Schweiz

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hugostamm am Freitag den 26. Februar 2010

“Minarette sehen wie Kirchtürme aus”

imageMinarettDer französische Philosoph und Politologe Olivier Roy hat sich intensiv mit religiösen Fragen beschäftigt und ist ein ausgewiesener Islam-Kenner. In einem Interview mit der SonntagsZeitung äussert er provokative Thesen, die eine Diskussion wert sind.

Roy erklärt, dass Religion immer bedeutender werde, weil die Gesellschaft säkularer wird. Den vermeintlichen Widerspruch erklärt Roy so: Früher war Religion in den Alltag eingebetet und deshalb nicht aufgefallen. Es war normal, religiös zu sein, „Religion war überall und nirgends“. In unserer säkularisierten Welt fallen Gläubige hingegen auf, „sie werden zu Exoten“. Religion werde auch immer sichtbarer.

Diese Sichtbarkeit expliziert er am Beispiel der Immigration. Früher seien die Immigranten nach ihrer Herkunft wahrgenommen worden, heute drehe sich alles um ihre Religion. Die Einwanderer würden bezüglich Religion Flagge zeigen und auffallen. Ausdruck davon seien der Schleier oder die Burka. Dazu hat Roy eine überraschende Erklärung: Frauen würden damit auffallen: „Es handelt sich primär um Exhibitionismus.“

Roy versteht das Minarettverbot nicht. Damit werde man die Muslime nicht los, sondern verbiete nur die sichtbaren Symbole. „Dabei sind gerade Minarette ein Versuch der Muslime, die Christen nachzuahmen.“ Die Türme liessen die Moscheen ein wenig aussehen wie Kirchen. Auf die Frage, ob die Minarette nicht die viel zitierten Speerspitzen des Islam seien, antwortet Roy dezidiert: „Im Gegenteil: Sie sind ein Zeichen dafür, dass sich die Muslime integrieren wollen.“ Minarette hätten nicht mit Gottesstaat oder Sharia zu tun, sondern stünden für den Wunsch, eine muslimische Gemeinde zu bilden. Ähnlich wie dies Kirchgemeinden tun würden.

Als Beleg führt Roy an, dass in Frankreich und Deutschland muslimische Gemeinden die christlichen nachahmen würden. Die Websites seien auf französisch oder deutsch geschrieben, und es gäbe Sportvereine und Clubs wie in christlichen Gemeinden. Der Islam werde dem Christentum immer ähnlicher, nur würden wir das nicht wahrnehmen.

Roy widerspricht den Prognosen, wonach Europa in ein paar Jahrzehnten islamisch dominiert sein werde. Momentan lebten in Europa durchschnittlich weniger als fünf Prozent Muslime. Um die Christen zu verdrängen, müssten Muslime 10 bis 12 Kinder haben und die Europäer keine mehr auf die Welt stellen. Doch auch hier passten sich die Muslime den Christen an. In Tunesien würden beispielsweise heute schon weniger Kinder geboren als in Frankreich.

Roy scheint mehr Respekt vor den Konvertiten zu haben: Christen, die sich zum Islam bekehren. Diese neigten zum Fundamentalismus. Al-Qaida habe prozentual den höchsten Grad von Konvertiten aller islamischen Organisationen. „Und ein Drittel aller Frauen, die in Frankreich die Burka tragen, sind Konvertiten.“
Überraschend ist auch die Beobachtung von Roy, dass Muslime zum Christentum konvertieren. „In Frankreich gibt es sogar eine evangelische Sekte, die aus ehemaligen Muslimen besteht. Auch hier sieht man, wie Konvertiten zum Fundamentalismus neigen. Viele protestantische Pfarrer waren ursprünglich Muslime.“

Den Grund sieht Roy darin, dass sich Religion immer stärker von der Kultur abkoppelt. So würden die traditionellen Kirchen Anhänger verlieren, die modernen aber wachsen. Wir hätten eigentlich nicht Angst vor dem Islam, sondern vor den Fundamentalisten. Diese seien ein Produkt der Moderne: „Die Frauen, die in Frankreich eine Burka tragen, werden nicht von ihren Männern dazu gezwungen. Das ist inzwischen allgemein anerkannt.“

