Schweiz


hugostamm am Freitag den 3. September 2010

Alles Gen oder was?

Bevor ich ein neues Thema vorgebe, möchte ich eine Konzeptänderung vorstellen. Ich habe während viereinhalb Jahren längere, in sich geschlossene Texte zu verschiedenen Themen aus den Bereichen Glauben, Aberglauben und Sekten verfasst und zur Diskussion gestellt. Ich möchte nun den Versuch wagen, den Blog aktueller zu gestalten und die Bloggerinnen und Blogger in die Gestaltung der Impulsbeiträge miteinzubeziehen.

Konkret: Ich werde häufiger als bisher neue Beiträge aufschalten und versuchen, aktuelle Ereignisse zu berücksichtigen. Das müssen nicht immer ausgefeilte Texte sein, sondern können auch Gedankenanstösse oder Hinweise auf aktuelle Gesprächsthemen, Artikel, Stellungnahmen oder Meinungen von Fachleuten betreffen. Gleichzeitig möchte ich Euch alle an der Gestaltung der Impulsbeiträge beteiligen. Wer einen Text hat oder eine Anregung, soll mir diese in einem Mail schicken: hugo.stamm@tagesanzeiger.ch. Bitte meldet mir, unter welchem Namen (Nickname oder richtiger Name) Ihr Euern Text veröffentlichen möcht.

In diesem Sinn ein erster Versuch: Thilo Sarrazin, Vorstandsmitglied der deutschen Bundesbank, vertritt in seinem Buch «Deutschland schafft sich selber ab», die These, Juden hätten ein gemeinsames Gen. Diese Behauptung löste eine heftige Kontroverse aus. Seine biologistische Argumentation insinuiert, Intelligenz, soziales Verhalten, Mentalität, Weltbild und vieles mehr seien stark abhängig von den Erbanlagen. Meine Gegenthese: Charakter und Persönlichkeit werden nicht in erster Linie von Genen bestimmt, sondern von Erziehung, Bildung, Lebenserfahrung, Umfeld usw. Ich erachte die Milieutheorie als wesentlich evidenter.

hugostamm am Donnerstag den 26. August 2010

Sind Globuli wirkungslos?

Täglich greifen viele Menschen zu Kügelchen und Tinkturen, die so geheimnisvolle Namen wie Acidum cabolicum oder Carbo vegetabilis tragen. Manche Personen haben stets ein
Notfallset bei sich. Während die meisten bei den Lebensmitteln die Inhaltsstoffe studieren, schlucken sie diese Mittelchen bedenkenlos. Tatsächlich haben fast drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer schon homöopathische Medikamente benutzt, rund ein Drittel tut es regelmässig. Die Welt der Globuli gilt als sanft, die Gemeinde der Gläubigen vertraut darauf blind.

Die wenigsten kennen die homöopathischen Theorien und wissen, was effektiv in den Mitteln steckt. Die lange Liste der Substanzen enthält denn auch ein paar unappetitliche Ingredienzien. Die Hersteller töten zum Beispiel Tiere und zerhacken sie. Darunter Kakerlaken, Kreuzspinnen, Waldameisen. Verwendet werden auch Eierstockextrakte, Sekrete von Stinktieren, Schlangengifte oder Ausscheidungen von Pottwalen. Im Dschungel der Tinkturen und Globuli haben nur noch Spezialisten den Überblick, gibt es doch Tausende von Mitteln und Potenzen. Patienten sind da rasch überfordert.

Gegen Malaria nicht geeignet

In jüngster Zeit schlägt den Homöopathen jedoch ein rauer Wind entgegen. Kritiker erinnern daran, dass es den Fachleuten in den letzten zwei Jahrhunderten nicht gelungen sei, eine plausible oder wissenschaftlich fundierte Erklärung für die Wirkungsweise der magischen Kügelchen zu liefern.

Der prominenteste Kritiker ist der weltweit erste Professor für Komplementärmedizin, der deutsche Arzt Edzard Ernst, einst selbst ein Homöopath. Er hat klinische Studien durchgeführt und 200 Untersuchungen ausgewertet. Sein Fazit: «Homöopathie ist eine widerlegte Methode.» Den Protest der Homöopathen konterte er mit einem Gegenangriff: Ernst versprach jedem 100′000 Dollar, der die Wirksamkeit der Heilmethode nachweisen kann. Bis heute musste er noch keinen Cent bezahlen.

Unterstützt wird Ernst vom britischen Psychiater Ben Goldacre. «Die Leute zahlen, um von einer vermeintlichen Autoritätsperson belogen zu werden.» Ein Beispiel: Touristen wollten oft keine Malaria-Prophylaxe betreiben, weil die Medikamente Nebenwirkungen zeigten. Deshalb schluckten sie auf Anraten eines Homöopathen einfach Globuli. Schon mancher sei deshalb nach einer Malaria-Ansteckung beinahe gestorben.

