Schweiz

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Archiv für September 2009

Wie finden wir Trost in Gott?

hugostamm am Samstag den 26. September 2009

Eine Frau verliert ihren Ehemann. Er stirbt an Asbestose. Sein Verhängnis: Er arbeitete früher in einer Fabrik, die aus Eternit Isoliermaterial hergestellt hat. Obwohl das Krebsrisiko damals schon bekannt war, wurden die Arbeiter lange Zeit nicht gewarnt. Schutzmassnahmen wurden wie vielerorts zu spät ergriffen.
„Ohne meinen Glauben an Gott würde ich den Schicksalsschlag nicht überstehen“, sagt seine Frau. „Ich finde Trost in meinem Glauben.“

Jede Form von Trost ist in solchen Situationen willkommen. Es ist verständlich, dass Trauernde Wege suchen, den seelischen Schmerz zu lindern.
Trotzdem werfen solche Aussagen Fragen auf. Kann Gott wirklich Trost spenden? Wie funktioniert der Prozess, wie wirkt sich der Trost aus? Wie ist denn dieser Trost beschaffen? Ist es eine Kraft, die von Gott ausgeht oder ist der Trost lediglich eine menschliche Projektion? Fühlen sich die Trauernden in Gott aufgehoben? Wäre es nicht sinnvoller, Gott würde früher handeln und uns solche Trauer ersparen? Wenn er schon eingreift, warum bekämpft er nicht die Ursachen, sondern erst die Symptome?

Aus dem Glaubensverständnis der trauernden Frau heraus, wonach Gott alle Geschicke auf der Erde lenkt, hat Gott ihr etwas genommen, bevor er ihr Trost spendete, nämlich ihren Ehemann. Müsste sie ihm deshalb nicht zürnen, statt auf seinen Trost zu bauen?

Trost kommt vom Wortstamm treu. War Gott beim beschriebenen Fall treu? Treu gegenüber dem an Krebs erkrankten Mann? Gegenüber der trauernden Frau?
Was konkret spendet Trost? Allein die Vorstellung, dass Gott existiert? Oder spendet die Hoffnung der Gläubigen Trost, den verlorenen Ehemann im Jenseits wieder zu treffen? Doch was ist, wenn sich die Frau in ein paar Jahren noch einmal heiratet? Welchen Mann will sie nach dem Ableben wieder treffen?

Oder spendet der Glaube grundsätzlich Trost? Tröstet er, weil er einen höheren Sinn vermittelt? Wenn ja: Wo liegt der höhere Sinn? Ist das Leben für Menschen sinnlos, die nicht an eine höhere Bestimmung oder an ein göttliches Wesen glauben?

Trost soll den Schmerz lindern helfen. Zuwendung, Anteilnahme und ein befreiendes Gespräch geben den Trauernden Kraft. Sie sollen die Nähe spüren und realisieren, dass sie nicht allein sind. Trost spenden in erster Linie Familienangehörige, Freunde, Bekannte. Spenden Gott und der Glaube eine andere Form von Trost?

Wo überall wühlt Scientology?

hugostamm am Samstag den 19. September 2009

In Frankreich ereignen sich in diesen Tagen wunderliche Geschichten. Einerseits engagiert sich unser westlicher Nachbar im Kampf gegen Sekten wie kein anderes Land in Europa, gleichzeitig änderte das Justizministerium ein Gesetz, sodass Scientology vor der Zwangsauflösung geschützt ist.

Seither verstehen die Franzosen die Welt nicht mehr, die Spekulationen schiessen ins Kraut. Hat Scientology etwa Kanäle bis ins Justizministerium? Spielt gar Präsident Nicolas Sarkozy bei den rätselhaften Vorgängen eine Rolle? Sicher ist nur, dass Frankreich den Verschwörungstheoretikern handfeste Argumente liefert.

Angeheizt werden die Spekulationen von einem Video auf Youtube. Es zeigt den französischen Staatspräsidenten bei einem privaten Besuch von Tom Cruise im Jahr 2004.

Der Hollywoodstar ist das Aushängeschild der Sekte, aber auch ein hochrangiger Funktionär von Scientology und deren wertvollster Botschafter. So hat Cruise schon manche Präsidentenhand geschüttelt. Ausserdem nutzt der Schauspieler jede Gelegenheit, für Scientology zu werben. Nun rätselt Frankreich, ob sein Präsident auch in dieser Angelegenheit eine Rolle spielt. Regierungssprecher sagen, das Treffen mit Cruise habe nichts mit Scientology zu tun gehabt.