Roy führt das Beispiel von Malika El Aroud an, einer bekannte Vertreterin des islamischen Fundamentalismus. Sie ist die Witwe eines der beiden Mörder des afghanischen Widerstandskämpfers und Taliban-Gegners Massoud und wurde 2007 wegen Aufhetzung von einem Schweizer Gericht verurteilt. „Diese Frau hat den Lebenslauf einer modernen westlichen Frau: Uneheliches Kind, Hippie-Jugend, und sie hat ihren aktuellen Ehemann, der übrigens zehn Jahre jünger ist als sie, per Internet gefunden. Fundamentalismus, auch islamischer Fundamentalismus, hat nichts mit Tradition zu tun. Es ist etwas, das sich moderne Menschen konstruieren.“

Roy wehrt sich auch gegen die Vorstellung, der Islam trage fundamentalistische Züge, weil er keine Reformation erlebt habe. Martin Luther sei ja auch ein Fanatiker gewesen. Ausserdem habe die Reformation nichts mit der Aufklärung zu tun. „Denken Sie bloss an die evangelischen Sekten, die die Evolutionstheorie ablehnen.“

1.057 Kommentare zu „“Minarette sehen wie Kirchtürme aus”“

  1. Leser sagt:

    Und zum Schluss noch dies:
    Ein Gott, der die Hölle gemacht, verdient als einziger darin zu braten.
    (Karlheinz Deschner)

  2. Arnold sagt:

    Richtig in Rage zankten sich zwei junge Damen. Nach dem wechselnden Schimpf mit Anleihen aus dem Tierreich setzte eines der Streithühner den Schlußpunkt mit einer unübertrefflichen Beleidigung: “Du Blödmann!”
    Timm Bächle

  3. Edi Brugger sagt:

    @Steinlaus: 08.03.2010 um 09:04

    “Insbesondere halte ich mich persönlich keinesfalls für überdurchschnittlich intelligent…”

    He, he Steinlaus. Du hast keinen Grund, dein Licht unter den Scheffel zu stellen. Du bist über dem Durchsschnitt, feru die darüber.

  4. Edi Brugger sagt:

    Korr: natürlich “Durchschnitt” und “freu dich”

    Das chunnt dervo, wenn me juflet.

  5. Arnold sagt:

    Edi Brugger: “Du bist über dem Durchsschnitt, feru die darüber.”

    Ist das eine Form von Esperanto?

  6. Arnold sagt:

    @Edi

    Ach so…

  7. Edi Brugger sagt:

    @Arnold

    Vermutlich altersbedingte Kryptosthenie.

  8. Arnold sagt:

    :-)

  9. Arnold sagt:

    Intelligenz. Ein schönes Wort. Aber IQ-Test? Find ich irgendwie doof. Man macht einen Test davon, was man selber weiss und wenn der andere es dann auch weiss, findet man ihn gscheit. Sonst nicht. Irgendwie doof, nicht?

  10. Arnold sagt:

    Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag die Arbeitslosenquote um 1,0 Prozentpunkte höher. Das sind 40 597 mehr Arbeitslose mehr als noch vor einem Jahr.

    (sda) 20 Minuten

    Manchmal beschleicht mich das Bedürfnis, es doch mit dem Journalistenhandwerk zu versuchen…

  11. Basta sagt:

    Wenn Minarette wie Kirchtürme aussehen, wie kann man dann wissen, ob es ein Minarett oder ein Kirchturm ist? Da sehe ich nach der Minarett-Initiative doch noch einige Probleme auf uns zukommen.

  12. heidi reiff sagt:

    @ Erna

    Ich schätze Ihr breites Allgemeinwissen, das kann Ihnen niemand stehlen. Bleiben Sie doch weiterhin im Blog, ja klaro, es ist Ihre persönliche Entscheidung. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste : – )

    @ Basta

    Die Kirchentürme unterscheiden sich in Turmspitze, Kreuz, Sichel etc. Von mir aus braucht es keine Kirchen, keine Minarette, es gibt genug Gemeinschaftsräume für Gruppentreffen jeglicher Art.

  13. Der inverse Goliath sagt:

    @ Zaro

    Danke für das Rätsel. War lustig, sich mal wieder in die alte Zeit von “Peter Moosleitners interessantes Magazin” zurückzuversetzen.

  14. Blogfresser sagt:

    Der Morgenstern, staun, staun, Blog kritisch. Und ich dachte immer, er würde hier sein Neotantra in etwa so in der gleichen schreierischen und polemischen Art an den Mann/an die Frau bringen wollen, wie der Bamberger und seine Clique ihren „Neuen Humanismus“ (schön immer auf Stimmen-
    fang).
    Übrigens: was legt so eine Vorsilbe wie „neu-” oder „neo-” eigentlich nahe (s.a. „New Age“ oder „New Era“)?

