Seit ich mich intensiver mit Glaubensfragen befasse, beobachte ich ein seltsames Phänomen. In spirituellen und religiösen Fragen gibt es ein ehernes Gesetz: Je älter eine Erkenntnis ist, desto grösser sein Wahrheitsgehalt. Besser vielleicht: Je älter eine Idee oder ein Konzept ist, desto ehrfürchtiger gehen wir mit ihnen um. Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir mit jedem Jahrhundert ein bisschen mehr erstarren.
Das ist erstaunlich. Denn in allen andern Lebensbereichen wird die Halbwertzeit von Erkenntnissen, Theorien und Traditionen immer kürzer. Auch bei den Geisteswissenschaften. Doch in Glaubensfragen ist das Alter ein Wert an sich. Als ob die Glaubwürdigkeit von den Jahrringen abhangen würde. Angesichts der altehrwürdigen „Weisheit“ wagen wir es nicht einmal, kritische Fragen zu stellen. Schliesslich hat die Erkenntnis Jahrhunderte überdauert… Gegen Mythen und Aberglauben – wenn er denn schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat – sind Vernunft und Ratio machtlos. Als gebe es ein geistiges Gesetz, wonach Überlieferungen, Legenden und Mythen heilig seien. Sie geniessen eine „göttliche Aura“. Wer an ihrem Lack kratz, begeht Verrat oder macht sich gar der Blasphemie schuldig. Da ich meine Unschuld längst verloren habe und in den Augen vieler des Teufels bin, kann ich das Tabu brechen, ohne noch tiefer in die Hölle zu rutschen.
Ein paar Beispiele solcher Mythen: Schamanen aus früheren Zeiten hatten noch eine enge Verbindung zur Natur und konnten spirituelle Energien und Heilkräfte vielfältig nutzen, glauben wir unbesehen. Oder die Hexen: Sie sind für Esoteriker mystische Wesen, welche die magischen Kräfte nutzen konnten. Und Druiden, die verehrten Priester der Kelten, verfügten angeblich über das geheime Wissen, das uns modernen Menschen abhanden gekommen ist. Oder die alten Ägypter waren nicht nur die genialen Erbauer der Cheops-Pyramide und der Sphinx, sie waren auch in spirituellen Belangen erleuchtete Meister. Deshalb pilgern viele Esoteriker nach Ägypten, um die spirituelle Aura meditierend in sich aufzusaugen.
Auch die Buddhismuswelle lebt vom Mythos, dass alte Lehren und Erkenntnisse mehr spirituelle Tiefe enthalten als jüngere Lehren. Deshalb geniesst bei uns der tibetische Buddhismus besondere Wertschätzung. Und den Kabbalisten, den jüdischen Mystikern, wird nachgesagt, sie hätten das geheime Wissen entdeckt, das sich hinter Thora verstecke. Ähnlich verhält es sich bei den sagenumwobenen Tempelrittern, den angeblichen Hütern des heiligen Grals.
Ich weiss nicht, ob Druiden, Tempelritter oder Schamanen aussergewöhnliche spirituelle Fähigkeiten hatten. Es ist durchaus denkbar. Aber ich weiss, dass die Quellenlage so dürftig ist, dass wir die Frage nicht schlüssig beantworten können. Das ist auch gut so für die „Weisen“: So können wir die Mythen wunder züchten, bis sie in den Himmel wachsen. Sind sie dort angelangt, entziehen sie sich ohnehin unserer geistigen Kontrolle. Und nähren unsere Sehnsucht nach der Vollkommenheit wie eine Börsenkurve, die endlos steigt.
Ich bestreite nicht, dass manche alte religiöse oder spirituelle Traditionen oder Heilslehren eine Faszination ausüben und tiefe Weisheiten enthalten können. Doch sie sind auch nicht davor gefeit, kitschige Mythen, unhaltbare Geisteskonstrukte, fragwürdige spirituelle Dogmen usw. zu enthalten. Das trifft auf die Weltreligionen genau so zu wie beispielsweise auf die Hermetik, die Theosophie, die Astrologie oder Anthroposophie. Wir neigen sogar dazu, nackten Aberglauben als bemerkenswerte spirituelle Erkenntnis zu bewerten, wenn sie ein paar hundert Jahre alt sind.
Ein Beispiel: Die moderne Esoterik beruft sich im Kern auf die Erkenntnisse von Helena Petrowna Blavatsky. Das Medium behauptete, es sei medial begabt und könne „Durchsagen“ von den aufgestiegenen Meistern, Avataren oder Geistwesen – also göttlichen Autoritäten – empfangen. Somit kommt ihren „kosmischen Botschaften“ ein angeblich absoluter Wahrheitsgehalt zu. Um den ungläubigen, spirituellen Suchern einen Beweis für ihre sensationellen Botschaften zu liefern, zeigte sie ihren Anhängern Briefe, welche die aufgestiegenen Meister ihr übergeben hätten. Die schriftlichen Botschaften lagen jeweils am Morgen in einem abgeschlossenen Schrank. Die staunende Jüngerschaft war fasziniert. Doch als der Kasten einmal verschoben wurde, entdeckten die Jünger einen Schlitz auf der Rückseite des Schrankes. Die Botschaften waren offensichtlich fingiert worden. (Was man ja auch ohne diese Entdeckung hätte wissen müssen.) Doch Blavatsky war inzwischen so bekannt, dass der Betrug nicht mehr ins Gewicht fiel. Die Anhänger der von Blavatsky 1875 gegründeten Theosophie (theosophia = Weisheit Gottes oder Weisheit der Götter, verstanden als das Göttliche im Menschen) lebten geistig schon so in ihrer Scheinwelt und waren so fasziniert, dass für sie die „Wahrheit“ nicht von einem solchen Detail abhangen konnte.
Erstaunlich ist, dass wir bei philosophischen Erkenntnissen mit der Lupe nach Widersprüchen suchen, in spirituellen Belangen aber nicht so genau hinsehen mögen. Es könnte die Sehnsucht nach der Erlösung und der Erleuchtung stören.
hugostamm am Samstag den
20. Mai 2006
Blinder Glaube an die Mythen
102 Kommentare zu „Blinder Glaube an die Mythen“
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Bin immer wieder erstaunt, wie wir alles mit dem Verstand erfassen wollen. Leute es funktioniert nicht.
