Schweiz


Archiv für August 2008

Warum lässt uns Gott im Stich?

hugostamm am Mittwoch den 27. August 2008

Gott hat uns einen Verhaltenscodex in Form der zehn Gebote gegeben. Als Ergänzung lebte uns Jesus vor, wie wir die christlichen Wertnormen verstehen und umsetzen müssen. Das bedeutet unter anderem: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, halte die andere Wange hin, werfe die egoistischen Pharisäer aus dem Tempel, sei ein barmherziger Samariter, schliesslich kommt ein Reicher eher durch ein Nadelöhr als in den Himmel.

Gott gibt uns den Tarif genau bekannt und setzt die Messlatte sehr hoch. Nach dem Prinzip von Schuld und Sühne setzt er ethische und moralische Standards. Leider sind seine Anforderungen so absolut, dass sie niemand fehlerfrei erfüllen kann. Ängste, Sehnsüchte, Unsicherheiten und Überlebenstrieb lassen uns immer wieder schwach werden und im christlichen Sinne straucheln. Nicht einmal Geistliche und Kirchenführer vermögen den Anforderungen gerecht zu werden. Sonst wäre die Geschichte der Kirche nicht auch eine Geschichte von Gewaltakten, Machtkämpfen, Hurerei und Pädophilie. Wie sollen die Schäfchen die Gebote einhalten, wenn es nicht einmal die Vertreter Gottes schaffen?

Aus pädagogischer Sicht ist es kontraproduktiv, unerfüllbare Gebote aufzustellen. Es demotiviert und entmutigt. Erreichbare Ziele wären eher Ansporn, gottgemäss und christlich zu leben.

Und wie hält es Gott selbst mit seinen Ansprüchen an uns? Erfüllt er die christlichen Moralvorstellungen, die er uns auferlegt?

Ein Blick auf die Welt aus einer neutralen Warte lässt Zweifel aufkommen. Denn gottgefällig und altruistisch lebende Menschen müssten demnach unter seiner besonderen Schirmherrschaft stehen und für ihre guten Taten belohnt werden. Despoten und Gewaltverbrecher hingegen bestraft. Die Erfahrungen zeigen uns aber, dass die Realität anders aussieht. Unschuldige Kinder kommen bei einem Verkehrsunfall ums Leben oder sterben qualvoll an einer tödlichen Krankheit. Dagegen kommen Menschenschinder oft ungeschoren durchs Leben und leben bis zum Tod glücklich und zufrieden.

Ich kenne natürlich das Argument der Gläubigen, dass am jüngsten Tag abgerechnet werde, Belohnung und Bestrafung also später folgten. Doch der Gedanke überzeugt nicht. Kann Gott ein Wertsystem und einen moralischen Kodex im Diesseits einführen, ohne sich selbst daran halten? Entweder gelten Normen jetzt und überall oder sie sind nicht glaubwürdig. Wer Gebote aufstellt, soll sich selbst daran halten. Wenn er sie für das Diesseits aufstellt, müssen sie auch im Hier und Jetzt gelten und nicht erst im Jenseits. Dann darf es nicht sein, dass Kinder Gottes unerträgliche Ungerechtigkeiten im diesseitigen Leben erdulden müssen, ohne den Grund dafür zu kennen. Das ist ein Willkürsystem, das nicht eben Vertrauen in die christliche Ethik und den Schöpfer schafft.

Ich kenne natürlich auch das Argument, dass Gottes Pfade verschlungen seien und wir ihn mit unserem beschränkten Weltverständnis nicht verstehen könnten. In Jesaja 55,8-9 heisst es: “Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern soviel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.”

Doch Gott sollte eine Ordnung schaffen, die wir begreifen können. Sonst ist es viel verlangt, an ihn zu glauben und sich ihm anzuvertrauen.

Genau genommen fordert er von uns blinden Gehorsam, weil sein Wertesystem für uns nicht nachvollziehbar ist. Warum hat er die Welt und unser Bewusstsein nicht so konstruiert, dass wir seinen Heilsplan nachvollziehen können?

