Religionen und Glaubensgemeinschaften sind die Gralshüter von Ethik und Moral. Sie stellen Gebote auf, erklären den Gläubigen, was Sünde ist und was sie tun und lassen sollen. Manche Kirchen bestimmen, wer in den Himmel kommt – und wer in die Hölle.
Können die religiösen Gemeinschaften ihre eigenen Anforderungen erfüllen? Messen wir sie an ihren Ansprüchen.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Religionen und ihre Würdenträger es nicht immer geschafft haben, die religiösen und ethischen Anforderungen zu erfüllen. Mehr noch: Glaubensgemeinschaften entfachten früher aus Machtansprüchen heraus oft Konflikte, welche zu Feldzügen und Kriegen führten. Alle grossen traditionellen Religionen kennen solche historischen Sünden.
Leider sind diese Zeiten nicht vorbei. Auch heute noch sind religiöse Konflikte auf der Tagesordnung. Die Expansionsbestrebungen des Islams führen beispielsweise regelmässig zu internationalen Spannungen. Die Missionstätigkeiten christlicher Glaubensgemeinschaften tragen gelegentlich zu Unfrieden bei. Ausserdem weisen viele politische Auseinandersetzungen einen religiösen Hintergrund auf.
Es wäre also an der Zeit, nicht nur Menschenliebe zu predigen, sondern auch Massnahmen zu ergreifen, dass die Welt – auch die religiöse – humaner würde.
Vorbild für die Glaubensgemeinschaften könnten Politik und Zivilgesellschaften sein. Die Politiker versuchen seit Jahrzehnten, mit Konventionen und Organisationen Konflikte zu entschärfen. Es gibt die Uno, um alle Staaten an einen Tisch zu kriegen, Konflikte zu besprechen und Lösungen zu suchen. Da sind Friedenstruppen, die versuchen, innerstaatliche Auseinandersetzungen – oft zwischen religiösen Gruppen – zu entschärfen und die Streitparteien zu trennen. Es gibt die Menschenrechte, welche Standards festlegen. Die Staatengemeinschaften unterhalten internationale Gerichte, die Kriegsverbrecher verurteilen.
Kurz: Die Staaten organisieren sich und versuchen mit Gremien, Kommissionen, Konferenzen, Beschlüssen und Kommissionen usw., internationale Konflikte auf zivile Art zu lösen. (Dass es trotzdem Auseinandersetzungen gibt, kann man selten diesen Institutionen anlasten. Ohne sie käme es mit Sicherheit zu noch mehr gewalttätigen Auseinandersetzungen.)
Warum gibt es keine vergleichbaren Einrichtungen unter Glaubensgemeinschaften? Müssten sie nicht mit gutem Beispiel vorangehen, sich zusammenraufen, verbindliche Regelwerke ausarbeiten und Friedensgremien gründen? Warum gibt es keine „religiösen Menschenrechte“ und Konventionen, auf die sich religiöse Gemeinschaften einigen? Warum kämpfen sie nicht gemeinsam, um religiös motivierte Konflikte zu lösen? Sie müssten eigentlich dafür prädestiniert sein.












































@all
Ich mische mich nur in eine solch lebhafte Unterhaltung ein, die ich übrigens mit grossem Interesse lese.
Wenn es um die Praxis geht, dann kann man Mira und Elefant nur zustimmen. Das ist klar.
Wir sind aber hier nicht (nur) in der Praxis.
Ich finde es schon gerechtfertigt, dass man sich selber und seine Einstellung ab und zu auch hinterfragt. – Gerade in solchen Tabuthemen.
Und da finde ich die Gedanken von Sinomine geradezu mutig.
Nochmals, damit ich nicht falsch verstanden werde, Pädophilie muss aufgedeckt werden und bestraft werden.
Warum? Die meisten Gründe wurden schon erwähnt.
Die Frage aber geht ein wenig tiefer. Wie weit lassen wir es zu, dass die öffentliche Meinung (auch vom Pöbel) zur absoluten Wahrheit wird?
Wir sehen bereits jetzt in den USA die Wirkungen von übertriebener Sorge gegen sexuelle Übergriffe. Ich alleine kenne drei Amerikaner, die schon ihren Job verloren haben, nur weil sie eines sexuellen Übergriffs verdächtigt wurden, obwohl die Verdächtigung angesichts der Situation geradezu lächerlich war. (Ich kenne nicht sehr viele Amis)
Es traute sich einfach niemand mehr GEGEN das Tabu zu sprechen.
Das ist eine grosse Gefahr und ich habe keine Lust, dass diese Seuche auch hier in Europa anfängt zu grassieren. Ich habe keine Lust, dass die Männer (und auch Frauen) immer und überall aufpassen müssen, was genau sie sagen und tun.
Das Ganze artet in eine dogmatische Dogmatik aus, die der mitelalterlichen Inquisition immer ähnlicher wird. Mit einer Einstellung wie sie Mira hat ist dafür der Anfang gemacht.
Also nochmals: Ich teile absolut Miras Ansicht, aber diese Ansicht ist nicht absolut und durchaus hinterfragbar.
Darum cool down. Sprecht vernünftig darüber. Die Missstände sollen aufgedeckt werden, die Täter sollen bestraft werden. Aber es sollen NUR die Schuldigen bestraft werden, keiner sonst.
Was ist psychische Gewalt?
Militärdienst ist auch psychische Gewalt an Jugendlichen.
Das nehmen wir immer noch mehr oder weniger stillschweigend hin.
Jetzt sind wir fokussiert auf Raucher und sexuelle Übergriffe.
Was ist, wenn wir das einigermassen im Griff haben? Was kommt als Nächstes als psychische Gewalt auf uns zu? Steuern zahlen?
Ist zubetoniert werden durch immer mehr Strassen nicht auch eine Form von psychischer Gewalt? Wo sind die Grenzen?
Wir haben ein riesen Dilemma. Wir kommen nicht ohne „Gewalt“ aus, auch wenn wir viele dieser Gewalten erst gar nicht als Gewalt erkennen, – oder soll ich sagen benennen?
Gewalt ist einfach etwas, das uns von aussen zwingt, etwas zu tun, oder nicht zu tun, das uns keine Wahl lässt.
In diesem Sinne können wir nicht ohne Gewalt leben. Dann ist es doch besser, mit dieser Gewalt umzugehen, als sie vernichten zu wollen, (was nur zur nächsten Gewalt führt, oder, noch schlimmer, bereits selber Gewalt ist!)
Darum die Augen auf und die andere Seite auch anschauen.
Gut und Böse existieren nicht, wir machen sie uns selber.
PHEBO
Absolut einverstanden, dass es diese Gesetze gibt und dass sie auch angewendet werden.
Das Denken muss aber schon ein wenig weiter gehen.
Was wenn die lieben Männer plötzlich die weiblichen Bezirzungsversuche auch als Nötigung empfinden werden?
Wo bleibt da ein unbeschwerter Umgang zwischen den Geschlechtern?
Wohlgemerkt, ich spreche die ganze Zeit nur über die Grauzonen, die Grenzsituationen, nicht über pädophile Übergriffe von Priestern oder Erziehungsberechtigten.
Erst in den Grauzonen zeigen sich die eigentlichen Schwierigkeiten.
Entschuldigt mein nachmitternächtliches Geschwafel. Wollte einfach etwas relativieren und dazu anregen, die eigenen Standpunkte mal wieder zu überdenken.