Und das ganze Geschwäz mit dem Sein. Und wohl-fühl-Welle. Ich war auch auf dieser Welle und ich sehe wie andere auf dieser Welle immer wieder probieren zu reiten.Weil es nicht funkioniert wird der Frust immer grösser. Dann ist es ein kleiner Schritt und es wird nach einem weiteren Mythos gegriffen, mit Hilfe dessen man wieder Wellenreiten kann und das Ganz beginnt wieder. Nur das man weiter unten auf der Abwärtspirale ist.Mit Gebet, und mit der Bibel konnte ich mich von der Mythenhascherei lösen.
Liebe Mythengläubige
Zu den Zeiten als die jeweiligen Mythen entstanden, war Alles anders.
Einem Mythos zu einem Wahrheitsgehalt zu verhelfen – dies in einer Zeit wo vielleicht 98% aller Menschen weder lesen noch schreiben konnten, ist wirklich keine grosse Marketingaufgabe.
Man berücksichtige doch bitte auch, dass die damaligen “elitären Hilfsmittel” wie z.B.(schreiben/lesen) “über Leichen” bis ins Mittelalter von den Mythos-Erfindern geschützt wurden.
Es darf also gesagt werden, wo Macht ist gibt es Mythen – jederzeit und überall -
Es gibt heute viel Täuschung und viele falsche Möchtegern-Schamanen und -Hexen. Es ist aber auch eine Tatsache, dass alte Weisheiten bis heute vollständig überliefert sind und nach wie vor funktionieren. Es gibt auch heute noch Menschen, die über schamanische Kräfte verfügen. Ich habe solche Kräfte am eigenen Körper erfahren müssen. Bei echtem Schamanismus sind die Resultate reproduzierbar und hängen nicht vom Glauben der Betroffenen ab.
Ich hatte das Vergnügen, mit tibetischen Mönchen zusammenzukommen. Ich habe diese als Menschen von grosser Offenheit kennengelernt. Der Buddhismus, den diese Mönche lehren, ist hilfreich im Leben, macht frei und keineswegs abhängig. Buddhismus ist auch nicht eine “romantische” Verführung, sondern erfordert Wachheit und Disziplin. Die wichtigsten Grundwerte im Buddhismus habe ich später auch in der Bibel wieder gefunden, aber leider so kompliziert beschrieben, dass es für die meisten von uns schwierig sein dürfte, die Essenz zu verstehen. Die buddhistischen Mönche lehren nicht “die absolute Wahrheit”. Im Gegenteil, es ist ausdrücklich erwünscht, das Gehörte kritisch zu hinterfragen und selbst zu denken. Buddhismus ist kein vorauseilender Glaube, sondern ein Weg zur Erkenntnis und Erleuchtung. Die Erkenntnis wird durch die Wahrnehmung der Realität geprüft, sie wird in Alltagssituationen angewendet. Erst im Alltag zeigt sich, wie weit die Entwicklung eines Menschen wirklich gediehen ist. Es gibt im Buddhismus verschiedene Wege, zu mehr Erkenntnis zu gelangen. Die Mönche geben Anleitung, wie zur Erlangung von mehr Erkenntnis vorgegangen werden kann. Es sind Texte, die gelesen werden sollten und Übungen, die mit dem Ziel gemacht werden, letztlich zur Erkenntins fähig zu sein und die Kraft und Weisheit zu besitzen, im Alltag entsprechend unserer Erkenntnis zu leben und zu handeln. Die Erkenntnis muss aber von jedem Einzelnen selbst erfahren werden und stellt nicht ein vorgegebenes Stereotyp dar. Allein die Sprache der buddhistischen Mönche unterscheidet sich in wohltuender Art und Weise von der Sprache von Hugo Stamm. Die Mönche verwenden keine Behauptungen, es geht nicht ums Recht haben. Ich habe noch nie soviel Respekt anderen gegenüber gesehen, wie gerade bei diesen Mönchen. Und davon dürfte sich Herr Hugo Stamm doch auch eine Scheibe abschneiden.
Herr Stamm hat wirklich eine undankbare Aufgabe übernommen.
Er regt das Diskutieren an, und wird dabei dauernd angefeindet. Das hat er nun wirklich nicht verdient.
Bitte, zum 1000sten Mal, konzentriert euch auf euch selbst, schöpft aus euren Erfahrungen und dann erzählt einfach mal. Es interessiert eigentlich nicht so sehr, was Herr Stamm schreibt. Er ist ja nur einer von 7 Millionen Schweizern. Und jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht.
Es ist hier im Blog vielmehr das Lot an Meinungen, welches zählt. Schlussendlich geht doch jeder seinen eigenen Weg, und kann es auch für sich rechtfertigen.
Also bitte, hört endlich auf die Leute direkt anzugreifen, sondern erzählt von euren Erfahrungen.
Also wenn ich dauernd solch unberechtigte und auf die Person bezogene Kritik lesen würde, das würde mich langfristig krank machen. Also gebt euch doch ein wenig Mühe.
@werner
Sie scheinen heute wieder mal Ihre “Krise” genommen zu haben.
Einerseits regt der Stamm zum diskutieren an, aber andererseits ist es völlig egal, was er so schreibt! Na, das wird ihn aber freuen.
Mann o Mann. Ja, da kann man schon krank werden….wenn man es nicht schon ist.
Was an diesem Stamm des Heiligen Hugo so alles palavert wird, ist grenzenlos. Was hat denn ein Arius oder was haben Axiome mit Mythen zu tun? Rein gar nichts! Es geht doch beim jetzt vorgegebenen Thema nicht um Theologie, welche ja stets eine Rationalisierung darstellt, sondern ums Gegenteil, nämlich um emotional wirksame Geschichten, die nicht zuletzt auch für Kinder taugen.
Obwohl – wie bereits in meinem vorangegangenen Beitrag gesagt – Mythen nicht verwechselt werden sollten mit Legenden, ist es immerhin angebracht, auf die Bedeutung von Legenden im Mittelalter hinzuweisen. So spielten Heiligen-Legenden – meist in Form von sog. “Viten” (also Biographien) verbreitet -, eine grosse Rolle. Verwiesen sei hier insbesondere auf die “Legenda Aurea”. Märtyrer und Heilige waren für die Verbreitung und Etablierung des Christentums von entscheidender Bedeutung. Doch auch später gab es immer wieder Zeiten, wo derartige “charismatische” Persönlichkeiten (um ein Modewort zu gebrauchen) eine grosse Rolle spielten – und zwar nicht nur bei Sekten. So erhielten ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland etliche Heiler grossen Zuspruch und wurden von der (protestantischen) Kirche anerkannt. Sie passten jedenfalls nicht ins Muster des Sektierers, den der Heilige Hugo hinter jeder Strassenbiegung wittert…
doch, also ich bin dafür leute direkt angreifen zu dürfen. herr stamm ist natürlich nur einer von vielen, doch ist der umstand dass der blog auf der tagi-plattform geführt wird doch ein machtinstrument, das ihm (herrn stamm) eine gewisse glaubwürdigkeit und stärke verleiht. es geht also nicht mehr nur um den menschen stamm, sonder um die institution stamm wenn man das so sagen darf.