Vorsicht ist angebracht, denn Gott selbst sagt, es würden falsche Heilsverkünder kommen, welche die Menschen verführen werden. Wie soll ich da unterscheiden können, wenn auf seiner Welt mit seiner Ordnung überall Unrecht herrscht und er nicht für Klarheit sorgt?

Macht Wahrheit glücklich?

hugostamm am Mittwoch den 20. August 2008

Wie in einem Kommentar angekündigt, stelle ich einen Beitrag des 20-jährigen Patrick Stucki zur Diskussion. Er ist ein stiller Leser des Blogs und schrieb erstmals einen Kommentar, den ich hier – leicht redigiert – gern zur Diskussion stelle.
Was ist wichtiger: Die Suche nach dem Glück oder die Suche nach der Wahrheit? Oder anders gefragt: Was macht mehr Sinn, das Streben nach dem Glück oder der Wahrheit?
Weil die Fragen so pauschal gestellt sind, erläutere ich die Problematik anhand eines konkreten Beispiels, dem Film “Matrix”. Es handelt sich um eine fiktive Story, in der Maschinen nach einem Krieg die Menschheit unterjochen. Die Roboter halten die Menschen in Kolonien in einer Art Dauerschlaf. In den Köpfen der Menschen ist die Software “Matrix” installiert, welche den Menschen unserer reale Welt in den schönsten Farben vorgaukelt.
Es gibt jedoch ein paar Menschen, die nicht in dieser friedlichen Matrix-Welt leben wollen, sondern als “Rebellen” in der wirklichen Welt ums Überleben kämpfen. Sie sind nicht bereit, in die virtuelle, illusorische Scheinwelt einzutauchen und leben in ihrer ursprünglichen Realität.
Der Preis ist allerdings hoch. Es geht ihnen schlecht, die Existenzsicherung ist ein harter Kampf, und sie leben in permanenter Angst vor den Robotern, die sie verfolgen.
Die Rebellen leben also dauernd im Spannungsfeld, ob sie das beschwerliche Leben in der „Wahrheit“ dem „Glück” in der Matrix vorziehen sollen, auch wenn sie dabei leiden.
Was würdet Ihr tun, welchen Weg wählen? Macht es Sinn, im Wissen für die Wahrheit zu kämpfen, vielleicht nie glücklich zu werden? Was passiert mit den Rebellen, wenn sie vielleicht gefühlsmässig verkümmern? Lohnt sich dieser Kampf? Werden sie irgendwann überlaufen, um auch in die virtuelle Welt eingelassen zu werden und endlich glücklich zu sein?

Ist der Glaube eine Willenssache?

hugostamm am Mittwoch den 13. August 2008

Wenn man Gläubige fragt, weshalb die Welt voller Konflikte und Aggressionen ist, obwohl doch der liebende Gott den Menschen angeblich nach seinem Ebenbild geschaffen hat, führen sie meist den Willen an.

Ausgerechnet der Wille!

Konkret: Gott hat uns den Willen gegeben, uns für ihn oder gegen ihn zu entscheiden, erklären Gläubige. Dieses Argument haben sie hier im Blog immer wieder angeführt. Das bedeutet: Gott hat uns die Freiheit gegeben, selbst zwischen Gut und Böse zu entscheiden, zwischen einem gottgefälligen und einem gottlosen Leben.

Ganz offensichtlich gibt es in diesem dualistischen System nur ein Entweder-Oder. Also nur die Wahl zwischen Gott und dem Satan. Bedeutet das: Wer nicht für Gott ist, ist für den Satan?

Glaube eine Frage des Willens? Sind das nicht zwei Eigenschaften, die sich beissen?

Mit dem Wille ist der Entschluss verbunden, sich für eine Option entscheiden zu können. Doch wie kann ich mich für etwas entscheiden, das sich mir vielleicht verschliesst, das nicht spürbar ist, das oft im Widerspruch zu den eigenen Lebenserfahrungen steht?