Aber dafür gebührt vor allen Anderen besonders unserer Steinlaus der Dank. Sie hat das mit ihren sanften Worten schon alles viel besser gesagt.
Gute Nacht
Pädpophilie zum aller aller letzen Mal
Der Elefant: „mein ausgangspunkt war klar, obwohl ich auch das anbaggern von kindern für widerlich halte, denn es ist bereits eine grenzüberschreitung. aber immerhin nicht so schlimm wie abgenötigter sexualverkehr.“
Ich danke dir lieber Elefant, und in diesem Dank ist nicht ein Hauch von Ironie. Du hast in diesem Satz klar auf den Punkt gebracht, was mir in meinen Diskussionsvoten nicht gelungen ist. Das ist nämlich genau meine Auffassung: Obwohl ich auch das Anbaggern von Kindern für widerlich halte, denn es ist bereits eine Grenzüberschreitung, so ist dieses Anbaggern immerhin nicht so schlimm wie abgenötigter Sexualverkehr.“
Nur darum ging es mir.
steinlaus
danke für deine antwort.
ja ich verstehe dich.
du hast dir deinen weg in diesem gegangenen unweg gesucht und gefunden. und das lasse ich stehen
und respektiere es auf jeden fall!
(ES braucht mich zwar etwas um nicht zu widersprechen, hinterfragen, zu zweifeln, zu, aber wieso häsch nöd…)
und ich bin mir sicher, das ist eine entscheidung wie du das ganze überlebst und auch fähig bist zum weiterleben die du für dich alleine gemacht hast. verstehst du was ich meine?
für deine tochter, würde ihr ähnliches passieren, würdest du zähne und krallen rauslassen, und ja, kämpfen?
bitte nimm mir diese frage nicht übel, liebe steinlaus, du hast auch gekämpft, da bin ich mir sicher, du hast erfahrungen gemacht und verdaut und dir deinen weg gefunden.
ich muss nochmals drüber nachdenken, im moment bring ich es nicht auf die reihe mit auffädeln der sätze. meine güte.
phebo
danke für den auszug vom schweiz. strafgesetzbuch!
@ der elefant
@ sinenomine
elefant: “ich muss gestehen, dass es mich sehr befremdet, wenn derart hässliche aber bekannte tatsachen heutzutage noch durch die mühle der sachlichen relativierung gedreht werden.”
Ich umarme dich in deinem Befremden, elefant. Möge jede geweinte Träne zu einer lebensspendenden Perle im JETZT werden. Möge jede Narbe, welche von einstiger Gewalt zeugt, im HEUTE von liebevollen Händen zärtlich berührt werden. Möge alles zutode Geprügelte in deiner und in aller menschlicher Tiefe kraftvoll und heil zu neuem Leben auferstehen, möge alles Erstickte zu einem befreiten Atmen finden. Meine Seele verneigt sich vor der deinen und die lichtvolle Kraft der Menschlichkeit in mir drin grüsst die deine. Möge deine eigene Zärtlichkeit und Menschlichkeit tausendfach auf dich zurückfallen!
elefant @ sinenomine: “bist du sicher, dass du all das, was du zu diesem thema in den letzten zwei tagen geschrieben hast, wirklich so schreiben wolltest? ich nicht, denn du scheinst mir gar nicht so gestrickt.”
Ich danke dir für diese Worte, elefant. Damit sprichtst du mir aus dem Herzen. Sinenomine, auch ich spüre Ihre Menschlichkeit und Wahrhaftigkeit. Darin reiche ich Ihnen meine Hand.
Herzlich – die Steinlaus
@ Aysha
Ich danke dir, liebe Aysha. Ich wünsche dir einen wunderbaren Tag!
@ PHEBO und Atalaia
Ich wünsche Ihnen beiden ein frohes und erfülltes Zusammensein!
“Heim kommt man nie.
Aber wo befreundete Wege sich kreuzen,
da sieht die Welt für eine Stunde
wie Heimat aus.”
Hermann Hesse
Herzlich – Ihre Steinlaus
@ Rabbi Jussuf
Rabbi, mein wertvoller und geschätzter, ich danke dir! Für deine Sicht, deine Weisheit, dein Öffnen, deine Beweglichkeit, dein Würdigen, dein Mensch-Sein, dein Da-Sein, dein Fragen und dein Antworten – es ist mir immer wieder eine grosse Freude!
Herzlich – deine Steinlaus
@ zoe
Liebe Zoe, ich danke dir für deine Antwort. Es würde mich sehr interessieren, was du damit meinst: “Aber wieso häsch nöd…”.
Du fragst: “für deine tochter, würde ihr ähnliches passieren, würdest du zähne und krallen rauslassen, und ja, kämpfen?”
Obwohl ich diesbezüglich ja mehr als wachsam bin, liebe Zoe, und wir unsere Tochter von früh an dazu ermutigt haben, ihre Grenzen wahrzunehmen und diese darüberhinaus zu verteidigen und gegebenenfalls ein lautstarkes NEIN hinzulegen, haben in einer Sonderschule leider ebenfalls sexuelle Übergriffe stattgefunden als sie ca. 9 Jahr alt war. Trotz eigener Betroffenheit, trotz Wachsamkeit, trotz aller erdenklicher Bemühungen, konnten wir auch sie nicht davor verschonen. Die Heimleitung wussten davon, hat das Kind erstens nicht davor geschützt, sondern zweitens ihm untersagt, zu Hause darüber zu sprechen. Irgendwann brach unsere Tochter dann unter der unmenschlichen Last zusammen und sie vertraute sich uns an. Glaub mir, Zoe, das waren unsere schwersten Stunden. Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt. Wir wurden allerdings nur sehr zaghaft und recht unwillig unterstützt. Von nicht wenigen Seiten wurden uns zusätzliche Steine in den Weg gelegt. Von einer öffentlichen Stelle am Wohnort wurde uns ich-weiss-nicht-was angedroht, falls wir nicht den “Mund halten” würden. Es war eine Belastung, die uns als Familie an unsere äussersten Grenzen gebracht hat. Schliesslich haben wir das Kind ohne die benötigte Absegnung von Seiten der Behörden und Schulpflege eigenhändig aus der Schule genommen. Damit haben wir uns auf ein Glatteis begeben, welches uns fast zu Fall gebracht hat. Letztlich aber waren sämtliche Stellen von der Gemeinde bis über den Kanton hinaus zum Kinderschutz Schweiz involviert. Erreicht haben wir einzig, dass unsere Tochter eine andere Schule besuchen darf. Unglaublich, aber wahr.
Damit meine ich, Zoe, ist deine Frage, ob wir für unsere Tochter kämpfen würden, beantwortet.
Herzlich – deine Steinlaus
@Rabbi Jussuf 2008-01-25 02:22:07
Wollte dazu nur schnell sagen, dass ich Ihrem relativierenden nachmitternächtlichen Geschwafel vollkommen zustimme, genau wie ich schon weiter oben der Steinlaus zugestimmt habe.
Grau ist eine wichtige Farbe.
rg
rabbi jussuf
danke. ich wusste SIE können mich bei meinem blinden suchen etwas weiterbringen.
stimmt.DAS gut und böse existiert nicht!
ich bestimme selber darüber was ich (für mich) als gut oder böse annehmen will.
sowie jeder andere mensch das auch macht.
ich masse mir sogar an, immer wieder zu meinen den vermeintlichen “täter” zu verstehen.
aber bei kindesmissbrauch hörts bei mir auf, das verstehen können, wollen.
da kommt bei mir gewalt obsi.
und wissen sie warum?
eben, gut und böse gibt es nicht.
und das ist mein dilemma.
