Die Seele ist ein mysteriöses Konstrukt. Für Gläubige fast aller Couleur ist sie das Lebensding an sich. Sie ist der Sitz der Gottesenergie oder die Verbindung zum Allerhöchsten. Die Seele ist also jene Instanz, die über das Leben hinaus weist. Wenn alles vergeht, existiert sie weiter. Sie ist der Anker im Diesseits, der vor allem bei Schicksalsschlägen Trost spendet: Wenn es dick kommt im irdischen Dasein, beschert sie uns Hoffnung für das Leben nach dem Tod. Die Seele macht uns unsterblich.
Somit schafft sie die Verbindung vom Diesseits zum Jenseits. Sie ist abhängig vom Körper, aber nur auf Zeit. Gleichzeitig ist sie der Sitz unserer Identität. Nach dem Tod zerfällt zwar unser Körper, unser Bewusstsein lebt aber in der Seele weiter. Somit geht nichts verloren, was sich an Erfahrung im Leben oder in mehreren Leben angesammelt hat. Genau genommen: Ich bin die Seele, die Seele bin ich.
Ohne dieses Bewusstsein von der Seele funktionieren Glaubensgemeinschaften oder Heilsvorstellungen nicht.
Bei den fernöstlichen Philosophien und Glaubenskonzepten ist die Seele der Träger wichtiger Informationen. Wie auf einer Festplatte sind alle Taten gespeichert, die „guten“ wie die „schlechten“. Sie machen das Karma aus, das über die Zukunft entscheidet. Erlösung gibt es erst, wenn die schlechten Taten aus früheren Leben durch die guten aus dem aktuellen getilgt sind. Fällt die Bilanz negativ aus, droht eine Wiedergeburt. Pikant: Die Rückkehr auf die Erde gilt als Strafe.
Nicht so bei den westlichen Esoterikern und spirituellen Suchern, die sich die Wiedergeburt wünschen, weil sie sich ans Leben klammern. Sie glauben, durch spirituelle Entwicklung die Seele zu „reinigen“ und im nächsten Leben vom göttlichen All-Eins begünstigt oder belohnt zu werden.
Die abrahamitischen Religionen lehren ein anderes Konzept. Die Abkehr von den vielen Göttern und die Einführung des Monotheismus führten zu einem Umdenken. Das Nirwana wurde abgelöst durch einen konkreten Ort der Geborgenheit: Der Wohnsitz des Vaters wurde zum Ort der Sehnsucht und zum Zuflucht der gepeinigten Menschen, die orientierungslos durch das Jammertal irrten. Der Hinduismus mit den Tausenden von Göttern und Dämonen wurden belächelt, die Idee von der Widergeburt als archaischer Aberglaube beargwöhnt.
Dann kam die Wissenschaft. Die Anatomie zeigte auf, dass die Seele kein nachweisbares Organ ist. Psychologie und Neurologie entwarfen Konzepte und lieferten viel wissenschaftliches Material, die darauf hindeuteten, dass all das, was wir seelische Regungen nennen, mit Hirnaktivitäten erklärbar ist. Da spielen elektrische Impulse, Hormone, Adrenaline usw. eine wichtige Rolle. So wie für uns heute noch das Entstehen und die Ursache von Gefühlen ein Rätsel ist, so schwer lässt sich angesichts wissenschaftlicher Erkenntnisse die Seele erklären.
Bezeichnet der vielleicht wichtigste Begriff in unserem Vokabular bloss ein Phantom?




























Moria: “Beim Eintritt des Todes fällt dies alles – inklusive Seele – dahin……”
Schön, das die noch Lebenden das so genau wissen.
Michael Bamberger: “Dazu (nur als Beispiel) der Katechismus der katholischen Kirche”
Muss mich das jetzt kümmern? Müssen Sie sich kümmern? Gibt es kein Leben ausserhalb der RKK?
@ DiG
Danke für die höchst bekömmliche Zitatensuppe.
@ Morgenstern
„Gibt es kein Leben ausserhalb der RKK?“
Aberselbstverständlich nicht, denn wie es die ganze Welt (ausser Morgenstern) weiss: „Extra ecclesiam nulla salus“
„Horatio“
Alltägliches:
Vatikan – «Der Teufel lebt im Vatikan» – Die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche sind für den römischen Chef-Exorzisten ein Beleg dafür, dass Satan im Vatikan sein Unwesen treibt. Auch bei der Bluttat in der Schweizer Garde vor zwölf Jahren soll er seine Hand im Spiel gehabt haben. Der 85-jährige Pater Gabriele Amorth ist seit 25 Jahren der Chef-Exorzist der Diözese Rom und damit auch des Vatikans. In dieser Zeit hatte er nach eigenen Angaben mit mehr als 70 000 Fällen von Besessenheit zu tun. In einem Interview mit der Zeitung «La Repubblica» enthüllte er nun: «Der Teufel lebt im Vatikan.» Satan übe seinen Einfluss bis in höchste Kreise aus, es gebe «Kardinäle, die nicht an Jesus glauben, oder Bischöfe, die mit dem Dämon im Bunde stehen», sagte Pater Amorth. (12.3.10)
http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/-Der-Teufel-lebt-im-Vatikan–31826839
Alltägliches:
Deutschland – Ein früherer Domkapitular des Bistums Essen ist wegen sexuellen Missbrauchs eines Jugendlichen verurteilt worden. Der Priester hatte den über 16 Jahre alten Jugendlichen für Sex bezahlt. Gegen den 66-Jährigen erging ein Strafbefehl – ohne öffentliche Verhandlung. Er müsse 14.000 Euro zahlen und gelte damit als vorbestraft, teilte das Amtsgericht Essen am Freitag mit. (12.3.10)
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,683279,00.html
Alltägliches:
Deutschland – Die katholische Krise – Erste Zahlen deuten darauf hin, dass die katholische Kirche mit einer Austrittswelle rechnen muss. Das moralische Desaster könnte zu einem finanziellen Fiasko werden. (12.3.10)