Erschwerend kommt hinzu, dass weder das Fundament des christlichen Glaubens (Bibel) noch die Geschichte des Christentums, der aktuelle Zustand der Glaubensinstitutionen oder die Würdenträger widerspruchsfrei oder besonders glaubwürdig sind. Müsste nicht eine Religion, die im Bund mit Gott ist, ethisch und moralische Normen setzen und sich deutlich von andern Institutionen und Gemeinschaften abheben?

Fragwürdig an der Willensthese ist auch die Stigmatisierung der „Ungläubigen“. Wer Gott nicht finden kann, beweist in den Augen von Gläubigen, dass es ihm an Willen mangelt. Kurz: Ungläubige tragen selbst die Schuld an ihrem Unglauben, sie haben offenbar eine Charakterschwäche oder ein Persönlichkeitsdefizit. Ich sehe aber nicht, dass Gläubige viel christlicher sind als Ungläubige. Ein weiterer Aspekt, der selbst Gläubige stutzig machen müsste.

Wenn Gott sich versteckt

hugostamm am Montag den 11. August 2008

Liebe Bloggerinnen und Blogger,

Das Blog-System ist gestern kollabiert. Die vielen Kommentare haben das System lahm gelegt. Zur Entlastung habe ich in den letzten Beitrag mit dem Titel “Wenn Gott sich versteckt” erneut aufgeschaltet. br />
Hugo Stamm

Das Drama der Menschen liegt in der Unfähigkeit, Gott zu erkennen. Der Schöpfer hat es verpasst, uns ein wirkungsvolles Instrument oder Sensorium zu geben, um ihn einwandfrei wahrnehmen und identifizieren zu können.

Könnten wir Gott oder sonst eine zentrale metaphysische Superkraft erfassen oder gar mit ihr kommunizieren, wäre die Welt um einiges friedlicher. Dann würden wir den einzig wahren Gott erkennen. Es gäbe keine religiösen Konflikte, es hätte sie in der Geschichte der Menschheit nie gegeben. Millionen von Menschen hätten nicht auf sinnlose Weise sterben müssen. Man denke nur an das Leid, das durch die Verfolgung Andersgläubiger entstanden ist und täglich entsteht. Der „Kulturkampf“ zwischen der islamischen und christlichen Welt ist ein aktuelles Beispiel dafür, die Diskussion über die Minarett-Initiative hier im Blog hat uns dies im Kleinen gezeigt.

Ich höre bereits den Protest der Gläubigen. Sie würden Gott sehr wohl erkennen, ja, sie könnten mit ihm kommunizieren, werden sie mir entgegenhalten. Wer sich auf Gott einlasse, erfahre ihn zwangsläufig, argumentieren sie. Herz und Seele seien Orte der Erkenntnisse, spirituelle Intuition ein Instrument dazu.

Nur: Auf dieses Instrument ist wenig Verlass. Denn mit dieser Gabe erkennen Menschen die unterschiedlichsten Wesen und Götter. Die einen erfahren bei der Suche Krishna als ihren Gott und Schöpfer, andere Allah, wieder andere Jehowa oder den christlichen Gott. Es gibt Millionen von Glaubensgemeinschaften, deren Gläubige Gotteserfahrungen machen, die teilweise Lichtjahre auseinander liegen. Die Raelien erkennen in den ausserirdischen Wesen der Elohims ihre Schöpfer, für die Scientologen steht der Fürst Xenu am Anfang der Menschheitsgeschichte, Okkultisten erfahren schwarze Kräfte als ihre göttlichen Energien.

Allen ist gemeinsam, dass sie mit den gleichen Sinnesorganen „ihren Gott“ zu erkennen glauben. Und alle sind überzeugt, dass ihre Sinne sie nicht täuschen. Nur: Wenn jeder mit seinem „Organ“ etwas anderes wahrnimmt, kann etwas grundlegend nicht stimmen.

Doch wer hat recht? Das ist eben die verhängnisvolle Gretchenfrage, welche die vielen Aggressionen und Konflikte ausgelöst hat.