@rabbi& all
bitte lies meine statements nochmals.
ich verstehe nicht wie ich in die ecke der dogmatiker gelange.
weisst du, ich habe mehrfach sinenomie darauf hingewisen was differenzieren wäre, insbesondere pädophilen gegenüber.
und ich sage es gerne deutlich: ich habe anderswo differenzierte und respektvollere auseinandersetzungen und diskussionen mit pädophilen geführt als hier mit sinenomie, der in meinen augen heikle manöver betreibt und lies bitte dazu nocheinmal mein zweitletztes posting weiter oben. es ging mir um seine haltung, sein undifferenziertes opfern wie tätern gegenüber.
ich bin keine dogmatiker aber ich versuche in diesem themenbereich so klar wie möglich zu bleiben und nicht kraut und rüben zu mischen.
ich mag ein dickschädel sein, manchmal rechthaberisch, aber dogmatikerin bin ich wohl kaum. und moralinsauer schon gar nicht.
ich bin nun 3 tage weg vom (pc-) fenster und das ist gut so. auch weg vom hiesigen thema. bis mittwoch komme ich zu nichts.
drückt mir die daumen, der mittwoch hats in sich dann. aber davon eben erst am mittwoch.
bis die tage
mira
(sinenomie ich komme nach berliiin…;-))
nein, komm, ich weiss, ich kann schrecklich sein
aber ich bin ja gar noch nicht in fahrt gekommen!)
Rabbi Jussuf
sie schreiben:
“Das Ganze artet in eine dogmatische Dogmatik aus, die der mitelalterlichen Inquisition immer ähnlicher wird. Mit einer Einstellung wie sie Mira hat ist dafür der Anfang gemacht.
Also nochmals: Ich teile absolut Miras Ansicht, aber diese Ansicht ist nicht absolut und durchaus hinterfragbar.”
1. es gibt dogmatische Dogmas (= es gibt in dem Fall auch undogmatische Dogma
2. Mira ist dogmatisch (undogmtisch Dogmatisch oder dogmatisch Dogmatisch?)
3. Sie teilen diese absolute Ansicht
4. Aber diese Ansicht ist zugleich inquisitorisch.
Rabbi das ist, mit Verlaub gesagt, sehr sehr krude.
Übrigens ich finde diese Diskussion wird hitzig,aber auf einem hochstehenden Nivau geführt.
Ihr “cool down” kommt für mich etwas überraschend, insbesondere, da ihre Beitrag etwas hektisch wirkte, ja gar unüberlegt.
Grüsse
@ mira
@ Rabbi Jussuf
Mira, in der dogmatischen Ecke sehe ich dich absolut nicht! Danke für deinen Einwand, er scheint mir sehr angebracht.
Rabbi Jussuf hat sich mit seiner diesbezüglichen Aussage ziemlich aus dem Fenster gelehnt, indem er dich erwähnt, hat diese aber gleich wieder relativiert, indem er deine Ansicht im Grunde ja teilt.
Rabbi, wolltest du nicht vielmehr einfach auf den Wert und die Notwendigkeit von Zwischentönen hinweisen?
@Dobra
Ich mag eben weisse Schimmel viel lieber als schwarze Schimmel, darum muss ich doppelt moppeln.
Ich wollte dogmatische Dynamik schreiben – was aber bei Tageslicht betrachtet ein ähnlich grosser Senf gewesen wäre.
Ja, ja, Sie haben auf der ganzen Linie recht. War eben mitternächtliches Geschwafel.
Leider gibt es auf diesem Blog immer wieder Leute, die die Ungereimtheiten erkennen und blossstellen können!!!! Da muss man höllisch aufpassen, was man schreibt!
steinlaus
doch, ich glaube dir.
oh ja! ich kenne es zur genüge, das kämpfen und angegriffen werden. oh ja.
bei uns dauerte es dreiviertel jahre bis zum schulwechsel. (nach drei wirklich grässlichen vorfällen!) DREI!
ein telefon mit der zuständigen schulpsychologin werde ich wohl nie mehr vergessen. pha das war eine schlimme zeit.
seither sind schulpsychologen und schulpfleger ein rotes tuch für mich.
(vorurteil? kann sein, mir egal)
nun, langsam komme ich bei mir auf den punkt und auch auf den weg dich anzusprechen ohne zu verletzen.
also, der rabbi hat über die gewalt geschrieben.
mich erstaunt immer wieder wie du liebevoll und ja eigentlich positiv mit deinem erlebten umgehen kannst. es gibt menschen die zerbrechen ab solcher erfahrungen. du hast erkennt und auch ein ventil gefunden dich daraus zu lösen.
es haben nicht alle menschen ein solches ventil zur verfügung, oder vielleicht schon zur verfügung, merken es aber nicht.
und weisst du was? je mehr ich darüber nachdenke, fällt mir auf, umso mehr komme ich ins nachdenken.
liebe steinlaus, danke für deine geduld.
@ Rabbi
Ich habe das Strafgesetzbuch zitiert, um zu zeigen, dass eine sexuelle Handlung mit einem Kindern und Abhängigen auch dann strafbar ist, wenn der Täter keine physische oder psychische Gewalt anwendet.
Das Votum von Sinenomine erweckte bei mir den Eindruck, dass da eine Verwirrung besteht.
Aber jetzt sollte es allen klar sein, oder?
Ihre Bedenken verstehe ich. Das Thema Kindsmissbrauch ist emotional dermassen “aufgeladen”, dass es wichtig ist, trotz allem ruhig zu bleiben, damit nicht Unschuldige bestraft werden. Beispielsweise gibt es immer wieder Fälle, bei Ehen, die im Streit auseinandergehen, in denen ein Elternteil das Kind gegen den anderen Elternteil manipuliert und einen Missbrauch behauptet (um die elterliche Sorge zu erhalten). In so einem Fall “gehört es sich nicht” und ist “politisch inkorrekt”, die Wahrheit des Missbrauchs in Frage zu stellen, aber es ist trotzdem dringend nötig. Aber auch sehr schwierig … Und wie gesagt, allein der Verdacht bleibt am Beschuldigten sein Leben lang haften.
Ich habe Ihre Bedenken in diesem Sinn verstanden.
mira
nein du bist nicht dogmatisch.
und eben, daumendrück!
Falls es jemanden interessiert, hier eine Website aus Deutschland zur Problematik des Missbrauchsvorwurfes bei Trennung/Scheidung.
http://www.vaeterfuerkinder.de/glaubh1.htm
@ zoe
Du schreibst: “es gibt menschen die zerbrechen ab solcher erfahrungen.”
Oh ja, Zoe. Auch ich meinte lange Zeit, daran zu zerbrechen. Und ich empfinde es als unermessliches Geschenk, dass aus dieser Zerbrochenheit wieder “etwas in sich Ganzes” werden konnte. Darüber hinaus gilt mein Mitgefühl all jenen, deren Zerbrechen zu einer Erstarrung im Leid oder gar zur letzten Konsequenz – dem Tod – führt. Es sind Viele, ich weiss.
Ich vermag in meiner menschlichen Begrenztheit aber nicht zu erfassen, ob der Tod wirklich das Ende ist. Wer weiss, vielleicht findet Heilung über den Tod hinaus statt? Dies muss ich für mich offen lassen, hier stehen wir an der Schwelle zum Numinosen, Geheimnisvollen, Unsichtbaren. Ich kann mir darüber kein Urteil anmassen, darf mich weder vom Licht blenden lassen, noch schwarzmalen.
