Lukas Schmid zweifelt in seinem Beitrag meine religiöse Unabhängigkeit an. Er schreibt:
„Wenn Du wirklich ein Unparteiischer wärst, dann wärst Du sicher ein guter ‚Konsumentenschützer in Religionsfragen’. Aber Du hast ja auch eine Glaubensüberzeugung, wie ich mal in einem Fernseh-Interview erfahren habe.“
Ich möchte in diesem Blog eigentlich nicht über mich schreiben, sondern die Diskussion zu Sachfragen anstossen. Da aber die wildesten Gerüchte über mich kursieren, scheint es mir sinnvoll, Missverständnisse auszuräumen, welche den Dialog behindern könnten.
Zuerst vielleicht zu einem – eher lustigen – Gerücht: Ich sei früher einmal Scientologe gewesen, wollen gewisse Kreise wissen. Meine Intelligenz habe aber nicht ausgereicht, um die komplexe Materie von Scientology-Gründer Ron Hubbard zu verstehen. Aus Frustration und Rache würde ich nun Scientology bekämpfen …
Erstens war ich nie Scientologe, zweitens waren weder ich noch Bekannte oder Verwandte von mir in einer vereinnahmenden Bewegung und drittens kämpfe ich nicht, sondern versuche, mit Hilfe des Wortes aufzuklären.
Weiter kann ich Lukas Schmid beruhigen: Ich gehöre keiner religiösen Gemeinschaft (auch keiner Landeskirche) an, besuche keine Gottesdienste, keine spirituellen Rituale, keine Workshops (ausser zu Recherchezwecken), praktiziere keinen bestimmten Glauben. Ich darf mich deshalb als unabhängig bezeichnen. Ich werde oft gefragt, ob ich denn den Lesern nicht eine sinnvolle Glaubensgemeinschaft empfehlen könne. Das tu ich nie. Oft wirft man mir auch vor, ich sei ein „Sektenguru“. Gurus haben eine klare spirituelle Botschaft, ich nicht. Ich predige höchstens die individuelle Freiheit, die jeder für sich selbst suchen muss.
Bei Fernsehdiskussionen werde ich oft gefragt, an was ich denn glaube. Wenn ich erkläre, es gehe nicht um meinen Glauben, wirkt es so, als habe ich etwas zu verbergen oder weiche einer wichtigen Frage aus. So sage ich manchmal widerwillig, dass wir Menschen spirituelle oder religiöse Wesen seien und dass ich mich auch mit der Frage nach Gott auseinandersetze. Dies wird dann oft so ausgelegt, dass ich im engeren Sinn gläubig sei.
Noch etwas zum Blog: Ein Diskussionsteilnehmer schreibt, die Beiträge würden zensuriert. Ich möchte betonen, dass dies nicht der Fall ist. Wir behalten uns einzig vor, Beiträge nicht ins Netz zu stellen, die ehrverletzende Äusserungen über Glaubensgemeinschaften oder Personen enthalten.

























Sehr gute Antwort. Habe ich soeben gelesen.
Gruss Frau Meier
Obwohl ich Ihre Arbeit wichtig finde, habe ich doch auch Vorbehalte Ihnen gegenüber. Sie verdammen quasi generell alle freien Sekten, lassen jedoch die etablierten Kirchen und Glaubengemeinschaften weitestgehend in Ruhe. Wenn man aber sieht, (gerade im jetzt aktuellen “Karikaturen-Streit”) wie auch diese “Organisationen” ihre Mitglieder bis zur totalen Aufgabe (Selbstmord-Attentate) vereinnahmen, würde ich von Ihnen auch in dieser Richtung die gleiche Kritik erwarten. Mir leuchtet einfach nicht ein, was z.B. an der Hare-Krishna-Gemeinde schlimmer sein soll als an der Katholischen Kirche? PS: ich betrachte mich selbst als Agnostiker, von daher ist mir jeder Fanatismus, egal welcher Richtung, suspekt.
Lieber Herr Brandenberger
Sie verkennen die Hare Krischna Gemeinde! Nur soviel für den Moment: Versteckt die katholische Kirche ihre Mitglieder bis zu einem Jahr?
Momentan lese ich das Buch von Nori J.Muster ” Betrayal of the Spirit”
My Life behind the Headlines of the Hare Krishna Movement
University of Illinois Press
Leider nur in English erhältlich!
All the best Sophie
Lieber Hugo Stamm,
ich lebe zwar seit 6 Jahren nicht mehr in der Schweiz, sondern im echten Multikultiland Thailand unter Buddhisten, Moslems, Konfuzianern, etc. – und Christen. Was mir immer wieder auffaellt: Keinem Angehoerigen einer der erwaehnten Weltanschauungen/Religionen faellt es ein, mich nach MEINER Religionszugehoerigkeit zu fragen, geschweige denn mich “missionieren” zu wollen – ausser den Christen (oder was sich als solche bezeichnet). Da wimmelt es nur so von aufdringlichen “christlichen” Sekten, die unter dem Maentelchen der Wohltaetigkeit im Jesusbusiness mitmischeln. Am meisten aergern mich die verschandelten “Buddha-Baeume” – von Buddhisten liebevoll dekorierte heilige Baeume, an denen Christen in unerreichbarer Hoehe haessliche Tafeln mit der Aufschrift “Jesus liebt Dich” anbringen.
