Der Chef bloggt...


Archiv für die Kategorie „Tierpark Dählhölzli“

Rekordeintritte

beatrdt am Freitag den 10. Juli 2009 um 15:29 Uhr

Eine ereignisreiche Woche geht im Tierpark zu Ende. Sie hatte ihre Höhen und Tiefen, wie das im Leben so ist. Zu den Höhepunkten zählt ganz sicher unser kleiner Moschusochse, der täglich sicherer auf den Beinen ist und langsam anfängt, seine Umgebung zu erkunden.
Höhepunkte gab es auch an der Kasse. Noch selten hatten wir schon zu Beginn der Sommerferien so viele Besucherinnen und Besucher wie in diesem Jahr. Neue Anlagen, viele Jungtiere, ideales Zoowetter und sicher auch die tolle Plattform ihn der BZ haben ihren Teil dazu beigetragen.
Die Tiefen waren eher persönlicher Natur. Medienarbeit ist für mich etwas neues. Täglich eine Kolumne zu schreiben, ist tatsächlich Arbeit. Das hat einiges von mir abverlangt. Besonders wenn die Uhr unerbittlich  tickt und die Idee für einen Text sich noch immer nicht eingestellt hat. Das war ziemlich stressig, hat aber auch Spass gemacht.
Das grösste Highlight für mich war aber die gestrige Führung mit den Wettbewerbsgewinnern (siehe unten). Die strahlenden Kinderaugen beim Füttern der Papageitaucher, die leicht nervösen Blicke, als die Seehunde aus dem Wasser direkt zu den Kindern kamen, die interessanten Fragen, die gestellt wurden: All das gibt einem unglaublich viel zurück. Es trifft genau den Kern der Sache, was die Daseinsberechtigung der Institution Zoo angeht. Wer die Augen dieser Kinder gesehen hat weiss, dass sie unvergessliche Momente erlebt haben. Wenn aus den Funken dieser Momente später ein Feuer der Faszination gegenüber der Natur entfacht wird, dann haben wir alles richtig gemacht.
In diesem Sinne, bis bald im Tierpark!

Projektleiter Jürg Hadorn (43) begleitete uns durch die Woche. Täglich berichtete er in seiner Kolumne und online im Blog   aus dem Berner Tierpark.

High-Tech-Wellness für Papageitaucher

beatrdt am Donnerstag den 9. Juli 2009 um 15:16 Uhr

Können Sie sich vorstellen, was wir alles an Aufwand betrieben haben, um unseren Papageitauchern ein Wohlfühlklima zu bescheren? Eigentlich wollen die nordischen Vögel genau das Gegenteil von dem, was wir uns unter Wellness vorstellen. Kalt, windig und rau soll es sein, damit sie sich zuhause fühlen. Um dies zu erreichen, ist einiges an technischer Innovation erforderlich. Um ein luftiges Klima zu schaffen, haben wir eine speziell entwickelte Windanlage eingebaut. Diese trägt in regulierbarer Stärke eine frische Brise übers Wasser. Das hilft, zusammen mit dem kalten Wasser, ein kühles Mikroklima zu schaffen und hält ausserdem die für die Taucher gefährlichen Mücken von der Anlage fern.
Eine selbst konstruierte Wellenmaschine bringt die nötige Bewegung der Wasseroberfläche und trägt zur körperlichen Ertüchtigung bei. Ausserdem wird durch den Wellenschlag die Uferzone zu einem spannenden Spielfeld für die Tiere und fordert sie, die flachen Felsen in einem dynamischen Umfeld zu erklimmen.
Gegenwärtig arbeiten wir an der Entwicklung einer Strömungsanlage, die noch mehr Bewegung ins Bassin bringen soll. Ziel ist, ein grosses Wasservolumen mit einer geringen Geschwindigkeit umzuwälzen. Zum einen soll die Wasseroberfläche noch bewegter werden, zum anderen soll sie am Boden abgelagerte Schmutzpartikel dahin transportieren, wo wir sie entfernen können. All die Technik  kann nicht einfach ab Stange gekauft werden. Die Entwicklungsarbeit dazu leisten wir im Tierpark selbst.
Geteilte Freude ist doppelte Freude, wir freuen uns an der spannenden Arbeit, und die Papageitaucher freuen sich an ihrem Wellnesspool.