“es haben nicht alle menschen ein solches ventil zur verfügung”
Diese Aussage hat es in sich, Zoe. Mein Weg ist nicht die Norm und widerspricht den gängigen Fachmeinungen. Umso dankbarer bin ich aber, dass ich mich mit genau diesen, meiner Meinung nach zu pessimistischen, zu engen, Ansichten entgegen allen Statistiken niemals zufrieden gegeben habe. Glücklicherweise habe ich meinem eigenen, innersten Kern vertraut und mich nicht einer äusseren Instanz unterworfen. Hätte ich dies getan, wären meine Flügel heute noch gestutzt, respektive an Freiheit und Fliegen wäre nicht einmal im Traum zu denken.
In diesem Sinne können Psychiatrie/Psychologie stigmatisieren, uns zu Opfern degradieren, anstatt unsere Seelen zu erlösen, zu heilen. Hätte ich nicht eine Psychotherapeutin gefunden, welche an mich (und damit fast ans Unmögliche) “geglaubt” hat und deren Sicht nicht meilenweit über die gängigen Lehrmeinungen hinausgereicht hätte, wäre ich heute nicht da, wo ich stehe. Zudem hatte ich das unermessliche Glück, früh einen wunderbaren Lebenspartner (nebenbei: gleichermassen auch Nervensäge – aber da sind wir uns nichts schuldig) zu finden, welcher mir die Barmherzigkeit erwiesen hat, mich durch alle Abgründe hindurch zu begleiten. Es zeugt von unglaublichem Mut und einer umwerfenden Menschlichkeit, mich auf dieser oft bedrohlichen und fast ausichtslosen Gratwanderung begleitet zu haben. Ich glaube, wir sind dabei alle drei weit über uns selbst hinausgewachsen. Meine Dankbarkeit, in dieser Zeit nicht alleine gewesen zu sein, ist unbeschreiblich, Zoe, und nicht alle haben das Glück, im richtigen Moment (oder im letzten Moment) auf liebevolle Hilfe und Unterstützung zählen zu dürfen.
In diesem Sinne leide ich auch an einer Art “Überlebensschuld” all denjenigen gegenüber, denen ein solch erlösendes Schicksal nicht beschieden ist. Auch in Bezug auf ein weiteres, vom Thema nicht so weit entferntes, Erlebnis, kämpfe ich gegen diese Überlebensschuld an:
In meiner Jugend machte ich ein Praktikum in einem Kinderheim. Ein Lehrer und Mit-Leiter dieses Heims lockte mich unter dem Vorwand, mir selber gemalte Bilder zu zeigen, in seine Wohnung. Er schloss hinter mir ab und versuchte unvermittelt und brutal, mich zu vergewaltigen. Ich konnte (verletzt) flüchten, obwohl ich im Schock wie gelähmt war. Meiner Zimmerkollegin widerfuhr ein paar Tage später, als ich in meiner Scham und meinem Schock immer noch stumm gefangen war, aber roboterartig funktionierte, wahrscheinlich dasselbe und sie warf sich kurzerhand vor den nächsten Zug. Ich habe so oft damit gehadert, Zoe, weshalb sie sterben musste und ich nicht. Es gab Zeiten, in denen ich mir wünschte, ich wäre damals gestorben.
Aber ich bin am Leben. Und mein ganzes Ansinnen zielt in die Richtung, meine Dankbarkeit dem Leben und den Menschen gegenüber, auszudrücken, meine Überfülle an Licht und Liebe weiterzuschenken und TROTZ ALLEM UND ENTGEGEN ALLGEMEINGÜLTIGER MEINUNGEN Zuversicht und Hoffnung zu vermitteln. Vielleicht kann dies als Wiedergutmachungsakt allen anderen gegegüber, die nicht mehr zu einem erlösten Leben zurück finden, gedeutet werden. Vielleicht.
“…oder vielleicht schon zur verfügung, merken es aber nicht”
Ich bin davon überzeugt, Zoe, dass wir alle eine unglaubliche, überwältigende Quelle an Kraft, Licht und Liebe in uns tragen. Nur ist oft der Zugang dazu verschüttet. Diese Verbindung zur eigenen Kraft, zur eigenen Lichtseele, zur Liebe ganz allgemein wiederherzustellen, ist ein komplexes Unterfangen.
Ich will versuchen, meine konkreten Quellen so gut wie möglich zu beschreiben. Diese Angaben betreffen aber nur meinen persönlichen Weg und sollen nicht als “allgmeingültiges Heilmittel” betrachtet werden. Ich bin davon überzeugt, dass es unzählige Wege zu Glück und Heilung gibt.
Inmitten abgründigster Verzweiflung fand ich immer irgendwann in eine Mitte, in welcher die Zeit stillzustehen schien und die Seelenqual unbeschreiblich erlösend abzunehmen begann. Es ist, wie wenn ich irgendwann den Kampf aufgebeben und zu einem Einverständnis damit, was war, gefunden hätte. Darin schien ich das Nichts umarmt und das Alles wiedergefunden zu haben. Es war, wie wenn die schöpferische und ordnende Energie aus der Erstarrung wieder ins Fliessen gekommen wäre. Es handelte sich dabei um eine Art Tod und Wiedergeburt.
Richard Bach hat einmal geschrieben: “Was die Raupe das Ende des Lebens nennt, nennt der Meister einen Schmetterling.”
Es scheint mir von grosser Bedeutung zu sein, willentlich und bewusst sich auf dieses “Sterben und Neu-Geboren-Werden” einzulassen, damit einverstanden zu sein, sich bedingungslos diesem Geschehen auszusetzen. Ich bin davon überzeugt, dass es nicht ausreicht, um die innere Weisheit zu wissen. Ich glaube vielmehr, dass ebenso sehr innere Absicht, Hingabe und Einwilligung vorhanden sein müssen, damit Öffnungen entstehen und Transformations- und Heilungsprozesse eingeleitet werden können.
Ich erlebe und erlebte immer wieder, wie das “Schmerzfeuer” beengende “Schleier” oder “Masken” verbrennt, die mich von meinem eigentlichen Seelenkern trennen. Dadurch wird ein neuer Zugang zu meinem eigentlichen Selbst möglich und ich erlange neu die Freiheit, ganz und gar mich selbst zu sein. Das Prinzip von Untergang und Auferstehung scheint Voraussetzung zu sein für Erneuerung und Wandlung.
Auch die Worte von David Steindl-Rast sind so sehr treffend und berührend: “Die Augen der Hoffnung schauen durch alles Unvollkommene hindurch in das Herz aller Dinge und finden dort Vollkommenheit.”
Und so können im Zustand von Leid und Schmerz Gegenkräfte geweckt werden, die mich letztlich in die Tiefe des Verstehens fallen lassen, sodass neue, schöpferische und kreative Schritte möglich werden und ein dynamisches Gefühl für das Lebendig-Sein entstehen kann. Gerade durch das Umarmen des Schmerzes wird eine Transformation eingeleitet, die das Leid verwandelt und mich zu einer lebensbejahenden, zuversichtlichen und manchmal sogar gelassenen Haltung zurückführt.
Joan Borysenko schreibt: “Wenn unsere Seele in Flammen steht, können alte Überzeugungen und Ansichten verbrennen, wodurch wir in innigere Berührung mit unserem eigentlichen Wesen und dem Herzen der Heilung gelangen “
Öffne ich mich in der Weite des Himmels und getröstet vom ewigen Lied diesen Vorgängen, kann das eigentliche Wunder heilender Integration sich entfalten. Geborgen in der wieder aufflackernden Ahnung von Ganzheit erscheint am Abgrund ein neuer Horizont, welcher in seiner Weite mich für den Raum der unendlichen Möglichkeiten sensibilisiert. Der Himmel tut sich auf und lässt meine Seele im Rhythmus des Lebens tanzen und damit werde ich zentriert mit dem eigentlichen Wesenskern meines Selbst.