http://www.sueddeutsche.de/politik/512/505701/text/
Alltägliches:
Österreich – Die Leitung der Wiener Sängerknaben hat nach Missbrauchsvorwürfen gegen frühere Chorleiter und Erzieher Fehler eingestanden. Betroffene sollten sich melden, Akten würden – soweit noch vorhanden – geprüft. (12.3.10)
http://www.focus.de/panorama/welt/missbrauchsskandal/oesterreich-wiener-saengerknaben-raeumen-missbrauch-ein_aid_488995.html
Alltägliches:
Österreich – Ähnlich wie zuvor in Deutschland berichten in Österreich seit Tagen immer mehr Menschen über sexuelle Übergriffe und Gewaltexzesse in Einrichtungen der katholischen Kirche. In den Medien ist von mehr als 80 Verdachtsfällen die Rede. In Salzburg trat der Erzabt eines Stifts zurück, in mehreren Bundesländern wurden Priester ihrer Ämter enthoben. „Es war die Hölle auf Erden“, sagte ein heute 64-jähriger Mann der Wiener Tageszeitung „Die Presse“ über seine Zeit im Internat des Zisterzienserstiftes im oberösterreichischen Wilhering. Die Kinder seien von einem geistlichen Erzieher unter dem Vorwand der Bestrafung von Vergehen brutal gequält worden. Der Priester habe ihn als 13-Jährigen nachts in sein Zimmer geholt und ihn gezwungen, vor ihm zu masturbieren, sagte der Mann. (12.3.10)
http://www.focus.de/panorama/welt/missbrauchsskandal/oesterreich-wiener-saengerknaben-raeumen-missbrauch-ein_aid_488995.html
Alltägliches:
Österreich – Eine Nonne des sexuellen Missbrauchs angeklagt: «Un homme accuse une nonne de lui avoir fait subir des abus sexuels alors qu’il était enfant, ont annoncé aujourd’hui des responsables de l’Eglise catholique à Salzbourg. C’est la première accusation de ce type en Autriche.» (12.3.10)
http://www.lefigaro.fr/flash-actu/2010/03/12/97001-20100312FILWWW00502-abus-sexuels-une-nonne-accusee.php
Alltägliches:
Italien – Mönche des sexuellen Missbrauchs angeklagt: «Un ancien élève a raconté avoir subi des abus sexuels à répétition de la part de moines d’un couvent proche de Bolzano, dans la province autonome germanophone du Haut-Adige (nord-est de l’Italie), dans le journal local Neue Suedtiroler Tageszeitung paru aujourd’hui à Bolzano.» (12.3.1)
http://www.lefigaro.fr/flash-actu/2010/03/12/97001-20100312FILWWW00684-italiemonastere-un-cas-d-abus-sexuels.php
@Michael Bamberger. Was bedeutet der Begriff der Kirche – Ihrer werten Meinung nach???
Alltägliches:
USA – Des sexuellen missbrauchs angeklagter Priester sucht aus dem Gefängnis entlassen zu werden wegen einer Therapie gegen seine Veranlagung: “A priest accused of molesting a St. Charles boy wants to be let out of jail to go to a treatment center in Maryland as he awaits trial. Alejandro Flores, 37, is charged with multiple counts of predatory criminal sexual assault, aggravated criminal sexual abuse and criminal sexual assault. Prosecutors say he molested a St. Charles boy that he knew, who is now 13, on numerous occasions during a five year period – from the time the boy was 8-years-old.” (11.3.10)
http://www.kcchronicle.com/articles/2010/03/11/64174579/index.xml
Man kommt sich hier vor wie in einem Piranha-Becken. Kann man hier einfordern, dass man eine Meinung vertreten darf, auch wenn es nicht die Meinung ist, welche die Mehrheit vertritt? Oder: wer möchte noch einmal sagen, dass man das hier an dieser Stelle nicht tun darf.
@ pb
“Was bedeutet der Begriff der Kirche – Ihrer werten Meinung nach???“
Eine Kirche ist ein Ort wo gepredigt und inbrünstig gebetet wird, wo sich in regelmässigen Abständen Brot in Fleisch und Wein in Blut verwandelt und auf dessen Dach trotzdem ein Blitzableiter montiert ist.
„Horatio“
@Michael Bamberger: 12.03.2010 um 17:47
“Der 85-jährige Pater Gabriele Amorth ist seit 25 Jahren der Chef-Exorzist der Diözese Rom und damit auch des Vatikans. In dieser Zeit hatte er nach eigenen Angaben mit mehr als 70 000 Fällen von Besessenheit zu tun. In einem Interview mit der Zeitung «La Repubblica» enthüllte er nun: «Der Teufel lebt im Vatikan.»”
Um das zu erkennen brauche ich keinen Exorzisten.
@ pb
““Passen Sie also auf.” Hören Sie auf mit solchen Drohungen ständig wieder hier, sonst muss ich eine Anzeige machen.”
Wenn “passen Sie auf” eine Drohung ist, dann sässen alle Mütter von Kleinkindern ständig im Gefängnis.
@ Horatio
“Eine Kirche ist ein Ort wo gepredigt und inbrünstig gebetet wird, wo sich in regelmässigen Abständen Brot in Fleisch und Wein in Blut verwandelt und auf dessen Dach trotzdem ein Blitzableiter montiert ist”
Es bleibt offenbar bei einer gewissen Katholenfixierung. Es gibt 2 Mia. Christen, davon sind 1 Mia. Katholiken und 200 Mio. Orthodoxe. Und bei den andern gibts kein Fleisch in der Kirche.
@Michael Bamberger
Die Definition der Seele durch den Katechismus ist wirklich amüsant. Wenn man dies völlig unschuldig liesst, könnte man über diesen Witz ja lachen. Die Seele wird also beim Geschlechtsverkehr vom lieben Gott aus dem Nichts, also ausserhalb jeder Kausalität geschaffen. Dann wird man sie logischerweise auch nicht nachweisen können. Demgemäss passieren also beim Sex tagtäglich Wunder.