Vor wenigen Wochen hat der britische Ärztebund ultimativ erklärt: Homoöpathie ist Hexenzauber. Bei den knappen Mitteln im Gesundheitswesen sei es unverantwortlich, Geld für Quacksalberei auszugeben. Der Protest gilt auch der Königsfamilie, die seit Jahrzehnten ihre schützende Hand über die Homöopathie hält. Die Royals schlucken selbst bei jeder Unpässlichkeit homöopathische Mittel. Im Februar protestierten Hunderte von Skeptikern in mehreren britischen Städten gegen die staatliche Unterstützung. Sie zogen zu Apotheken, kauften Globuli und schluckten gemeinsam ganze Fläschchen. Trotz massiver Überdosis spürten sie keine Reaktion.

Tatsächlich glauben Homöopathen, ihre Methode helfe gegen alle Leiden. Der Homöopathieverband Schweiz dazu: «Grundsätzlich können alle akuten und chronischen Krankheiten behandelt werden, ob sie nun physischer oder psychischer Natur sind.» Er behauptet auch, Homöopathie sei eine «wissenschaftliche Therapie».

Auch bei Badeunfällen geeignet

Der deutsche Arzt und Homöopath Jens Wurster schrieb gar ein Buch mit dem Titel «Die homöopathische Behandlung und Heilung von Krebs und metastasierter Tumore». Darin dokumentiert er die angebliche Heilung von Krebskranken.

Das Expertenportal für Homöopathie vnr.de erklärt, die Homöopathie wirke auch bei Badeunfällen. Bei gefüllter Lunge müsse Antimon tartaricum verabreicht werden, bei Atemstillstand Camphora (Kampfer), und wenn der Verunfallte bereits einen eiskalten Körper habe und dunkelviolett angelaufen sei, solle ihm Carbo vegetabilis (Holzkohle) verabreicht werden. Wie er die Mittel schlucken soll, wird nicht verraten.

Die meisten Globuli-Konsumenten reagieren gelassen auf den Glaubenskrieg und vertrauen weiter auf die Wirkung der Kügelchen. Sie gewichten die eigenen Erfahrungen höher als die Argumente der Fachleute und deren Studien. So viele Patienten können sich nicht irren, argumentieren sie. Deshalb halten sie sich an die Losung: Wer heilt, hat recht. Nach überstandener Krankheit schreibt man die Genesung lieber der sanften, sympathischen Homöopathie zu als der nüchternen Schulmedizin.

Stärkere Wirkung durch Verdünnung

Der Begründer der Homöopathie war Samuel Hahnemann (1755–1843). Der deutsche Arzt hatte bei einem Selbstversuch angeblich herausgefunden, dass eine Substanz, die bei einem gesunden Menschen Beschwerden auslöst, einen Kranken heilen kann. Hahnemann nahm daraufhin Chinarinde zu sich, die seinerzeit zur Bekämpfung der Malaria verwendet wurde, und stellte danach malariaähnliche Symptome bei sich fest. Daraus leitete er den Lehrsatz ab: Ähnliches kann mit Ähnlichem geheilt werden. Zum Beispiel: Als Hahnemann herausfand, dass Patienten auf das hochgiftige Schwermetall Thallium mit Haarausfall reagierten, setzte er den Stoff gegen Haarausfall ein. Natürlich verdünnt.

Damit schuf er ein zweites, ungelöstes Problem: Hahnemann und seine Nachfolger behaupten, mit der Verdünnung werde die Wirkung verstärkt. Die Homöopathen sprechen von Potenzierung. Diese These widerspricht aber allen bekannten Naturgesetzen. Wenn Sirup verwässert wird, schmeckt er nicht mehr nach Sirup.

Dieses Paradox erklären viele Homöopathen so: Das Wasser nimmt beim Verdünnen und Verschütteln die Information des Wirkstoffes auf. Doch auch diese These findet keine Bestätigung in der Naturwissenschaft. Das Phänomen, dass Wasser ein Gedächtnis habe, wird höchstens noch in der Esoterik propagiert. Für Kritiker ein weiterer Widerspruch: Würde unser Wasser Informationen von andern Substanzen übernehmen, wäre es wohl nicht mehr trinkbar. Denn es ist im Lauf der Jahrmillionen mit Gift in Berührung gekommen, der homöopathischen Theorie zufolge müsste es verseucht sein. Und: Wenn sich durch das Potenzieren die Wirkung verstärkt, müsste dies nicht auch für die Nebenwirkungen gelten?

Homöopathen halten entgegen, die Mittel entfalteten ihre Wirkung nicht wie pharmazeutische Medikamente. Globuli unterstützten vielmehr den vom Körper angeregten Heilungsverlauf. Sie verweisen weiter darauf, dass Globuli auch bei Säuglingen und Tieren wirkten. Fazit: Die Verfechter der sanften Heilmethode weisen die wissenschaftlichen Befunde zurück. Der Zürcher Homöopath Marco Righetti erklärt: «Fast alle Studien über die Homöopathie missachten die Grundlagen und Grundregeln der Homöopathie, sind praxisfremd und meist ohne jegliche Praxisbedeutung.»

