Eine Sekunde, bitte. Oder störe ich Sie gerade beim Überstunden schieben? Schliesslich ist das jetzt gross in Mode. Wir sind ein Volk von Vielarbeitern. Und das seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten. Zu Ruhm und Ehre haben wir es gebracht. Und zu Wohlstand. Erst recht seit die Überstunden auch standesgemäss vergütet werden. Einfach kumulieren und auszahlen lassen – zack, hat man zusammen mit einer schönen Abfindung eine anständige Summe beieinander.
Das war allerdings nicht immer so. Früher hat man noch geschuftet, Überstunden gemacht. Zum Beispiel im März 1975, der Geburtsstunde des Shoppylands. Da durfte in den ersten Jahren nach der Eröffnung an vier Abenden pro Woche länger gearbeitet werden. Man stelle sich das einmal vor: Vier Mal Abendverkauf pro Woche, bis 21 Uhr. Zusätzlich öffnete das Shoppy am Montagmorgen bereits um 10 Uhr seine Pforten; in einer Zeit, als die Läden in der Stadt zu besagterMorgenstunde noch ausnahmslos dicht waren. Es wurde also fast pausenlos gewerkt und gewirkt. Ohne zu motzen, schliesslich war man froh, dass man Arbeit hatte, sich verwirklichen konnte. Überstunden waren selbstverständlich, und wurden vor allem nicht tagelang thematisiert. Und heute? Wehe der Ungerechtigkeit, wenn jemand ein paar Minuten länger am Arbeitsplatz sein muss, ohne dafür entschädigt zu werden. Heisst das jetzt, dass früher alles besser war?
PS. Übrigens konnte man 1975 im Shoppy während 65,5 Stunden einkaufen; 2009 sind es drei Stunden weniger…
