Der Chef bloggt...


Archiv für die Kategorie „Shoppyland“

Sonntags nie!?

beatrdt am Dienstag den 11. August 2009 um 11:34 Uhr

Freuen Sie sich auf heute Abend? Endlich Ruhe und Ordnung. Rasenmäher verstaut, das Autoinnere gereinigt, Küchenfenster geputzt, Einkäufe erledigt. Sich freuen auf den Sonntag ist angesagt: mal richtig ausschlafen, nichts tun, sich zurücklehnen, keine Verpflichtungen, null Komma gar nichts.

Halt! Jetzt mal ganz ehrlich, wer lehnt sich schon gerne einen ganzen Tag zurĂĽck? Faulenzen ist nichts fĂĽr unsere Gesellschaft. Wir sind uns gewohnt, Tag und Nacht unterhalten zu werden. Allerdings:

• Wer will schon an einem wolkenfreien Sonntagmorgen in einer Völkerwanderung zum Oeschinensee zotteln und auf dem Nachhauseweg im Stau stehen?

• Wer tut sich schon die Schlacht mit Dutzenden von anderen Artgenossen am Brunchbuffet an?

•Wer hätte nicht gerne eine billige, aber effektive Ausrede, den feinen Sonntagsbraten bei den Schwiegereltern absagen zu können?

• Nicht zu vergessen das immer wiederkehrende Ritual des Formel-1-Rennens am Sonntagnachmittag – wahnsinnig spannend und schlicht unverzichtbar, oder? Ausschlafen ist sowieso out. Selbst wenns nieselt oder gar hagelt.

Was das alles mit dem Shoppyland Schönbühl zu tun hat? Ganz einfach, es spricht schlicht alles dafür, dass die Einkaufscenter auch am Sonntag ihre Pforten öffnen dürfen. Damit Herr und Frau Schweizer wissen, was sie in Zukunft mit dem Sonntag anfangen sollen.

Die Menschenschlangen an den Kassen der Detaillisten im Hauptbahnhof Bern beweisen es.
Karl Gorsatt (52) ist Leiter Einkaufscenter in der Genossenschaft Migros Aare. Diese Woche berichtete er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint, aus dem Shoppyland-Alltag.

Ăśber Stunden

beatrdt am Dienstag den 11. August 2009 um 11:29 Uhr

Eine Sekunde, bitte. Oder störe ich Sie gerade beim Überstunden schieben? Schliesslich ist das jetzt gross in Mode. Wir sind ein Volk von Vielarbeitern. Und das seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten. Zu Ruhm und Ehre haben wir es gebracht. Und zu Wohlstand. Erst recht seit die Überstunden auch standesgemäss vergütet werden. Einfach kumulieren und auszahlen lassen – zack, hat man zusammen mit einer schönen Abfindung eine anständige Summe beieinander.
Das war allerdings nicht immer so. Früher hat man noch geschuftet, Überstunden gemacht. Zum Beispiel im März 1975, der Geburtsstunde des Shoppylands. Da durfte in den ersten Jahren nach der Eröffnung an  vier Abenden pro Woche länger gearbeitet werden. Man stelle sich das einmal vor: Vier Mal Abendverkauf pro Woche, bis 21 Uhr. Zusätzlich öffnete das Shoppy am Montagmorgen bereits um 10 Uhr seine Pforten; in einer Zeit, als die Läden in der Stadt zu besagterMorgenstunde noch ausnahmslos dicht waren. Es wurde also fast pausenlos gewerkt und gewirkt. Ohne zu motzen, schliesslich war man froh, dass man Arbeit hatte, sich verwirklichen konnte. Überstunden waren selbstverständlich, und wurden vor allem nicht tagelang thematisiert. Und heute? Wehe der Ungerechtigkeit, wenn jemand ein paar Minuten länger am Arbeitsplatz sein muss, ohne dafür entschädigt zu werden. Heisst das jetzt, dass früher alles besser war?

PS. Ăśbrigens konnte man 1975 im Shoppy während 65,5 Stunden einkaufen; 2009 sind es drei Stunden weniger…

FĂĽr Stadt und Land

beatrdt am Dienstag den 11. August 2009 um 11:27 Uhr

Die Stadtflucht scheint auch ein Stadtfluch zu sein. Einkaufs- und Erlebniscenter sowie Möbelmeilen an der Peripherie sind in. Diese locken mit Superangeboten, totaler Unterhaltung und ausreichend Parkplätzen die Klientel aus der Metropole. Zugegeben: Ich beneide sie nicht, die Spezialgeschäfte in der Berner Innenstadt.