  15. Flavio P. sagt:

    Sehr geehrter Herr Bamberger

    Bei Ihrem populitischen Talente habe igg mich gfroget ob Sie vielleicht nöd Interesse hettend liberali Politique zu makken? Wir könntend zum Beispiel nach dem wiär die Frau Merkel hinter di schwedische Gardine gebracht händ, gemeinsam eine Klage gegen Bendikt dem 16. anstrebbe wäge Vertuschungsmanöver in Sexdelikten. Das würd die Mänschen es bitzli vum desaströse Saulade i dr Schwitzerpolitik und allne suschtigge Abzogger ablänken und Sie würden auf einen Schlag weltberühmt und könnten so besser den Neohumanismus verbreiten, wo Ihnen vortuetschweben. Na?

  16. Zweifler sagt:

    Eliteschule im Sog von Missbrauch-Vorwürfen
    Missbrauchskandale häufen sich derzeit in Deutschland. Jetzt ist wieder eine Schule in den Schlagzeilen. Sexuelle Übergriffe, bis hundert Opfer in 14 Jahren, Vertuschung – die Vorwürfe sind happig, die damaligen Leiter und Lehrer einer Eliteschule in Hessen stehen enorm unter Druck.

    Das ist eine Schule ohne den kleinsten christlichen Hintergrund, und es passiert das gleiche!!
    http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/Eliteschule-im-Sog-von-Missbrauch-Vorwuerfen-11931161

    Interessiert das wirklich niemand? Diese Lehrer haben kein Zölibath und doch die gleichen Neigungen.

  17. pufendorf sagt:

    Und nicht vergessen. Wer an einem Frühsommertreffen des Blogs interessiert ist, gibt seine Termine ein unter

    http://www.doodle.com/nmuw8wzee6k684i4

    Diese Umfrage dient erst der Terminbestimmung (man kann teilnehmen, ohne eine E-Mail-Adresse zu hinterlassen), nach Festsetzung der Termine muss dann auch eine Anmeldung erfolgen, diese dann mit einer gültigen E-Mailadresse (aber immer noch ohne Namensnennung, nach dem Vorbild von eyes wide shut (aber natürlich nur was die Anonymität betrifft))

  18. Blogfresser sagt:

    Pädophilie ist ein unentschuldbares Verbrechen gegenüber Kindern und der Wunsch nach Sühne ist mehr als verständlich, wie auch die Forderung, vor Pädophilen geschützt zu sein.

    Nur stellt sich die Frage (und das sieht Morgenstern ganz richtig), was man dagegen tut bzw. tun will (und später, reflektiert, tun kann). Zu erwarten, dass hier immer wieder neue Leser einklicken, denen man diese – Ungeheuerlichkeiten, unabstreitbar – des katholischen Klerus vor Augen führen kann, dünkt mich illusionär. Netuser wissen, was es hier zu lesen gibt. Den Zulauf neuer Leser halte ich für relativ gering.
    Zudem gab es vor einem oder zwei Blogs sehr interessante und aufschlussreiche Voten zum Thema. Das Thema dürfte also vorläufig abgehakt sein, dünkts einen, und, wers denn wirklich wissen will und das Thema nicht nur aus Mitgefühl, aus Empörung oder Sensationsgier verfolgt hat, sollte längstens an den Punkt gekommen sein, sich zu fragen: so, und jetzt, was unternehme ich, was unternehmen wir?

    Passiert das nicht, kommt das Misstrauen auf, dies sei “nur” eine vereinnahmende Masche irgendeiner politischen oder weltanschaulichen Gruppierung. Und so ein Verdacht ist in der Tat absolut empörend und ungeheuerlich und kommt durchaus einem zweitem Missbrauch – wie Morgenstern meint – der Opfer gleich.

    Mich erschreckt diese Ungeheuerlichkeit des Vorwurfs. Ich frage mich deshalb, wie sich die NHP davon befreien kann, es sei denn durch den Tatbeweis. Damit meine ich nicht eine wie auch immer begründbare Informationspflicht (das tut die Journaille zur Genüge), sondern effektiv die Erfolge, die die NHP (und/oder ihr nahestehende Gruppierungen) im Kampf gegen pädophile (Kleriker und natürlich andere!) vorzuweisen hat.
    Sollte es nur das Vorlegen von Zahlen über den Mitgliederzuwachs bei der NHP sein, seit Herr M. Bamberger hier schreibt, wäre dies in der Tat nur beschämend.