also wenn herr stamm etwas sagt, verleiht ihm der tagesanzeiger in seinem rücken eine portion seiner überzeugungsmacht. und der tagesanzeiger als institution muss angegriffen werden dürfen und die schnittstelle dazwischen bildet nun mal herr stamm.
also befindet sich herr stamm selbstverständlich an einer dummen position, doch das muss er aushalten und als gegeben hinnehmen, dass er nicht nur gelobt sondern auch beleidigt wird.
im übrigen erinnere ich mich immer wieder gerne an den satz: über religion sollte man nicht sprechen. ich glaube die diskussionen die hier jeden tag entstehen bestätigen dies nur allzusehr.
wenn sich herr stamm auf sein kerngebiet beschränken würde – nämlich der schutz vor sekten – dann würde er mit sicherheit weniger oft angefeindet. leider gleitet er nur allzuoft in undifferenzierte schreibe und verallgemeinerungen ab und fährt oft vielen leuten an den karren. auch wenn ers warscheinlich gar nicht so will.
und mal was ganz allgemeines so in die runde geworfen:
zum glück verändern wir nicht die welt und egal was wir auch schreiben oder tun, morgen dreht sie sich immer noch in der gleichen richtung und keiner wird klüger sein oder etwas besser machen. toll nicht?
also mich beruhigt das immer ein wenig.
Gewidmet dem ” Herrn” Hugo Stamm.
“Unsere wahre Welterkenntnis besteht darin, uns von dem Geheimnis des Seins und des Lebens ganz erfüllen zu lassen”. A.E.
In Hugo Stamm wohnt ein Autor, der ihn durchs ganze Leben begleitet und nach provokativen Kolumnen verlangt um sie zu schreiben, um so seinem Ego satisfaction zu verschaffen.
Hugo Stamm sollte mit seinem Alter langsam wissen, dass das Leben und alles was damit zusammenhängt unergründlich und wissenschaftlich nicht beweisbar ist,weil unsere Wissenschaft immer noch in den Kinderschuhen steckt.
Menschen die keinen Glauben, keine Visionen, und ihre urspüngliche kindliche Phantasien verloren haben sind die wahren Verlierer in ihrem eigenen Leben.
Viele Grüsse an den “agent provocateur”
um den letzten satz von herrn marthaler zu ergänzen:
leider müssen dann all diese verlierer in ihrem selbsthass andere anstecken versuchen.
Nach meiner Meinung hat Hugo Stamm einen wunderbaren Blog geschrieben. Besonders das mit dem Briefkastenschlitz ist erwähnenswert. Meine Schwester war in England bei einem Medium, hat recht viel bezahlt, musste aber zuvor dem Büro eine schriftliche Stellungsnahme zu ihrer Frage abgeben. Für das Medium war es dann relativ leicht, den Kontakt zum verstorbenen Vater aufzunehmen und die entsprechenden erhörten Durchsagen bekannt zu geben. Es war nichts Sensationelles, vielmehr bekam ich den Eindruck, das Medium hat sich psychologisch geschickt auf den Bericht eingestellt und die entsprechenden Fragen gestellt. Die Durchsagen waren dann nur noch Formsache.
Seien wir doch ganz ehrlich, ein Medium taugt am ehesten, wenn es überaus gebildet ist, sich in vielen Sparten der Religionen und Philosophien auskennt, vertrauten Umgang mit Esoterik hat, psychologisch feinfühlig ist und in der sogenannten Trance die richtigen Worte findet. Ich denke da besonders an ein Buch “Gespräche mit Seth”.
Ich sage jetzt nicht, das mit den Medien sei Humbuck. Aber wenn sich irgend jemand einbildet, er sei medial begabt und er könne Kontakt mit Verstorbenen aufnehmen, dann wird ihm dies auch zum guten Teil gelingen. Das Medium flüstert dann praktisch die Antworten dem Fragenden zu und dieser glaubt tatsächlich, da ist ein Geist im Jenseits aktiv gewesen.
Man kann auch im Spukschloss nachhelfen, man kann eine Geräuschkulisse schaffen, oder mal nachts im weissem Hemd herumgehen. Tonbandaufnahmen eignen sich auch wunderbar.
Ich bin der Meinung, Hugo Stamm hat ein sehr heikles Thema angeschnitten und ich finde es gut, wenn es in der Runde diskutiert wird, um daraus anderes in Erfahrung zu bringen. In dieser Sache ist sicher Naivität und dummes Annehmen von Aussagen fehl am Platz.
@rohrbach:
das problem ist nur, dass herr stamm kurzerhand althergebrachte und kulturell verwurzelte mythen und symbole mit irgendwelchen zeitgenössischen medialen menschen und was weiss ich noch alles undifferenziert in einen topf wirft.
aber zurück zum mythos. wie gesagt: ein mythos hinterfragen ist eine gute sache. aber man sollte dem mythos eine faire chance geben, und dazu gehört die berücksichtigung der historischen bedingtheit des jeweiligen textes.
mfg
studi
@studi
–Interessant. Spannend! Der Kommentar bestätigt eigentlich genau das, was ich mit dem Gegenbegriff ‘Theokratie’ anzudeuten versuchte: dass Theologie durch ihre doppelte Abstraktion herzlich gern ins nicht mehr Sinnige abgleitet, oft derart, dass man sich fragt …usw.
–Ein gutes Beispiel ist die Arius-Athanasius Kontroverse.
–Erstens das Milieu. Philosophisch gesehen ging es um extreme Spitzfindigkeiten. Etwa 15 verschiedene ‘Hypothesen’ haben sich um das Verhältnis von ‘Vater und Sohn’ bemüht.
–Dabei ging es faktisch um zwei ‘Götterlinien’ die zu jener Zeit (und auch heute noch) verschiedener nicht hätten sein können!