Alles nur Placebo-Effekt?

Die Mittel müssten bei jedem Patienten individuell angepasst werden, sagt Righetti. Dies verunmögliche Doppelblindstudien, wie sie bei der Prüfung von Medikamenten angewendet werden. (Bei Doppelblindstudien wird der Hälfte der Testpersonen das zu testende Medikament abgegeben, der andern Hälfte ein Mittel ohne Wirkstoffe.)

Homöopathen führen gerne übersinnliche Gründe an: Es gebe zwischen Himmel und Erde viele Phänomene, die sich unserer Ratio noch entzögen.

Kritiker wie Edzard Ernst halten entgegen, Globuli bewirkten einen relativ hohen Placebo-Effekt, seien also eine Art Scheinmedikament. Der Berner Immunologie-Professor Beda Stadler wirft den Homöopathen vor, sie würden den Placebo-Effekt als Wirkung der Globuli interpretieren. Viele leichtere Krankheiten würden ohnehin spontan abklingen. Verschwinde das Leiden nach der Einnahme von Globuli, werde die Heilung irrtümlicherweise dem homöopathischen Mittel zugeschrieben.

Die Homöopathie kennt drei Potenzen (Verdünnungsverhältnisse): D, C und Q. D-Potenzen werden im Faktor 1:10, C-Potenzen 1:100, Q-Potenzen 1:50′000 gemischt. Das Verdünnungsprozedere in den drei Kategorien kann endlos wiederholt werden. D9 bedeutet beispielsweise ein Verhältnis von 1:1 Milliarde (entspricht einem Tropfen in einem grossen Tanklastwagen), D23 führt zu einem Verhältnis 1:100 Trilliarden. Bei einer hohen Q-Potenz würde man im ganzen Universum kaum mehr ein Molekül finden.

Manche Apotheken potenzieren ihre homöopathischen Mittel selbst, was sehr lukrativ sein kann. Aus 1 Liter Grundstoff, den der Apotheker beispielsweise für 500 Franken kauft, kann er bei hohen Potenzierungen unendlich viele Fläschchen gewinnen und Margen von mehreren Zehntausend Prozent erreichen. Seine Arbeit dabei: fleissig schütteln. Es gibt Apotheken, die 20′000 verschiedene Mittel führen.

hugostamm am Dienstag den 17. August 2010

Frauenfeindliche Religionen

Die Emanzipation der Frauen wurde über Jahrhunderte fast weltweit hintertrieben. Einzige Ausnahme bildeten ethnische Minderheiten, welche das Matriarchat kannten und teilweise heute noch kennen. Man liegt also kaum falsch mit der Behauptung, dass die systematische Unterdrückung der Frau vor allem vom Mann ausgeht. Es ist schlicht die Macht des (physisch) Stärkeren, der sich die Privilegien gewaltsam angeeignet hat. Das reicht bis zur sexuellen Verfügbarkeit.

Die Unterdrückung der Frau hat zweifellos anthropologische Ursachen. Die Macht ist des Menschen liebstes Kind. Sie gehört zum evolutionären Prozess. Wir brauchen die Triebe, um überleben zu können: Den Selbsterhaltungstrieb, den Überlebenstrieb, den Arterhaltungstrieb.

Inzwischen sollten wir Männer aber gelernt haben, dass wir eine Entwicklungsstufe erreicht haben, bei der die Triebe nicht nur förderlich sind, sondern hinderlich im friedlichen Zusammenleben der Geschlechter und Völker. Die Arbeitsteilung, die technische Entwicklung, die Zivilisationsbestrebungen führen uns langsam vom triebgesteuerten „Tier“ zum kultivierten Wesen – oder sollten es zumindest tun. Allerdings sind wir noch weit davon entfernt, emanzipierte Menschen zu sein. Ein Blick in die Weltgeschichte und in die aktuelle Politik zeigt es deutlich.

Ein wesentlicher Hemmschuh auf dem Weg zu Emanzipation sind die Religionen. Die meisten huldigen dem männlichen Prinzip. Im Judentum, Islam, teilweise auch im Hinduismus und Buddhismus geben immer noch die Männer den Ton an und prägen die Glaubensgemeinschaften. Im Christentum ist es nicht besser, vor allem in der katholischen Kirche, die auch in der Moderne von einem klerikalen Männerbund geleitet wird, der den Frauen bestenfalls eine dienende Rolle zugesteht.

Die Geistlichen der Buchreligionen legitimieren ihre Machtstellung mit dem Hinweis auf die heiligen Bücher. Wenn eine Frau Ehebruch begeht, wird sie in islamistischen Gemeinschaften, die nach der Scharia leben, teilweise heute noch gesteinigt. Den Ehemännern drohen selten so drakonische Strafen. Und wenn ein Mann eine Frau loswerden will, muss er ihr lediglich drei Wörter an den Kopf werfen.