Wunderlich ist auch die Vorstellung, dass die katholische Lehre einerseits von zwei verschiedenen Dingen , Geist und Seele spricht, dann aber behauptet Leib und Seele seien eine einzige Natur. Was gilt jetzt? Sind es zwei Dinge: Geist und Seele? Oder nur eines? Ja, natürlich 1 + 1 = 1!
@ Edi Brugger
Ob wohl Friedrich Schlegel in seinem Athenäumsfragment 379 voraussah, dass ein Ratzinger es im Vatikan recht weit bringen würde, als er schrieb:
“Der Satan der italienischen und englischen Dichter mag poetischer sein; aber der deutsche Satan ist satanischer; und insofern könnte man sagen, der Satan sei eine deutsche Erfindung.”
??
@ Winnie the Pooh
“Es bleibt offenbar bei einer gewissen Katholenfixierung. Es gibt 2 Mia. Christen, davon sind 1 Mia. Katholiken und 200 Mio. Orthodoxe. Und bei den andern gibts kein Fleisch in der Kirche.”
Die Blitzableiter aber bleiben offenbar trotzdem – auch ohne eine gewisse Katholenfixierung, ohne Frischfleisch und ohne die heitere Pfaffenjagd auf kleine Messdiener in der Sakristei – auf den diversen Kirchendächern aller couleurs schön brav hocken.
“Horatio”
Horatio BAMBERGER
Cc pb
Könnte man die KIRCHE nicht auch als den Ort beschreiben, dem der Tod der Menschen mehr (ein-)bringt als das Leben?
Oder einer sagte einmal, dass die Kirche mit ihrer Buss- und Beichtordnung das mittelalterliche Europa domestiziert……
Michael Bamberger: “…wie es die ganze Welt (ausser Morgenstern) weiss: „Extra ecclesiam nulla salus“”
lol, daher also Ihre RKK-Fixierung.
(Ich fragte nach Leben, Sie antworten mit Heil. Doch nicht zufrieden, mit dem Sinn, den Sie Ihrem Leben geben?)
@ Alexander
Haarscharf beobachtet.
Der Fremdimport des Leib / Seele Dualismus aus dem Platonismus, der durch die Anstrengungen der Kirchenväter erfolgte, um ihren Glauben der hellenistischen Welt als die überlegene Philosophie zu präsentieren, ist bekanntlich ein tragisches Erbübel des Christentums, welches sich u.a. in der von Ihnen ad absurdum geführten Formel 1+1=1 niederschlägt.
@ Moria
“Könnte man die KIRCHE nicht auch als den Ort beschreiben, dem der Tod der Menschen mehr (ein-)bringt als das Leben?“
Aber ganz sicher kann man das aber man sollte gleichzeitig die damit Hand in Hand gehende Glorifizierung des Leids und des Schmerzes ja nie vergessen, wie es unsere beiden Freunde Josemaría Escrivá und Anjezë Gonxhe Bojaxhiu uns so wunderschön vormachten.
„Horatio“
@Bamberger: 12.03.2010 um 18:21
Du verstösst gegen das 13. Gebot, das da heisst:
Du sollst nicht den Teufel an die Wand malen.
Bamberger: “Glorifizierung des Leids und des Schmerzes … Josemaría Escrivá”
Fast schade, dass sein Werk nicht “Opus Die” heisst. Er hatte es wohl nicht so mit dem englischen. Wäre passend gewesen für den Untertitel vom Da Vinci Code.
Ist die Seele zu erklären als Phantom,
oder vielleicht doch erklärtes Axiom?
Auf dem Weg, die Seele zu erkunden,
drehten die Weisen schon viele Runden:
Gilt die Seele als von Gott geschaffen,
kann selbst der Tod sie nicht dahinraffen.
“Nephesch” hiess es auf hebräisch,
“Atem holen” – ursprünglich aramäisch.
Zu erfahren wörtlich dann im Almanach:
Seele auf hebräisch heisst auch “ruach”.
Das Seelenwort der Inder ist “atman”,
was bedeutet “Lebenshauch” profan.
Lateinisch nannte man die Seele “anima” –
erklären zu können meinte man sie prima.
Bei den Griechen hiess sie ” pneuma” -
was nichts zu tun hat mit dem Asthma.
Dann wurde sie auch “psyché” genannt,
ebenfalls bei den Griechen so bekannt.
Aus Atomen besteht die Seele, so Demokrit -
eine Erklärung mit materialistischem “Spirit”.
Nach Sokrates, nachzulesen bei Platon,
kehrt der Dualismus ein, so sein Grundton.
Zur Menschenseele zog Platon eine Parallele:
Im Kosmos walte bewegt die Weltenseele.
Wer philosophiere, dessen Seele geflügelt -
so heisst es in “Phaidros” ganz ausgeklügelt.
Ein früher Philosophe sprach Tacheles:
Seele sei Entelechie, so meint Aristoteles.
Nach den Stoikern wäre es verwunderlich,
wenn die Seele anders wär’ als körperlich.
Epikur sah das mit der Seele wieder anders:
Die Seele sei Körper innerhalb des Körpers.
Descartes brachte eine neue Hypothese:
Körper-Seelen-Austausch in der Epiphyse.
Kant argumentiert mit praktischer Vernunft:
Falsche Fragestellung – so seine Auskunft.
Auch Hegel möchte der Seele Sinn geben:
Immateriale Natur, sei sie, ideelles Leben.
Die Psychologen sind sich einig in der Meinung:
Seele ist Ausdruck psychischer Erscheinung.
Es gilt, bei diesem kontroversen Parlieren
den eig’nen Seelenfrieden nicht zu verlieren.
So wollen wir nun uns’re Seele baumeln lassen,
um den Rest des Lebens nicht zu verpassen!
