In der Völkergemeinschaft sind sich die Staaten weitgehend einig, dass die Demokratie – welcher Ausprägung auch immer – die gerechteste Form einer Staatsstruktur ist. Die Demokratisierung aller Organe verspricht dem Einzelnen am meisten Freiheit und verhindert am ehesten extreme Entwicklungen. Die Demokratie ist ein System des Ausgleichs, das Machtmissbrauch verhindern soll.
In der katholischen Kirche wird diese Entwicklung ignoriert. Seit dem Tod von Papst Johannes XXIII. drehen die traditionalistischen Kräfte das Rad der Zeit wieder zurück. Gefragt sind autoritäre Strukturen, der Klerus in den oberen Etagen hält die Macht vermehrt in seinen Händen und lässt die Muskeln spielen. Die katholische Kirche entfernt sich immer mehr vom System einer Volkskirche.
Die Führungskräfte wissen, was die „richtige“ Kirche ist und lassen es die Gläubigen unmissverständlich wissen. Dass sie sich dabei gegen politische und gesellschaftliche Entwicklungen stemmen, ist ihnen egal. Sie nehmen auch in Kauf, dass sich ein beträchtlicher Teil des Kirchenvolks abwendet. Dogmen sind wichtiger als Gerechtigkeit und Seelsorge.
Ein aktuelles Beispiel erleben wir nach dem Haas-Debakel erneut im Bistum Chur. Mit der Einsetzung des reaktionären Vitus Huonder als Bischof im vergangenen September wurde die Brücke zu den sieben Kantonalkirchen erneut beschädigt.
Mit der Ernennung der beiden konservativen Pfarrherren Martin Grichting und Lorenz Gadient zu Weihbischöfen hat der obere Klerus ein weiteres unheilvolles Zeichen gesetzt. Mit autoritärer Kirchenpolitik sollen die Gläubigen in die Knie gezwungen werden.
Einmal mehr funktioniert das selbstherrliche Gehabe nicht nach Wunsch. Gestern Montag haben die sieben Kantonalkirchen Huonder an einer ausserordentlichen Sitzung einstimmig und unmissverständlich ihren Protest angemeldet. Das kommt einem Aufstand von unten gleich. Bei Haas hatte sich beispielsweise Zürich geweigert, die Steuern nach Chur weiterzuleiten. Ähnliche Szenarien sind auch bei Huonder denkbar.
Für den Churer Bischof ist der Protest der Kantonalkirchen eine unzulässige Einmischung in Personalfragen. Er spricht gar von Gegenkirche. Die Kantonalkirche sind aber in der Verfassung verankert, was Huonder ein Dorn im Auge ist. Diese minimale demokratische Struktur verhindert, dass er die Kantonalkirchen nach Belieben an die Kandare nehmen kann.
Huonder bemüht bei der Rechtfertigung seiner reaktionären Doktrin biblische Argumente. Die staatskirchlichen Institutionen würden nicht auf Christus zurück gehen, sondern seien Konstrukte der säkularen Welt. Damit hat er Recht. Doch auch die katholische Kirche bewegt sich nicht im luftleeren Raum und ist auf den Staat angewiesen, bietet dieser doch den sicheren Rahmen, auf den auch die Kirchen angewiesen sind.
Huonder reklamiert also „höhere Werte“. Er sieht die katholische Kirche als Vertreterin von Christus, die sein Werk weiter führt. Daraus leitet er eine Legitimation ab, die von Gott kommt und weit über die demokratischen Interessen hinaus weist.
Nur: Das Kirchenrecht ist auch nicht von Christus gegeben. Machtfülle und autoritäre Strukturen hat sich der Klerus selbst zugeschanzt. Sich dabei auf Christus zu berufen, ist unredlich. Zumal diese mit ihrem Gehabe und Prunk auch nicht sicher sein können, ob Jesus sie als Pharisäer aus dem Tempel jagen würde.





















