In Glaubensfragen gibt es ein Paradox, das aus sprachlicher und philosophischer Sicht irritierend wirkt. Es geht um die Verwendung des Begriffs Glauben. An sich umschreibt die Sprache das Phänomen sehr präzis. Die Bindung an Gott (religio) wird nicht als Gewissheit oder letzte Wahrheit verstanden, sondern mit dem Begriff Glauben bezeichnet. Glauben heisst, etwas für wahr halten, das man nicht nachweisen kann. Dabei spielt die Suggestion eine wichtige Rolle. Ich glaube an Krishna, ich glaube an Buddha, ich glaube an den Propheten Mohamed, ich glaube an Gott. Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse über Gott, es gibt nur den Glauben an ihn.
Mit dem Glaube an ein göttliches Wesen ist meist auch der Glaube an eine Heilslehre verbunden. Ich kann auch nur glauben, dass es einen Heilsplan gibt, der eine metaphysische Komponente enthält. Ich kann nur glauben, dass es die Wiedergeburt oder ein Leben nach dem Tod gibt. Die Sprache drückt es eindeutig aus.
Viele Gläubige wollen diesen Umstand nicht wahr haben. Vielmehr verabsolutieren sie ihren Glauben und verstehen ihn als letzte Wahrheit. Sie relativieren – weitgehend zu Recht – alles, was sich ausserhalb ihres Glaubenssystems bewegt. Nicht verhandelbar ist hingegen ihr Glaube. Er ist für sie die einzige sichere Konstante im irdischen Leben. Wer den Glauben mit Gewissheit oder Wahrheit gleichsetzt, täuscht sich selbst. Konsequenterweise müsste der Begriff Glaube im religiösen Umfeld umdefiniert werden.
Zum Paradox gehört auch, dass ausgerechnet streng Gläubige alles verteufeln, was nach Relativismus riecht. Dies haben wir in der Diskussion hier zur Genüge erlebt. Für sie ist die säkulare Welt der Inbegriff relativer Systeme. Wissenschaft inbegriffen. Ihre Resolutheit in dieser Frage lässt die Vermutung aufkommen, dass sie damit Ihre Angst in sich bekämpfen, dass es kaum etwas Relativeres gibt als den Glauben. Eben so, wie es der Begriff Glaube ausdrückt.
Auch die grossen Glaubensgemeinschaften brauchen manchmal den Begriff Glauben in sprachlich unredlicher Weise. Wenn die katholische Kirche beispielsweise behauptet, der Papst sei in Glaubensfragen unfehlbar, dann ist das ein Widerspruch.
Mit diesem Beitrag melde ich mich aus den Ferien zurück. Ich danke allen herzlich, die trotz meiner Abwesenheit heftig weiter diskutiert haben.





