@Michael Bamberger. Ich habe erwartet, dass Sie keine Ahnung von der Kirche haben. Der Begriff der Kirche bedeutet zum Herrn bzw. Christus gehörig – und nichts von dem, was Sie sagen. Schon Thomas von Aquino hat darauf hingewiesen, dass ein christlicher Glaube auch ausserhalb der Kirchenorganisation sogar möglich ist, und Sie haben das immer noch nicht begriffen? Das wird nichts mit dem Dritten Jahrtausend so…
Diese Geister hier sind dermassen öd und verbort, dass es einem weh tut. Ich möchte Herrn Stamm und seinen Jüngern und Jüngerinnen noch einmal sagen, und ich sage es zum letzten Mal: die Verantwortung, die sie tragen wollen, der sind sie nicht gewachsen. Sie können ja noch nicht einmal einen Glauben (er-) tragen. Mehr muss man dazu nicht sagen. Leben und lebenlassen, das ist das Motto der vernünftigen Menschen. Lernen Sie etwas von den vernünftigen Menschen. Das ist mein Ratschlag.
@Michael Bamberger 12.03.10 18.21
Jetzt reicht es aber definitiv. Sie können glauben was Sie wollen, Sie können auch hassen wen Sie wollen, das ist Ihre Privatsache. Behalten Sie es aber bitte für sich. Es ist keine Kunst Papst Benedikt XVI. anzugreifen, der nicht nur das geistliche Oberhaupt von über 1 Milliarde Katholiken ist, ob es Ihnen gefällt oder nicht. Nein, er ist auch noch ein Mensch, der sich nie zu all dem Unglaublichen das man ihm tagtäglich an den Kopfe wirft äussert. Das muss ihm erst einmall jemand nachmachen!
Ich weiss heute auch in meinem fortgeschrittenem Alter nicht was Seele ist, mein >Körpêr ist meine Seele, die Revolte des Körpers,Abbruch ^der Schweigemauer< das Gedankengût von^ Alice Miller ist ein Weg, Abbruch der Schweigemauer, ich idealisiere meîne Killereltern nicht, ich verzeihe nicht Punkt.
Alltägliches:
Deutschland – Pädophiler Pfarrer in Ratzingers Bistum – “Mit Wissen des heutigen Papstes kam in den achtziger Jahren ein einschlägig belasteter Pfarrer nach München. Dort missbrauchte er erneut Jugendliche – und arbeitet noch heute als Seelsorger in Oberbayern.” (12.3.10)
http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/politik/640/505828/text/
Alltägliches:
Deutschland – Missbrauchsfall in Ratzinger-Bistum aufgedeckt – Der Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche erreicht nun auch Papst Benedikt XVI. In das Bistum des damaligen Erzbischofs Ratzinger wurde in den achtziger Jahren ein pädophil belasteter Priester versetzt – der sich dort erneut an Jugendlichen verging. – Der damalige Erzbischof Joseph Ratzinger habe dem Umzug des pädophilen Priesters von Essen nach München im Jahr 1980 zugestimmt. “Diesen Beschluss hat der damalige Erzbischof mit gefasst”, teilte das Erzbistum der Zeitung mit. (12.3.10)
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,683332,00.html
Alltägliches:
Deutschland – Der Papst spielte eine Rolle in der Versetzung eines pädokriminellen Priesters, sagt die Kirche: “Pope Had Role in Moving Molesting Priest in 1980, Church Says – Pope Benedict XVI, during his tenure as archbishop of Munich, played a role in a decision to move a priest accused of molestation to undergo therapy in his diocese. The priest was later re-assigned by another church official and committed further abuses, according to the church.” (12.3.10)
http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601085&sid=aYMq6zZOXSRQ
Alltägliches:
Katholische Kirche – Der unfehlbare Mann in Rom sprach am Freitag vom “heiligen Zölibat”, der ein “kostbares Geschenk” und “Zeichen der vollständigen Hingabe” an Gott sei. Wer die Machtverhältnisse in der Kirche kennt, weiß, dass die Diskussion damit vorerst beendet ist. Beteuerungen, über den Zölibat nachdenken zu wollen, sind demnach rein symbolischer Natur. Realisten meinen, dass die Kirchenführung damit dem Sturm der Entrüstung fürs Erste den Wind aus den Segeln nehmen will. – Psychotherapeuten, die pädophile Priester zu ihren Patienten zählen, sehen aber sehr wohl einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Kindesmissbrauch. Sie verweisen dabei auf den repressiven Umgang der Kirche mit Sexualität. Künftige Pfarrer würden schon während ihrer Ausbildung an der Entwicklung eines gesunden Verhältnisses zur körperlichen Liebe gehindert, hört man hier. Wer als 18-Jähriger in ein Priesterseminar eintrete, der verfüge meist noch nicht über eine ausgereifte Sexualität. Einen verantwortungsvollen Umgang damit lerne er dort eher nicht, weil alle Bereiche – von der Selbstbefriedigung bis zum Eingehen einer Liebesbeziehung – mit einem Tabu belegt seien. Diese Fachleute meinen, dass schon diese Sozialisation das Entstehen pädophiler Neigungen sehr wohl begünstige. Der einem repressiven Umfeld ausgesetzte Jungpriester bleibe in einem kindlichen Entwicklungsstadium stecken und fühle sich unter Umständen als Priester von erwachsenen Partnerinnen abgestoßen und von wehrlosen Kindern angezogen. Außerdem, so argumentieren Kritiker des Zölibats, ziehe die Pflicht zur Enthaltsamkeit jene Menschen an, die von vornherein Probleme mit dem Eingehen einer gleichberechtigten Beziehung hätten. Kenner der Szene sprechen auch viel direkter von “psychisch deformierten Jugendlichen”, die von der Kirche angezogen würden. Dort könnten sie dann ihre Not zur Tugend machen. (12.3.10)
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3941&Alias=wzo&cob=478310
Alltägliches:
Wiener Sängerknaben – «Wir mussten zu fünft unter die Dusche» – Eine Aura der Reinheit umgibt die Wiener Sängerknaben. Bisher. Jetzt erzählen zwei ehemalige Mitglieder von Sex auf Tourneen. Und was mit Buben geschah, die nicht essen wollten. «Nach dem wöchentlichen Schwimmen im schuleigenen Hallenbad mussten wir zu je fünft unter die Duschen. Sichtschutz gab es nicht. Die Präfekten standen dicht neben uns. Sie gaben Kommentare ab und forderten uns auf, beim Waschen unserer Genitalien gründlich zu sein», schildert ein heute 33-Jähriger. Von 1985 bis 1987 sang der Wiener, der heute in Berlin als orthopädischer Chirurg arbeitet, im Bruckner-Chor: einem der vier Kinderchöre der Wiener Sängerknaben, die jährlich rund 600 Auftritte bestreiten. Auf Tourneen sei es «üblich gewesen, dass sich ältere Buben einen Eleven als Zimmergenossen aussuchen konnten». So sei er, mit zehn Jahren in den USA, zu einem Mitschüler gelegt worden, «der mich gezwungen hat, ihn händisch und oral zu befriedigen», erzählt er. (12.3.10)
http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Wir-mussten-zu-fuenft-unter-die-Dusche/story/26838059
@ Alltägliches:
Holland – Missbrauchsskandal: Erstmals Nonnen beschuldigt – Neben etlichen Priestern werden jetzt erstmals auch Nonnen beschuldigt, sich an kleinen Jungen vergangen zu haben. Unter anderem schildert ein heute 63-Jähriger in dem Bericht der Zeitung «De Telegraaf», wie er als knapp Elfähriger von Ordensschwestern in der katholischen Internatsschule «De Munt» in Tegelen unweit der Grenze zu Deutschland sexuell missbraucht wurde. (9.3.10)
http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Missbrauchsskandal-Erstmals-Nonnen-beschuldigt/story/27285551
Ich kann nichts Anderes tun, als mich klar und deutlich ausdrücken, und ich finde ich habe das eigentlich nun zur Genüge getan.
