Der Chef bloggt...


beatrdt am Freitag den 14. August 2009 um 08:50 Uhr

Das Umfeld muss stimmen

8 Prozent des kantonalen BIP werden im Tourismus erwirtschaftet, im Oberland sind es 26 Prozent. Der Tourismus ist arbeitsintensiv. Jeder zehnte Arbeitsplatz im Kanton ist vom Tourismus abhängig. Das Unesco-Weltkulturerbe, die Museen mit den Sonderausstellungen und das pittoreske Umland haben noch grosses Potenzial. Tourismus ist in erster Linie ein globaler Markt, welcher seine Kunden im Ausland akquiriert. Leider ist die Hauptstadt aus touristischer Sicht noch immer ein weisser Fleck auf der Weltkarte. Dass die touristische Wertschöpfungskette nicht bei Hotels, Museen, Grossmetzger und Taxis zu Ende ist, zeigen alle Kurorte unseres Landes. Handel und Gewerbe, vom Shop über den Maler bis zur Steuerverwaltung, profitieren davon. Der Köder muss aber dem Fisch schmecken, nicht dem Fischer. Angefangen bei der Sauberkeit, frisch-frechem Standortmarketing bis zum kreativen Denken. Die Altstadt als «Kurzone» würde zum Beispiel Öffnungszeiten am Sonntag erlauben. Über die eine oder andere Boutique am verregneten Sonntag würden sich nicht nur unsere Gäste freuen.

Urs Bührer (48) ist Direktor des Hotels Bellevue Palace. Er berichtet in dieser Kolumne, die online als Blog erscheint, aus dem «Bellevue»-Alltag.

beatrdt am Mittwoch den 12. August 2009 um 10:54 Uhr

Messlatte ist hoch angesetzt

Wie oft hören wir, dass uns aus touristischer Sicht das östliche Nachbarland oder Asien Nasenlängen voraus ist. Zweifellos wird die Hotellerie gerne mit der internationalen Konkurrenz verglichen. Dies gilt für den Service und insbesondere  für die Infrastruktur. Gerade Fünfsternehotels sind ein kapitalintensives Geschäft. In diesem Jahr werden alleine von den 39 Swiss Deluxe Hotels über 300 Millionen investiert. Die steigenden Anforderungen einer kosmopolitischen Kundschaft schrauben die Standards in die Höhe. Das hat seinen Preis. Vergleichen wir aber das globale Preis-Leistungs-Verhältnis, kann die Schweizer Hotellerie ohne Mühe international mithalten. Kommt dann noch die Dienstleistungsbereitschaft der Mitarbeiter dazu, werden die Erwartungen übertroffen. Den Gast begeistern heisst auch, dass wir uns als Botschafter der Schweiz verstehen und  das positive Image pflegen.
Und übrigens: Was heisst, die Schweiz sei teuer? Ein Kaffee in Mailand, Paris oder London kostet zwischen 10 und 13 Franken. Da ist dieser im «Bellevue» mit Fr. 4.80 mehr als korrekt – Aussicht auf die Alpen inklusive!

beatrdt am Dienstag den 11. August 2009 um 11:36 Uhr

Cashflow in der Medizin

Den gestrigen Tag verbrachte ich zur Hälfte im OP, den Rest mühte ich mich im Büro ab. Diesen Blog widme ich daher den Finanzen. Das Schweizer Gesundheitswesen gilt im Vergleich als gut, schneidet aber schlecht ab, wenn man Kosteneffizienz misst. In jeder Statistik über Gesundheitskosten pro Einwohner landet unser Land auf einem oberen Medaillenplatz. Einige meinen, dies sei gut, da Gesundheit auch Teil des wirtschaftlichen Zyklus ist und Mehrwert schaffe. Dies kann aber keine Rechtfertigung für Ineffizienz sein, zumal Steuer- und Prämienzahler erschöpft sind. Die Prinzipien unseres Systems lauten: Territorialprinzip (26 kleine abgeschottete Gesundheitsmärkte), Risikoselektion (Kassen und Spitäler werben um risikoarme und begüterte Patienten) und Kostenverschiebung (z.B. zahlen Berner Kassen «freiwillig» über 200 Millionen Franken jährlich an die Privatspitäler). Diese Mischung wirkt: Allein der strukturarme Kanton Bern leistet sich knapp gleich viele Kliniken wie ganz Schweden, und es stehen mehr Akutbetten pro Einwohner zur Verfügung als im wohlhabenden Zürich.

