilfsbereit > immerhin.

    Leuchten, wo Du Dich aufhaeltst, vor lauter Orion auch Sterne dahinter…..?

    Zoe
    So wanderst Du also zum Orion…….aus,hm, kein leichtes, uninteressantes Unterfangen Und dann rate ich Dir an, geht beide weiter Sued bis Ihr hier bei den reizendsten Pelikanen, den anmutigsten Albatrossen und den einzigartigen Sonnenuntergaengen ankommt…..

  17. Wie viele gläubige Juden, Christen, Moslems usw. geben sich damit zufrieden, den Gründer ihrer Religion zu verherrlichen: Moses, Jesus, Mohammed… und die anderen überzeugen zu wollen, dass er der Größte ist. Ja, aber Moses ist Moses, Jesus ist Jesus, Mohammed ist Mohammed und sie, wer sind sie? Faule, Unwissende, die nichts tun, um sie nachzuahmen. Und wie viele Schüler verhalten sich genau so ihrem Meister gegenüber! Sie sagen: »Ach, unser Meister ist einzigartig!« und stellen überall sein Foto auf. Sie würden sogar so weit gehen sich zu schlagen, um zu verfechten, dass sie den besten Meister haben, den größten, den mächtigsten. Aber warum sollten sie ihn in seiner Philosophie, in seinem Verhalten nachahmen? Ein Meister ist doch dazu da, verherrlicht zu werden und nicht, um nachgeahmt zu werden!

    Nun, ihr sollt wissen, dass ein Meister überhaupt nicht zufrieden ist, solche Schüler zu sehen, denn er braucht es nicht, verherrlicht zu werden. Er zieht es vor, dass seine Schüler seine Ideen ernst nehmen und sich entschließen, sie in die Tat umzusetzen. Das wäre viel besser für sie und auch für ihn.

  18. Die Religion und die Gesellschaft haben Regeln für die sexuelle Moral erstellt, ohne sich zu fragen, ob die Menschen überhaupt fähig sind, sie zu befolgen. Deshalb haben viele, die diesen Regeln gehorchen wollten, dies nur geschafft, indem sie es mit großem Leiden und mit psychischen Störungen, die man Verdrängung nennt, bezahlten. Verdrängung ist keine Lösung für das Problem der Sexualität. Es ist gefährlich, der Sexualität ihren natürlichen Ausgang zu verweigern, wenn man keinen starken Beweggrund, keine höhere Sehnsucht, und kein hohes Ideal hat, das einen befähigt, eine Arbeit auf der Ebene der Seele und des Geistes zu tun, um diese Kraft zu kanalisieren und zu transformieren. Die Enthaltsamkeit ist selbstverständlich ein Verzicht, aber dieser Verzicht darf keine Entbehrung sein. Es muss eine Verlagerung auf eine andere Ebene sein. Man darf sich nichts verkneifen, soll nicht verzichten, sondern sich lediglich weiterbewegen. Das sollte man den Männern und Frauen erklären, wenn man über die Beherrschung der Sexualkraft spricht.

  19. Wenn man den Gang der heutigen Welt beobachtet, sagt man sich tatsächlich, dass sich immer das Schlimmste ereignen kann: ein Atomkrieg, Epidemien, ökologische Katastrophen etc., die in der Lage sind, den Untergang der Menschheit mit sich zu bringen. Deshalb werden einige Stimmen laut, die ankündigen, dass die in der Apokalypse beschriebenen Plagen auf die Erde niederprasseln werden. Es ist wahr, dass die Apokalypse das Ende der Welt prophezeit, das steht geschrieben. Aber in Wahrheit sind die Ereignisse niemals absolut festgelegt. Je nach dem Verhalten der Menschen können sie eine ganz andere Richtung nehmen. Gott ist kein Tyrann, der Katastrophen verordnet, denen niemand entgehen kann. Es gibt keine Bestimmung, es gibt kein unwiderrufliches Schicksal, weder für eine Person noch für die ganze Welt. Die Menschen wurden mit einem freien Willen erschaffen und sie verfügen über ihre Zukunft. Wenn sie in Unordnung und Verrücktheiten leben, entfachen sie chaotische Strömungen und dann werden sie natürlich von Naturgesetzen, die die Gesetze der Gerechtigkeit sind, Katastrophen entgegengeführt; das ist mathematisch genau. Wenn sie aber beschließen sich zu bessern, projizieren sie harmonische Kräfte um sich herum. Und da das Gleichgewicht der Natur nicht mehr gestört wird, kann ihnen überhaupt kein Unglück geschehen.

