Schweiz


Archiv für April 2008

Widerstand gegen reaktionären Bischof

hugostamm am Mittwoch den 23. April 2008

In der Völkergemeinschaft sind sich die Staaten weitgehend einig, dass die Demokratie – welcher Ausprägung auch immer – die gerechteste Form einer Staatsstruktur ist. Die Demokratisierung aller Organe verspricht dem Einzelnen am meisten Freiheit und verhindert am ehesten extreme Entwicklungen. Die Demokratie ist ein System des Ausgleichs, das Machtmissbrauch verhindern soll.

In der katholischen Kirche wird diese Entwicklung ignoriert. Seit dem Tod von Papst Johannes XXIII. drehen die traditionalistischen Kräfte das Rad der Zeit wieder zurück. Gefragt sind autoritäre Strukturen, der Klerus in den oberen Etagen hält die Macht vermehrt in seinen Händen und lässt die Muskeln spielen. Die katholische Kirche entfernt sich immer mehr vom System einer Volkskirche.

Die Führungskräfte wissen, was die „richtige“ Kirche ist und lassen es die Gläubigen unmissverständlich wissen. Dass sie sich dabei gegen politische und gesellschaftliche Entwicklungen stemmen, ist ihnen egal. Sie nehmen auch in Kauf, dass sich ein beträchtlicher Teil des Kirchenvolks abwendet. Dogmen sind wichtiger als Gerechtigkeit und Seelsorge.

Ein aktuelles Beispiel erleben wir nach dem Haas-Debakel erneut im Bistum Chur. Mit der Einsetzung des reaktionären Vitus Huonder als Bischof im vergangenen September wurde die Brücke zu den sieben Kantonalkirchen erneut beschädigt.

Mit der Ernennung der beiden konservativen Pfarrherren Martin Grichting und Lorenz Gadient zu Weihbischöfen hat der obere Klerus ein weiteres unheilvolles Zeichen gesetzt. Mit autoritärer Kirchenpolitik sollen die Gläubigen in die Knie gezwungen werden.

Einmal mehr funktioniert das selbstherrliche Gehabe nicht nach Wunsch. Gestern Montag haben die sieben Kantonalkirchen Huonder an einer ausserordentlichen Sitzung einstimmig und unmissverständlich ihren Protest angemeldet. Das kommt einem Aufstand von unten gleich. Bei Haas hatte sich beispielsweise Zürich geweigert, die Steuern nach Chur weiterzuleiten. Ähnliche Szenarien sind auch bei Huonder denkbar.

Für den Churer Bischof ist der Protest der Kantonalkirchen eine unzulässige Einmischung in Personalfragen. Er spricht gar von Gegenkirche. Die Kantonalkirche sind aber in der Verfassung verankert, was Huonder ein Dorn im Auge ist. Diese minimale demokratische Struktur verhindert, dass er die Kantonalkirchen nach Belieben an die Kandare nehmen kann.

Huonder bemüht bei der Rechtfertigung seiner reaktionären Doktrin biblische Argumente. Die staatskirchlichen Institutionen würden nicht auf Christus zurück gehen, sondern seien Konstrukte der säkularen Welt. Damit hat er Recht. Doch auch die katholische Kirche bewegt sich nicht im luftleeren Raum und ist auf den Staat angewiesen, bietet dieser doch den sicheren Rahmen, auf den auch die Kirchen angewiesen sind.

Huonder reklamiert also „höhere Werte“. Er sieht die katholische Kirche als Vertreterin von Christus, die sein Werk weiter führt. Daraus leitet er eine Legitimation ab, die von Gott kommt und weit über die demokratischen Interessen hinaus weist.

Nur: Das Kirchenrecht ist auch nicht von Christus gegeben. Machtfülle und autoritäre Strukturen hat sich der Klerus selbst zugeschanzt. Sich dabei auf Christus zu berufen, ist unredlich. Zumal diese mit ihrem Gehabe und Prunk auch nicht sicher sein können, ob Jesus sie als Pharisäer aus dem Tempel jagen würde.

Gläubige exkommunizieren

hugostamm am Mittwoch den 16. April 2008

Die Unruhen in verschiedenen Entwicklungsländern wegen den explodierenden Lebensmittelpreisen zeigen einmal mehr, wie unsere globalisierte Marktwirtschaft funktioniert: Mach maximalen Gewinn mit allem und jedem, und vergiss dabei die Moral.

So macht denn die gnadenlose Profitmaximierung auch nicht vor den ohnehin schon halbleeren Pfannen der Armen Halt. Konkret: Manche Multis steigern die Gewinne auf Kosten der Ärmsten. Was diese zwangsweise am Mund absparen, fliessen den Shareholdern als Dividenden und den Managern als Boni zu. Manche Reiche und Superreiche werden auf Kosten der Armen noch wohlhabender: Ihr Gewinn hat ursächlich zur Folge, dass noch mehr Menschen verhungern. Ich vermisse dabei den Protest der Kirchen und Glaubensgemeinschaften: den Aufschrei der Hüter von Moral und Ethik.