Es stellt sich die Frage, was ich persönlich zur Kostenkontrolle beitragen kann. Machtlos nehme ich zur Kenntnis, wie Kassenprämien für Fernsehwerbung eingesetzt werden und wie Steuerbatzen zur Strukturerhaltung statt zur Reform investiert werden. Als Chef einer Uniklinik habe ich einen Versorgungsauftrag für jedermann, ob arm oder reich, risikoarm oder todkrank. Mein Privileg ist die tägliche Verantwortung beim Einsatz der Mittel, um mit zielgerichtetem Vorgehen unter Beizug der richtigen Leute zur richtigen Zeit gute Behandlungen zu garantieren. Besser einmal richtig, als dreimal halb.

beatrdt am Dienstag den 11. August 2009 um 11:34 Uhr

Sonntags nie!?

Freuen Sie sich auf heute Abend? Endlich Ruhe und Ordnung. Rasenmäher verstaut, das Autoinnere gereinigt, Küchenfenster geputzt, Einkäufe erledigt. Sich freuen auf den Sonntag ist angesagt: mal richtig ausschlafen, nichts tun, sich zurücklehnen, keine Verpflichtungen, null Komma gar nichts.

Halt! Jetzt mal ganz ehrlich, wer lehnt sich schon gerne einen ganzen Tag zurück? Faulenzen ist nichts für unsere Gesellschaft. Wir sind uns gewohnt, Tag und Nacht unterhalten zu werden. Allerdings:

• Wer will schon an einem wolkenfreien Sonntagmorgen in einer Völkerwanderung zum Oeschinensee zotteln und auf dem Nachhauseweg im Stau stehen?

• Wer tut sich schon die Schlacht mit Dutzenden von anderen Artgenossen am Brunchbuffet an?

•Wer hätte nicht gerne eine billige, aber effektive Ausrede, den feinen Sonntagsbraten bei den Schwiegereltern absagen zu können?

• Nicht zu vergessen das immer wiederkehrende Ritual des Formel-1-Rennens am Sonntagnachmittag – wahnsinnig spannend und schlicht unverzichtbar, oder? Ausschlafen ist sowieso out. Selbst wenns nieselt oder gar hagelt.

Was das alles mit dem Shoppyland Schönbühl zu tun hat? Ganz einfach, es spricht schlicht alles dafür, dass die Einkaufscenter auch am Sonntag ihre Pforten öffnen dürfen. Damit Herr und Frau Schweizer wissen, was sie in Zukunft mit dem Sonntag anfangen sollen.

Die Menschenschlangen an den Kassen der Detaillisten im Hauptbahnhof Bern beweisen es.
Karl Gorsatt (52) ist Leiter Einkaufscenter in der Genossenschaft Migros Aare. Diese Woche berichtete er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint, aus dem Shoppyland-Alltag.

beatrdt am Dienstag den 11. August 2009 um 11:29 Uhr

Kadavergehorsam – nein danke!

Wie sähen die Verkehrsunfallstatistiken aus, wenn jeder sein eigener Bodyguard wäre? Garantiert besser – auch bei den Bahnen. Diese Bodyguard-Mentalität wollen wir in unserem Unternehmen einpflanzen, hegen und pflegen.

Wir haben Ende 2008 ein entsprechendes Programm gestartet; sein Motto: «luege, dänke, richtig mache – saisir, réfléchir, agir juste». Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter ist aufgerufen, im eigenen Umfeld achtsam zu sein und zu agieren. Alles, was irgendwie auffällt oder nicht ist, wie es sein sollte – ob messbar oder intuitiv –, soll gemeldet werden.

Jede Unregelmässigkeit, und sei es auch nur ein Detail, kann Schlimmes verursachen. Diese Meldungen sollen dazu führen, dass wir die Ursachen anschauen und sicherstellen, dass wir keine systematischen Probleme haben.

Damit dies funktioniert, muss gewährleistet sein, dass die Mitarbeitenden ernst genommen werden, auch wenn sie mit den seltsamsten Meldungen daherkommen. Dies bedingt eine Kultur, die es allen ermöglicht, für die Erhöhung der Sicherheit ihrer Arbeitskollegen, ihrer Kunden und nicht zuletzt für sich selbst frei ihre Meinung zu sagen. Kadavergehorsam bringt uns speziell in Sicherheitsfragen, aber auch generell nicht weiter.

