Alles spricht von der neuen Religiosität, die Medien beschwören den neuen Trend. Ist das nur ein Schlagwort oder steckt mehr dahinter?
Kaum bestritten wird, dass eine verstärkte Suche nach neuen spirituellen oder religiösen Konzepten zu beobachten ist. Buddhismus, Kabbala, Sufi-Rituale faszinieren viele, welche mit dem christlichen Glaube zunehmend Mühe bekunden. Fernöstliche Heilsvorstellungen wirken attraktiv, Exotik im religiösen Feld ist verlockend. So pilgern Zehntausende nach Indien, um in Ashrams zu meditieren oder Gurus zu Füssen zu liegen.
Zwar hat der Esoterikboom seinen Zenit überschritten, doch das Angebot ist nach wie vor immens und lockt weiterhin ein breites Publikum an. Tantraseminare, Rebirthing, Rückführungen, Meditationen und Workshops aller Art finden Woche für Woche und landauf und landab statt. Freikirchliche Werke wie International Christian Fellowship (ICF) sorgen mit ihren Erfolgsmeldungen und Expansionsbestrebungen für Schlagzeilen.
Sind diese Trends wirklich Ausdruck einer neuen Religiosität? Suchen tatsächlich mehr Menschen denn je neue spirituelle Inhalte und religiöse Konzepte?
Eine klare Antwort kenne ich nicht. Es gibt keine verlässlichen Zahlen. Wir müssen uns auf Beobachtungen und Trends stützen.
Die Austritte aus den Landeskirchen flachen nicht ab. Viele Austretende orientieren sich neu und schauen sich nach alternativen Angeboten um. Dabei schnuppern sie bei verschiedenen Kirchen und spirituellen Gruppen. Das führt letztlich zu einem Nullsummenspiel, weil die Zahl der Religiösen nicht wirklich wächst.
In den Schlagzeilen sind immer wieder freikirchliche Trendkirchen, die tatsächlich beachtliche Zuwachsraten aufweisen. Doch insgesamt stagniert die Zahl der Frommen bei rund 200’000 Gläubigen. Die kleineren Freikirchen verlieren Mitglieder an die attraktiven charismatischen Trendkirchen.
Der Esoterikmarkt ist in den 90-er Jahren rasch angewachsen. Das Überangebot hat aber zu einer Lähmung geführt, weil die Orientierung erschwert wurde. Ausserdem haben viele sehr viel Zeit und Geld in Workshops und Seminare investiert, ohne den versprochenen Durchbruch zu erleben. Dies führte zu Ermüdungserscheinungen und zur Ernüchterung.
Welche Beobachtungen habt Ihr gemacht? Wie schätzt Ihr die Situation ein? Gibt es die neue Religiosität oder ist sie nur ein Schlagwort?