Es wird wirklich viel unternommen, um ihnen das Leben schwer zu machen. Vor allem die Ablehnung des motorisierten Verkehrs und das schlicht nicht vorhandene und wenn überhaupt masslos überteuerte Parkplatzangebot sowie die zahlreich aufgerissenen Strassen kommen uns im Shoppyland zugute. Aber ist das wirklich alles, die einzig wahren Gründe, warum sich immer mehr Leute in «ländlichen» Einkaufscentren wie im Shoppyland mit allem Wichtigen eindecken? Vielleicht gibt es ja auch noch anderes, das die Konsumenten abhält, im Zentrum des Unesco-Welterbes einzukaufen? Zum Beispiel das Innere vieler Läden, das an eines der zig Museen in Bern erinnert. Oder sollte nach Meinung vieler gar die ganze Stadt als Museum betrachtet und genutzt werden?

Und last but not least die nicht zu vergessende, unablässige Demonstrationsflut mit Hindernissen an allen Fronten. Ich persönlich wünsche den Berner Spezialgeschäften Zuversicht, viel Durchhaltewillen und eine grosse Portion Optimismus. Nicht zuletzt mir zuliebe, denn auch ich gehöre zu jenen, die in der womöglich schönsten Stadt der Welt ab und zu hübsche Dinge einkaufen oder eines der zahlreichen Gastronomielokale aufsuchen.

Karl Gorsatt (52) ist Leiter Einkaufscenter in der Genossenschaft Migros Aare. Täglich berichtet er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint, aus dem Shoppyland-Alltag.

Das Stauwerk

beatrdt am Donnerstag den 6. August 2009 um 13:30 Uhr

Die Ferienzeit geht zu Ende, und ab Montag geht es wieder los: Auto um Auto, Laster um Laster im Grauholz-Stau. Weshalb eigentlich, weiss niemand so genau.

Klar ist einzig: Es wird gebaut. Aber was gebaut wird, warum gebaut wird und vor allem bis wann gebaut wird, ist schleierhaft. Bei uns im Shoppyland wird auch gebaut. Doch immerhin wissen wir, was und warum gebaut wird. Und vor allem: Dass es dabei keinen Stau gibt.

Wie aber könnte man den Grauholz-Stau vermindern oder auflösen? Sollte man wie bei der SBB die Pendler belohnen, die später als um 9 Uhr durch den Knotenpunkt rauschen? Müssten gar die Fahrten beschränkt werden und an einzelnen Tagen nur Autos mit geraden, an anderen mit ungeraden Nummern durchgelassen werden? Wir vom Shoppyland haben uns natürlich auch Gedanken gemacht, was wir zur Lösung dieser Situation beitragen könnten und schlagen vor: Wie wärs, wenn zum Beispiel nur die Hälfte aller Grauholz-Durchquerer bei uns einen Stopp einlegen würde? Bei uns auf einen Kaffee vorbeikommen, ein neues Hemd kaufen oder sich Hundefutter unter die Arme klemmen? Ehrlich, das Problem wäre halb so schlimm; und die ungeliebte Fahrzeugkolonne würde sich im Nu auflösen. Wir könnten uns dann nebst dem attraktivsten auch noch als das einzige «Drive-Through-Einkaufscenter» bezeichnen. Und das geht so: Sie fahren bei uns vor, bestellen einen neuen Fernseher, Ihr Znüni-Brot oder einen neuen Anzug und fahren von dannen. Ohne Stau.

Karl Gorsatt (52) ist Leiter Einkaufscenter in der Genossenschaft Migros Aare. Täglich berichtet er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint, aus dem Shoppyland-Alltag.

FĂĽr Stadt und Land

beatrdt am Mittwoch den 5. August 2009 um 08:26 Uhr

Die Stadtflucht scheint auch ein Stadtfluch zu sein. Einkaufs- und Erlebniscenter sowie Möbelmeilen an der Peripherie sind in. Diese locken mit Superangeboten, totaler Unterhaltung und ausreichend Parkplätzen die Klientel aus der Metropole. Zugegeben: Ich beneide sie nicht, die Spezialgeschäfte in der Berner Innenstadt. Es wird wirklich viel unternommen, um ihnen das Leben schwer zu machen. Vor allem die Ablehnung des motorisierten Verkehrs und das schlicht nicht vorhandene und wenn überhaupt masslos überteuerte Parkplatzangebot sowie die zahlreich aufgerissenen Strassen kommen uns im Shoppyland zugute. Aber ist das wirklich alles, die einzig wahren Gründe, warum sich immer mehr Leute in «ländlichen» Einkaufscentren wie im Shoppyland mit allem Wichtigen eindecken? Vielleicht gibt es ja auch noch anderes, das die Konsumenten abhält, im Zentrum des Unesco-Welterbes einzukaufen? Zum Beispiel das Innere vieler Läden, das an eines der zig Museen in Bern erinnert. Oder sollte nach Meinung vieler gar die ganze Stadt als Museum betrachtet und genutzt werden? Und last but not least die nicht zu vergessende, unablässige Demonstrationsflut mit Hindernissen an allen Fronten. Ich persönlich wünsche den Berner Spezialgeschäften Zuversicht, viel Durchhaltewillen und eine grosse Portion Optimismus. Nicht zuletzt mir zuliebe, denn auch ich gehöre zu jenen, die in der womöglich schönsten Stadt der Welt ab und zu hübsche Dinge einkaufen oder eines der zahlreichen Gastronomielokale aufsuchen.