Bandenmässiger Betrug?
Konkret geht es um einen Prozess gegen sechs Führungskräfte der Sekte in Paris. Ihnen wird vorgeworfen, Anhänger betrogen, übervorteilt und psychisch unter Druck gesetzt zu haben. Als die Staatsanwältin Mitte Juni dieses Jahres den Antrag stellte, Scientology wegen bandenmässig organisierten Betrugs zu verbieten, waren die Angeklagten geschockt. Sie sprachen von einem Ketzerverfahren und befürchteten das Ende ihrer Organisation in Frankreich. Das Urteil wird am 27. Oktober erwartet. Zu einem Verbot der Sekte wird es allerdings nicht kommen. Das Justizministerium ist der Sekte kurz vor Prozessbeginn zu Hilfe geeilt, wie erst in diesen Tagen bekannt wurde.

Seither wird in Frankreich spekuliert, ob es ein absichtlicher oder fahrlässiger Akt der Regierung war. Um Strafverfahren zu vereinfachen, hatte sie ein Gesetz gestrichen, das die Auflösung von Firmen und Vereinigungen forderte, die wegen Betrug verurteilt worden sind.

Erstaunlich ist, dass die Gesetzesänderung Mitte Mai Senat und Nationalversammlung diskussionslos passiert hat. Die Konsequenzen der Revision wurden erst jetzt im Zusammenhang mit dem Scientology -Prozess bewusst.

Lücke schliessen
Heute reiben sich Ministerium und Abgeordnete verwundert die Augen. Es ist nicht einmal klar, wer die Änderung veranlasst hat. Verschiedene Abgeordnete zeigten sich bestürzt. Der Sprecher der kommunistischen Fraktion ist überzeugt, dass Scientology ins Justizministerium infiltrierte, und verlangt eine Untersuchung.

Die neue Justizministerin Michèle Alliot-Marie hat inzwischen versprochen, die Gesetzeslücke rasch zu schliessen. Doch die Sekte wird durch die Maschen schlüpfen, denn das geplante neue Gesetz wird nicht rückwirkend gelten.

Die Vorfälle in Frankreich erinnern in fataler Weise an Vorgänge in den USA. In den 1990-er Jahren legten sich Hubbards Kolonnen mit den Steuerbehörden IRS der USA an, um die Steuerfreiheit zu erzwingen. Dabei wendete die Sekte erstaunliche Methoden an. Der Slogan: „Wir widmen uns dem wahren Krieg.“ Mit in den „Krieg“ einbezogen wurde auch Interpol. Scientology führte jahrelang eine Schmutzkampagne, welche selbst die mächtigen Organisationen in die Knie zwang. „Interpol diente schon im Dritten Reich als gnadenloser Helfershelfer in der Verfolgung von Juden, Zigeunern und Regimegegner“, schrieb Scientology in einer ihrer Zeitschriften.

Scientology hatte den damaligen Interpolchef Raymond Kendall unter Druck gesetzt. Die Sekte veröffentlichte ein Bild, auf dem Kendall dem ehemaligen Panama-Regierungschef Noriega die höchste Interpol-Auszeichnung im Kampf gegen den Drogenhandel überreichte. Peinlich dabei: Noriega wurde später wegen Drogendelikten ins Gefängnis geschickt.

Scientology gewann auch den Krieg gegen IRS. Jahrelang sammelten die Sektenanhänger persönliche Daten und Unterlagen über IRS-Beamte. In grossen Inseraten forderte Scientology die Bürger auf, ihre negative Erfahrungen mit den Behörden zu melden. Anschliessend publizierten die Scientologen die Sünden der Beamten in grossen Zeitungen und nannten sie namentlich. Und siehe da: Scientology erhielt die Steuerfreiheit und spart seither Millionen.

Die aufmüpfige Lilith

hugostamm am Sonntag den 13. September 2009

Neben Genesis eins und zwei der Bibel gibt es einen weiteren interessanten Schöpfungsmythos. Nach jüdischer Auslegung der alten religiösen Schriften (Midrasch) spielt Lilith die Hauptrolle. Die selbstbewusste Frau war nicht bereit, sich Adam unterzuordnen.