Projektleiter Jürg Hadorn (43) begleitet uns durch die Woche. Täglich berichtet er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint,  aus dem Berner Tierpark. Hadorn arbeitet seit   1992 im Dählhölzli.

Mit dem Grossvater im Tierpark

beatrdt am Mittwoch den 8. Juli 2009 um 16:37 Uhr

Die gefährdete ErinnerungIn meiner Kindheit habe ich mit meinem Grossvater viel Zeit im Tierpark verbracht. Vieles ist mir nur noch schemenhaft in Erinnerung, an anderes erinnere ich mich ganz genau. Jedesmal kauften wir an der Vivariumskasse eine Tüte Haselnüsse und gingen damit in den nahen Wald, um Eichhörnchen zu füttern. Die waren richtig frech und zahlreich damals, sie kletterten an der Hose hoch und stibitzten die Nüsse aus den Fingern. Ein Riesenspass!

Zwanzig Jahre später, bei meinem Dienstantritt 1992 im Tierpark, waren die kleinen Schelme weg. Ein Tier pro Jahr war schon fast eine gute Quote. Was war geschehen? Der Grossteil  der Population ist einem Virus zum Opfer gefallen. Doch die Natur vermag das zu regeln, und im Laufe der Zeit ging es wieder aufwärts mit den munteren Gesellen. Heute sind sie wieder zu Gast auf dem Gelände, plündern Mülleimer und verbreiten mit ihrem putzigen Wesen Freude. Doch nun droht ihnen neues Ungemach: Das amerikanische Grauhörnchen. Diese wurden zu Beginn des letzten Jahrhunderts unter anderem in England und Italien ausgesetzt, mit verheerenden Folgen. Das Grauhörnchen ist robuster und weniger scheu als die heimische Art und zudem Überträger einer für europäische Hörnchen tödlichen Krankheit.

In weiten Teilen der besetzten Länder sind die europäischen Tiere bereits verschwunden. Italien ist nah, wenn unsere Eichhörnchen das gleiche Schicksal ereilt, wird eine meiner Kindheitserinnerungen wohl definitiv verloren gehen.

Projektleiter Jürg Hadorn (43) begleitet uns durch die Woche. Täglich berichtet er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint,  aus dem Berner Tierpark. Hadorn arbeitet seit   1992 im Dählhölzli.

Pinguin in der Wanne

beatrdt am Mittwoch den 8. Juli 2009 um 09:30 Uhr

Heute Morgen kam mir mein Pinguin aus der Badewanne entgegen. Er watschelte in freudiger Erwartung, klitschnass und hungrig auf mich zu. Mit jedem Schritt hinterliess er mit seinen kleinen Füssen eine kleine Pfütze. Verschlafen machte ich sauber und bereitete unser Frühstück zu. Leider schmeckten ihm meine Marmeladebrote nicht, was er mir mit schmerzhaften Schnabelhieben gegen meine Finger zu verstehen gab. Wir gingen auseinander, er zurück in die Badewanne, ich zur Apotheke, um meine Finger zu verarzten. Ob Sie es glauben oder nicht, aber diese Geschichte geschieht immer wieder! Oder können Sie mir erklären, warum wir seit Jahren Anrufe erhalten, jemand hätte einen Pinguin gestohlen und im Rucksack mit nach Hause genommen? Also, werfen Sie mal einen Blick ins Badezimmer, wenn Sie irgendwo zu Besuch sind, es könnte sein, dass Ihnen ein Pinguin entgegenkommt.