  19. pufendorf sagt:

    @ Zaro

    Das Rätsel dürfte kaum von Einstein sein sondern eine sog. Logelei von Zweistein, der jahrelang seine Rätsel in der Zeit veröffentlichte. Ändert aber nichts daran, dass es ein lustiges Rätsel ist.

    @ Moria

    Der Entscheid der VB war im Nachhinein offensichtlich falsch. Er soll auf den Berich der behandelnden Psychologin abgestellt gewesen sein, was auch nicht gerade vertrauenserweckend wirkt. Ich bin nicht dafür, dass man jeder Prostituierten das Kind wegtnimmt, Sie müssen aber sehen, dasses gerade bei den Prostituierten ziemlich erziehungsunfähige Frauen gibt. Die Mutter dieses Kindes soll im Sonntag egsagt haben, sie habe Prostituierte werden müssen, weil sie als Reinigungsangestellte zu wenig verdient habe, um Fr. 650.- Alimente zu bezahlen. Jedermann weiss aber, dass nicht in das Existenzminimum gepfändet werden kann, dass also niemand gezwungen werden kann, Alimente zu bezahlen, wenn ihm nachher zu wenig bleiben. Aber: Lähne einer Reinigungsangestellten kann man (über das Existenzminimum hinaus) pfänden, Einkommen eine rProstituierten ist nur theoretisch pfändbar. Wenn man also so etwas hört, dann fragt man sich schon, ob diese Frau nicht auch problematisch war. Denken Sie einfach daran, dass Kleinkinder von den behörden in mehr als 90 % deer Fälle der Mutter gegeben werden und zwar auch dort, wo diese Ausländerin und der Vater Schweizer ist. Das ist reines Guessing, ich finde einfach, wir sollten einmal warten mit Verurteilung der Behörde, bis der Bericht von Notter vorliegt.

  20. Blogfresser sagt:

    mein Beitrag war @Arnold gedacht

  21. pufendorf sagt:

    @ apropos Intelligenz

    Ich finde es eine viel grössere Leistung, dass ich es mit meinem IQ von 75 geschafft habe, Anwalt zu werden, als einen IQ von 140 zu haben und diesen nur für die Mitgliedschaft bei Mensa einzusetzen, aber das ist wohl der Neid des Besitzlosen.

  22. Michael Bamberger sagt:

    @ Zoe

    “wieso wird in einem sportverein, einer kirche schule nicht darauf hingewiesen das es täter, also potentielle kindsmissbraucher , geben könnte, aber nicht muss. da wären die opfer schlussendlich selber schuld, weil sie ja vorgehend gewarnt wurden.“

    Dieser Logik zufolge müsste an jedem Zugsfenster ein Warnschild hängen, welches auf die Gefahren anlässlich eines Fenstersprungs hinweist, oder ein anderes Warnschild an jeder Kühlschranktüre hinweisend darauf, dass ein Übernachten innerhalb des Geräts – zwecks Ankühlung – erhöhte Erstickungsgefahr in sich birgt.

    @ Zweifler um 13:09

    “Interessiert das wirklich niemand? Diese Lehrer haben kein Zölibath und doch die gleichen Neigungen.“

    Die diesbezügliche Meldung wurde am 6.3. um 10:26, mit folgendem Zitat aus dem Spiegel in den Blog gestellt: „Sie ist jedoch nicht die einzige Institution, die solche Vorkommnisse vertuschte. Jetzt wurden auch an einer bekannten hessischen Privatschule Fälle von sexueller Gewalt bekannt.“

    „Horatio“

  23. Arnold sagt:

    @Blogfresser

    Ihre wohldurchdachten einleuchtenden Worte ergeben spürbar Sinn, ganz im Gegensatz zu Bambergers moralintriefenden irrwitzigen Federstrichen, die jedem normalen Mensch nur noch auf den Geist gehen.

