Die Empörung über die Rehabilitierung der Lefebvre-Bischöfe durch Papst Benedikt XVI. ist bis weit in die katholische Kirche gross. Der Entscheid ist ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die Kirchen als Institution von Gläubigen betrachten und nicht als Elfenbeintürme für alte Herren verstehen, die gern in barocken Kathedralen Weihrauch verströmen.
Es ist unverständlich, Holocaustleugner „in den Schoss der Kirche“ zurück zu holen und ihnen eine noch grössere Plattform für ihre unmenschlichen Geschichtsverdrehungen zu bieten. Es ist auch schwer nachvollziehbar, dass der Papst die Rehabilitation von Antisemiten als Akt der Versöhnung versteht, gleichzeitig alle Frauen ausgrenzt, also die Mehrheit der Kirche. Doch müssen wir Ratzinger nicht dankbar sein für die Frieden stiftenden Gesten?
Die katholische Kirche behauptet, der Papst sei von Gott inspiriert und in Glaubensfragen unfehlbar. Also kann man in den Entscheiden des Papstes das Wirken und die Geisteshaltung Gottes erkennen. Wenn wir das Leben des Papstes mit dem Alltag von Jesus vergleichen, sind die Widersprüche aber augenfällig. Jesus wanderte als armer Prediger durch die Lande, kümmerte sich um Arme und Kranke, um Huren. Und warf die Pharisäer aus dem Tempel.
Und der Papst und seine Bischöfe? Sie leben in einer isolierten Männerwelt, kleiden sich am Sonntag in königliche Gewänder und residieren meist in Herrschaftshäusern. Sie repräsentieren die Kirche für das Volk, doch sie haben sich weit davon entfernt, Volkskirche zu sein. Der höhere Klerus im Vatikan ist heute ein geistlicher Eltieclub, der auf feudale Art seinen Privatglauben lebt. Vielleicht würde Jesus die hohen Herren im Vatikan als Pharisäer betrachten.
Es ist bemerkenswert, dass ausgerechnet ein deutscher Papst mit der alten Liturgie wieder dafür beten lässt, dass die Juden sich bekehren lassen. Und dass ein deutscher Papst der Kriegsgeneration einen hohen Würdenträger, der den Holocaust leugnet, wieder mit offenen Armen empfängt. Das ist nicht ein Akt der Versöhnung, das ist eine Handlung, mit der der Papst seine eigene Geisteshaltung offenbart. Die antijüdischen Reflexe sind insofern erstaunlich, als Jesus selbst Jude war.
Ich glaube, wir müssen Ratzinger dankbar sein für seinen „Versöhnungsakt“. Er zeigt uns, welcher Geist im Vatikan herrscht. Es geht Benedikt nicht um die Mitglieder seiner Kirche, sondern um den angeblich reinen Geist der katholischen Lehre. Ein Geist, der auf weltfremde alte Herren zugeschnitten ist, die nicht von dieser Welt sind. Sie haben die Augen verschlossen, als Juden in Deutschland vergast worden waren. Sie rehabilitieren Bischöfe, die die Existenz solcher Kammern des Grauens leugnen. Wo steckt Gott, dass er das Treiben seines Stellvertreters nicht stoppt?





















