Ich mag den Sommer im Tierpark. Für mich immer ein paar Wochen der inneren Ruhe, nachdem der Frühling mit Vollgas durchs Land gezogen ist. Die Natur legt zu Beginn des Jahres ein atemberaubendes Tempo vor. Es wird gebalzt, geliebt und geboren, als gäbe es kein morgen mehr. Täglich tauchen Meldungen von frisch geborenen Wildkatzen, Steinböcken, Birkhühnern oder Säbelschnäblern in den Rapporten auf. Gleichzeitig explodiert die Botanik, Blüten spriessen in Rekordzeit, die Sicht wird bald durch Laubwerk versperrt, und Wiesen müssen schon gemäht werden. Dies ist auch die Jahreszeit der Schulklassen, Maibummel und Schulreisen stehen auf dem Programm. Das Leben pulsiert um und in den Gehegen. Zeit zum schauen und erleben bleibt da wenig.
Dann ein schöner Sommertag. Die Gästeschar vergnügt sich an kühlen Gewässern, die Pflanzen sind gereift und tragen allmählich Früchte – und langsam kehrt Ruhe ein.
Da entdecke ich junge Schneeeulen und Uhus, wie sie mit grossen Augen die Welt erforschen, sehe die Wisentkälber, wie sie flink mit ihrer Herde im Wald umherstreifen und staune ob der Grösse der Flamingoküken, die bereits im Wasser waten.
Dann muss ich sagen: Schön, mein Arbeitsplatz, besonders wenn das Auge mal wieder das des Besuchers sein kann und ich die Faszination der Natur mal wieder in Ruhe mit entdecken darf.
Die Ruhe im Sommer
Kommentieren
Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.