Laut den alten Schriften ertrug Adam die Einsamkeit schlecht und bat Gott um Abhilfe. So erschuf Gott Lilith aus demselben Lehm wie Adam. Gott sagte Lilith, sie solle Adam untertan sein. Die Schriftenforscher sind sich aber nicht einig, ob Gott gemeint hat, Lilith solle beim Geschlechtsverkehr unter ihm liegen. Lilith wehrte sich und verliess das Paradies nach dem Motto: Lieber allein als untertan.

Adam zürnte wieder bei Gott. Dieser erschuf ihm ergebene Eva aus seiner Rippe. Doch sie war ein Tussi und liess sich von der Schlange verführen. Damit war sie zur Hauptsache verantwortlich für die Ur- und Erbsünde und für die Vertreibung aus dem Paradies. Seither lastet angeblich der grosse Fluch auf der Menschheit.

Lilith hat den Zorn Gottes auf sich geladen, weil sie sich für ihre Freiheit gewehrt und seinem Willen widersetzt hat. Zur Strafe wurden ihre Kinder getötet. Die aufmüpfige Frau wird auch in der Bibel genannt. Im Buch Jesaja wird die Verwüstung Edoms beschrieben. Auf den Ruinen hausten Tiere und andere Wesen, zum Beispiel Lilith: „Da treffen Wüstentiere mit wilden Hunden zusammen, und Bocksdämonen begegnen einander. Ja, dort rastet die Lilit und findet einen Ruheplatz für sich.“ (Jes 34,14)

Der Kampf für die Freiheit war immer schon ein steiniger Weg. Und es ist wohl kein Zufall, dass sich Gott mit Adam identifiziert hat. Es wäre interessant zu wissen, wie sich die Geschichte der Menschheit entwickelt hätte, wenn Gott dem Prinzip der Gleichberechtigung zum Durchbruch verholfen und sich für Lilith stark gemacht hätte.

Halten wir fest: Es gab also schon im Altertum Menschen, die sich an der Unterdrückung der Frauen gestört haben, sonst wäre die Legende von Lilith nicht entstanden. Dieser emanzipatorische Ansatz wurde aber konsequent unterdrückt, wie uns auch das Neue Testament beweist. Und laut den Mythen hat Gott dem Mann in den alten Schriften geholfen, seine dominante Funktion auszuüben.

Frauen, die für Gleichberechtigung und Emanzipation kämpfen, müssen sich also gut überlegen, ob sie aus Gott eine weibliche Gestalt machen wollen. Von der Rolle her ist und bleibt Gott eine Machtfigur mit männlichen Attributen. Dieses Bild zieht sich durch die ganze Bibel.

Die dämonische Frau in der Bibel

hugostamm am Samstag den 5. September 2009

Meine Vorbehalte und teilweise emotionale Skepsis gegenüber den Buchreligion rührt vom Frauenbild, das diese Glaubensgemeinschaften zeichnen. Im ursprünglichen Christentum, Islam und Judentum sind die Frauen Menschen zweiter Klasse. Zwar bemühen sich die progressiven Christen, das Bild von der untertanen Frau zu korrigieren, doch die frauenfeindlichen Passagen in der Bibel bleiben bestehen und werden nicht korrigiert.

Ausserdem verfechten immer noch weite Teile der Christenheit das Bild von der dienenden Frau, die dem Mann zu ergeben sein hat. Der katholische Klerus, katholische Traditionalisten, christliche Gemeinden in der 3. Welt und Freikirchen halten an den haltlosen und menschenverachtenden Aussagen der Bibel fest. In der katholischen Kirche dürfen Frauen die Priesterweihe nicht empfangen – vielleicht ein Glück für sie -, in den Freikirchen gibt es auch heute noch kaum weibliche Pastoren oder Gemeindeleiterinnen.

Einer der zentralen Grundsätze der Bibel lautet: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Diese Nächstenliebe wird von den Christen gern als revolutionären Akt der neuen Menschlichkeit gepriesen. Nur: Die Aussage gilt lediglich in der männlichen Form. „Liebe deine NÄCHSTE wie dich selbst“ ist ein Widerspruch zum Frauenbild in der Bibel.

