Die Verbreitung des Christentums wird in erster Linie den Aposteln zugeschrieben, die den Leitspruch „Gehet hin in alle Welt …“ in die Tat umzusetzen versuchten. Sie strömten vom Nahen Osten aus in alle Richtungen, um das Christentum zu verbreiten. Der Erfolg war vielerorts bescheiden. Oft stiessen sie auf Widerstand und mussten ihre Missionstätigkeit sehr diskret ausüben, um nicht verfolgt zu werden. Erinnert seien an die Aussetzungen in der Löwengrube und an die Katakomben.
Während den ersten drei Jahrhunderten verbreitete sich das Christentum relativ langsam. Da es noch keine Glaubens- und Kultusfreiheit gab, bestimmten viele Herrscher und Könige über die „Staatsreligion“, welche die Bürger zu befolgen hatten.
Die Wende kam mit Konstantin dem Grossen (ca. 280 bis 337). Ein Erlass von 313 erlaubte es den Religionen, sich im römischen Reich zu etablieren. Seine drei Söhne liess der Kaiser im christlichen Glauben erziehen. Er selbst liess sich aber erst am Ende seines Lebens taufen.
Über die Gründe seiner Bekehrung sind sich die Historiker nicht einig. Klar ist aber, dass er den christlichen Missionaren den Boden ebnete. Und dass sich dank des Dekrets von Konstantin der christliche Glaube ausbreiten konnte. Das führte so weit, dass Theodosius I. 380 den christlichen Glaube im römischen Reich zur Staatsreligion erhob. Damit begann der Siegeszug. Historiker behaupten, ohne Konstantin wäre das Christentum eine Sekte geblieben.
Pikant an der Sache: Das Christentum verdankt seinen Durchbruch in erster Linie einem Mann, der nicht eben ein Ausbund christlicher Moral war. Bei seinen Eroberungen kannte er keine Gnade mit seinen Gegnern. Selbst in seiner eigenen Familie griff er mit grosser Brutalität durch. So liess er 326 seinen ältesten Sohn Crispus und etwas später seine Frau Fausta töten. Über die Gründe streiten sich die Historiker.
Die Geschichte des Christentums ist also gepflastert mit unrühmlichen Ereignissen. Nicht nur im Mittelalter mit den Kreuzzügen, der Inquisition und dem Ablasshandel. Schon bei den Anfängen stellte ein gewalttätiger Herrscher die Weichen, auf den die christliche Kultur nicht stolz sein kann. Ein bisschen mehr Bescheidenheit und Demut täte also auch heute noch vielen Missionaren gut, die oft nicht sehr behutsam vorgehen, wenn sie „Heiden“ in den Entwicklungsländern missionieren. Eine Rückbesinnung auf die „unchristlichen“ Wurzeln wäre sicher sinnvoll.
(Zur Zeit findet in Trier eine Ausstellung zu Konstantin dem Grossen statt. Hier hatte der Kaiser bis 316 residiert.)











































