Der Chef bloggt...


beatrdt am Dienstag den 11. August 2009 um 11:36 Uhr

Cashflow in der Medizin

Den gestrigen Tag verbrachte ich zur Hälfte im OP, den Rest mühte ich mich im Büro ab. Diesen Blog widme ich daher den Finanzen. Das Schweizer Gesundheitswesen gilt im Vergleich als gut, schneidet aber schlecht ab, wenn man Kosteneffizienz misst. In jeder Statistik über Gesundheitskosten pro Einwohner landet unser Land auf einem oberen Medaillenplatz. Einige meinen, dies sei gut, da Gesundheit auch Teil des wirtschaftlichen Zyklus ist und Mehrwert schaffe. Dies kann aber keine Rechtfertigung für Ineffizienz sein, zumal Steuer- und Prämienzahler erschöpft sind. Die Prinzipien unseres Systems lauten: Territorialprinzip (26 kleine abgeschottete Gesundheitsmärkte), Risikoselektion (Kassen und Spitäler werben um risikoarme und begüterte Patienten) und Kostenverschiebung (z.B. zahlen Berner Kassen «freiwillig» über 200 Millionen Franken jährlich an die Privatspitäler). Diese Mischung wirkt: Allein der strukturarme Kanton Bern leistet sich knapp gleich viele Kliniken wie ganz Schweden, und es stehen mehr Akutbetten pro Einwohner zur Verfügung als im wohlhabenden Zürich.

Es stellt sich die Frage, was ich persönlich zur Kostenkontrolle beitragen kann. Machtlos nehme ich zur Kenntnis, wie Kassenprämien für Fernsehwerbung eingesetzt werden und wie Steuerbatzen zur Strukturerhaltung statt zur Reform investiert werden. Als Chef einer Uniklinik habe ich einen Versorgungsauftrag für jedermann, ob arm oder reich, risikoarm oder todkrank. Mein Privileg ist die tägliche Verantwortung beim Einsatz der Mittel, um mit zielgerichtetem Vorgehen unter Beizug der richtigen Leute zur richtigen Zeit gute Behandlungen zu garantieren. Besser einmal richtig, als dreimal halb.

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