Bernard Guillelmon (42) ist der Chef des Berner Bahnunternehmens BLS. Täglich berichtet er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint, aus dem BLS-Alltag.

beatrdt am Dienstag den 11. August 2009 um 11:29 Uhr

Über Stunden

Eine Sekunde, bitte. Oder störe ich Sie gerade beim Überstunden schieben? Schliesslich ist das jetzt gross in Mode. Wir sind ein Volk von Vielarbeitern. Und das seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten. Zu Ruhm und Ehre haben wir es gebracht. Und zu Wohlstand. Erst recht seit die Überstunden auch standesgemäss vergütet werden. Einfach kumulieren und auszahlen lassen – zack, hat man zusammen mit einer schönen Abfindung eine anständige Summe beieinander.
Das war allerdings nicht immer so. Früher hat man noch geschuftet, Überstunden gemacht. Zum Beispiel im März 1975, der Geburtsstunde des Shoppylands. Da durfte in den ersten Jahren nach der Eröffnung an  vier Abenden pro Woche länger gearbeitet werden. Man stelle sich das einmal vor: Vier Mal Abendverkauf pro Woche, bis 21 Uhr. Zusätzlich öffnete das Shoppy am Montagmorgen bereits um 10 Uhr seine Pforten; in einer Zeit, als die Läden in der Stadt zu besagterMorgenstunde noch ausnahmslos dicht waren. Es wurde also fast pausenlos gewerkt und gewirkt. Ohne zu motzen, schliesslich war man froh, dass man Arbeit hatte, sich verwirklichen konnte. Überstunden waren selbstverständlich, und wurden vor allem nicht tagelang thematisiert. Und heute? Wehe der Ungerechtigkeit, wenn jemand ein paar Minuten länger am Arbeitsplatz sein muss, ohne dafür entschädigt zu werden. Heisst das jetzt, dass früher alles besser war?

PS. Übrigens konnte man 1975 im Shoppy während 65,5 Stunden einkaufen; 2009 sind es drei Stunden weniger…

beatrdt am Dienstag den 11. August 2009 um 11:27 Uhr

Für Stadt und Land

Die Stadtflucht scheint auch ein Stadtfluch zu sein. Einkaufs- und Erlebniscenter sowie Möbelmeilen an der Peripherie sind in. Diese locken mit Superangeboten, totaler Unterhaltung und ausreichend Parkplätzen die Klientel aus der Metropole. Zugegeben: Ich beneide sie nicht, die Spezialgeschäfte in der Berner Innenstadt.

Es wird wirklich viel unternommen, um ihnen das Leben schwer zu machen. Vor allem die Ablehnung des motorisierten Verkehrs und das schlicht nicht vorhandene und wenn überhaupt masslos überteuerte Parkplatzangebot sowie die zahlreich aufgerissenen Strassen kommen uns im Shoppyland zugute. Aber ist das wirklich alles, die einzig wahren Gründe, warum sich immer mehr Leute in «ländlichen» Einkaufscentren wie im Shoppyland mit allem Wichtigen eindecken? Vielleicht gibt es ja auch noch anderes, das die Konsumenten abhält, im Zentrum des Unesco-Welterbes einzukaufen? Zum Beispiel das Innere vieler Läden, das an eines der zig Museen in Bern erinnert. Oder sollte nach Meinung vieler gar die ganze Stadt als Museum betrachtet und genutzt werden?

Und last but not least die nicht zu vergessende, unablässige Demonstrationsflut mit Hindernissen an allen Fronten. Ich persönlich wünsche den Berner Spezialgeschäften Zuversicht, viel Durchhaltewillen und eine grosse Portion Optimismus. Nicht zuletzt mir zuliebe, denn auch ich gehöre zu jenen, die in der womöglich schönsten Stadt der Welt ab und zu hübsche Dinge einkaufen oder eines der zahlreichen Gastronomielokale aufsuchen.

Karl Gorsatt (52) ist Leiter Einkaufscenter in der Genossenschaft Migros Aare. Täglich berichtet er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint, aus dem Shoppyland-Alltag.

beatrdt am Dienstag den 11. August 2009 um 07:32 Uhr

Auf dem roten Teppich

Ein- bis zweimal im Jahr findet im «Bellevue» ein offizieller Staatsbesuch statt. Für alle ein spezieller Anlass, repräsentieren wir doch mit unserer Arbeit die Schweiz.

Für uns beginnt ein Staatsbesuch Monate im Voraus mit der Zimmereinteilung oder der Besprechung der Menüs. Jedes Detail wird mit dem Protokoll des EDA koordiniert. Improvisation ist an einem solchen Tag fehl am Platz. Kurz vor Ankunft des hohen Gastes bleibtz keine Zeit, den roten Teppich zu reinigen oder Blumen in den Landesfarben des Gastes zu organisieren.