Für die steigenden Preise sind hauptsächlich zwei Gründe verantwortlich.

1. Da die Energiepreise rasant steigen, suchen findige Manger nach günstigen Alternativen. Wertvolle Lebensmittel werden zu Treibstoff verarbeitet. Die Produzenten zahlen beispielsweise den Bauern in Mexiko mehr für ihren Mais als die Genossenschaften. Folge: Der Mais verknappt und wird teurer. So teuer, dass ihn viele nicht mehr zahlen können.

2. Die Finanzkrise in den USA, ausgelöst von den Ramschhypotheken, hat ein Vakuum hinterlassen: Was tun mit den Milliarden, die früher in diese Surprime-Papiere geflossen sind? Als auch recht lukrativ erweisen sich gegenwärtig Warentermingeschäfte mit landwirtschaftlichen Produkten. Kurz: Nahrungsmittel werden zu Spekulationsobjekten. Die Folge ist klar: Die Lebensmittelpreise steigen zusätzlich, was vor allem die Entwicklungsländer zu spüren bekommen.

Was macht die Weltbank, um die protestierende und plündernde Bevölkerung zu beruhigen? Sie spendet 500 Mio Dollar. Ein lächerlicher Betrag wenn man bedenkt, dass allein die UBS 40 Milliarden Franken in den Sand gesetzt hat.

Ich habe ein Vorschlag, wie Kirchen und Religionsgemeinschaften einen Beitrag zur Lösung der Krise und Hungersnöte leisten könnten: Alle Gläubigen, die in irgend einer Form vom Hunger der Armen profitieren, werden öffentlich an den Pranger gestellt und exkommuniziert. Alle Kirchen und Glaubensgemeinschaften durchforsten ihre Vermögensbestände und vernichten alle Aktien, welche direkt oder indirekt von einer Firma stammen, die mit Grundnahrungsmitteln unsaubere Gewinne erzielen.

Das wäre ein Tatbeweis. Wie heisst es doch so schön: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

Der Manager – ein gefallener Gott

hugostamm am Dienstag den 8. April 2008

These: Die absurde Raffgier der Manager ist ein Machtgehabe, das religiösen Charakter zeigt. Die Finanzkrise vieler Grossbanken zeigt, wie beschränkt die Kompetenz vieler Bankmanager im Kerngeschäft ist.

Manche Topmanager sind von Sinnen, wenn es um die eigenen Löhne und Boni geht. Ihren Angestellten predigen sie den Leistungslohn, sich selber gönnen sie Millionensaläre und astronomische Boni. In ihrer grenzenlosen Selbstüberschätzung werden die Götter des Geldes von einer schieren Gier getrieben. Bei der Erklärung des Phänomens hilft nur die Bibel: «Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.» Denn die Manager können das Vermögen weder verschlingen noch ins Jenseits mitnehmen.

Mit der Existenzsicherung kann das sinnlose Geldhorten nicht erklärt werden. Ethische Argumente helfen schon gar nicht weiter. Auch mit dem Überlebenstrieb, der Arterhaltung oder dem Sammeltrieb lässt sich das kleptomanische Gebaren nicht erklären. Nicht einmal Mäuse, die in einer Käserei hausen, horten Vorräte, die ein Mehrfaches einer Winterration ausmachen. Diese Raffgier ist ein menschenspezifisches Phänomen und zeigt die Fehlentwicklung der Spezies der Manager .

Doch auch Manager werden nicht als Abzocker geboren. Die Raffgier ist ein angelerntes Verhalten und ein Milieuschaden. Das Dasein als Topmanager entfremdet vom «normalen» Leben. Deshalb müssen die Ursachen für das eigentümliche Verhalten in den unbewussten Abgründen der Seele gesucht werden.

Angetrieben werden sie von der Angst und dem Willen zur Macht. Ihre Lebensstrategie besteht häufig darin, die Angst vor dem Machtverlust und dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit zu betäuben. Die Rangliste der Mächtigen wird anhand des Vermögens und Einkommens erstellt. Und weil der abtretende Manager die reale Macht verliert, muss er den Verlust mit Geld kompensieren. Schliesslich ist Geld in einer globalisierten Gesellschaft der wichtigste Machtfaktor.

Die Teppichetagen vieler Grosskonzerne funktionieren heute nach dem Feudalsystem. In diesem sterilen Klima kann die Selbstüberschätzung zu Allmachtsfantasien führen. Manche CEOs schmücken sich gern mit Attributen von Übermenschen und mutieren gelegentlich zu einer Art Guru. Macht wird für sie zur Glaubensfrage, gar zum religiösen oder metaphysischen Attribut. Sie glauben unbewusst, mit irrationalen Abfindungen ein Stück Unsterblichkeit zu kaufen. Ganz nach dem Motto: Gott ist tot, es lebe der (armselige) Manager .