Alltägliches:
Vatikan / Deutschland – Papst war an fragwürdiger Entscheidung beteiligt – “Nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» (Samstagausgabe) wurde damals ein wegen Kindesmissbrauchs aufgefallener Priester in der Gemeindearbeit eingesetzt. Dort habe er sich erneut an Jugendlichen vergangen und sei dafür verurteilt worden. Ratzinger soll dem Umzug des pädophilen Priesters von Essen nach München im Jahr 1980 zugestimmt haben.” – “Das Erzbischöfliche Ordinariat in München bestätigte der «SZ» am Freitag, dass der Priester seit 1980 fast ununterbrochen in der Gemeindearbeit eingesetzt wurde und noch immer als Seelsorger in Oberbayern tätig ist. Der Sprecher des Bistums, Bernhard Kellner, sprach von «schweren Fehlern», die in den 80ger Jahren gemacht worden seien. Nun würden alle Akten auf Altfälle untersucht.” (12.3.10)
http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Papst-war-an-fragwuerdiger-Entscheidung-beteiligt/story/10538500
Alltägliches:
Vatikan / Deutschland – Pädophilie-Skandal erreicht den Papst – Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat endgültig den deutschen Papst Benedikt XVI. erreicht. Erst hörte Joseph Ratzinger am Freitag im Vatikan „tief erschüttert“ den Bericht der deutschen Bischöfe über sexuelle Übergriffe. Dann wurde ein gravierender Fall aus seiner Amtszeit als Erzbischof von München und Freising bekannt.”Damals durfte ein einschlägig vorbelasteter Priester wieder Gemeindearbeit machen, verging sich erneut an Jugendlichen und wurde dafür gerichtlich verurteilt. Am Freitagabend bestätigte die Erzdiözese diese Information der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag) und räumte schwere Fehler ein. “Die meisten Deutschen haben inzwischen das Vertrauen in die katholische Kirche und ihre Jugendarbeit verloren. Das ergab eine Emnid-Umfrage für den Nachrichtensender N24. Nach der in Berlin vorgestellten Studie wirft eine große Mehrheit der 1000 Befragten – 86 Prozent – der Kirchenführung mangelnde Aufklärungsbereitschaft vor. Nur 10 Prozent glauben, die Kirche unternehme genug. “Das Bistum München und Freising räumte schwere Fehler beim Einsatz des vorbelasteten Priesters ein. 1980 sei der Priester aus dem Bistum Essen nach Oberbayern versetzt worden. Dann wurde er zur „Seelsorge- Mithilfe“ in eine Münchner Pfarrei geschickt.
http://www.handelsblatt.com/magazin/nachrichten/katholische-kirche-paedophilie-skandal-erreicht-den-papst;2545198
@Moria, DiG,
Gerne gehe ich noch kurz auf die Fragen ein, obschon sie schon weit nach hinten gerückt sind… Moria weiss schon, dass ich Spekulant bin, also nicht staunen, wenn ich spekuliere…
“Interessant, danke für’s teilen, erwinio. Ich kann dazu auch gar nicht gross etwas ausführen, ausser der Frage, ob Du diese Erfahrung jemals wieder gesucht hast zu machen?”
Ja, ich habe allerhand versucht. Ausser LSD, da ich ein labiler Typ bin, habe ich ein bisschen Respekt davor. Aber irgendwann werde ich das Experiment starten. Dass die Erfahrung nicht reproduzierbar scheint, hat mich aber nie wirklcih überrascht; ich hatte ja nichts für sie getan, ich könnte sagen, nicht ich habe die Erfahrung gemacht sondern die Erfahrung mich. Im christlichen Kontext könnte man vielleicht von Gnade sprechen; das passt mir aber nicht wirklich, genauso wie Gotteserfahrung
“Und dann auch, dass ich dabei bleibe, dass der Begriff «Gotteserfahrung» in diesem Zusammenhang etwas gar irreführend ist.”
Ja, da war ich eigentlich immer Deiner Meinung:-)
Ursprünglich brachtest Du die ‘Gotteserfahrung’, die Dich auch schon heimgesucht haben soll……., ins Spiel. Darauf sprach ich von der sog. Gott-Idee. Da normalerweise (!) Ideen im Kopf entstehen……fragte ich Dich, ob Ideen, wie diese Gott-Idee, die logischerweise NUR unter Ausschluss unseres Verstandes entstehen können, nicht ein Widerspruch zu unserem Geist darstellt, der wiederum Kreator unserer Verstandes ist?