Wir Europäer haben aber wenig Grund, mit dem Finger gegen Osten zu zeigen. Die Bibel ist ebenfalls ein reicher Fundus an frauenfeindlichen Sprüchen.

Ich sehe keinen Grund, weshalb die Frauen nicht die gleichen Rechte, Möglichkeiten und Chancen haben sollen wie die Männer, in allen Lebensbereichen – auch im religiösen. Einmal mehr entfalten Glaubensgemeinschaften eine Bremswirkung bei der Entwicklung sozialer Gerechtigkeit und der Verwirklichung der Menschenrechte.

hugostamm am Mittwoch den 4. August 2010

Keine Wiederkehr des Religiösen

In den Medien war in letzter Zeit oft von der Wiederkehr des Religiösen die Rede. Beobachter der religiösen Szenen glauben, eine neue Besinnlichkeit ausgemacht zu haben. Ausserdem zeigen viele Menschen einen Überdruss gegenüber Wissenschaft und Technik. Und die Konsumwut lasse manche auf neue «weiche» Werte wie Glauben und Spiritualität besinnen. Ausdruck davon sei auch die Tendenz «zurück zur Natur».

Stimmen diese subjektiven Wahrnehmungen? Meine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen lassen mich zweifeln. Ich bin vielmehr der Überzeugung, dass die Bedürfnisse nach religiösen oder spirituellen Betätigungen und Lebenszielen recht konstant bleibt, also nicht zunimmt.

Viele Personen wollen sich nicht kritisch mit Glaubensfragen auseinandersetzen. Zweifel könnten das Bewusstsein grundsätzlich erschüttern. Ausserdem ist die kritische Hinterfragung religiöser Dogmen ein anstrengender geistiger Prozess, der verunsichert und oft auch mit schmerzlichen Prozessen verbunden ist. Viele Menschen haben zwar keinen intensiven Bezug mehr zu einer Glaubensgemeinschaft, sie fürchten sich aber auch vor den Antworten, die kritische Fragen auslösen könnten.

Was passiert dann mit den vielen Christen, die der reformierten und katholischen Kirche den Rücken kehren? Sie glauben entweder weiterhin an den christlichen Gott oder schustern sich in synkretistischer Manier ein eigenes Glaubenskonzept oder eine spirituelle Heilsvorstellung zusammen. Wie in vielen sozialen Bereichen zeigt sich auch im Religiösen eine Individualisierung. Immer mehr nehmen sich die Freiheit heraus, sich selbst im Kosmos der modernen Spiritualität zu orientieren. Davon profitieren vor allem fernöstliche Heilskonzepte wie der Buddhismus und esoterische Strömungen.

Ein Umfrage in Deutschland unterstützt meine Thesen. Einerseits verliert der Glaube, in dem Menschen sozialisiert worden sind, an Bedeutung. Die Umfrage der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg ergab folgendes Resultat: Die Aussage „Religion ist wichtig im Leben, um glücklich und zufrieden zu sein“ bejahten 48 % der Italiener, 32% der Finnen, 31 % der Russen (!) und Engländer, 26 % der Franzosen und 25 % der Schweizer. Das ist erstaunlich wenig.

Andererseits sagen die Zahlen wenig über die religiösen oder spirituellen Empfindungen der Mehrheit aus. Diese ist indifferent und befasst sich kaum intensiv mit Glaubensfragen. Sie ist auch weit davon entfernt, sich als Atheisten zu empfinden. Unter dieser Mehrheit dürften sich viele befinden, die eine agnostische Haltung pflegen, ohne zu wissen, was ein Agnostiker ist. Die Forscher kommen denn auch zum Resultat, dass keine Wiederkehr der Religion zu beobachten sei.

Langfristig wird die Religiosität aber höchstwahrscheinlich abnehmen. Junge Leute, die nicht mehr in Familien aufwachsen, in denen religiöse Werte vermittelt und Rituale gepflegt werden, entfremden sich rasch. Vor allem für die christlichen Glaubensgemeinschaften ist dies keine erfreuliche Perspektive.

hugostamm am Samstag den 24. Juli 2010

Ist die Bibel judenfeindlich?

Wäre die Bibel ein aktuelles Buch, das heute erstmals veröffentlicht würde, müssten sich Autor und Verleger mit aller Wahrscheinlichkeit wegen Verletzung der Rassismusnorm verantworten. Die Verantwortlichen müssten mit einer Verurteilung rechnen.

Das „heilige Buch“ enthält zahlreiche Aufforderungen zu Völkermorden. Rassistische Aussagen werden aber vor allem gegen die Juden gemacht. Ausgerechnet gegen die Juden, muss man anfügen. Schliesslich ist das jüdische Volk laut Bibel das auserwählte Volk Gottes. Wie passt das zusammen? Das ist eines der vielen ungelösten Rätsel der Bibel.