  24. In Memorian: John Geoghan sagt:

    Für Zweifler, den Retter der säkularen Pädophilie:
    Gründen sie einen Verein! Nennen sie den Verein “Zweifler`s missing link”. Nun formulieren sie das Ziel des Vereines. Mein Vorschlag: “Verein zur Förderung der säkularen Pädophilie”. Die katholische Kirche macht ratzfatz mit! Auch Warren Jeffs`s abtrünnige Mormonen, die “Childern of god” Sekte und Konstantin von “Aschram Schambala” werden sich dazu gesellen und stattliche Summen beisteuern. Machen Sie ein Logo und sorgen sie dafür, dass ein markantes Branding ihren Verein auch bekannt macht. Ich schlage ein lachendes Kind mit süssem Lippenstift-Mund (verschmiert?) vor. Drucken sie einen Flyer mit Ratschlägen, die dem Vereinsziel dienen und verteilen sie den Flyer in Schulen, Kinderhort, Sportclubs, Lehrerseminar, usw. Danach sammeln sie die vielen Pressemeldungen und verlinken sie im Blog. Mit stolzgeschwellter Brust können sie dann sagen: “Das ist mitunter mein Werk!”. Der katholische Gott und sein StV. und viele Andere werden es ihnen verdanken. Falls das noch nicht reicht, dann gründen sie eine Selbsthilfegruppe. Morgenstern wird ihr Sekundant sein: Geschädigte aller Bamberger-Links, vereinigt euch und heilt euch von dieser starken seelischen Erschütterungen!

  25. Alexander sagt:

    @felix: „Nur Gottgläubige sehen in der Todesstrafe einen Sinn, alle Nichtgläubigen finden die Todesstrafe sinnlos. Als ob der Tod irgend etwas zum Verschwinden brächte. Hingegen macht der Tod nur für Gottgläubige einen Sinn, da der Tod erst sichtbar macht, was vorher verborgen blieb, – vor Gott, versteht sich.“

    Diese Sätze verwirren mich. Worin soll der Sinn der Todesstrafe liegen? Was bringt der Tod nicht zum Verschwinden, was er eigentlich zum Verschwinden bringen sollte? Liegt der Sinn des staatlich legitimierten Tötens im Verschwinden bringen von etwas? Was macht der Tod eines sterblichen MIssetäters vor einem hypothetischen allwissenden Wesen erst sichtbar?

  26. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    Deutschland / Vatikan – Für Schulen in katholischer Trägerschaft gelte eine Direktive der Glaubenskongregation von 2001, nach der auch schwere Missbrauchsfälle zuallererst der päpstlichen Geheimhaltung unterlägen und nicht an Stellen außerhalb der Kirche weitergegeben werden sollten, kritisierte Leutheusser-Schnarrenberger. Stattdessen solle nach der Direktive intern untersucht werden. Dabei werde nicht deutlich gemacht, möglichst frühzeitig die Staatsanwaltschaft einzuschalten. (8.3.10)

    http://www.n-tv.de/politik/Vorwuerfe-gegen-den-Papst-article764539.html

  27. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    Deutschland / Vatikan – Deutsche Justizministerin greift Vatikan an – Die deutsche Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hat den Vatikan bei der Aufklärung des jüngsten Missbrauchsskandals in kirchlichen Schulen und Internaten an den Pranger gestellt. Die Liberale sprach von Behinderung, in vielen Einrichtungen habe es eine Art Schweigemauer gegeben. Bildungsministerin Schavan forderte längere Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch. (8.3.10)

    http://www.nzz.ch/nachrichten/international/deutschland_missbrauch_1.5166805.html

  28. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    Holland – Auch die katholische Kirche in den Niederlanden wird von einem Missbrauchsskandal erschüttert. Der Bischof von Rotterdam, Ad van Luyn, sprach sich für eine unabhängige Untersuchung der mehr als 200 in den vergangenen Wochen eingegangenen Beschwerden aus. Nach Missbrauchsvorwürfen gegen Angehörige eines Klosters im Februar wurden zahlreiche Vorfälle in anderen katholischen Einrichtungen bekannt; bis Ende vergangener Woche meldeten sich bei der Organisation Hulp en Recht (Hilfe und Recht) rund 200 mutmassliche Opfer. (83.10)

    http://www.nzz.ch/nachrichten/international/deutschland_missbrauch_1.5166805.html

  29. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    Deutschland – Bistum Augsburg geht gegen Pfarrer vor – Das Bistum Augsburg geht gegen einen Pfarrer vor, der unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Kindern steht. Der verdächtige Geistliche wurde aufgefordert, sich selbst anzuzeigen. (8.3.10)

    http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Region/Artikel,-bistum-augsburg-missbrauch-1999-_arid,2090557_regid,2_puid,2_pageid,4634.html