Aber das sind Peanuts gegenueber den Gefahren, die vor allem von Scientology ausgehen:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/34001
Die mehr und mehr um sich greifende Zensur im Internet verdient unsere vermehrte Aufmerksamkeit! Unliebsame Kritiker werden mundtot gemacht, indem ihre Beitraege / Webseiten / Blogs auf Betreiben u.a. auch von Scientology aus den Suchresultaten von Suchmaschinen wie Google herausgefiltert werden.
Zum Glueck lassen sich diese Filtermechanismen immer noch umgehen. Wir haben in Zusammenarbeit mit fachkompetenten Mitgliedern verschiedener IT-Foren ein auf Opensource/Freeware-Programmen basierende, einfach nachzuvollziehende Anleitungen zusammengestellt:
Zensur und Ueberwachung umgehen
http://www.opensky.cc/board/viewtopic.php?t=397
Moegen diese prophylaktisch sicherstellen, dass auch Ihre mutigen Online-Beitraege gegen den von Sekten ausgehenden Terror weiterhin erreichbar bleiben.
Wir danken Ihnen fuer Ihr Engagment, machen Sie weiter so!
Peter Schlegel / opensky.cc
Lieber Herr Stamm
Was mich an der ganzen Sektendiskussion stört ist die fehlende Einsicht, dass die Bezeichnung Sekte sehr willkürlich ist und letztlich bloss zur Bezeichnung einer Glaubensgemeinschaft dient, die entweder noch keine lange Tradition aufweist, nicht von einem genügend grossen, mengenmässig allerdings nicht definierten Bevölkerungsanteil ausgeübt wird oder nicht staatlich anerkannt ist.
So gilt in den USA Scientology durchaus als Kirche. Ganz einfach weil diese Organisation genügend stark und einflussreich ist.
Alle anerkannten Glaubengemeinschaft, ob Christentum, Islam, Judentum oder Buddhismus verhalten sich “sektenmässig”, indem sie ihre Heilsbotschaft letztlich als alleinseligmachend halten und uns vorgaukeln Schmerz, Tod und Endlichkeit im Jenseits überwinden zu können.
Glaubensgmeinschaften inklusive der Sekten dienen immer dazu Abhängigkeiten zu schaffen und die Ängste der Menschen zu schüren, damit sich diese besser in den Dienst der Mächtigen stellen lassen.
Jede “neue” Religion bleibt daher so lange Sekte bis sie von der Gesellschaft akzeptiert wird, d.h. bis die Mächtigen sich ihrer zur Kontrolle und Motivation der Machtlosen zu bedienen wissen.
Sie sind wie das Lenin völlig treffend beschrieb: Opium für das Volk.
Lieber Herr Stamm,
ich habe schon viele von ihren Beitraegen gelesen und staune ueber das Intresse in der Schweiz an “Religion”. Natuerlich frage ich mich auch oft, warum Sie sich so sehr fuer Uebernatuerliches interssieren.Ich finde nicht, dass ich Anhaenger einer “Religion” bin. Ich habe eine persoendliche Beziehung mit Gott, spreche mit ihm, hin und wieder bin ich auch wuetend auf ihn, verstehe ihn nicht, doch er erklaehrt mir vieles. Fuer mich ist Glauben ein Geschenk, Gott, kann ich nicht erklaehren oder begreifen, ich kann ihn nicht sehen und weis doch das er hier ist. Auch ich glaube, dass es nur einen Gott gibt,doch was viele Menschen oft nicht sehen ist, dass dieser Gott in jeder Kultur ist. Die Geschichte von Noah, kann man z.B. in der Chinesischen wie auch Indonesischer Kultur finden, viele Animisten glauben an einen uebernatuerlichen Gott der ueber allen Geistern steht.
Bin gespannt auf neue Beitraege von ihnen.
Liebe Gruesse Rebekka
Zitat:
Wir behalten uns einzig vor, Beiträge nicht ins Netz zu stellen, die ehrverletzende Äusserungen über Glaubensgemeinschaften oder Personen enthalten. (Ende Zitat)
Echt? Da habe ich aber soeben ganz andere Dinge gelesen – noch und noch Kommentare, die andere Personen angreifen.
Und meine Meinung zu Herrn Stamm als “Sektenexperte”: Jemand der “nicht glaubt” kann das tiefste Wesen des Glaubens gar nicht erfassen. darum ist Herr Stamm für mich kein Experte.
bigbird