Karl Gorsatt (52) ist Leiter Einkaufscenter in der Genossenschaft Migros Aare. Täglich berichtet er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint, aus dem Shoppyland-Alltag.

Mall fĂĽr Mall

beatrdt am Dienstag den 4. August 2009 um 10:29 Uhr

(Mall, die, engl. fĂĽr ĂĽberdachtes Einkaufscenter oder grosse Einkaufspassage)
Unter uns gesagt: Die Wirtschaftskrise existiert nicht wirklich. Eine gewagte Behauptung, ich weiss. Aber ich kann es beweisen. Erstens bezieht sich diese Aussage nur auf unsere Einkaufscenter und zweitens im Vergleich zu unseren Kollegen in England, Frankreich, Deutschland und vor allem in den USA. Während wir hier zu Lande schon verzweifeln, wenn wir im Vergleich zum Vorjahresmonat 0,5 Prozent weniger Umsatz machen, geht dieser in anderen Gebieten um 50 Prozent zurück. Schweigen und schwelgen wir also besser noch ein bisschen und hoffen, dass wir in der Schweiz einmal mehr mit einem blauen Auge davonkommen.
Der Blick in die Vereinigten Staaten, dem Geburtsort der gigantischen Einkaufscenter, macht klar, dass wir von einem richtigen Einbruch der Umsatzzahlen verschont blieben: Unter www.deadmalls.com findet man die traurige Geschichte von Hunderten von Einkaufscenter, die einst florierten. Jetzt siechen sie im Schlepptau der Krise vor sich hin. Trostlos, leer, ohne Perspektiven.
Zurück in die Schweiz: Ist diese Leere etwa das Zukunftsszenario der eidgenössischen Einkaufscenter? Mitnichten. Zwar mögen auch unsere Zahlen momentan stagnieren, aber unsere Aussichten sind rosig. Weil wir gerade rechtzeitig zum nächsten Aufschwung mit einem guten Mix aus Erlebnis, Einkaufsparadies und Dienstleistung parat sind. Weil wir an unseren Standorten auch Nahversorger sind.
Weil unsere Mischung aus Individualverkehr und ÖV stimmt. Und weil wir voll und ganz auf die Regionen setzen, in denen wir vertreten sind. Das alles stimmt uns positiv. Und deshalb glauben wir uneingeschränkt an die Zukunft unserer Einkaufscenter.
Sie etwa nicht?

Karl Gorsatt (52) ist  Leiter Einkaufscenter in der Genossenschaft Migros Aare. Täglich berichtet er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint, aus dem Shoppyland-Alltag.

Rauchfrei

beatrdt am Sonntag den 2. August 2009 um 13:55 Uhr

Wo Rauch ist, ist bekanntlich auch Feuer und meistens erst noch im Dach. Das kürzlich eingeführte Verbot für das An- und Entzünden von Raucherwaren sorgt logischerweise für rauchende Köpfe. Und die Glut des Zorns wird höchstwahrscheinlich irgendeinmal der Gewohnheit der absolut rauchfreien Zonen weichen. Das Problem aber ist damit nicht gelöst. Es erstaunt mich immer wieder, mit welcher Vehemenz die Raucherfront bekämpft wird. Zugegeben: Die Raucher sind auch nicht gerade die Tolerantesten, aber sie werden heute mit dem gleichen Gehabe bekämpft, wie sie einst die Nichtraucher schlicht ignorierten. Quasi Gleiches mit Gleichem, beziehungsweise, Zug um Zug. Auch im Shoppyland stehen sowohl die starken Raucher als auch die Gelegenheitspaffer auf verlorenem Posten: Rauchverbot auf 36000 Quadratmeter. Kein Fumoir weit und breit. Einzig kaufen kann man die Glimmstängel noch in einzelnen Geschäften.

Wer beim Einkaufen nicht auf seine Zigarette verzichten möchte, kann rund 80 Kilometer nach Osten fahren: Im Wynecenter Buchs im Kanton Aargau (gehört auch zur Migros Aare) darf weiterhin weitergequalmt werden – zumindest im Café Spettacolo.
Die Frage ist nicht, ob sich das Ganze eines Tages mal wieder ändert, sondern wann. Kleinere Rauchergruppen formieren sich bereits und gehen zum Angriff über. Denn jede Bewegung bringt stets eine Gegenbewegung mit sich. Wetten?
Versprochen: wir finden im Shoppyland einen Platz, wo auch in Zukunft im Trockenen und im Winter an der Wärme geraucht werden kann.

Karl Gorsatt (52) ist  Leiter Einkaufscenter in der Genossenschaft Migros Aare. Täglich berichtet er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint, aus dem Shoppyland-Alltag.



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