  30. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    Australien – Bischof deckte und beförderte Priester der angeklagt ist, sich an mehreren Frauen vergangen zu haben: “According to his fellow bishops, Davies has protected and promoted a senior priest accused of sexual abuse against a number of women, impeding investigations and trying to intimidate investigators, making inappropriate appointments and acting as the priest’s support person at meetings.” (8.3.10)

    http://www.theage.com.au/national/at-cross-purposes-20100308-psr2.html

  31. Michael Bamberger sagt:

    Alltägliches:

    Vatikan – Seligsprechung von Johannes Paul II. verschoben? Die wundersame Heilung einer französischen Nonne war nicht von langer Dauer: Sie ist wieder an Parkinson erkrankt, berichten mehrere Medien. Damit wackelt der Termin für die Seligsprechung des Papstes. (8.3.10)

    http://diepresse.com/home/panorama/religion/544847/index.do?_vl_backlink=/home/panorama/religion/index.do

  32. aysha sagt:

    @ michael bamberger

    eine geschichte für sie:

    ein herzensguter mensch hegte die besten absichten seinen mitmenschen gegenüber und investierte viel energie, zeit und geld für die bedürftigen. eines tages überreichte ihm ein sehr reicher philanthrop eine grosse summe gold zur verteilung unter den armen.

    unser mann machte sich sofort daran, jemanden zu finden, dem er helfen konnte. er fand eine familie, die in bitterster armut lebte, aber aus stolz jede annahme von almosen verweigerte. also dachte er sich etwas aus, wie er ihnen dieses geld trotzdem zukommen lassen konnte. er gab sich als teppichhändler aus und wollte der familie ihren alten, abgenutzten teppich, den er bei seinem ersten besuch in einer ecke gesehen hatte, für 200 goldstücke abkaufen.

    so traf er bei der familie an, untersuchte den teppich von allen seiten und sagte, er sei bereit, 200 goldstücke dafür zu zahlen. die stolzen familienmitglieder staunten nur so. sie wollten ihre würde nicht verkaufen und sagten, sie müssten den teppich einem experten zeigen und erst danach seien sie bereit, einen angemessenen preis zu verlangen.

  33. aysha sagt:

    uuupsss, da hat sich mein pc selbständig gemacht! sorry…

    die geschichte geht weiter….

    das angebot des guten mannes hatte die familie misstrauisch gemacht. wie konnte ihr schmuddeliger teppich so viel wert sein?

    der konsultierte fachmann untersuchte den teppich nach aller kunst und kam zum schluss: dies sei ein handgefertigter teppich edelster sorte und habe mit der zeit an wert gewonnen und daher mindestens 4000 goldstücke wert.

    diese auskunft überraschte die arme familie über massen und der gute mann wurde des betrugs verdächtigt. so riefen sie die wachposten des quartiers und liessen unseren guten mann verhaften.

    als er vor den kaddi gezerrt wurde und wegen betrügerei für schuldig gesprochen ward, sagte der kaddi als letztes noch: wie kann jemand sich als helfer der armen ausgeben und solche schandtat begehen, sich an der not einer armen familie bereichern wollen?

    so kam der mann ins gefängnis und begriff, dass allein die gute absicht nicht genüge um zu helfen.

    eine orientalische geschichte

    aysha

  34. Michael Bamberger sagt:

    @ Aysha

    Danke für die Geschichte.

    Dazu eine praxisnahe Frage: Wie bezahlt die bitterarme Familie – im Nichtverkaufsfall – den Experten für seine Expertise des Teppichs?

    „Horatio“

  35. aysha sagt:

    @ michael bamberger

    na ich! :-)

  36. Arnold sagt:

    @Moria

    Danke für Deine Buchtipps. Ich mir werde diese Bücher zu Gemüte führen. Hier mein Tipp:

    http://www.buchhandel.de/detailansicht.aspx?isbn=978-3-936741-60-5

    @Bamberger

    Ich hatte einen Gedanken: Sie können gar nicht anders als Sie tun. Weil: Sie haben bekanntlich keinen freien Willen. Ich aber schon. Darum suche ich mir jetzt einen neuen Blog wo vielfältiger diskutiert wird über Glaubensfragen. Und nein, ich meine damit nicht kreuz.net oder so. Also tschüss und bleiben Sie gesund.

