Viele Glaubensgemeinschaften stossen auf Ablehnung, weil sie eine fundamentalistische, traditionalistische, konservative, reaktionäre oder rechtsradikale Gesinnung offenbaren.
Diese These soll an ein paar Beispielen aufgezeigt werden.
Katholische Kirche: Sie hat in letzter Zeit wieder demonstriert, dass sie eine weltfremde, konservative und rechtslastige Politik verfolgt. Die wachsende Machtfülle des rechtskonservativen Opus Dei im Vatikan spricht für sich. Der Spruch des aktuellen Papstes zum Islam an der Uni Regensburg, die Rehabilitierung der rechtsradikalen Pius-Brüder und seine neusten Aussagen während seiner Afrika-Reise zum Gebrauch von Kondomen dokumentieren das weltfremde und teilweise fundamentalistische Gebaren. Allein schon die Wahl des strengen Sittenwächters Ratzingers zum Papst war ein Signal, dass die katholische Kirche weiter nach rechts rutscht. Auch die Geschichte zeigt, dass sich die Kirche gern mit den Mächtigen und oft auch mit Diktatoren solidarisiert hat. Stichwort: Franco-Regime. Auf der andern Seite werden kritische Geister wie Hans Küng oder die Befreiungstheologen zurückgebunden oder ausgegrenzt.
Freikirchen: Die rechtsradikale EDU (Eidgenössische Demokratische Union) ist ein Sammelbecken von Freikirchlern. Auch die EVP, ebenfalls von freikirchlich Engagierten getragen, politisiert ebenfalls am rechten Rand.
Judentum: Die orthodoxen Juden politisieren am äussersten rechten Rand. Die jüngsten Wahlen in Israel haben den rechtsradikalen Parteien einen erklecklichen Stimmengewinn gebracht.
Islam: Die rechtsradikalen und fundamentalistischen Gruppen gewinnen in islamischen Staaten zunehmend an Einfluss.
Scientology: Gründer Hubbard hat zwar auch demokratiefreundliche Aussagen gemacht, die moderne Staatsform aber auch kritisiert: “”… Und ich kann nicht sehen, dass populäre Massnahmen, Selbstverleugnung und Demokratie etwas anderes für den Menschen gebracht haben als ihn tiefer in den Schlamm zu stossen. Heutzutage sind Groschenromane allgemein beliebt, Selbstverleugnung füllte den Dschungel Südostasiens mit steinernen Götterbildern und Leichen, und Demokratie brachte uns Inflation und die Einkommenssteuern.” Hubbard zeigte ausserdem diktatorische Allüren und hat ein autoritäres System aufgezogen.
Bhagwan/Osho: Der indische Guru gab sich zwar als tolerant und fortschrittlich, sein Staatsverständnis war aber rechtsradikal. Ausserdem zeigte er eine erschreckend braune Seite. In seinem Buch „Die goldene Zukunft“ propagiert er die Euthanasie an Behinderten, ein eingeschränktes aktives und passives Wahlrecht. (In politische Ämter dürfen nur Personen gewählt werden, die ein Hochschulstudium absolviert und Meditationskurse in Osho-Zentren abgeschlossen haben.)
Esoterikszene: Sie ist über weite Strecken ganz rechts zu Hause. Stichworte: Wurzelrassentheorie, Verklärung der germanischen Götter, die zur Blut-und-Boden-Theorie führt, Rassentheorie mit der ethnozentrierten Ideologie. In diese Richtung deutet auch der Glaube an die Arier, an eine höhere Ordnung und die kosmischen Gesetze usw. Auch die Allianz vieler Esoteriker mit den Neuheiden unterstreicht die rechtsradikale Haltung.
Es liessen sich noch viele Beispiele anfügen. Es sind vor allem zwei Aspekte, welche Glaubensgemeinschaften nach rechts drängen. Einerseits entwickeln viele religiöse Bewegungen durch ihren Missionsdrang einen Machtanspruch. In der westlichen Welt ist Macht im missbräuchlichen Sinn fast immer an rechtsradikale Strömungen gebunden. Andererseits bedeutet Religion Rückbindung und führt gern zu einem Hang zum Bewahren, zum Fundamentalen. Deshalb entwickeln radikale Glaubensvertreter oft fundamentalistische Tendenzen. Nicht nur im Islam, sondern auch bei den Juden, Christen und vielen Sekten.





