Zoe, ich weiss nicht, ob du mit dieser Frage darauf abgezielt hast und ob ich dir das geschrieben habe, was du von mir wissen wolltest. Bitte frage ansonsten einfach wieder nach, ich werde dir, so gut wie möglich, antworten.
Herzlich – deine Steinlaus
Rabbi Jussuf
Blosstellen wollte ich sie nicht, das tut mir leid, wenn das so angekommen ist.
Aber immerhin haben sie mira in die Ecke der Dogmatikerinnen gestellt und dabei gar einen Vergleich zum Mittelalter gezogen.
Darum habe ich reagiert. Wenn es zu harsch war: sorry Rabbi Yussuf. Sie wissen, ich schätze ihre Beiträge (sonst) sehr.
Aysha
Steinlaus
Mira
Zoe
Rabbi Jussuf
Dobra
Sinenomine
Hoch interessant Eure Stellungnahmen, derart bereichernd, wichtig und wohltuend die Faehigkeit, alle Seiten des hochbrisanten Themas zu beleuchten!
Aus Zeitmangel nur ein riesengrosses Kompliment an alle!
Mira -
TOI TOI TOI – Du weisst unterdessen, was das folgeschwer bedeutet!
Hier wird es 10vor3 sein!
Rabbi
wie uebersetzt Du toi-toi-toi auf Spanisch?
@ rabbi jussuf, rg
>>”Das Ganze artet in eine dogmatische Dogmatik aus, die der mitelalterlichen Inquisition immer ähnlicher wird. Mit einer Einstellung wie sie Mira hat ist dafür der Anfang gemacht.
Also nochmals: Ich teile absolut Miras Ansicht, aber diese Ansicht ist nicht absolut und durchaus hinterfragbar.
Darum cool down. Sprecht vernünftig darüber. Die Missstände sollen aufgedeckt werden, die Täter sollen bestraft werden. Aber es sollen NUR die Schuldigen bestraft werden, keiner sonst.”<<
rabbi, dein beitrag irritiert mich. und rg, sie stimmen ihm vollumfänglich zu.
meine herren!
meinten sie mit der mittelalterlichen inquisition meine ansicht? (… umbringen, kastrieren…). ich sehe in den beiträgen von mira keine dogmatik und auch keine mittelalterlichen gedanken.
oder sind meine aussagen so under jedem hund?
ich gehe jeweils davon aus, dass du rabbi und sie rg, differenziert denkende menschen seid. dass ihr beiden mehr seid als es hier im blog in erscheinung kommt.
den oben zitierten zeilen entnehme ich, dass mir ( und auch mira?) eine differenzierte denkweise nicht zugetraut wird.
von mir aus ging es bei der diskussion immer um den sexuellen missbrauch eines KINDES.
wenn eine mutter ihren mann aus was für motiven auch immer mit solch schmutzigen anschuldigungen verleumdet und kriminalisiert, ist das mehrfacher missbrauch.
wie können sie nur denken, dass ich so etwas gutheissen könnte? muss ich das wirklich ausdrücklich sagen?
denkt ihr, dass ich die erwähnten amerikanischen zustände gut finde?
ich wehre mich dafür, dass die tatsache des sexuellen missbrauchs von kindern als das, was sie ist, stehen gelassen und nicht relativiert wird.
mira brauchte das wort ” verwässern”.
wie treffend. es geht mir auch darum, nicht alles in den gleichen topf zu werfen.
steinlaus schrieb, wie sie ihre tochter eindrücklich lehrte ‘nein’ zu sagen!
dammi nomal! kein kind sollte das lernen müssen! wir erwachsenen dürfen diese last nicht den kindern aufbürden.
wenn wir erwachsenen sogar hier relativieren, verständnis aufbringen wollen, schweregrad des missbrauchs definieren…
ich wünschte mir als frau, vor allem von männern, dass sie die eigenverantwortung des erwachsenen bejahen. und dass sie dies auch jederzeit in männerrunden unmissverständlich zum ausdruck bringen.
wenn die männer hier ihre missbilligung der grenzüberschreitung ausdrücken und gleichzeitig ein ABER anbringen, ist das für mich unglaubwürdig.
wie sie wissen trennt das wort ABER und macht das vorher gesagte ungültig.
ich kenne grautöne aller schattierungen!
aysha
vielleicht geht mir euer gespräch zu tief unter die haut…
was ich auch denke, ihr frauen und wir männer empfinden sehr unterschiedlich. es braucht viel toleranz.
dä solochrischt
Nein Dobra,
ich hab das positiv gemeint! Es ist sehr gut, wenn man gleich korrigiert wird.
Und Du hast mich auch nicht blossgestellt. Das hab ich wenn schon ganz alleine geschafft.
Den Vergleich zum Mittelalter halte ich aufrecht, wenn ich damit auch nicht Mira meine. Es ist nur die verabsolutierende Haltung dahinter, die mir Angst macht. Schau die Zustände in den USA an. Was da zum Thema läuft, das führt gradewegs zur Inquisition, wenn’s nicht schon so weit ist. Und wie Du weisst, haben wir Europäer die Eigenart besonders die schlechten Dinge von den USA möglichst rasch zu übernehmen.
Aber bei uns ist manchmal grade das Gegenteil, wie die Geschichte von Steinlaus Tochter zeigt. Ich kenne selber auch noch einige solche Geschichten.
Ich glaube allerdings, dass es dabei nicht speziell nur um sexuelle Übergriffe geht, sondern es irgendwie systemimmanent ist, dass fehlbare und vor allem unfähige Personen viel zu lange geschützt werden und dadurch den Schaden vervielfachen können.
Wir haben also Missstände auf beide Seiten.
@ Rabbi Jussuf
Und noch einmal, Rabbi, herzlichen Dank für deinen Beitrag.
“Schau die Zustände in den USA an. Was da zum Thema läuft, das führt gradewegs zur Inquisition, wenn’s nicht schon so weit ist.”
Ich teile deine Besorgnis in Bezug auf eine verabsolutierende Haltung. Jegliches Dramatisieren ist genau so weit von einer lebbaren, ausgewogenen, gesunden Mitte entfernt wie das Bagatellisieren. Du zeigst hier ein sehr feines Gespür und genau darauf wollte ich hinaus, als ich die Zwischentöne erwähnte.
“Die Frage aber geht ein wenig tiefer. Wie weit lassen wir es zu, dass die öffentliche Meinung zur absoluten Wahrheit wird?”
Sobald das Leben in schwarz-weiss zu spielen beginnt, haben wir das Spiel verloren. Ohne eine gewisse Flexibilität wären wir ausserstande, mit den Bällen zu jonglieren, die uns das Leben zuspielt. Dort, wo jegliche Meinungen vorgefasst sind und als abschliessendes Urteil gehandhabt werden, fehlt es an menschlichem Raum, an Perspektiven und an Weite. Das Leben spielt anders!
“Es traute sich einfach niemand mehr GEGEN das Tabu zu sprechen. Das ist eine grosse Gefahr und ich habe keine Lust, dass diese Seuche auch hier in Europa anfängt zu grassieren.”
Diese Gefahr besteht in der Tat. Und auch darin gebe ich dir Recht: Kaum jemand wagt es, sich diesbezüglich zu exponieren.