  20. Keine Angst haben vor der Sexualkraft, sondern sie benutzen.

    Viele haben Angst vor der Sexualkraft, aber gerade sie ist es, die alle Zellen ernährt. Sie stellt eine Energie dar, von der man vernünftig schöpfen sollte, denn sie ist ein roher Saft, der sich in den Zellen umwandelt und den der Geist im ganzen Organismus verteilt in Form von Vitalität auf der physischen Ebene, in Form von Liebe und Freude im Herzen, in Form von Licht und Weisheit im Gehirn. Die Sexualkraft ist ein enormer Strom und die Weisen errichten in ihrem inneren zahlreiche Transformatoren, um sie zu lenken. Sie lassen nicht zu, dass sie von ihr gequält oder dazu getrieben werden, Tragödien zu erleben. Sie lassen nicht zu, dass sie die Dörfer und Städte in ihnen überschwemmt oder verwüstet, sondern sie errichten Fabriken und Bewässerungskanäle und ernten die Früchte, die diese weise verteilte Kraft produziert. Je vernünftiger man ist in der Benutzung der Sexualkraft, desto mehr spirituelle Reichtümer erwirbt man. Die gemeisterte Sexualkraft ist genauso wie das Wasser eines großen Flusses, das man kanalisiert, um das Land zu bewässern.

    Je mehr man weise von der Sexualkraft schöpft, desto mehr versteht man das Reich Gottes, die Engel, die Erzengel und alles, was im Leben schön ist. Alle Eingeweihten sind sich in diesem Punkte einig und sie sagen sogar, dass diese Energie dazu dient, die Larven der Astralwelt zu ernähren, wenn die Menschen sie verschwenden, wenn sie sie nicht meistern. Die Menschen selbst verstärken also die niederen Wesenheiten, die danach ununterbrochen um sie herum sind, um ihnen zu schaden und sie zu schwächen, aber sie werden die Letzten sein, die wissen, dass sie selbst durch ihre Verschwendung ihre Feinde ernähren und verstärken.

  21. Kein Mensch gehört einem anderen

    “Betrachtet nie eure Frau oder euren Mann wie etwas, was euch gehört, sonst stoßt ihr auf große Widersprüche, denn es wird immer ein Moment kommen, wo ihr bemerkt, dass sie euch nicht gehören. Also, entweder ihr leidet oder ihr lasst euren Partner leiden. Ihr solltet nie glauben, dass euer Partner euch gehört. Er hat gelebt bevor ihr ihn kanntet und er wird nach euch weiterleben. Ein anderer als ihr hat ihn geschaffen. Für den Moment ist er nur da wie euer Verbündeter für dieses Leben und er ist frei. Wenn er etwas für euch machen möchte, freut euch, aber kein Gesetz kann ihn dazu zwingen. Er ist mit euch nur aus freier Einwilligung verbunden. Vor euch hat er andere Ehemänner oder Ehefrauen gehabt, ihr seid weder der erste Partner noch der letzte. Und auch ihr selbst habt andere Partner gehabt und werdet andere haben. Wenn ein Mann und eine Frau eine Ewigkeit zusammen wären, hätten sie sich schon lange verstanden. Nun sind sie aber oft miteinander im Widerspruch. Das heißt, sie kennen sich also nicht. Sie treffen sich vielleicht zum ersten Mal. Es ist also nutzlos, sich Illusionen oder Sorgen zu machen. Man sollte sich sagen: ‘Also, wir sind Verbündete, wir werden so gut wir können miteinander arbeiten, wir werden ehrlich sein, das ist alles!’ Und wenn ihr es schafft, zwischen euch sehr gute Beziehungen zu schaffen, so werdet ihr im nächsten Leben wieder zusammen sein.”