    @Alle

    Sie werden mir fehlen. Aber es gibt ja auch noch andere Menschen und die möchte ich jetzt kennenlernen. Machen Sie’s gut und ölen Sie mitunter das Mausrädchen. Bye!

  37. Michael Bamberger sagt:

    @ Aysha

    Danke für die nun vollständige Geschichte.

    Dazu noch eine praxisbezogene Frage:

    Zeigen Sie mir ein einziges Gerichtsurteil, welches jemanden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, basiert auf einem unaufgeforderten, ausgeschlagenen Kaufangebot.

    „Horatio“

  38. Liliuokalani sagt:

    @ Bamberger

    “Journalism analysts argue that the media has caused widespread compassion fatigue in society by saturating newspapers and news shows with decontextualized images and stories of suffering. This has caused the public to become cynical, or become resistant to helping people who are suffering. ”

    Wikipedia Eintrag zum Stichwort “compassion fatigue”

    http://en.wikipedia.org/wiki/Compassion_fatigue

    Seit ich bei mir selbst Ihren Links gegenüber Compassion Fatigue festgestellt habe, stören mich Ihre Links nicht mehr, d.h. meine Unfähigkeit, emotional auf diese Links zu reagieren, löst bei mir kein Unbehagen oder schlechtes Gewissen mehr aus.

  39. Edi Brugger sagt:

    @pufendorf: 08.03.2010 um 13:39

    “… dass ich es mit meinem IQ von 75 geschafft habe, Anwalt zu werden…”

    Machen sie jetzt auf fishing for compliments?

  40. Dobra sagt:

    “Der Bamberger tue nichts ausser Links posten” meinen nun ein paar im Blog. Die Links seien zynisch. Er verhöhne damit die Opfer, instrumentalisiere diese für eigene Propagandazwecke. Findet Morgenstern. Blogfresser spricht von „vereinnahmender Masche“. Arnold applaudiert. Aysha preist eine orientalische Weisheitsgeschichte an und erklärt Bamberger, dass „gut gemeint halt nicht reiche“. Da werden mit unterschiedlichen Ellen gemessen. Über das eigene Tun/Nicht-Tun wird dabei nicht geschrieben und auch wir anderen BloggerInnen sind von dieser Frage befreit. Der Generalverdacht richtet sich somit nur gegen eine Person und das halte ich für verdächtigt. Das riecht geradezu.

    @Liliuokalani
    Ich bezweifle, dass man diesen Fachbegriff aus der Psychatrie auf den Blog übertragen kann. Aber ich gebe Ihnen insofern recht, dass eine Abstumpfung nicht nur passiert sondern auch sinnvoll ist. Bevor aber eine Abstumpfung eintritt, wünschte ich mir, dass Erkenntnisse über die betreffende adaptiert und mitgefühlt wird. Und dass man jederzeit in der Lage ist aus dieser Distanz wieder dort hineizugehen, wo es gefühlsmässig und intellektuell wehtut. Erkennen ist doch oftmals ein schmerzhafter Prozess, aber daraus können (werden) konstruktive Schlüsse gezogen werden. Ich sorge mich auch nicht wegen jedem Auspuff aus dem Abgase strömen, aber ich kenne und benenne das Problem und tue u.U. sogar etwas.
    Was ich aber vermute ist, dass sich einige Blogger bei diesem Thema iimmunisieren, es nicht wahrhaben wollen/können. Und dafür den Überdruss (wegen der vielen Links) als Grund zu nehmen. Das erscheint mir wenig überzeugend. Wir scrollen jeden Tag über diverse Trollpost, über diverse BloggerInnen, deren Beiträg wir nicht lesen mögen aber genau das drüberscrollen über Bamberger-Linksmacht einigen so dermassen Mühe? So grosse Mühe, dass Sie seit Monaten kaum mehr ein anderes Thema zustande bringen. So ein Rattenrennen mutet für mich bizzar an.
    Gruss

  41. Moria sagt:

    Kurzer Einwurf, weil es sein muss:
    PUFENDORF
    Was fuer die Aussenwelt der IQ – ist fuer die innere Welt eines Magistrados sein Selbstbewusstsein, immer recht zu haben……..
    Keine Bange, wir stufen Sie (manchmal, wenn es nicht um die Glaub_wuerdigkeit….geht!) schon zwischen 121 und 140,5 ein!