“Wir haben ein riesen Dilemma. Wir kommen nicht ohne „Gewalt“ aus, auch wenn wir viele dieser Gewalten erst gar nicht als Gewalt erkennen, – oder soll ich sagen benennen?”
Ich meine, es gehört zur “condition humaine”, in einem gewissen Mass schmerzlich eingeschränkt zu werden und den Gegebenheiten ausgesetzt zu sein. Es ist nicht primär “schlimm” oder “falsch”, dass uns neben Beglückenden auch Leidvolles begegnet. Dies macht auf ganz natürliche Weise das Leben, das Mensch-Sein aus, so, wie das Ein- und das Ausatmen sind wir in diesen Rhythmus eingebunden. Darin sind wir gefordert, manchmal überfordert, sicher aber wird unser persönliches Wachstum und unsere Lebenskompetenz dadurch gefördert.
Allerdings müssen wir dabei, wie du es angetönt hast, immer wieder die Frage betreffend der Grenzen erörtern. Und diese Grenzen sind fliessend, weil sie in einer komplexen Abhängigkeit zu den Gegebenheiten stehen. Und vielleicht neigen wir dazu, genau dort, wo es am Deutlichsten zu sein scheint, was “gut” und was “böse” ist, die Zwischentöne zu negieren.
“Ich glaube allerdings, dass es dabei nicht speziell nur um sexuelle Übergriffe geht, sondern es irgendwie systemimmanent ist, dass fehlbare und vor allem unfähige Personen viel zu lange geschützt werden und dadurch den Schaden vervielfachen können.”
Absolut einverstanden! Ergänzend möchte ich anfügen: Personen, welche diese Missstände aufzudecken versuchen, werden leider meist als “Nestbeschmutzer” und “Unruhestifter” verschrien, rausgemobbt und zum Schweigen gebracht. Und dabei heiligt der Zweck oft die Mittel.
Herzlich – deine Steinlaus
@ rabbi jussuf
wir europäer konnten es uns bisher zum glück verklemmen, das absurde rechtssystem der usa zu übernehmen. ich denke, dass wir auf dem alten kontinent in vielen dingen gelassener sind als die neue welt: unsere geschichte ist über einen viel längeren zeitraum viel kontinuierlicher verlaufen, als die der usa. dort hat nach meinen bescheidenen kenntnissen die EROBERUNG eines lebensraumes, getragen von der manifest destiny, für eine eigenartige absolutheit und hektik in rechtsfragen gesorgt. fast so, als wäre jede gesellschaftliche auseinandersetzung eine verlegung der pazifikküste westwärts.
prinzipiell halte ich es für gefährlich, den missbrauch eines tatvorwurfs in irgendeiner weise in die bemessung einer tat einzubeziehen, und unser ausgangsthema waren konkrete taten.
wenn wir hier also positionen zum thema missbrauch abstecken, ist es zwar auch wichtig, fälle wie zum beispiel worms mitzudenken. aber unser urteil über die tat an und für sich sollten solche fälle niemals beeinflussen.
ELEFANT
…. wie konnte ich Dich beim Aufzaehlen der eindruecklichen Beitraege zu diesem heiklen Thema auslassen.
Entschuldige, Du weisst, wie man langsam in diesem Blog ueberfordert ist.
Also Du gehoerst selbstverstaendlich auch dazu. Sorry! Ist doch klar.
aysha liebe aysha
ich höre ärger aus deinen zeilen. aysha,
ich glaube der rabbi würde dir nie differenziertes denken absprechen.
ABER es ist dein recht nein zu sagen, wenn es dir gegen den strich geht.
UND ich hoffe nein sagen hast du als kind schon gelernt!
und gopfridstutz, es ist wichtig für kinder nein sagen zu lernen. nein, ich will nicht mehr essen, trinken, schlafen, mit dem guten onkel spielen.
das verstehst du doch oder?
was meinst du mit “last”?
meinst du eventuell die last der erklärung hinter einem nein?
steinlaus
du tust mir gut. danke!
(ich bin im moment seeehhhr kopflastig, lebenssituationsbedingt, und es tut mir einfach gut)
ich bin am sortieren und melde mich gern wieder an dich.
@ zoe
Es freut mich sehr, dass meine Worte dir gut tun! Du bist mir gegenüber total frei – es besteht absolut keine Verpflichtung, auf irgend etwas von mir zu reagieren. Tu es nur, wenn du Lust dazu hast oder das Bedürfnis dazu verspürst.
Mach’s guet und e schöns Wuchenänd!
Deine Steinlaus
liebe steinlaus
nun, das liest sich wie, wenn ich dich “brauchen” würde nehm ich dich hervor!
den eindruck wollte ich vermeiden.
uiuiui
lieber gruss
@Aysha
die Täter töten wäre unmenschlich, der Wunsch danach nicht. Ich denke, so darf ich ihren Einschub interpretieren
Dem Staubsauger geht es gut, er ruht.
Dem armen Kerl musste mal etwas Luft ablassen
Meine Wohnung leidet, die Freundin klönt und die Nachbarin stöhnt.
Der Dobra, aber der wird verwöhnt.
Das süsse Nichtstun will ihm es mal nicht schwertun.
@ zoe
Ich danke dir, Zoe. Es ist alles in Ordnung!
Selbst wenn es so wäre, dass “du mich hervornehmen würdest, wenn du mich brauchst”, könnte ich selber dann entscheiden, ob ja und in welchem Mass.
Herzlich – deine Steinlaus
@ zoe
liebste zoe
habe ich tatsächlich so unklar geschrieben?
leider, leider müssen wir den kindern das nein beibringen. ich meinte, nicht die kinder müssten ihre grenzen verteidigen, sondern und immer die erwachsenen die grenzen einhalten. erwachsene müssen wissen, wo die grenzen sind und nicht die kinder. weil aber die erwachsenen das nicht tun, bürden wir die wahrung der grenzen unseren kindern auf.
wie erfolgreich die kinder das können, sehen wir ja.
die vorstellung, dass so etwas meinem kind passieren könnte, hat bei mir tatsächlich die emotionen von: “ich bringe den um, ich kastriere den…” ausgelöst. ist das nicht normal?
darf das nicht ausgesprochen werden? für mich ist es eher befremdlich, dass ein elternteil, bei dieser vorstellung keine solchen emotionen hat.
bin ich unzivilisiert?
ich habe gelernt nein zu sagen. mein nein zum sexuellen misbrauch von kindern habe ich hier unmissverständlich, klar und ohne jein formuliert und lande in einer ecke, die der sache nicht gerecht wird.
so und jetzt schweige ich.
mit ganz liebem gruss
aysha
nein, aysha, schweig noch nicht! und auch ihr anderen: richtet euer augenmerk doch noch kurz auf diesen link:
die nummer eins der hässlichsten plattencovers aller zeiten, von den geschmacklich sowieso unschlagbaren scorpions… so widerlich kann populärkultur sein!!!
ich hatte ganz vergessen, dass es diese scheibe je gab, obwohl mir das cover von flohmärkten geläufig ist. nach dem betrachten dieser rockteutonischen sauerei frage ich mich langsam, wie tief DAS eigentlich in der gesellschaft ist…
ein deutsches versandhaus hat immerhin mal string tangas für 3-5jährige im sortiment gehabt und erst nach abokündigungen und empörten anrufen aus dem katalog gestrichen…
ganz ehrlich: gibt jegliches relativieren nicht erst einen ungetrübten blick auf den ganzen grad der verseuchung????????