–Wer aber die Spannungen jener Zeit, hie spätantiker Osten, dort der ‘wilde Westen’ vor dem Zusammenbruch, mit Germaneneinbrüchen usw., auch die Figur Konstantins etwas kennt, der ahnt sehr schnell, dass sich hinter diesen philosophischen Haarspaltereien um den neuen, menschlichen Gott etwas ganz Entscheidendes verbirgt (was auch in den kirchlichen Encyklopädien immer sehr sublim eingepackt erscheint): Theokratie als politische Verfassung braucht zeitlich Tiefe. Der christlichen Linie ging sie völlig ab. Das Alte Testament dagegen mit dem ‘Vatergott’ war erstens eine theokratische Staatsverfassung und brachte zweitens damals eine geschichtliche Tiefe von rund 1500 Jahren mit ein.
–Es ging also um etwas Entscheidendes: zeitliche Tiefe (das war ja auch das Thema von Hugo Stamm) für eine neue Theokratie, zu deutsch ‘Verfassung in der Gott – vertreten durch eine weltliche Macht – regiert’.
–Zentral, darum ging es: die beiden Linien wurden verschweisst indem man nach Athanasius Vater und Sohn als absolute Einheit postulierte.
–Ganz offen: Es geht um eine frühzivilisatorisch alte Staatsform, oder einfacher, um politische Macht.
–Das zieht sich dann auch nach dem Zusammenbruch Westroms mit Neuplatonismus, Universalien- und Investiturstreit, durch das ganze europäische Mittelalter. Das Papsttum baut sich damit, gegen die weltlichen Mächte der Franken und Ottonen usw. eine supra-imperiale theokratische Verfassung. Das gegenseitige Ringen endet schliesslich zu Beginnn des 14. Jhdts. in Konfrontation mit dem französischen Absolutismus im Exil des Papsttums in Avignon.
–Nebenbei, betr. historisch richtig (Bitte etwas genauer lesen): ich habe zwei Begriffe angegeben:
–Wesensgleichheit (Homoiusie, zuweilen auch als ‘Ähnlichkeit’ gefasst)
–Wesenseinheit (Homousie, absolute Identität)
–Das Wesentliche ist jedoch nicht die formale Gleichheit, sondern die Verschmelzung zur absoluten Einheit der beiden Linien.
–P.S.: Argumente wie “aus heutiger religionswissenschaftlicher sicht ist ein solches mythenbild überholt.” können mich ehrlich nicht beeindrucken. Die Disziplinen der ‘Humanities’ sind sich ihrer euro-historistischen Präjudizierungen kaum bewusst, darin ganz besonders die Religionswissenschaft, hinsichtlich Mircea Eliade etwa.
–P.S. 2: Die offensichtlich defensive Schreibtischthese, dass der Mythos nicht von der empirischen Realität spreche, ist ein Widerspruch zu meiner Andeutung, dass die alttestamentliche Schöpfungsgeschichte ihre ganz expliziten Parallellen in altbabylonischen Rechtstexten zur Siedlungsgründung hat. Sie sind schon seit 100 Jahren wortwörtlich ins Deutsche übersetzt (Winckler 1906), werden aber immer noch als kosmogonische Mythen angesehen. Wissenschaftlichkeit? Es lebe der ‘Creationism’ und der ‘intelligente Designer’.
–P.S. 3: Megaproblematisch auch: wir sollen die babylonischen Siedlungsgründertexte kosmologisch mythisch interpretieren, damit die Jungianer etwas zu ihrem tiefenpsychologischen Deuten haben?
–P.S. 4: “mythen als “unwahrheiten” oder “vor-wahrheiten”….bitte sehr, wo habe ich das gesagt? Im Gegenteil, ich meine sie sind wahr! Aber unsere Wissenschaften interpretieren sie falsch, weil man die euro-historistisch hausgemachte G-E-I-S-T-E-S G-E-S-C-H-I-C-H-T-E auf sie projiziert.
gestern habe ich eine schweinswurst gebrötelt und da war mir doch so zwischen dem pfeiffen und knacken der “guten wurst”, dem zischen des frischen und feinen olivenöls und dem murmeln des neuartigen dampfabzuges, in meiner doch recht grossen küche, da hätt ich doch eine kuh muhen gehört… ich glaub ich bin ein muhdium!
prost und guten abend meine herren!
@ nk
Tja lieber nk. Das mit dem Beschränken ist so eine Sache. Es gibt heute sogennante Selbsterkenntnisgruppen, die nicht klar als Sekten erkennbar sind, sowie deren Leiter sich nicht als Gurus klar zu erkennen geben. Sie greifen einfach gewisse Mythen oder Theorien von verschiedenen Gurus auf machen einen Mix und wollen so den Selbstfinder in der Funktion als Batchworkgurus helfen. Alles ist dann so nebulös und man muss ziemlich geistesgegenwärtig sein, dass man der Sache nicht auf den Leim kriecht.
Herr Stamm dieser Blog finde ich gut und ich ermutige Sie die Grenzen betreffend Infos über Sekten auszuweiten.
Also ich finde das Thema Super.
Den Gründungsmythos der Schweiz habe ich bereits genannt.
Jesus ist für mich ein anderer Mythos. Er hat niemals selbst ein Wort niedergelegt. Er wurde bereits zu Lebzeiten zu einer Legende. Später wurde er durch die Schrift zum Mythos.
Dabei war er doch einer wie wir alle auch.
Also für mich ist das ein Beispiel, wie destruktiv ein solcher Mythos wirken kann. Es werden sogar Kriege wegen Mythen gemacht.
Aber da wüsste jetzt wohl der Studi wieder Bescheid, ob Jesus ein Mythos war oder nicht. Würde mich wirklich interessieren, wie er Jesus sieht.
Oh mysterie and secrets
are hidden for those who like to dream
for those who have been became old in spirit
they will never have the priviledge
that their life is unique
“Aber unsere Wissenschaften interpretieren sie falsch, weil man die euro-historistisch hausgemachte G-E-I-S-T-E-S G-E-S-C-H-I-C-H-T-E auf sie projiziert.”
um es kurz zu fassen: wir sind uns eigentlich einig, haben uns aber in der diskussion um wortklaubereien verloren.
wobei ich das gefühl habe, dass die neueren wissenschaftlichen ansätze wie die narrative interpretation und ähnliche synchrone herangehensweisen der sache allmählich etwas näher kommen.
mfg
studi
@andy
beschränken? was beschränken? willste damit sagen ich sei beschränkt? oder willst du am ende noch mich selbst beschränken? oder was? so nicht freundchen, so nicht! bist zu zöllner oder was? bin schon beschränkt genug, steh mit be- äh verschränkten armen da und kaum hundert meter von hier ist eine bahnschranke. also is nix mit beschränken lieber andy. nein nein… ich und beschränkt sowasaberauch… *kopfschüttel*
na aber mal im ernst was meinst du eigentlich mit beschränken?