Picken wir ein paar Beispiele heraus und beginnen mit Paulus. „Die Juden haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch uns haben sie verfolgt. Sie missfallen Gott und sind Feinde aller Menschen; sie hindern uns daran, den Heiden das Evangelium zu verkünden und ihnen das Heil zu bringen. Dadurch machen sie unablässig das Mass ihrer Sünden voll. Aber der ganze Zorn ist schon über sie gekommen.“ (1 Thess. 2; 14-16). Mindestens in diesem Aspekt ist die Bibel prophetisch: Auch 2000 Jahre später wirkt der Fluch noch immer nach.

Die Unreinen und Ungläubigen aus dem Judentum werden an anderer Stelle so charakterisiert: „Denn es gibt viele Ungehorsame, Schwätzer und Schwindler, besonders unter denen, die aus dem Judentum kommen. Diese Menschen muss man zum Schweigen bringen, denn aus übler Gewinnsucht zerstören sie ganze Familien mit ihren falschen Lehren … Für die Reinen ist alles rein, für die Unreinen und Ungläubigen aber ist nichts rein, sogar ihr Denken und Gewissen sind unrein. Sie beteuern, Gott zu kennen, durch ihr Tun aber verleugnen sie ihn; es sind abscheuliche und unbelehrbare Menschen, die zu nichts Gutem taugen.“ (Tit. 1; 10-16).

Der ganz grosse Sündenfall war denn auch, dass die Juden Jesus ans Kreuz geliefert haben.

So überrascht es nicht, dass die Kirchenväter bis in die Neuzeit die Ansicht vertraten, die Juden seien mit dem Satan im Bund. Und von ihm besessen. Selbst bei Luther finden sich antijudaistische Aussagen der üblen Sorte. Für den Reformer beteten die Juden den Teufel an, wie Franz Buggle in seinem Buch „Denn sie wissen nicht, was sie glauben“ nachweist.

Die Stigmatisierung der Juden als Unreine und Satansgläubige zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Christentums. Die christlichen Völker verantworten zu einem guten Teil den Hass auf die Juden, der sich bis in die heutige Zeit fortsetzt. Die christlichen Gemeinschaften sind ursächlich mitverantwortlich für die Ausgrenzungen, Folterungen und Ermordungen von unzähligen Juden in den vergangenen Jahrhunderten. Und am Beinahe-Genozid während des Dritten Reichs. Dem Genozid am Volk Gottes.

hugostamm am Mittwoch den 14. Juli 2010

Erleuchtung im Schnellverfahren

Die Esoterik ist ein Teich voll Plastikwörter. Jede spirituell interessierte Person kann beliebig darin fischen und jene Begriffe herausziehen, die ihr gerade am besten hilft, die Welt in ein pastellenes Licht zu tauchen. Noch besser: Jeder und jede kann die schwammigen Begriffe beliebig mit eigenen Inhalten füllen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Dieses Spiel der Illusionen und Selbsttäuschungen kann täglich neu veranstaltet werden. Je nach Laune und Bedürfnis fischt man andere Ingredienzien aus dem übersinnlichen Biotop.

Nehmen wir den Begriff „erleuchtet“. Vor der Zeit des Esoterikbooms war jemand in unseren Breitengraden erleuchtet, der eine überraschende neue Erkenntnis machte, oder dem ein „Licht aufgegangen“ ist. Das konnten auch banale Dinge des Alltags betreffen.

Seit sich die esoterischen Ideen und Konzepte in unser Alltagsbewusstsein geschlichen haben, findet eine schleichende Neudefinierung statt. Oder besser: Der Begriff wurde allmählich umdefiniert. Er gewann zunehmend an Bedeutung, und diese Bedeutung wurde schwer und schwerer. Heute gehört er zu den Schlüsselwörtern der spirituellen Sucher, die danach streben.

Was bedeutet eigentlich Erleuchtung? So genau weiss das niemand. Das ist auch ganz praktisch. So kann jeder und jede jene Sehnsüchte und Fantasien in den Begriff projizieren, die ihm am attraktivsten und nützlichsten erscheinen. Eine Grenze nach oben gibt es nicht.

Im weitesten Sinn ist die Erleuchtung eine spirituelle oder religiöse Erfahrung, die die Grenzen der sinnlich erfahrbaren Phänomene überschreitet. Wer sich erleuchtet fühlt, glaubt im Besitz des höheren Bewusstseins zu sein.

Erleuchtung hat je nach Kultur und Heilslehre eine andere Bedeutung. Im Buddhismus und anderen fernöstlichen Heilsvorstellungen spielt der Begriff seit je eine zentrale Rolle. Erleuchtung erlangt man vor allem durch geistige Versenkung, Meditation und Entsagung: Wer die innere Leere erreicht und sich von irdischen Gebundenheiten löst, über den kommt die Erleuchtung angeblich wie ein Flash. Da sie sich nicht steuern lässt, wird sie oft als göttliche Gnade verstanden.