Oder ist diese Gabe ethnozentriert? Erfahren die Inder auf Grund genetischer oder sonstiger Unterschiede damit Krishna, die Indonesier Allah und die Europäer Christus?

Bleibt die Frage, weshalb Gott uns den Blick in sein Reich verwehrt. Fehlt ihm das Potential, uns diese Gabe zu geben? Behält er es uns bewusst vor? Oder gibt es gar keinen Schöpfer? Die Antworten auf diese Fragen dürften Gläubigen Bauchschmerzen bereiten. Doch andere Grundsatzfragen zu diesem Thema fallen mir nicht ein.

Wenn Gott sich versteckt

hugostamm am Mittwoch den 6. August 2008

Das Drama der Menschen liegt in der Unfähigkeit, Gott zu erkennen. Der Schöpfer hat es verpasst, uns ein wirkungsvolles Instrument oder Sensorium zu geben, um ihn einwandfrei wahrnehmen und identifizieren zu können.

Könnten wir Gott oder sonst eine zentrale metaphysische Superkraft erfassen oder gar mit ihr kommunizieren, wäre die Welt um einiges friedlicher. Dann würden wir den einzig wahren Gott erkennen. Es gäbe keine religiösen Konflikte, es hätte sie in der Geschichte der Menschheit nie gegeben. Millionen von Menschen hätten nicht auf sinnlose Weise sterben müssen. Man denke nur an das Leid, das durch die Verfolgung Andersgläubiger entstanden ist und täglich entsteht. Der „Kulturkampf“ zwischen der islamischen und christlichen Welt ist ein aktuelles Beispiel dafür, die Diskussion über die Minarett-Initiative hier im Blog hat uns dies im Kleinen gezeigt.

Ich höre bereits den Protest der Gläubigen. Sie würden Gott sehr wohl erkennen, ja, sie könnten mit ihm kommunizieren, werden sie mir entgegenhalten. Wer sich auf Gott einlasse, erfahre ihn zwangsläufig, argumentieren sie. Herz und Seele seien Orte der Erkenntnisse, spirituelle Intuition ein Instrument dazu.

Nur: Auf dieses Instrument ist wenig Verlass. Denn mit dieser Gabe erkennen Menschen die unterschiedlichsten Wesen und Götter. Die einen erfahren bei der Suche Krishna als ihren Gott und Schöpfer, andere Allah, wieder andere Jehowa oder den christlichen Gott. Es gibt Millionen von Glaubensgemeinschaften, deren Gläubige Gotteserfahrungen machen, die teilweise Lichtjahre auseinander liegen. Die Raelien erkennen in den ausserirdischen Wesen der Elohims ihre Schöpfer, für die Scientologen steht der Fürst Xenu am Anfang der Menschheitsgeschichte, Okkultisten erfahren schwarze Kräfte als ihre göttlichen Energien.

Allen ist gemeinsam, dass sie mit den gleichen Sinnesorganen „ihren Gott“ zu erkennen glauben. Und alle sind überzeugt, dass ihre Sinne sie nicht täuschen. Nur: Wenn jeder mit seinem „Organ“ etwas anderes wahrnimmt, kann etwas grundlegend nicht stimmen.

Doch wer hat recht? Das ist eben die verhängnisvolle Gretchenfrage, welche die vielen Aggressionen und Konflikte ausgelöst hat.

Oder ist diese Gabe ethnozentriert? Erfahren die Inder auf Grund genetischer oder sonstiger Unterschiede damit Krishna, die Indonesier Allah und die Europäer Christus?

Bleibt die Frage, weshalb Gott uns den Blick in sein Reich verwehrt. Fehlt ihm das Potential, uns diese Gabe zu geben? Behält er es uns bewusst vor? Oder gibt es gar keinen Schöpfer? Die Antworten auf diese Fragen dürften Gläubigen Bauchschmerzen bereiten. Doch andere Grundsatzfragen zu diesem Thema fallen mir nicht ein.