gruss, dein guru!
ps: ich bin doch voll auf deiner seite mann. wir zwei, ja ja, wir zwei ich sags dir, aus uns wird noch was hier. völlig unbeschränkte möglichkeiten sozusagen
@werner:
jesus ist insofern kein mythos, als dass seine tätigkeit als wanderprediger geschichtlich hinreichend belegt ist. dass jesus für sich die messias-würde in anspruch genommen hat, ist in der von der jüdischen apokalyptik geprägten kultur der zeitgenossen jesu ebenfalls nicht allzu abwegig (das haben vor ihm auch schon andere, so z.b. simon bar kochba).
die theologische konzeption wurde dann von den ersten christen, welche sich selbst übrigens als rechtgläubige juden verstanden, in einer narrativen form, welche man als mythos bezeichnen könnte, und in briefen (welche mit mythos aufgrund ihres konkreten und expliziten situativen bezugs nicht mehr viel am hut haben) verschriftlicht.
die tatsache, dass die narrative form der evangelien mythologisch verstanden werden kann (und zum teil dies sicher auch will) tut meines erachtens der wahrheit der theologischen konzeption der autoren keinen abbruch.
so viel zu meiner meinung, da du schon so nett gefragt hast.
mfg
studi
@ studi
Na siehst du, Studi. Jetzt hast du wieder ein Türchen aufgestossen.
Die Bibel, ein Mythos?
Jetzt kommen wir der Sache schon näher.
Ja, ich denke du hast vollkommen recht. Die Bibel ist nicht nur eine Mischung aus Geschichtsbuch, eine Dichtung, ein Gesetzbuch, ein Buch der Liebe, ein Roman, etc., sondern sie ist auch sowas wie ein Mythos. Eine Mischung aus Wahrheiten, Halbwahrheiten und reinen Erdichtungen.
Vielen Dank für das Eingeständnis.
Was hälst du denn nun von den ‘Bibelgläubigen’, welche jedes Wort aus der Bibel wie bare Münze nehmen? Ist das nicht eine Form des Wahnsinnes?
Komm, sei offen, sag jetzt einfach mal deine Meinung. Natürlich, vielleicht wirst du niemals mehr Theologe werden, weil man es dir untersagt, nach diesen Aussagen. Aber wir sind doch alle zuerst der Wahrheit verpflichtet. Nicht, Studi?
@werner:
wir sollten zwischen mythos und “halwahrheiten” einen deutlichen strich ziehen. denn ich habe vor allem deshalb den begriff mythos für die narrativen passagen der bibel verwendet, weil ich damit deutlich machen wollte, dass es dem jeweiligen autor nicht um akribische geschichtsschreibung geht, sondern dass er mit der erzählung (narratio) einen theologischen inhalt vermitteln will. dieser inhalt, welcher ein ideeller ist, steht jenseits der kategorie von geschichtlicher wahrheit.
wer glaubt, dass die bibel die geschichtlich präzise und absolut korrekte schilderung der abläufe für sich in anspruch nimmt, hat meiner meinung nach nicht im geringsten verstanden, worum es eigentlich in der bibel geht: nämlich darum, wie sich gott den menschen offenbart.
mfg
studi
Sei doch ganz ehrlich Studi, wenn Du in der Kirche die Glaubenssätze heruntersprechen musst, würdest Du Dich dabei wohl fühlen. Mit voller Überzeugung stehst Du vor der Gemeinde, sagst den Leuten beim Abendmahl: dies ist mein Blut, dass ihr jetzt trinken werdet, dies ist mein Leib, den ihr jetzt essen werdet! Als Schüler musste ich das zur Kenntnis nehmen und dachte dabei, was ist wohl in den Gemeindepfarrer gefahren. Warum symbolisiert er dermassen die Christuslegende!
Ich will doch nicht das Blut von Jesus trinken und schon gar nicht seinen Leib essen. Ich fand das als Kind so urkomisch!
Als Kind habe ich noch am “reinsten und einfältigsten” reagiert. So etwas kann gar nicht möglich sein. Er die Erwachsenen haben mir klar gemacht, mit welchem Ernst man solche Dinge aufnehmen muss. Und dann ist dieser Christus für uns noch gestorben, für unsere Sünden und dergleichen! Das grenzt wirklich ans Unfassbare. Niemand hat ihn beauftragt, für uns zu sterben. Aus freiem Willen hat er gepredigt und die Gemüter erhitzt. Er hätte eine Konfrontation vermeiden können. Wenn ich sage, ich sei von Gott gesandt, dann schickt man einen Psychiater vorbei und der wird mich, falls ich für die Öffentlichkeit eine Gefährdung darstellen, in die Anstalt für einige Zeit einliefern. Man wird mich dann psychiatrisch behandeln und wieder auf den normalen Weg bringen.
Jesus hat in Eigenverantwortung gehandelt und wenn er ein wenig vernünftig gewesen wäre, hätte er das Märtyrium vermeiden können. Aber auch bei Franz von Assisi galt es, das Höchste, was der Mönch erleben kann, ist, den Märtyrertod zu erleiden. Damit wird er direkt erlöst und nimmt den Platz neben Christus ein. Sorry Studi, da muss ich wirklich drei Mal leer schlucken.
ihr sollt die bibel ja auch nicht wortwörtlich nehmen meine herren. sie ist ein leitfaden durchs leben.
z.b. wenn man scheisse baut kommt man in die hölle heisst übersetzt: wenn du scheisse baust im leben musst dus ausbaden und du bist dann schon in dieser welt in der hölle. alles klar soweit?
also wenn du jemanden umbringst oder vater und mutter nicht ehrst, dann wist du nicht später bestraft sondern bekommst die rechnung umgehend zugeschickt.
mit den todsünden ists das gleiche. du kannst nicht allen todsünden fröhnen und meinen dann erst nach dem leben dafür bestraft zu werden. das leben bestraft dich sozusagen stehenden fusses.
@nk:
an deiner interpretation von diesseitiger hölle hätte zwningli seine wahre freude gehabt (und das meine ich jetzt nicht im geringsten zynisch).
@rohrbach:
in der reformierten tradition glaubt man im allgemeinen weder an die verbalinspiration (spätestens seit der aufklärung ist die vom tisch) der noch an eine transsubstantiation des herrenmahls, welche schlussendlich ein stark überspitzes verständnis einer symbol- oder gleichnishandlung ist, welche wahrscheinlich tatsächlich auf den historischen jesus zurückgeht.
und im sinne eines solchen allegorischen verstädnisses (welches übrigens z.b. schon bei augustin in ansätzen vorhanden ist), habe ich auch keine mühe, das abendmahl auszuteilen.
mfg
studi
nk, was du da schön beschrieben hast, heisst Gewissensbiss!
