Die Stadtflucht scheint auch ein Stadtfluch zu sein. Einkaufs- und Erlebniscenter sowie Möbelmeilen an der Peripherie sind in. Diese locken mit Superangeboten, totaler Unterhaltung und ausreichend Parkplätzen die Klientel aus der Metropole. Zugegeben: Ich beneide sie nicht, die Spezialgeschäfte in der Berner Innenstadt.
Es wird wirklich viel unternommen, um ihnen das Leben schwer zu machen. Vor allem die Ablehnung des motorisierten Verkehrs und das schlicht nicht vorhandene und wenn überhaupt masslos überteuerte Parkplatzangebot sowie die zahlreich aufgerissenen Strassen kommen uns im Shoppyland zugute. Aber ist das wirklich alles, die einzig wahren Gründe, warum sich immer mehr Leute in «ländlichen» Einkaufscentren wie im Shoppyland mit allem Wichtigen eindecken? Vielleicht gibt es ja auch noch anderes, das die Konsumenten abhält, im Zentrum des Unesco-Welterbes einzukaufen? Zum Beispiel das Innere vieler Läden, das an eines der zig Museen in Bern erinnert. Oder sollte nach Meinung vieler gar die ganze Stadt als Museum betrachtet und genutzt werden?
Und last but not least die nicht zu vergessende, unablässige Demonstrationsflut mit Hindernissen an allen Fronten. Ich persönlich wünsche den Berner Spezialgeschäften Zuversicht, viel Durchhaltewillen und eine grosse Portion Optimismus. Nicht zuletzt mir zuliebe, denn auch ich gehöre zu jenen, die in der womöglich schönsten Stadt der Welt ab und zu hübsche Dinge einkaufen oder eines der zahlreichen Gastronomielokale aufsuchen.
Karl Gorsatt (52) ist Leiter Einkaufscenter in der Genossenschaft Migros Aare. Täglich berichtet er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint, aus dem Shoppyland-Alltag.