  22. Steinlaus sagt:

    @ Moria

    Nur für einen kleinen, unbedeutenen Augenblick habe ich meine Lockerheit verloren, bin danach aber umso tiefer in eine befreiende, humorvolle Art von von gelassenem Sein hineingefallen, die mich trägt und mich gleichzeitig verstehen lässt.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

  23. Moria sagt:

    Steinlaus
    ‘Gott’ sei Dank…… da erscheint mir sogar der Stamm-Blog als teilweise (!) guter Lehrmeister zu Locker- und Weisheit zu sein – immerhin.
    Hm….manchmal wenigstens.
    Auch Dir – ein rundum sonniges Wochenende!

  24. “Das psychische Gleichgewicht ist eine der kostbarsten und schwer
    zu erreichenden Qualitäten, denn es ist das Resultat von zwei
    widersprüchlichen Bewegungen. Es gibt Personen, die sprechen,
    gehen, sich beschäftigen und dabei aussehen, als würde sie das
    alles keine Anstrengung kosten. Man könnte meinen, sie seien
    ausgeglichen, aber das ist nicht der Fall, in Wirklichkeit
    stagnieren sie. Tag für Tag bleiben sie sich immer ähnlich, sie
    zeigen das gleiche unbewegte Gesicht, wiederholen die gleichen
    Tätigkeiten wie am Vortag, sprechen die gleichen Worte wie
    gestern usw. Diese Art von Gleichgewicht wird nicht zu ihrer
    Weiterentwicklung beitragen. Ein gewisses Ungleichgewicht ist
    notwendig für unser Vorwärtskommen, aber unter der Bedingung,
    dass wir wachsam bleiben und etwas unternehmen, falls die
    Waagschalen beginnen, zu weit auseinanderzudriften. Das
    Gleichgewicht besteht also darin, innerlich eine gewisse Auf- und
    Abbewegung beizubehalten. In dem Moment, wo die Waagschalen
    völlig ausgeglichen sind, kann man nicht mehr von Gleichgewicht
    sprechen, sondern von Tod. Das Leben befindet sich in dem
    maßvollen Auf und Ab der Waage. “

  25. antispamprogram sagt:

    das ist ein antispam-programm. es spürt im blog gezielt spam auf und löscht diese. das program ist ist überdies so ausgelegt, dass es copy-paste.einträge aufspürt und ebenfalls löscht.

    @all the müll&bullshit-spammers, insb. coagula: nicht schlecht, wenn es in zukunft sowas im blog geben würde, gell :-)

  26. hm sagt:

    @antispamprogramm
    lol

  27. spirea ulmaria sagt:

    Hugo Stamm

    Sie schreiben: Seine Mission, Tibet von der Knechtschaft Chinas zu befreien, ist gescheitert.
    Die grösste Tragik liegt wohl darin, dass sein Scheitern Ursache der beispiellosen Popularität ist

    Seine Mission ist also gescheitert weil er ein religiöser Popstar ist? Ergo wäre Tibet ein geigenständiger Staat wäre der Dalai Lama nur eine lokale Grösse?

    Ich glaub ich brauch ein aspirin

  28. spirea ulmaria sagt:

    Evtl. sollte auch unseren Spagyriker ein Aspirin einwerfen, damit könnte Körper(Materie) und Geist wieder eine Einheit bilden.

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