Leute;
Jesus ist kein Mythos.Gott schickte seinen Sohn auf die Welt. Durch Jesus und seinen Tod am Kreuz haben wir die Möglichkeit durch Ihn zurück zu Gott zu finden. Wunderbar oder nicht? Als Christ kann ich es einfach stehen lassen, dass Jesus als Mythos dargestellt wird. Das gleiche gilt für die Bibel.
Mit Verstand nicht fassbar aber mit Glauben, Gebet und lesen in der Bibel erfahrbar.
Hallo Studi. Für dich ist also die Bibel die Art und Weise, wie sich Gott offenbart. Habe ich das richtig verstanden?
Also ich habe Gott in dem Buch nicht gefunden, und auch nicht, wie er sich mir offenbaren könnte.
Ich bin wohl einer der wenigen auf der Welt, welcher die Bible, das alte und das neue Testament, von vorne bis hinten gelesen haben. Das habe ich gemacht, um zu wissen, was es alles umfasst. Bei Gott, Gott habe ich dabei nicht gefunden. Aber ich habe viel davon gelesen, wie ihn andere gefunden haben. Das hat mir selbst aber nichts gesagt.
Was würdest du sagen, wenn man Gott im Fernsehen sucht, oder im täglichen Leben, oder während der Ferien, oder wenn du im Zug zur Arbeit sitzt? Und was würde passieren, wenn du den Mythos Bibel hinter dich lassen würdest und einmal ohne sie leben würdest? Bist du deswegen ein schlechterer Mensch? Oder erkennst du dann deinen Gott nicht mehr, weil du nicht mehr lesen kannst, wie andere ihn erfahren haben? Ja richtest du dich denn nach den anderen, wenn es um deinen persönlichen Gott geht? Und ist selbst Gott, oder seine Wahrnehmung von ihm, schlussendlich nichts anderes als eine Tradition?
Ich sage das nur, weil ich denke, dass man Gott nicht in der Bibel findet. Aber man findet ihn vielleicht von der erkenntnistheoretischen Seite her. Da hat er nämlich durchaus seine Berechtigung, meiner Meinung nach.
@W. Rohrbach:
“Es gibt auch eine Ueberheblichkeit des Intellekts, der glaubt, alles erklären zu können”
RICHTIG. Allerdings sollte man doch auch akzeptieren können, dass es Dinge gibt, die man (noch) nicht erklären kann und das akzeptieren, statt sich dann – gewissermassen als Krücke – irgendwelche Pseudoerklärungen auszudenken.
Es gibt Dinge, die können wir nicht erklären. Aber diese Dinge gleich als Beweis dafür herzunehmen, dass es einen Gott geben muss, ist m.E. ebenfalls nicht akzeptabel.
@werner:
es geht bei der bibel nicht um einen “god in a box”; wer die bibel so versteht, glaubt an einen scherzartikel.
in der bibel geht es darum, dass menschen ihre erfahrungen mit gott und ihre theologischen konzeptionen in einer möglichst anschaulichen weise schildern. dabei kommt etwas davon zum ausdruck, wie gott ist, z.b. in den 10 geboten, oder jesu explizierung der beiden liebesgebote als die basis jeglichen ethischen handelns.
insofern würe ich behaupten, dass man gott in der bibel begegnen kann; man sollte aber nicht erwarten, bei der bibellektüre irgendwelche stimmen zu hören.
mfg
studi
@andy:
jesus an sich ist kein mythos. aber die erzählungen um sein leben in form der evangelien befinden sich im literarischen bereich des mythos, weil es dabei mehr um ideologische konzepte als um akribische geschichtsschreibung geht. das tut jedoch der wahrheit der gnadenbotschaft jesu keinen abbruch.
mfg
studi
hi werner
um mich mal gleich zu outen: ich bin christ, aber kann deine meinung sehr gut nachvollziehen. die bibel gibt uns beispiele, wie andere menschen zu gott gefunden haben. ich bin der festen überzeugung, dass man mit der bibel und gott nicht so umgehen darf, wie ein idianer, der an seiner fährtensuche festehält. warum ist ein indianer auf fährtensuche? na weil er die fährte finden will. er untersucht genau die spuren zb gewisser tiere. aber nicht, weil er mehr über das tier erfahren will, sondern weil er das tier FINDEN will. genau so müssen wir mit der bibel umgehen- sie gibt uns eindeutige anweisungen (zum beispiel sagt sie uns, was gottes wille ist und was wir tun sollen um diesen befolgen zu könnne. die bibel ist das WORT gottes- aber nicht GOTT SELBST.) die bibel ist also eine spur für uns christen, die wir verfolgen sollten, aber nicht um darin hängen zu bleiben oder daran zu scheitern…wir müssen uns immer fragen. wohin führt die spur und werde ich noch heute Gotte selbst finden???
hi werner
finde es klasse, was du schreibst. du hast das ding verstanden und weisst wie es läuft- (keine ironie).
weisst du, die bibel ist für uns christen ein leitfaden und das WORT gottes; aber nicht Gott SELBST.
wenn ein indianer auf spurensuche ist, dann nicht, um das tier besser kennen zu lernen, sondern um es zu FINDEN. christen sollten nicht in der bibel lesen, um einfach mal so alte geschichte zu lesen, sondern um anleitungen zu finden, wie andere menschen begegnungen miz Gott hatten und dadurch selbst gott FINDE^N können. ich sehe die bibel als meine persönliche schatzkarte; aber niemals als gott selbst.
@ studi
Der Satz “dumm glaubt gut” von Hans-Jürg ist zwar nicht präzis, sagt er doch aus, dass alle, die irgendwann mal etwas geglaubt haben (auch nur, dass um 17 Uhr der Bus fährt), dumm sind. Hingegen gut daran ist, dass der Satz zu einem interessanten Punkt führt:
Leute, die an irgendeine Gottheit glauben, neigen leider dazu, ihren Glauben mit wissenschaftlichem Tun zu verwechseln. Wissenschafter, die früher z. B. den alles durchdringenden Äther postulierten, um sich gewisse Naturgesetze zu erklären, waren dadurch kreativ und intelligent. Und seither hat die Wissenschaft ja auch riesige Fortschritte erzielt. Das kann man vom religösen Glauben nicht behaupten. Jesus (wer?) geht immernoch übers Wasser. Es wird nach wie vor “unverändert geglaubt”, wohl wissend, dass die riesigen Fortschritte sich hier nicht einstellen werden – wie auch, da herrscht ja das Axiom “Gott ist allmächtig, allwissend und unfehlbar”. Mit anderen Worten: Finger weg von Kritik.