In der Esoterik ist alles viel handfester. Und westlich effizient. Den weltlichen Bedürfnissen zu entsagen ist nicht unser Ding. Wir wollen Luxus und Erleuchtung gleichzeitig. Und wir wollen wissen, wie sich die Erleuchtung anfühlt, welche Effekte damit verbunden sind.

Deshalb gibt es Kurse, in denen ich den Prozess zur Erleuchtung beschleunigen kann. Das kostet zwar einige tausend Franken, verspricht aber eine Abkürzung des Weges. (Schliesslich fehlt uns die Zeit für jahrelange Versenkung.) Und die spirituellen Meister oder Gurus benennen das Ziel präzis wie bei einem Managerkurs: Bilokation, Telepathie, Telekinese, Transformation, Lichtnahung, höheres Bewusstsein, Hellsichtigkeit, geheimes Wissen usw.

Das sind alles schwammige Phänomene, die weder klar definiert werden können, geschweige denn nachgewiesen. Dabei erliegen viele Allmachtsfantasien. Sie glauben, als Erleuchtete in göttlichen Frequenzen zu schwingen und Teil der geistigen, kosmischen Instanz zu werden. Im Extremfall führt dies zur Selbstvergottung. Und damit zur Entfremdung von der Alltagsrealität, zu Wahrnehmungsverschiebungen und Realitätsverlust. Schöne neue Welt.

hugostamm am Sonntag den 4. Juli 2010

Aberglauben macht dumm

England hat vergeblich gezittert. Andy Murray ist wieder einmal gescheitert. Diesmal im Halbfinal an Rafael Nadal. Und wieder einmal in Wimbledon, der weltbekannten Tennis-Stätte. Er hätte der 2. britische Champion nach mehreren Jahrzehnten werden sollen. Doch wieder wurde nichts.

Inzwischen haben sich die Medien daran gewöhnt, dass der talentierte Spieler im entscheidenden Moment nicht über sich hinauswachsen kann. Hatten sie ihn bei den letzten Grand Slams noch gnadenlos zerzaust, beschränkten sie sich diesmal weitgehend darauf, die Umstände zu beleuchten. Es sei allein seine Schuld, monierte die „Sun“. Erstaunlicherweise meinte das Blatt nicht den Akteur auf dem Platz, sondern David Beckham, den glamourösen Fussballstar, der im Publikum gesessen hat.

Verwundert reibt man sich die Augen. Hat Beckham etwa verlangt, dass Murray einen Fussball retournieren muss? Nein, die reine Anwesenheit von Beckham machte ihn zum Schuldigen. Er hat als Glücksbringer versagt, wie die „Sun“ schreibt. Und sie bittet den Star, dem bevorstehenden Cricketspiel England-Australien fernzubleiben. Sonst ereile das britische Team das gleiche Schicksal wie Murray.

Auch der „Telegraph“ hat Beckham als Übeltäter ausgemacht und bereits nach vorn geschaut zum Britisch Open der Golfer, dem nächsten Grossanlass für Einzelsportler. Die einheimischen Athleten würden beten, dass der Fussballer nicht an den Grossevent eingeladen werde.

Das ist Aberglauben und magisches Denken in Reinkultur, verbreitet durch Massenmedien, die sich eigentlich dem logischen Denken verpflichtet fühlen müssten.

Pech hatte nicht nur Andy Murray, Pech hatte auch unsere grösste Velo-“Batterie“ Fabian Cancellara. Wie schon im vergangenen Jahr musste er im Prolog (Zeitfahren) der Tour de France die Nummer 13 tragen. Letztes Jahr montierte er die Startnummer verkehrt aufs Shirt, damit die Zahl ihre Unglückswirkung nicht entfalten konnte. Und siehe da: Der schnelle Radfahrer gewann. Dieses Jahr verzichtete er auf den Trick – und gewann trotzdem.

Man mag solche Spielchen oder Gedanken der Medien und Sportler belächeln. Doch sie haben System. Sie sind Ausdruck für den weit verbreiteten Aberglauben und das magische Denken. Diese prägen das Bewusstsein der Massen, entfremden von logischem Denken und bestimmen ein Weltbild, das durchsetzt ist von abstrusen Vorstellungen und Denkmustern.

Man kann es auch so formulieren: Aberglauben und magisches Denken machen dumm. Viele Leute – Journalisten eingeschlossen – glauben lieber einen Stuss, als sich die Mühe zu nehmen, zwei Gedanken anzustellen.