(die weiteren 162 übelsten cover aller zeiten sind zu neunzig prozent belustigend, bis auf zwei weitere sexistische ausfälle der unvermeidlichen scorpions und ein, zwei andere phallokraten…)
Aysha
Zoe
Steinlaus
Mira
Dobra
Elefant
Rabbi Jussuf (warte immer noch auf Deine spanische Uebersetzung von toi-toi-toi – ich brauche sie dringendst, fuer mich und meine Umwelt!)
Um auf andere Gedanken zu kommen – hier mein heutiges grandioses Erlebnis im Pazifik. Nach knapp einer halben Stunde Bootsfahrt dort – die ersten Blasfontaenen – meterhoher gewaltiger Wasserstrahl erhebt sich gegen den Himmel. Wir drosseln die Geschwindigkeit und lassen den Motor nur leise im Leerlauf vor sich hintuckern. Schon nach wenigen Minuten tauchen die grossen schwarzen Koerper der grandiosen Buckelwale neben unserem Boot auf. Erst nur als grosse Schatten, dann kommen sie mit dem Ruecken aus dem Wasser und zeigen uns schliesslich beim Abtauchen auch ihre riesige Schwanzflosse. Die Stunden vergehen wie im Flug. Ich war da, staunend, geniessend und mich winzig klein und unbedeutend fuehlend, angesichts dieser imposanten, friedlichen Kolosse…..
Das war GOETTLICH erleben zu duerfen!
Gute Nacht an alle…..ich traeume weiter in den Tag hinein!
@ elefant
Das ist wirklich sehr schlimm.
Da gibt es nichts zu relativieren und zu rechtfertigen, klar.
Mein Einwand bezog sich ja auf die Problematik, dass mit Missbrauchsanschuldigungen missbraucht werden. Schon mancher Mann hat deswegen Selbstmord begangen, und schon manche Eltern wurden so von ihren Kindern entfremdet. Jeder Mann ist ein potentieller Opfer solcher falscher Anschuldigungen. Und verschärft wird das Problem durch übereifrige “Kinderschützer” und Feministinnen, die in jedem Fall einen Vergewaltiger sehen, sowie Psychologen/-innen und Psychotherapeuten, die unseriös arbeiten und ihren Klienten zum Teil sogar einreden, sie seien missbraucht worden. Worm ist das extremste, bekannteste Beispiel, aber es gibt auch viele andere.
Die Bedenken der Männer verstehe ich deshalb nicht als “Verwässerungsversuche”, sondern als Ausdruck von Besorgnis, weil es sie auch treffen könnte.
Ich wehre mich dagegen, dass mir “Verwäserungsversuche” vorgeworfen werden, bloss weil ich auf diese Problematik hinweise.
So und jetzt schweige ich auch.
@ Steinlaus
Vielen Dank fuer die lieben Wuensche. PHEBO und ich werden uns dann nach dem Karneval treffen. Es wird sicher toll, mal jemandem aus dem Blog kennenzulernen.
@ aysha
„ ich wünschte mir als frau, vor allem von männern, dass sie die eigenverantwortung des erwachsenen bejahen. und dass sie dies auch jederzeit in männerrunden unmissverständlich zum ausdruck bringen“
Diese Wort könnten von meiner Frau sein!
Schönen Sonntag wünsche ich Ihnen
Herzlich
Juan P
Falls jemand mitliest (vielleicht Herr Stamm weiss dies):
Gibt es eigentlich Vergleichszahlen der Pädophilie Straftaten und auch sonstiger Sexualdelikten nach verschiedener Religionzugehörigkeit unterteilt?
Juan P
Liebe Aysha
Wie ich es sehe, wurde die Diskussion ernst als der elefant den sexuellen Übergriff auf einen Minderjährigen als “eines der übelsten Verbrechen überhaupt” bezeichnete.
@sinenomine hat in seinem Beitrag versucht das Ganze zu relativieren.
Nach langem hin und her und immer stärkeren Fronten, hat die Steinlaus versucht das ganze einwenig zu relativieren und ich habe ihr dazu einen unterstützenden Kommentar geschickt.
Wieder später, hat Rabbi versucht die zwei Seiten zu relativieren und ich habe auch ihn mit einem Kommentar unterstützt.
Wenn ich jetzt aber Ihren Beitrag an Rabbi und mich in Isolation lesen würde, müsste ich denken dass ich den sexuellen Missbrauch eines Kindes unterstützen oder zumindest verteidigen würde. Dem ist absolut nicht so, und Sie wissen das.
Was mich aber an den ABSOLUTEN Meinungen zu diesem Thema stört, ist das es den Weg ebnet, zu Beispielen wie die zwei folgenden.
Machtgefälle kann auch umgekehrt angewendet werden. Genau das ist zwei meiner Freunde passiert, beide sind/waren Schullehrer in den USA, eine Frau und ein Mann.
Beide wurden von einer ihrer Schülerinnen erpresst/bedroht, dass wenn die Noten nicht besser würden, sie sie wegen sexuellen Übergriffen einklagen würden.
Die Frau hat ihrer Schülerin bessere Noten und hat ihren Job immer noch. Der Mann ist darauf von sich aus zum Boss gegangen und hat die Schülerin angezeigt. Nach einer langen Untersuchung, in der auf beiden Seiten nichts bewiesen werden konnte, hat der Lehrer seinen Job verloren. Nach dem Motto, wo Rauch ist muss auch ein Feuer sein.
rg
@ juan p
lieber juan, ich danke ihnen für die guten wünsche. grüssen sie ihre frau ganz herzlich von mir.
eigentlich wollten sie und ich ja noch über ” ‘das’ glauben” reden. sie glauben als jemand ohne religion und ich glaube als frau mit religion. spannend!
sie sind neu im blog. ich bin schon bald anderthalb jahre dabei. wenn sie einen dialog mit mir möchten, ist es für mich am einfachsten, auf fragen von ihnen zu antworten. da ich in dieser zeit schon sehr viel über meinen glauben geschrieben habe, möchte ich mich nicht von mir aus wiederholen.
und vielleicht haben sie keine fragen an mich, dann schauen wir, ob sich eine gelegenheit im verlaufe der diskussionen ergibt.
die frage nach dem anteil der sexuellen übergriffe, in den verschiedenen religionsgruppen, sollte nicht gestellt werden.
weil: da ist immer der mensch, der tut. der mensch ist mensch, unter welchem dach er auch steht.
mit freundlichem gruss
aysha
@ moriamor
danke für die wunderschönen bilder. ich stelle mir vor, wie ich im boot sitze, diese grösse und erhabenheit sehe und weine.
ich umarme dich ganz herzlich.