Mein Fazit: Religion und Glauben dienen dem individuellen Seelenheil des Gläubigen/Kirchgängers. Deshalb sollte damit nicht hausiert werden. Warum kann das nicht jeder mit sich selbst ausmachen? Die Welt wäre viel friedlicher. Sind diese Barrieren weg, können wir uns mit ganzer Kraft der Beseitigung des Hungers widmen. Zum Beispiel.
…das buch > gespräche mit gott” und ihr werdet alles nochmals ganz anders sehen!
@ GBU
Danke für deinen Zuspruch. Aber ich wollte eigentlich etwas ganz anderes ausdrücken.
Ich war selber mal Christ, WAR. Ich habe einfach gespürt, dass die Kirche einem nicht geben kann, was der Mensch braucht. Oder nur in sehr beschränkter Form. Ein Mensch lebt nicht von Mythen alleine. Irgendwann muss er sich von der Institution lösen können und seinen individuellen Weg gehen. Losgelöst vom Mythos Bibel und Jesu. Das ist aber nur meine Meinung.
Wenn ich jedesmal wieder die Wundergeschichten von Jesus sehe oder höre, dann frage ich mich natürlich zu recht, was das bezwecken soll, d.h., warum man das heute noch erzählt. Man weiss ja, dass es sich um einen Mythos handelt. Und es gibt keine Heilslehre von Jesus. Alles wurde ihm nachträglich angehängt.
Jesus hat weder Kranke geheilt, noch ist er über das Wasser gelaufen. Und er hat auch nicht Wasser in Wein verwandelt. Das alles sind Mythen im Dienste von etwas ganz anderem, nämlich von einer Sekte. Ja, die Urchristen waren eine extreme Sekte, und auch die heutigen Christen gehören zum Teil noch dazu.
Heute werden diese Mythen im Namen zum Beispiel einer ‘Staatskirche’ durchaus wieder sinnvoll eingesetzt, um den Leuten Trost und Hoffnung zu geben, dass da dennoch irgend etwas Höheres ist. Das ist eine gute Sache.
Gott, denke ich, kann man nur verstehen, wenn man ihn zur Wissenschaft vermag abzugrenzen, und weiss, was ausser der Wissenschaft noch möglich sein kann. Aber nicht indem man die Bibel studiert, oder an Jesu glaubt.
Studi geht von mir aus gesehen eigentlich den falschen Weg. Und für die Gesellschaft würde er vermutlich auch mehr nützen, wenn er, wie mal der Walter angemerkt hat, in die Migros Regale auffüllen gehen würde.
Ihr seit mir eine lustige Gesellschaft, Feindet nicht die Religion an sondern nützt die Inspiration derer, dazu aber nicht einfach die Lehren des Budhismus oder die Bibel von A-Z lesen sondern einfach einmal eine Passage wirken lassen und dann eine Woche darüber nachdenken. Oder wie sagte es Henry Ford: Es gibt Leute die verbringen die meiste Zeit mit reden über Probleme während andere sie lösen kann.
@werner:
“Alles wurde ihm nachträglich angehängt.”
historisch eher unwahrscheinlich. irgendeinen grund für seine hinrichtung muss es ja gegeben haben. seine messianischen ansprüche könnten durchaus ein teil der grundes gewesen sein. und falls sich jesus als messias sah, hatte er auch eine heilslehre. ausserdem: seine jünger waren nicht gerade die hellsten leuchten der zeit, zu einer solchen, doch relativ komplexen und vielseitigen heilslehre, wie sie aus den evangelien ersichtlich wird, währen sie wahrscheinlich selbst gar nicht im stande gewesen – ausser sie hätten eben schon einiges von jesus selber gehört und gelernt.
mfg
studi
@ studi
Jetzt hör doch auf, diese Person Jesu immer zu vergöttern.
Jesus war doch nur eine Randfigur im ganzen politischen Spiel von damals. Er war ein Aufwiegler gegen die Besatzungsmacht, und deshalb wurde er von den Leuten zu einem Märtyrer, zu einem Mythos und einem Heiligen gemacht. Zur damaligen Zeit gab es vermutlich Tausende seiner Art. Er hatte einfach das Glück, dass er von den Leuten zum Symbol erkoren wurde.
Also mir ist der ganz normale Mensch Jesus viel lieber, als so eine karrikaturenhafte, mythische, übermächtige und allezeit und für alles misbrauchte Gestalt.
Ja, und vielleicht war er sogar homosexuell, wenn wir denn spekulieren wollen. Eventuel war das der Grund, weshalb er mit Frauen nichts anfangen konnte und weshalb er so gut Männer um sich zu scharen vermochte. Aber wäre das denn so schlimm? D.h., würde das deinen Mythos in’s wanken bringen? Oder hat sich der Mythos definitiv von der Wirklichkeit getrennt, und entwickelt nun sein ‘Eigenleben’.
Ich glaube an Seelenverwandschaften, ich respektiere studi, er hat eine tiefe Affinität zur Person (nicht zum Mythos) Jesus, das ist etwas sehr spezielles, er versteht und fühlt da viel mehr als wir,und das hat gar nichts damit zu tun, ob Jesus eine Frau hatte oder Jünger liebte…ich z.B. fühle mich von einer Figur der früheren deutschen Literatur angezogen, und wäre auch irritiert, wenn Werner mir dieses zerpflücken würde, weil der mythosfreie Werner keine Seelenverwandschaften pflegt.
@ elfenhaar
Das ist ja eben der Streitpunkt.
Du nennst es ‘zerpflücken’. Ich nenne es ‘geistiges bauen’.
Erst wenn wir ihn sehen, wie er wirklich gewesen sein könnte, kann er uns als Vorbild dienen, als Seelenverwandter.
Ein Mammon taugt nicht für den Menschen.
Die einfachsten Leute sind meistens die besten Beispiele, wie man mit Problemen und Haltungen umzugehen hat. Denn diese müssen alle ihre Probleme selbst lösen, und können nicht Geld, oder Macht zur Hilfe herbeiholen.