Es ist eben nicht mit einer Idee vergleichbar, die auf irgendwelche Art und Weise dargelegt, formuliert oder gezeichnet werden könnte. Mehr so ein Fingerschnippen – So! Das ist schon alles. Das Verrückte war, ich “erinnerte” mich augenblicklich daran, dass ich immer um diese Erfahrung gewusst hatte; ja ich war ganz erstaunt, wie ich sie überhaupt hatte vergessen können. Es schien, als sei sie zu Nahe gewesen, um von mir wahrgenommen zu werden.
Da die ganze Sache einige Zeit dauerte, hatte mein äusserst wacher Verstand die Möglichkeit, alles zu beschnuppern und kritisch zu hinterfragen. So fragte ich mich, woher und wie lange schon ich das kannte – ich fand keinen Anfang. Ob es dann ein Ende hätte? Ich sah’ keines. Ich stellte mir vor, dass ich gequält, getötet würde – auch da kein Ende. Wohl gab es noch Leiden – aber der Leidende, den fand ich nirgends. Die leidende Seele war fort. Darum schrieb ich, ich glaube(!) es gibt keine beständige Seele.
Ich weiss an sich, dass es wenig Sinn macht, darüber zu sprechen. Es geht mir aber auch darum, es als Erfahrung einzubringen, als eine andere Art von Bewusstsein – ohne sagen zu wollen, es sei höher, tiefer, richtiger, wirklicher. Man könnte auch sagen, es war alles so selbstverständlich, dass es falsch ist, überhaupt ein Aufheben darum zu machen und zu versuchen, es als etwas Verblüffendes darzustellen. Und DiG, ich werde wohl nie eine Art Weg oder Lehre daraus ableiten, vermute ich. Die Erfahrung selbst hat mich mehr gegen solche Dinge gimpft als 10 Jahre Hugo Stamm Blog es erreichen könnten:-). Ich seh’s mehr als ein Experimentieren mit der Selbstfindung:-)
“also für mich drehen sich ‘Gebete’ immer nur um ‘Wunder’, bei wem auch immer, wofuer auch immer, ich sie anfordere.”
Ich darf Dir das sicher so direkt sagen, Moria. Du hast keine grosse Ahnung vom Beten. Lies mal den Meister Eckhart, oder die Wolke des Nichtwissens. Eckhart, der Theologe, sagte so sinngemäss, man solle den ganzen Bullshit mit dem lieben Herrgott und der heiligen Frau und dem komischen Sohn am besten Vergessen. Man solle um Nichts beten; es sei doch schäbig, da als Bittsteller aufzutreten und um etwas zu winseln. Dies baue eine Mauer zwischen Mensch und Gott. Sein Gebet ist ein Rückzug in sich selbst, ein Vergessen seiner selbst, ein Vergessen von Gott und all diesen schönen Ideen. Seiner Meinung nach ist das das wertvollste, was ein Mensch tun kann. Die Sufis tun das ähnlich, drehen sich im Kreis dazu oder ziehen sich still und ohne Gedanken in ihr Herz zurück um dort auf “Gott” zu warten. Wenn überhaupt. Im Zen ist’s das Zazen, das blosse Sitzen. Gut, vielleicht kann man dem nicht Gebet sagen; wenn man Gebet als Gebettel definiert. Wie ein Hund um einen Knochen betteln.
Mir scheint, man braucht für solche Experimente nicht gläubig zu sein. Ein gwundriger Mensch kann Bibliotheken verschlingen; er kann sich aber auch mal mit einem offenen Geist einfach hinsetzen und mal eine Weile nichts tun, nichts denken. Nicht nur das nachvollziehen, was aus Vordenkern kam, sondern einfach mal schauen, was im eigenen Innern passiert. Vielleicht nichts? Das ist vielleicht das Beste!
Und vielleicht spielt es auch auf einmal keine Rolle mehr, ob wir “Gott” sagen oder “Nichts” oder “Ich” oder “Seele”, weil Erklärung jenseits der Worte stattfindet. Dann kann ein Atheist Gott lieben, weil er alle Bilder von ihm verliert und der Gläubige kann Gott vergessen – auch weil er alle Bilder von ihm verliert;-)
erwinio
Steinlaus:
12.03.2010 um 19:19
Mega!
@ Multinick
Danke! Nun ja, ich hätte noch gröber dran feilen müssen, damit es nicht so holperig daher gekommen wäre, dafür aber hat die Zeit gefehlt. Sei’s drum…
@Steinlaus
Für mich ist die Geschichte in Hochglanz vor meinem inneren Auge vorbeigeflitzt. Dafür danke!
@Winnie. Es kommt darauf, wie man etwas sagt: mit welcher Intention und in welchem Ton. Dieses ‘Passen Sie auf’ hat mir nicht gefallen, wie mir vieles nicht gefällt hier. Aber ich kann Ihnen allen nur noch eines sagen: bis zu diesem Zeitpunkt hier habe ich Sie ernst genommen, sonst hätte ich nämlich nicht so viel Zeit verbracht hier. Offenbar aber gibt es ganz einfach halt Menschen, die man nicht ernst nehmen kann. Solche Leute haben auf der Welt im Grunde nichts verloren, und es ist ein Trost, dass eine Zeit verheissen ist, in welcher Gerechtigkeit herrschen und es solche Leute nicht mehr geben wird. Allzu viel mehr kann man dazu eigentlich nicht mehr sagen.
Am Anfang steht meist eine Geschichte, wenn Elie Wiesel das Wort hat. “Einmal”, so erzählt er, “besuchte ein berühmter jüdischer Gelehrter, Rabbi Mair, seinen alten Lehrer Rabbi Jischmael. Der fragte ihn: ‘Was ist dein Beruf geworden?’ Rabbi Mair antwortete: ‘Ich schreibe.’ ‘Du bist Schriftsteller?’ sagte der Weise Alte. ‘ Dann, mein Sohn, sei vorsichtig. Sei vorsichtig mit Wörtern. Wenn du einen einzigen Buchstaben weglässt oder hinzufügst, dann wird die ganze Welt zerstört.’ “Natürlich ist das eine masslose Übertreibung, sagt der Schriftsteller Elie Wiesel. Aber sie bedeutet etwas. Worte haben eine schöpferische Kraft und eine zerstörerische. Sie können einem Menschen helfen oder ihn demütigen. Sie können töten oder den Mörder hindern. Angst und Hoffnung können an Sprache gebunden sein, Leben und Tod.