@ phebo
meine erwähnung des relativierens war nicht so sehr auf deine einwände gemünzt: diese halte ich für eine wichtige und erwähnenswerte kehrseite der medaille, und rg’s beispiel der lehrer in den usa ist ja auch nur eines unter vielen.
schuld lässt sich immer auch als waffe gebrauchen.
wusstest du übrigens, dass die entwicklung im falle worms nun endgültig die bahnen aller menschlichkeit und vernunft verlassen hat? derjenige, der die anzeigen gegen die eltern so erfolgreich durchgedrückt hat und massgeblich zur hexenjagd-athmosphäre beigetragen hat: der steht vor gericht, weil es immer ersichtlicher ist, dass er die übergangsweise in seinem heim (und nicht etwa bei den eltern) untergebrachten kinder WIRKLICH missbraucht hat.
das muss man sich nun mal als ganzes vorstellen: kinder werden “zu ihrem schutz” aus ihren familien gerissen, den eltern entfremdet, und das über jahre – und das resultat ist die auslieferung dieser kinder an einen sexualtäter…
der unseriöse umgang mit solch schwerwiegenden vorwürfen, die gleichzeitige weitreichende akzeptanz unterschwelliger pädophilie in unserer gesellschaft: das wollte ich ansprechen mit meinen gedanken zur relativierung.
grau ist nicht nur eine wichtige farbstufe, es ist auch manchmal wie ein schützender schleier, um das schwarz nicht so machtvoll erscheinen zu lassen.
es sieht so aus, dass die zölibatär bedingten entgleisungen nur die auffallende spitze eines eisbergs sind. wir können diese spitze abhauen, dann taucht nur noch mehr vom eisberg auf, und wir werden fassungslos sein, wie gross er ist.
andererseits: ohne den festen willen, wenigstens den erreichbaren teil des eisbergs fortzupickeln, wird er niemals kleiner…
Dem Votum von elefant kann ich nur zustimmen. Ich teile die Ansicht, dass seriöse Abklärungen von Nöten sind bei Anschuldigungen und Anzeigen von Übergriffen und Pädophilie. Ich nehme an, dass da nicht nur in kirchlichen Kreisen sondern ganz generell in unserer Gesellschaft ziemlich viel unter den Teppich gekehrt und verharmlost wird.
@ Steinlaus
Auch ich danke Ihnen fuer die guten Wuensche. Jetzt muessen Atalaia und ich uns nur noch einig werden, welcher Carnavel der beste ist;-))
@ elefant
Klar, ohne den festen Willen geht gar nichts. Ueber die Entwicklungen in Worms bin ich einigermassen auf dem Laufenden. Aber von dieser “Paedophilenpartei” in den Niederlanden habe ich noch nie gehoert. Kannst du da mehr dazu erzaehlen? – Das Skorpion-Album Virign Killers ist ja aus dem Jahr 1977 (habe nachgeschaut). Ich denke, heute waere so etwas nicht mehr moeglich/akzeptiert. In der Folge der 68er/sexuelle Revolution war der Umgang mit diesem Thema anders, “lockerer?”, “unueberlegter”?(toent nicht gut, aber wie koennte ich das sonst sagen?), heute gibt es eine viel groessere Sensibilitaet fuer die Ausbeutung der Kinder. Mit der Spitze des Eisbergs hast du sicher recht. Leute, wie die Personen im Beispiel von rg, oder diejenigen, die den Fall Worms verursacht haben, schaden der Sache sehr. Deshalb mein Aufruf, trotz der Emotionaltaet des Themas ruhig und sachlich zu bleiben. Ich bin auch der Meinung, dass der Blick auch auf den Taeter gerichtet sein sollte (Praevention). Die Taeter stehen vielleicht unter einem grossen Leidensdruck. Die Taeter zu verdammen und verteufeln und lebenslang “einzulochen” ist nicht die beste Antwort! Ich wuensche mir, dass auch ueber diesen Aspekt ruhig und sachlich gesprochen werden kann, ohne dass gleich der Vorwurf des Relativierens, Rechtfertigens und Verwaesserns kommt.
@ PHEBO
Danke! Tja, die Qual der Wahl…in Bezug auf den Carneval aber glücklicherweise auch nicht so sehr von Bedeutung wie in anderen Bereichen.
Herzlich – Ihre Steinlaus
“wenn wir hier also positionen zum thema missbrauch abstecken, ist es zwar auch wichtig, fälle wie zum beispiel worms mitzudenken. aber unser urteil über die tat an und für sich sollten solche fälle niemals beeinflussen.”
Finde ich eine problematische Haltung. Das Problem in “Fällen” und gerade in Fällen pädophilen Missbrauchs durch Bezugspersonen der Kinder (Eheschidungssituation!) ist immer der Beweis und bei der Frage der Beweiswürdigung sind Fälle wie Worms wichtige Warnzeichen.
Ich habe als Richter erlebt, wie ich von “wohlmeinenden” Personen aus dem Umkreis dr Familie (Therapeuten)bedrängt und als Fachidiot hingestellt wurde, weil es doch klar sei, dass der Mann das getan habe, so etwas werde doch nicht erfunden. Für viele Personen aus diesen “wohlmeinenden” Kreisen ist man schon deshalb pädophilenfreundlich, weil man darauf besteht, dass niemand verurteilt wird, ohne dass seine Tat abgeklärt ist und weil man die Möglichkeit in Betracht zieht, dass auch der Ehegatte, auch die Kinder falsch aussagen können (Kinder lügen nie). Schliesslich gilt noch weiter der Satz “im Zweifel wird freigesprochen”, auch das emfpinden die Wohlmeinendenals Affront, Kinderschutz geht vor Rechtsstaat. Solche Haltungen sind bei sog. engagierten Personen nicht selten.
Wenn einmal die Schuld feststeht, zum Beispiel, weil der Täter gestanden hat oder weil DNA-Spermaspuren beim Kind eruiert werden können, dann ist das “Urteil” bei 98 % der Richte rund der Bevölkerung ohnehin klar und unbeeinflussbar. Der Gedanke, dass Kinder nicht in sexuelle Handlungen einbezogen werden sollen, ist praktisch unbestritten, weshalb die Täter, die wissen, dass sie Unrecht getan haben, auch alles tun, um ihre Taten zu verheimlichen. Sie handeln ja in aller Regel nicht so, wie sie handeln.
Zusammenfassend: Das “Urteil” der Bevölkerung, des Blogs, der Eltern, etc. über überführte Täter ist absolut uninteressant, so uninteressant wie das Urteil über einen Mörder, weil hier allgemeiner Konsens herrscht und es ohnehin zu einer gerichtlichen Bestrafung kommt. Die zelebrierte Empörung über schwere Verbrechen ist populistisch und für einen Juristen letzten Endes langeweilig, weil sie zur Prävention nichts beiträgt Das Problem liegt darin, dass aus der Schwere des Tatvorwurfes von vielen Leuten automatisch auf die Schuld des Täters geschlossen wird.
Liebste Aysha
es freut mich, dass Du gedanklich mit mir im Boot warst, aber bitte sanft laecheln nicht weinen….
Bist Du auch der Meinung, dass das Weinen uns angeboren ist, das Laecheln jedoch gelernt sein will?
@ thomas jefferson
ich habe aber auch sehr ungeschickt formuliert. ich versuchs noch mal besser:
“fälle wie der von worms sollten unser urteil über den tatbestand als solchen nicht beeinflussen.”
soll -sicherheitshalber- heissen: dass missbrauch einer anklage möglich ist, hat keinen einfluss darauf, wie das vergehen als solches gewertet wird. missbrauch ist auch dann noch ein schlimmes verbrechen, wenn 99% aller dahingehenden anklagen in einem gerechtfertigten freispruch enden.
ich glaube, jetzt ist es richtig rum. ich stimme deinen gedanken zu diesem thema nämlich zu.
@ Moria
Herzlichen Dank für die wunderschöne Schilderung deines Erlebnisses mit den Buckelwalen! Es tut gut, ab und zu aus der Alltagswirklichkeit auszubrechen, in die Weite einzutauchen und sich von ihr berühren zu lassen.
Ich staune und träume mit dir – deine Steinlaus
Liebe Steinlaus
aus versehen habe ich Dir im aktuellen Blog fuer Deine lieben Worte gedankt.
So schicke ich Dir hier passende Gedanken von Friedrich Hoelderlin:
Ein ‘Gott’ ist der Mensch, wenn er traeumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt.
(Ich bin oft gerne auch ein Bettler – aber alles zu seiner Zeit!)
Saludos