Deshalb kann es sein, ja kann es vielleicht sogar ‘zwingend’ sein, dass der einfache Handwerker von gleich nebenan ein besseres Beispiel, ein besseres Vorbild ist, als der Mythos der Lebensweise und der Werke des Jesu.
Verstehst du, was ich meine? Nochmals das Beispiel mit dem Regal in der Migros. Auch im Regal findest du Gott, wenn du willst. Du kannst im Regal auch eine gesamte Weltbetrachtungs-Philosophie finden. Du musst nur wollen. Das WOLLEN findest du nicht in der Bibel, und auch nicht in der Person Jesu.
Was du “geistiges bauen” nennst,ist ein Vorrecht des männlich rationalen Denkens. Ich lasse mich von meinem “geistigen sehen” leiten, und das ist nicht das sehen, wie Jesus wirklich gewesen ist, oder in meinem Fall, wie mein Dichter gelebt hat. Da gibt es eine andere Dimension, und dort befindet sich dein einfacher Handwerker nicht, mit den Händen kann er nicht geistig sehen, er kann wohl ein schönes Möbelstück herstellen, aber eben in dieser Dimension der harten Realität mit Barzahlung in harter Währung. Ich habe heute morgen bei einem Spaziergang von einem alten Mann einen Ast geschenkt bekommen, voll mit spitzen Dornen. Er zeigte mir dann den Baum, das sei die gleiche Baumsorte, von der die Dornenkrone von Jesus stamme. Gab mir als Nichtgläubige doch einen Schauer den Rücken hinunter.
Werner, konntest Du bis anhin etwas Genaueres über die Himmelfahrt in Erfahrung bringen. Wie ist da Jesus gegen den Himmel in Vaters Händen geflogen? Mich würde schon interessieren, wie das vonstatten ging. Ist das irgendwo schriftlich festgehalten worden? Berichten die Schriften überhaupt davon?
Die Hauptsache wohl, wir haben heute frei und geniessen die Stunden.
lieber werner
ich weiss, dass du hier im forum deine meinung äussern willst, und niemanden persönlich angreifen willst. leider gelingt dir das nicht immer.
oder soll ich sagen überhaupt nicht???
du greifst jesus an, wo du kannst und denkst wahrscheinlich so über deine enttäuschungen über den glauben hinweg zu kommen. wenn ich lese, dass du in einer gemeinde WARST dann kann ich nur sagen, dass dir ein falsches bild vorgegaukelt wurde.
ich bin kein fanatiker und kein illusionist. ich weiss, dass jesus lebt und fertig.
ich möchte auch nicht mehr viel darüber schreiben, weil sich hier alles total im kreis dreht. glaub mir bitte nur eines: wenn du weiterhin versuchst gegen das heilige wirken jesu zu wettern, wirst du GOTT N I E M A L S finden.
ich bin jetzt aber auch schön ruhig- ich will dir keinen anstoss mehr geben, dich weiterhin mit attaken gegen die heiligkeit jesu zu versündigen.
der friede gottes sei mit dir.
Ich habe bewusst provoziert, damit alle sehen, dass selbst die tolerantesten Gläubigen irgendwann zu Fanatikern und Sektierern werden.
Sobald die Grenze ihres Fassvermögens erreicht ist, stellt das Denken ab und wird zuerst zu einem stillen Protest, und später dann zu einer drohenden Fingergebärde.
Euer Gott der Bibel und der Mythen ist nichts als ein menschlicher Gott, ein von Menschen für Menschen gemachter Gott. Mehr nicht. Den kann man überall finden. Auf der Strasse, auf dem Uetliberg, in der Kirche, bei Znüni, beim Verhör, im Ehebett, und überall, wo man ihn noch finden will.
Ich rede von einem ganz anderen Gott. Der Gott, welcher zwar auch überall präsent ist, von welchem wir annehmen können, dass er als universelle Gesetzmässigkeit tatsächlich existiert, und zwar nicht nur in den Köpfen der Leute. Diesen Gott gibt uns am ehesten noch unsere Erkenntnistheorie.
Und als Beweis für meine Sicht dies hier.
Ihr könnte euch euren ‘Hirngott’ jetzt sogar ‘induzieren’, wenn ihr wollt:
http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=12792&CategoryID=73
@ rohrbach
Es steht nicht geschrieben, welche Art Fahrstuhl er benutzt hat, aber es muss ein recht feuriger gewesen sein, sonst wäre er oben niemals angekommen.
Tja die obgenannte Diskussion kommt mir irgendwie gekannt vor.
Viele reden von Gott, göttlicher Energie, usw. Viele wollen sich einfach nicht auf Jesus festlegen. Seit je her polarisiert Jesus. Über Gott kann ich mit allen reden. Rede ich aber von Jesus, dann werde ich schubladisiert und teilweise als intollerant abgestempelt. Wieso können sich viel nicht auf Jesus festlegen? Ich vermute, dass sich viele Leute wie im täglichen Leben alle Optionen und die ganze Freiheit offen lassen wollen. Das wollen sie auch, wenn sie Gott erfahren wollen. Und nochmal Jesus ist nicht ein Mythos. Es gibt ihn.
Das Wichtigste im Leben ist es Andy, Jesus anzunehmen. Im innigen Gebet erfahren wir dann die Gegenwart Jesu. Das ist wirklich das Höchste im Leben, in Gemeinschaft mit Jesus treten zu können. Dann kann man mit ihm sprechen, wandeln, arbeiten, spielen etc. Jesus führt uns auf allen Wegen richtig. Er ist unser Ratgeber. Versündigen wir uns unabsichtlich, wird er uns, wenn wir ganz aufrichtig im Gebet uns ihm zuuwenden, verzeihen.
So ist es wichtig, jeden Tag Umgang mit Jesus zu pflegen.
Da kann ich nicht mitreden. Tut mir Leid.
Ich habe niemandem an den Karren fahren wollen.
Ich habe eine andere Vorstellung von Gott, und fühle mich gut dabei. Ich habe auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich Jesus als Mensch hinstelle, und Gott als Faktor, welcher in keinem Zusammenhang zu diesem Jesus steht, oder zumindest ebensowenig, wie ich mich auf Gott berufen könnte.
Tja, jedem das seine. Ich sehe zu meinem jetzigen Alter keinen Grund, von dieser Ansicht wegzukommen. Vielleicht wenn das wirkliche Alter kommt, und ich langsam zerfalle, dann werde ich vielleicht einen Gott suchen, welcher mir mehr Hoffnung und Trost gibt. Das mag wahr sein.
Nochmals, ich wollte niemanden beleidigen. Sorry, wenn ich das getan habe.