Dass Worte nicht folgenlos sind, zeigt die Geschichte. Es waren, zum Beispiel, nur wenige Jahre, sagte Elie Wiesel, die zwischen der Veröffentlichung von “Mein Kampf” und der Eröffnung des ersten Konzentrationslagers vergingen. Worte können beängstigend sein – wie die Nacht. Und sie können Befreiung bringen, Klarheit schaffen, Wärme spenden – wie Licht. Verzweifelte Finsternis und Lichtblicke der Hoffnung, den Sog des Dunklen und das strahlende Licht menschlicher Güte, beides hat der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel erlebt.
Seine Biographie hat ihn zum Experten schrecklicher Ängste gemacht, aber auch zu einem grossen Zeugen der Hoffnung.
Geboren wurde er in dem kleinen Siebenbürgischen Städtchen Sighet, am Fuss der Karpaten. Der Geist des Chassidismus, mit dem seine Umgebung getränkt war, hat er früh und mit allen Sinnen eingesogen. Chassidische Frömmigkeit und chassidische Menschlichkeit (beides ist nicht voneinander zu trennen) prägen den kleinen Eliezer. Chassidismus: das ist, nach Jahren der Verfolgung und der Mutlosigkeit, eine religiöse Erneuerungsbewegung im Osteuropäischen Judentum seit dem achtzehnten Jahrhundert. Man versuchte die Hoffnung nicht nur zu beschwören, sondern zu leben. Freundschaft war das Heilmittel, dass die grossen Zaddikim, die religiösen Führergestalten, die den Glauben lebten und denen Gott antwortete, ihren eingeschüchterten und isolierten Anhängern empfahlen. In einer kalten und feindlichen Welt wurde die Verzweiflung erleichtert, wenn man sie gemeinsam ertrug. Freude und Freundschaft wurde zum religiösen Gebot. Vertrauen und Liebe sollten die Bedrohnung leichter ertragen lassen. Der Glauben an Wunder wurde möglich, und auch der Glaube an den Menschen war gross. Denn in ihm begegnete Gott. Es war ein Gebot, auf den anderen zu hören: Der Mensch war ” die Sprache Gottes”.
Aus dieser Welt wird Elie Wiesel herausgerissen und als 14 jähriger in einem Viehwaggon nach Auschwitz transportiert. Im Gepäck hatte er seine frommen Bücher, seinen Gebetsschal, die Gebetsriemen. Sonst nichts. Er kam in eine perfekt organisierte und siebenfach versiegelte Hölle der Vernichtung. ” Das Königreich der Nacht ” nennt er dieses Lager unglaublicher Schrecken. Nichts mehr von dem zählte, was vorher wichtig war. Hass dominierte, Demütigung und Vernichtung.
Mit Hass darauf zu reagieren, das war für Elie Wiesel keine Lösung, als er 1945 aus Buchenwald befreit wurde, wo sein Vater vor Erschöpfung neben ihm gestorben war. Auch die Abwendung von Gott war für ihn keine Antwort. Es gibt keine abstrakten Antworten, keine theoretischen Lösungen für das, was er erfuhr. Er hat seine religiöse Tradition nicht über Bord geworfen, sondern gerade mit ihr seinen Fragen eine neue Dringlichkeit gegeben. Nach der Erfahrung des Bösen ist die Weisheit, die Frömmigkeit des Chassidismus nicht widerlegt. Im Gegenteil. Sie hat für ihn neues Gewicht bekommen. Diese Form der Menschlichkeit hat sich bewährt, auch nach “unten” , im ” Reich der Nacht ” . Aus dem Gedächtnis dieser Tradition ruft er immer wieder ins Bewusstsein : Der Mensch darf sich nicht an Stelle Gottes setzen. Er wird sonst früher oder später zum tödlichen Feind des Menschen. Und : der Mensch selbst ist mitverantwortlich für die Erlösung der Welt. Weil Gott überall, also auch im Leiden, ist, deshalb dürfen wir nicht gleichgültig sein gegenüber den Leidenden. Wie wir mit dem Mitmenschen umgehen, sagt etwas darüber aus, welches Bild wir von Gott haben. An der rechten menschlichen Praxis werden wir gemessen.
In seiner Kindheit glaubte Elie Wiesel an die mystische Bedeutung des Schweigens und die magische Kraft der Worte. Er hat inzwischen die Perversion der Sprache und die andere Seite des Schweigens erfahren : Das ohnmächtige Verstummen der Opfer, das tödliche Schweigen der Mörder, und das gleichgültig – passive der Zuschauer. Er ist Schriftsteller geworden und sagt doch immer, dass er das Eigentliche nicht in Worte fassen kann. Trotzdem setzt er seine Hoffnung auf das Wort, auf die verändernde Kraft der erinnernden Rede. Man darf nicht verdrängen, wozu der Mensch fähig ist. ” Verdrängen hält die Erlösung auf. Erinnerung bringt sie näher ” , so heisst ein zentraler Satz der chassidischen Tradition. Wie könnte man so wie vorher weiterleben, wenn uns jemand erzählt, der aus kurzer Distanz dem Wahnsinn, den Menschen verursachten ins Auge gesehen hat. Erinnerung ist ein Stachel gegen Gewöhnung, gegen Gleichgültigkeit. Etwas, was war, kann sich wiederholen. Erinnerung schärft aus dem Wissen um die Folgen den Blick für die Unterscheidung von Gut und Böse, erhöht die Wachsamkeit auch für die Zukunft, macht verantwortlich. ” Verantwortung ” ist ganz zentral für Elie Wiesel. Da Gott nicht am Menschen vorbei erreichbar ist, hat sie religiöse Bedeutung. Das ist keine weltflüchtige, keine geschichtsneutrale Frömmigkeit. Elie Wiesel will kein Politiker sein. Aber er hat sich immer eingemischt, sich gegen Mächte zu Wort gemeldet, die Stimme der Schwachen zu Gehör gebracht.