Eine dufte Sache

beatrdt am Montag den 6. Juli 2009 um 16:27 Uhr

Neulich im Vivarium. Ich warte auf einen Besprechungstermin, da fällt mein Blick auf die Blattschneiderameisen. Meine Gedanken schweifen ab, während ich dem emsigen Treiben der Tierchen zuschaue. Mich packt die Faszination über die Organisation des Insektenstaates. Auf den ersten Blick das reine Chaos: Grosse und kleine Ameisen, mit und ohne Blätter in den kräftigen Kiefern laufen scheinbar ziellos durcheinander. Dennoch schaffen sie es seit Jahren, ihr zerbrechliches Konstrukt aufrecht zu erhalten.

Das einzelne Individuum zählt nichts, erst als Ganzes funktionieren sie wie ein einziger Organismus. Den verschieden Kasten fallen ganz unterschiedliche Aufgaben zu, das erklärt die eklatanten Grössenunterschiede innerhalb der Ameisengemeinschaft.
Da sind die ganz Grossen, die Soldatinnen, welche die Transportwege und das Nest bewachen; die etwas Kleineren schneiden  Blätter in Stücke, und wieder andere tragen sie ins Nest. Die Blätter werden von den kleinen Gärtnerinnen entgegen genommen. Sie zerkleinern die Blattstücke, reichern sie mit Speichel an und züchten auf dem gewonnenen Substrat den Pilz, von welchem sich wiederum alle ernähren. Neben Pilzgärten werden auch Mülldeponien angelegt, dort lagern sie ihre Abfälle ab.
All das lenkt die Königin über Duftstoffe, sogenannte Pheromone. Und jedes Mitglied der selbstlosen Gemeinschaft weiss genau, was zu tun ist. Ich jedoch bemühe mich weiterhin, meine Anliegen meinem Gegenüber mit ausgefeilter Sprache  zu erklären. Vielleicht sollte ich es besser auch mal mit Pheromonen versuchen.

Projektleiter Jürg Hadorn (43) begleitet uns durch die Woche. Täglich berichtet er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint,  aus dem Berner Tierpark. Hadorn arbeitet seit   1992 im Dählhölzli.

Die Ruhe im Sommer

beatrdt am Freitag den 3. Juli 2009 um 16:19 Uhr

Ich mag den Sommer im Tierpark. Für mich immer ein paar Wochen der inneren Ruhe, nachdem der Frühling mit Vollgas durchs Land gezogen ist. Die Natur legt zu Beginn des Jahres ein atemberaubendes Tempo vor. Es wird gebalzt, geliebt und geboren, als gäbe es kein morgen mehr. Täglich tauchen Meldungen von frisch geborenen Wildkatzen, Steinböcken, Birkhühnern oder Säbelschnäblern in den Rapporten auf. Gleichzeitig explodiert die Botanik, Blüten spriessen in Rekordzeit, die Sicht wird bald durch Laubwerk versperrt, und Wiesen müssen schon gemäht werden. Dies ist auch die Jahreszeit der Schulklassen, Maibummel und Schulreisen stehen auf dem Programm. Das Leben pulsiert um und in den Gehegen. Zeit zum schauen und erleben bleibt da wenig.
Dann ein schöner Sommertag. Die Gästeschar vergnügt sich an kühlen Gewässern, die Pflanzen sind gereift und tragen allmählich Früchte – und langsam kehrt Ruhe ein.
Da entdecke ich junge Schneeeulen und Uhus, wie sie mit grossen Augen die Welt erforschen, sehe die Wisentkälber, wie sie flink mit ihrer Herde im Wald umherstreifen und staune ob der Grösse der Flamingoküken, die bereits im Wasser waten.
Dann muss ich sagen: Schön, mein Arbeitsplatz, besonders wenn das Auge mal wieder das des Besuchers sein kann und ich die Faszination der Natur mal wieder in Ruhe mit entdecken darf.



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