Zum Beispiel: Hatte Beckham einen Einfluss auf die Flugbahn des Filzballes? Saugt er Murray Energien ab? (Wie Dracula das Blut?) Beeinflusste er die Sehschärfe oder das Reaktionsvermögen des Tennisspielers? Schliesslich entscheiden Spielstärke und Tagesform über Sieg und Niederlage und nicht die Farbe der Socken oder die Zusammensetzung des Publikums.

Ober bei Cancellara: Geht von der Zahl eine magische Kraft aus? Wenn ja: Woher stammt die Energie dazu? Von der Druckerschwärze? Dem Stoff? Der Zahlenkombination? Verliert die 13 die magische Kraft, wenn die Zahl verkehrt herum montiert wird? Warum hat er auch dieses Jahr gewonnen, obwohl er die 13 korrekt getragen hat?

Wer in nebensächlichen Lebensbereichen ein magisches Weltbild entwickelt, wird auch in wichtigen Bereichen Opfer des Aberglaubens. Politiker lassen sich bei ihren Entscheiden von abergläubigen Vorstellungen leiten, Eltern bei der Kindererziehung, Chefs bei der Führung ihrer Mitarbeiter usw.

So lang sich die Menschen weigern, ihre konditionierten Muster zu hinterfragen, wird die Welt weiterhin von irrationalen Entscheidungen und Lösungsversuchen geprägt. Das gilt zu einem guten Teil auch für den religiösen Glauben.

hugostamm am Freitag den 25. Juni 2010

Gottesbilder sind Trugbilder

Der griechische Philosoph Xenophanes hat sinngemäß gesagt, würde ein Pferd zeichnen können, sähe Gott pferdeähnlich aus. Und hätte ein Löwe Hände wie ein Mensch, würde Gott einem Löwen gleichen.

Diese Erkenntnis machte der Denker vor 2500 Jahren. Sie heute noch genau so aktuell und gültig.

Xenophanes spricht ein Problem an, das die Religionen und Glaubensgemeinschaften heute noch nicht gelöst haben und nie werden lösen können. Es erweist sich geradezu als Pferdefuss.

“Du sollst dir kein Gottesbild machen, keinerlei Abbild, weder dessen, was oben im Himmel, noch dessen, was unten auf Erden, noch dessen, was in den Wassern unter der Erde ist; du sollst sie nicht anbeten und ihnen nicht dienen; denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Geschlecht an den Kindern derer, die mich hassen, der aber Gnade übt bis ins tausendste Geschlecht an den Kindern derer, die mich lieben und meine Gebote halten.” (Ex 20,4-6; Zürcher Bibel)

Das Dilemma: Wir können uns nur annähernd ein Bild von Gott machen.
Oder anders herum: Gott ist immer anders, als sich ihn die Menschen vorstellen. Die Bilder sind untaugliche Hilfskonstrukte. Ja, die Bilder sind teilweise so plump, dass jeder halbwegs intelligente und gebildete Mensch erkennt, dass Sehnsucht und Fantasie der Menschen das Gottesbild bestimmen.

Die reformierte Kirche hat die Krux erkannt und die Bilder aus den Kirchen verbannt, in der Hoffnung, sie auch aus den Köpfen der Gläubigen verbannen zu können. Doch das ist ein sinnloses Unterfangen, denn es missachtet die lerntheoretischen Gesetze.

Der Mensch ist gezwungen, sich Bilder zu machen. Ohne Bilder kann er nicht denken. Und somit nicht lernen. Wir müssen in Bildern denken, um etwas zu begreifen und in unser Bewusstsein aufnehmen zu können. Analogien und Vergleiche sind die wichtigsten Instrumente unseres Lernens. Das ist unser Standardprogramm der Software im Hirn. Als Kinder können wir nur durch beobachten und vergleichen die Welt erfassen und die Phänomene einordnen.

Somit stecken Gläubige in der Falle, die versuchen, sich kein Gottesbild zu machen. Wer Gott denkt, macht sich ein Bild von ihm. Wem es gelingt, kein Bild von Gott zu machen, verdrängt ihn aus seinem Bewusstsein.

Gott ist für uns Menschen unsichtbar. Also können wir uns kein Bild von ihm machen. Es hat ihn noch niemand gesehen und Zeugnis abgelegt. Was für uns unsichtbar und unfassbar ist, existiert nicht wirklich, sondern höchstens in unserer Fantasie. Somit gibt es ähnlich viele Gottesbilder wie Gläubige.

hugostamm am Dienstag den 15. Juni 2010

Wenn der Glaube zum Problem wird

Der Glaube ist eine anthropologische Konstante. Glauben gehört zum Menschen, Glauben ist eng mit dem Leben verknüpft. Der auf den Alltag bezogene Glaube kann lebenswichtig sein. Wir sind gezwungen, an unsere Zukunft zu glauben, um psychisch stabil und ausgeglichen zu sein. Wer nicht auch an das Gute im Menschen glaubt, wird misstrauisch und asozial. Der Glaube an das Positive und Schöne im Leben gibt Kraft und hilft, das Leben zu meistern.