    Zum oftmals ignoranten und desastroesen Verhalten von Gemeinden und VB trotzdem ein ander Mal noch etwas……

  42. aysha sagt:

    @ dobra

    was willst du MIR sagen?

    gruss

    aysha

  43. zoe sagt:

    soo mädels eine anmeldung ist noch offen, geschichten könnt ihr auch am feuer erzählen!

  44. zoe sagt:

    m.bamberger

    nein nicht ganz, dann ist es ein verschulden ohne äusseren einflusses eines anderen.

  45. Morgenstern sagt:

    Dobra: “Über das eigene Tun/Nicht-Tun wird dabei nicht geschrieben

    Lieber Dobra, würde ich über mein diesbezügliches Tun schreiben, müsste ich hier meine Anonymität aufgeben. Ich kann Ihnen aber versichern, dass ich bereits einiges getan habe. Nicht explizit gegen Pädophilie, aber für eine Verbesserung der Kinderbetreuung. Das scheint mir eben so hilfreich zu sein.

    Dobra: “Der Generalverdacht richtet sich somit nur gegen eine Person und das halte ich für verdächtigt. Das riecht geradezu.

    Es ist ja nur eine Person, die den Blog hier derart flutet.

    Was ich viel verdächtiger finde, ist, dass mein Beitrag plötzlich wieder verschwunden ist. Sie haben ihn ja gelesen – denken Sie etwa, da stand etwas drin, dass hätte zensuriert werden müssen?

    @ Hugo Stamm

    Erklären Sie bitte, warum Sie meinen Beitrag gelöscht haben. Und bitte winden Sie sich nicht raus mit irgend welchen “technischen Problemen”. Dankeschön.

  46. Michael Bamberger sagt:

    @ Dobra

    Du benennst es spot on: Immunisieren, oder wie es MSS ausdrückt, nämlich ein willentliches sich Abschotten auf „Inseln der Geborgenheit in einem Meer der Unübersichtlichkeit“. Deshalb die Mühe, auf welche Du richtigerweise hinweist, deshalb die Flut der Entrüstung, welche oftmals in Hiebe in Richtung Überbringer der ach so gar nicht inselkonformen Nachricht ausebbt.

    @ Zoe

    “nein nicht ganz, dann ist es ein verschulden ohne äusseren einflusses eines anderen“

    Weder aus einem Zugsfenster zu springen noch in einem Kühlschrank zu übernachten bedarf meines Wissens „äusseren Einfluss eines anderen“, oder siehst Du das anders?

    „Horatio“

  47. aysha sagt:

    @ michael bamberger

    sie machen es mir nicht einfach. ich muss mich sehr zusammenreissen. sie scheinen nicht weniger immun zu sein. da ich ja auch immun sein soll, erkenne ich meinesgleichen sehr schnell.

    und, sie tun zoe unrecht. sie hatte eine durchaus logische frage gestellt.

    ich werde meine finger im zaum halten und nicht mit ihnen streiten.

    aysha

  48. zoe sagt:

    michael bamberger
    ich spüre da irgendwelches nicht ernstgenommen werden!

    ja eben aber ich meinte auch den missbrauch, lieber mann.

  49. Michael Bamberger sagt:

    @ Zoe

    Sorry, liebe Frau, habe nicht verstanden, bitte stelle Deine Frage nochmal in verständlicher Weise.

    “Horatio”

  50. Michael Bamberger sagt:

    Nicht ganz alltägliches:

    Deutschland – Führende Politiker der Bundesregierung und der Opposition haben die katholische Kirche und andere Institutionen aufgerufen, Opfer sexuellen Missbrauchs finanziell zu entschädigen. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte die katholische Kirche auf, die Aufklärung von Missbrauchsfällen konsequenter anzugehen als bisher. “Es braucht ein klares Signal an die Opfer, wie zum Beispiel das Gespräch über freiwillige Wiedergutmachungen in den Fällen, in denen die rechtliche Verjährung eingetreten ist.” Dies wäre “ein Stück Gerechtigkeit, auch wenn sich das erlittene Unrecht materiell nicht aufwiegen lässt”, sagte Leutheusser-Schnarrenberger der Süddeutschen Zeitung. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass nur Fälle zugegeben werden, die sich nicht länger bestreiten lassen, fügte die Ministerin hinzu. (8.3.10)

    http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/politik/168/505369/text/

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