Wenn man ihn heute fragt, wovor er Angst hat, dann ist es vor allem dies : Die Gleichgültigkeit der Menschen gegeneinander und gegenüber dem, was menschliches Leben lebenswert macht. Angst und Hoffnung liegen eng beieinander : Ausgangspunkt und Quelle ist immer der andere Mensch, der sich entweder verschliesst oder sich öffnet. Ein Urerlebnis schildert Elie Wiesel einmal : Am Tag als die Polizisten in die Häuser von Sighet kamen und die jüdischen Bürger des kleinen Städtchens auf dem Marktplatz zusammentrieben, sah er aus dem gegenüberliegenden Fenster ein Gesicht : ” Ein nichtssagendes, alltägliches, gelangweiltes Gesicht, dass nie eine Leidenschaft bewegt hatte. Ich habe es lange beobachtet. Es sah hinaus, kein Mitleid spiegelte sich in seinen Zügen, weder Freude noch Schrecken, nicht einmal Zorn oder Neugierde. Regungslos, kühl, unpersönlich. ” Menschen gehen in die ” Nacht ” , der unbeteiligte Blick des anderen verstärkte ihre Einsamkeit noch, macht sie noch düsterer.
Das Fenster, Bild der Öffnung, wird Zeichen der Abgrenzung. Erleuchtete Fenster in der Nacht, das kann auch ein Symbol der Geborgenheit und der Zuflucht sein, Zeichen der Errettung aus der Gefahr.
Alle Bilder, alle Worte sind doppeldeutig. Eindeutig werden sie erst durch uns.
” Worte wie Licht in der Nacht ” – das meint auch dass man die Macht des Dunkels zeichenhaft schon dadurch brechen kann, dass man ein Licht anzündet. Durch sein Wort, so sagt die Bibel, schuf Gott die Welt, durch das Wort schied er das Licht von der Finsternis. Auch an dieser schöpferischen und kritischen Aufgabe hat der Mensch teil. Jeder. Jeden Tag.
Shabat Shalom an alle
Schon einmal wurde genau dasselbe in genau diesem Blog unter “Mythos Seele” abgehandelt. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Neurobiologie können nach wie vor keine Hilfe dazu leisten. Der Ansatz, eine subjektive Erfahrung, die alle Menschen in ählicher Weise erleben, (das wäre für mich eine religionsneutrale Betrachtungsweise des Begriffs “Seele”) mit Hirnaktivitäten zu erklären wollen, führt völlig an der Sache vorbei. Natürlich wissen wir: Nichts, aber auch gar nichts geschieht im Menschen ohne Beteiligung des Gehirns, aber man darf nicht die äussere Erscheinungsform mit dem Inhalt verwechseln. Ein Vergleich: Ein Gemälde ist äusserlich betrachtet nichts als auf eine Oberfläche gemalte Flüssigkeit (z.B. Ölfarbe). Keine chemische oder physikalische Messmethode könnte etwas anderes feststellen. Aber jedem ist klar, das die Leinwand und Farbe nicht dasselbe sind, wie was sie darstellen. (Dieser Vergleich stammt übrigens vom Philosophen Peter Bieri, der zu einem ähnlichen Thema, dem des freien Willens, geschrieben hat). Doch genau dies tun die Wissenschaftler: Sie suchen nach der Seele im Hirn, als ob man darin etwas anderes erkennen könnte, als eben Hirnaktivitäten. Da sie nix anderes finden, schliessen sie daraus, dass es nichts anderes gibt, und somit Begriffe wie “Seele” überflüssig sind. Dasselbe gilt auch für “Liebe”, “Willen”. So viele Begriffe unseres Vokabulars beschreiben etwas, was eben nur erlebbar oder virtuell ist, niemals aber objektiv messbar oder gar zu “sehen”. Nicht nur bedeutungsschwere Begriffe fallen darunter, sondern auch alltägliche. Versuchen Sie z.B. einmal herauszufiinden, wo und wie gross das Internet ist. Es ist ja nicht im Computer, sonst müsste man ja fündig werden, wenn man diesen auseinander schraubt. Oder suchen Sie beim nächsten Fussballmatch einmal “die Mannschaft”. Niemand kann “die Mannschaft” als objektives Ding erkennen, zu erkennen sind bloss 11 Leute, die irgendwie interagieren. Das Ding “Mannschaft” entsteht erst und nur im Bewusstsein des Betrachters.
agnos tiker:
12.03.2010 um 22:16
I like it!
@ agnos tiker
Ihre Worte lassen meiner Seele Flügel wachsen. Und wo Flügel sind, ist eine Seele…
Alois:
12.03.2010 um 22:27
“In diesem Blog verkehren nurnoch Geisteskranke.
Schaut euch die Beiträge an.”
Ach Alois, sei nicht so hart zu Dir. Und nun: Ciao.
@ agnos tiker
Und schon sind wir bei den geflügelten Worten…
Dazu aus “Gesang der Geister über den Wassern” von Goethe:
Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.
…
Seele des Menschen,
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!“
@Agnostiker: somit Begriffe wie “Seele” überflüssig sind. Dasselbe gilt auch für “Liebe”, “Willen
In einer Welt in der der Mensch nur noch ein Kostenfaktor ist, muss man ihm einreden, dass es Seele, Liebe, Willen nicht gibt.
@ Multinick
Wow! Und ciao!
(Bis bald…)
Man soll sich mehr um die Seele als um den Körper kümmern. Vollkommenheit der Seele richtet die Schwächen des Körpers auf, aber die Kraft deines Körpers macht die Seele nicht besser.
Demokrit
Lebt selig, Freunde, dann lebt ihr wohl.