Im orthodoxen Judentum und im strengen Islam werden die Frauen auch im gesellschaftlichen Rahmen und in der Öffentlichkeit minderwertig behandelt. Die Beispiele sind bekannt, wir haben hier auch schon oft darüber diskutiert.
Beim Frauenbild der Buchreligionen stellt sich eine naive Frage: Hat denn der allmächtige Gott vor 3000 Jahren nicht erkannt, dass das Frauenbild der Bibel dereinst antiquiert sein und eine grosse Hypothek für die Buchreligionen sein wird? Oder entspricht dieses Bild etwa der Vorstellung von Gott? Wenn dem so sein sollte, dann kann er nicht der Gott der Frauen sein. Dann muss sich dieser Gott als Unmensch bezeichnen lassen.

Da wir in einer christlichen Umgebung leben, möchte ich mich auf das Bild der Frau in der Bibel konzentrieren. Dabei greife verschiedene Bibelzitate heraus:
“Aber, wie nun die Gemeinde ist Christo untertan, also auch die Weiber ihren Männern in allen Dingen.” (Paulusbrief an die Epheser)
[3:21.9] Wenn eines Priesters Tochter sich durch Hurerei entheiligt, so soll man sie mit Feuer verbrennen; denn sie hat ihren Vater entheiligt.

[5:22.21] … so soll man sie heraus vor die Tür des Hauses ihres Vaters führen, und die Leute der Stadt sollen sie zu Tode steinigen, weil sie eine Schandtat in Israel begangen und in ihres Vaters Hause Hurerei getrieben hat.

„Eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen. Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten.” (1. Timotheus 2,11)

“Wenn eine Frau kein Kopftuch trägt, soll sie sich doch gleich die Haare abschneiden lassen.” (1. Korinther 11,6)

“Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt.” (Kolosser 3,18)

Eph. 5:22 So wie ihr Frauen Christus gehorcht, sollt ihr euch euern Männern unterordnen.

5:24 Und wie sich die Gemeinde Christus unterordnet, weil sie ihn liebt,
so sollen sich auch die Frauen in allem ihren Männern unterordnen.

Die biblische Schöpfungsgeschichte beschreibt die Erschaffung der Frau als letzten Schöpfungsakt nach dem Mann und den Pflanzen und Tieren, als Produkt des Mannes bzw. aus dem Mann heraus, als Hilfe für den Mann und setzt die Frau damit auf die unterste Stufe der Schöpfung! (Gen.2,4-25)

Das Alte Testament wirft der Frau die Verführung zur Erbsünde“ vor. Zur Strafe beauftragt Gott dem Mann, über die Frau zu Herrschen. (Gen.3,1-24)
Das Alte Testament bezeichnet die Frau als „Besitz des Mannes!“ (Jes.Sir.25,1-26,27)

Das Neue Testament bezeichnet den Mann als „Haupt der Frau“ als „Abglanz des Mannes“ als „für den Mann erschaffen“. (Korinth.11,2-16)
Das Neue Testament verlangt von den Frauen sich den Männern unterzuordnen. (Petr.3,1-7)

(3,16) Gott sprach zur Frauer:
Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst/Unter Schmerzen gebärst du Kinder/Du hast Verlangen nach deinem Mann; er aber wird über dich Herrschen.

(21,9) Wenn sich die Tochter eines Priesters als Dirne entweiht, so entweiht sie ihren Vater; sie soll im Feuer verbrannt werden.
(12,4) Eine tüchtige Frau ist die Krone ihres Mannes, eine schändliche ist wie die Fäulnis in seinen Knochen.

(9,8) (…) Wegen einer Frau kamen schon viele ins Verderben, sie versengt ihre Liebhaber wie Feuer.

(25,16) Lieber mit einem Löwen oder Drachen zusammenhausen, als bei einer bösen Frau wohnen.

(25,17) Die Schlechtigkeit einer Frau macht ihr Aussehen düster und verfinstert ihr Gesicht wie das einer Bärin.
(25,22) Denn harte Knechtschaft und Schande ist es, wenn eine Frau ihren Mann ernährt.

(25,24) Von einer Frau nahm die Sünde ihren Anfang, ihretwegen müssen wir alle sterben.

(26,3) Eine gute Frau ist ein guter Besitz; er wird dem zuteil, der Gott fürchtet.

(26,9) Die lüsterne Frau verrät sich durch ihren Augenaufschlag, an ihren Wimpern wird sie erkannt.

(26,22) Eine käufliche Frau ist dem Auswurf gleichzuachten, eine Verheiratete ist für ihren Liebhaber der Turm des Todes.