Da stellt sich eher die Frage, ob es auf dem Teppich der Suite wieder Fussspuren hat, weil die Sicherheitsleute durchgelaufen sind, oder ob die Früchteplatte auch wirklich keine Früchte enthält, auf die der Gast allergisch sein könnte. Während der Staatsgast vom Hoteldirektor begrüsst wird, laufen in der Küche und im Service die Vorbereitungen für das Galadinner auf Hochtouren. Ein Staatsdinner zu servieren erfordert von allen Beteiligten höchste Konzentration. Umso schöner, wenn nach einem gelungenen Abend der Bundespräsident in der Küche erscheint, um zu danken.

Urs Grimm (33) ist Vizedirektor des Hotel Bellevue-Palace. Er berichtet in dieser Kolumne, die online als Blog erscheint, aus dem «Bellevue»-Alltag.

beatrdt am Montag den 10. August 2009 um 10:23 Uhr

Das Hotel ist eine Bühne

Hotellerie ist mehr als nur schlafen! Schöne Räume sind das eine, im Bellevue treffen sich Leidenschaft und Emotion. Das Haus lebt für Menschen. Wir verstehen uns nicht als steifes Staatshotel, sondern als Bühne für Politiker, Geschäftsleute, verliebte Pärchen, für alle die etwas zu feiern haben, oder als trendiger Treffpunkt, wo man Freunde zum Martini trifft. Wie in einem Theaterstück gehören kreative Inszenierungen wie die märchenhafte Weihnachtsdekoration, die floralen Elemente, der richtige Gäste-Mix oder auch die Garderobe zum Konzept (letztere darf durchaus auch légère sein). In allen grossen Metropolen schreiben Grand Hotels Geschichte und haben ihren festen Platz. Auch Bern darf stolz auf sein Bellevue sein. Schwellenangst ist daher unser grösster Feind. Grundlos, denn mit dem Umbau der Bellevue Bar wurde ein grosser Schritt zur Öffnung getan, und mit dem Facelifting der Lobby wird diese ab Herbst «tout Bern» als neuer Begegnungsort zur Verfügung stehen.  Bern darf sich mit gutem Gewissen hauptstädtischer geben. Urbaner Lifestyle tut auch der Hauptstadt gut.

beatrdt am Donnerstag den 6. August 2009 um 13:30 Uhr

Das Stauwerk

Die Ferienzeit geht zu Ende, und ab Montag geht es wieder los: Auto um Auto, Laster um Laster im Grauholz-Stau. Weshalb eigentlich, weiss niemand so genau.

Klar ist einzig: Es wird gebaut. Aber was gebaut wird, warum gebaut wird und vor allem bis wann gebaut wird, ist schleierhaft. Bei uns im Shoppyland wird auch gebaut. Doch immerhin wissen wir, was und warum gebaut wird. Und vor allem: Dass es dabei keinen Stau gibt.

Wie aber könnte man den Grauholz-Stau vermindern oder auflösen? Sollte man wie bei der SBB die Pendler belohnen, die später als um 9 Uhr durch den Knotenpunkt rauschen? Müssten gar die Fahrten beschränkt werden und an einzelnen Tagen nur Autos mit geraden, an anderen mit ungeraden Nummern durchgelassen werden? Wir vom Shoppyland haben uns natürlich auch Gedanken gemacht, was wir zur Lösung dieser Situation beitragen könnten und schlagen vor: Wie wärs, wenn zum Beispiel nur die Hälfte aller Grauholz-Durchquerer bei uns einen Stopp einlegen würde? Bei uns auf einen Kaffee vorbeikommen, ein neues Hemd kaufen oder sich Hundefutter unter die Arme klemmen? Ehrlich, das Problem wäre halb so schlimm; und die ungeliebte Fahrzeugkolonne würde sich im Nu auflösen. Wir könnten uns dann nebst dem attraktivsten auch noch als das einzige «Drive-Through-Einkaufscenter» bezeichnen. Und das geht so: Sie fahren bei uns vor, bestellen einen neuen Fernseher, Ihr Znüni-Brot oder einen neuen Anzug und fahren von dannen. Ohne Stau.

Karl Gorsatt (52) ist Leiter Einkaufscenter in der Genossenschaft Migros Aare. Täglich berichtet er in seiner Kolumne, die online als Blog erscheint, aus dem Shoppyland-Alltag.



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