Der Glaube hat auch eine Ventilfunktion. Wenn immer wir etwas nicht verstehen, können wir uns dem Phänomen mit dem Glauben nähern. So lässt sich etwas einordnen, das sich nicht erklären lässt und uns verunsichert. Wenn wir nicht wissen, was nach dem Tod ist, können wir wenigstens glauben, es gebe ein Leben nach dem Tod.

Vielleicht ist der Glaube auch eine Funktion des Überlebenswillens. Selbst im Angesichts des Todes glaubt der Todgeweihte ans Überleben. Der Glaube ist eng mit der Hoffnung verknüpft. Ein Leben ohne Hoffnung wäre oft ähnlich schwer auszuhalten wie ein Leben ohne Glauben. In jeder Krise, bei jedem Schicksalsschlag hoffen und glauben wir, dass wieder bessere Zeiten kommen, dass wir das schwere Los schnell überwinden können.

Der Mensch hat immer geglaubt. An einen Gott, an ein Leben nach dem Tod, an den Sechser im Lotto, an ein besseres Leben, an den Partner fürs Leben, an die baldige Genesung von einer schweren Krankheit.

Zur Bewältigung des Alltags hat der Glaube zweifellos eine nützliche Funktion, auch wenn es problematische Formen gibt. Im Bereich des Religiösen, des Übersinnlichen, des Transzendenten ist der Glaube ein besonders sensibles Phänomen. Er kann uns in eine Scheinwelt führen, unser magisches Denken fördern, uns vom Leben und der Gemeinschaft entfremden, uns radikalisieren und fanatisieren im Denken, Fühlen und Handeln.

Der Glaube ist also nicht per se gut, auch wenn er eine wichtige Funktion für unser Leben erfüllt. Die Grenze zwischen Glaube und Aberglaube ist fliessend. Es ist deshalb essentiell, sich kritisch mit Fragen des Glaubens auseinanderzusetzen. Der Glaube muss dem Leben dienen und sich im Alltag bewähren.

Nützlich ist in der Regel nur jener Glaube, der uns hilft, das Leben besser zu meistern. Das gilt auch für den religiösen Glauben. Bleibt also die Frage, ob sich die vergangenen und aktuellen Heilslehren bewährt haben. Denn der religiös motivierte Glaube hat unendlich viel Leid in die Welt gebracht, zu Kriegen und Gewaltexzessen geführt.

Diesbezüglich fällt die Bilanz der meisten Glaubensgemeinschaft ernüchternd aus.

hugostamm am Samstag den 5. Juni 2010

Sind Gläubige autoritätsgläubig?

Jede Form von Glauben setzt ein gewisses Mass an Autoritätsgläubigkeit voraus. Ich muss glauben, dass es eine höhere Macht gibt, die mein Leben bestimmt oder zumindest prägt. Ich muss mich an eine Ordnung halten, die von dieser göttlichen Macht gegeben worden ist. Damit wird die geistige Freiheit in zentralen Aspekten und zu einem beträchtlichen Teil eingeschränkt.

Man kann deshalb die These wagen: Gläubige sind autoritätsgläubiger als Skeptiker. Es ist denn auch kein Zufall, dass sektenhafte Gemeinschaften ihre Gläubigen in die Abhängigkeit führen. Und es ist auch kein Zufall, dass Glaubensgemeinschaften oft mit autoritären Politikern paktieren. Oder mit Despoten auf der rechten oder faschistoiden Seite.

Heilslehren sind geistige Autoritätssysteme. Religion hat per Definition einen Abolutheitsanspruch. Es ist der Glaube, den wahren und einzigen Gott gefunden zu haben. Mit dieser Überzeugung geht der Glaube einher, Mitglied der auserwählten Heilsgemeinschaft zu sein und die einzig richtige Heilsvorstellung zu vertreten.

Zu diesen geistigen oder mentalen Autoritätsmerkmalen gesellen sich auch Abhängigkeiten, die sich auf Personen beziehen. Auf den Papst als Stellvertreter Gottes, der in Glaubensfragen als unfehlbar angesehen wird. Auf den Mufti als Verkünder des Korans. Auf den Rabbi als Hüter der Thora. Auf Uriella als Sprachrohr Gottes. Auf Sai Baba als erleuchtetes göttliches Wesen. Und, und, und.

Wo die Dogmen beginnen, muss der „gesunde Menschenverstand“ zurücktreten oder gar unterdrückt werden. Wenn eigene Erkenntnisse oder Erfahrungen in Widerspruch zur Glaubenslehre geraten, müssen sich Gläubige auf die Glaubenssätze stützen. Oder sie laufen Gefahr, sündig zu werden.

Eine Glaubensgemeinschaft wird dann sektenhaft, wenn sie den Gläubigen die Freiheit abspricht, Teile der Heilslehre als Irrtum abzulehnen und sich gegen die Würdenträger aufzulehnen.

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